Do, 08:46 Uhr
31.01.2008
Wer soll die noch wählen?
Die SPD ist ein munter Ding, zumindest die in Thüringen. Und: zumindest für den interessierten Beobachter. Die Ermunterungen erreichten in den vergangenen Tagen ihre Höhepunkte...
Fast könnte man meinen, die SPD hat die Politik zur Narretei gemacht und nicht – wie es traditionell sein sollte – die Narren die Politik. Denn wie soll man die Meldungen allein in dieser Woche sonst noch deuten.
1. Meldung: 13 von 24 Vorstandsmitgliedern der SPD stützen Richard Dewes. Peng – das saß. Sofort steht Christoph Matschie hinter Mikrofon und Fernsehkamera und macht den Gelassenen. Wer jedoch aufmerksam in das Gesicht des Jenaers geschaut hat: Alles nur Fassade, fast roboterhaft redet er die 20 Sekunden herunter. Die Frage - zur Ausgewogenheit der mdr-Berichterstattung - an Herrn Dewes bleibt aus, fast wie immer – leider aus journalistischer Sicht.
2. Meldung per Mail, gestern Abend, verteilt von Uwe Höhn: Darin wird mitgeteilt, daß 14 Chefs der 23 Kreisverbände der SPD hinter dem Parteichef Matschie stehen.
Da soll einer aus dieser Volkspartei noch schlau werden, die in der nun sechsgrößten Thüringer Stadt, in Nordhausen, nicht einmal 100 Mitglieder hat. Soll man diese Partei wählen? Im Oktober des vergangenen Jahres wollten das nur 15,8 Prozent der nnz-Leser, für die Linken entschieden sich zum Beispiel 27,8 Prozent. Bei vielen Menschen im Osten steht SPD für Agenda 2010, für Hartz IV und all die schlimmen Folgen für die Betroffenen. Das sitzt tief, auch weil die SPD im Lande beim Volk nicht wahrgenommen wird, schon gar nicht als Oppositionspartei.
Und wie ist es mit Herrn Matschie, der ja gemeinhin als Wortführer der Opposition im Landtag gelten will, bei einem 2004er Wahlergebnis von 14,5 Prozent? War es nicht jener Christoph Matschie, der immer brav – wie ein Parteisoldat – die Berliner Linie vertrat und vermutlich immer froh ist, wenn er in der zweiten Reihe im Willy Brandt Haus stehen darf, wie er jüngst Anfang dieser Woche. Da mag er noch so brillante Rede im Plenarsaal halten, wer vom Wahlvolk erfährt davon, wer hört zu?
Und da ist Richard Dewes, der Polit-Vorruheständler. Der sich aus allen Ämtern zurückgezogen hatte, auch, weil er sich nicht unterordnen wollte, schon gar nicht dem damaligen Fraktionsvorsitzenden. Da hält es Dewes fast wie La Fontaine – beide haben die gleiche Heimat. Beide tauchen erst ab, dann wieder auf. Warum die Matschie-Stürzer unbedingt auf Richard-Dewes kamen? Keiner weiß es ganz genau, vermutlich lag es am mangelnden Personal?
Nun endlich wird auch die Thüringer SPD ein wenig im Freistaat bekannt. Selbst bei den eigenen Genossen. Die beschäftigen sich überraschenderweise wieder mit Inhalten und Positionen und: Mit Personen. Und der interessierte Rest? Der erfährt über die Medien, wo der Tross der beiden Kandidaten Station gemacht hat.
Die Frage aber bleibt: Wer soll diese Thüringer SPD im kommenden Jahr wählen? 100 Pflicht-Stimmen der Genossen werden nicht reichen, nicht einmal in Nordhausen, einer Stadt mit 44.000 Einwohnern. Nur zur Erinnerung: In der Rolandstadt gaben im Jahr 2004 lediglich 2.630 Frauen und Männer den Sozis ihre Stimme, das waren 7,3 Prozent der damals wahlberechtigten Nordhäuser.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzFast könnte man meinen, die SPD hat die Politik zur Narretei gemacht und nicht – wie es traditionell sein sollte – die Narren die Politik. Denn wie soll man die Meldungen allein in dieser Woche sonst noch deuten.
1. Meldung: 13 von 24 Vorstandsmitgliedern der SPD stützen Richard Dewes. Peng – das saß. Sofort steht Christoph Matschie hinter Mikrofon und Fernsehkamera und macht den Gelassenen. Wer jedoch aufmerksam in das Gesicht des Jenaers geschaut hat: Alles nur Fassade, fast roboterhaft redet er die 20 Sekunden herunter. Die Frage - zur Ausgewogenheit der mdr-Berichterstattung - an Herrn Dewes bleibt aus, fast wie immer – leider aus journalistischer Sicht.
2. Meldung per Mail, gestern Abend, verteilt von Uwe Höhn: Darin wird mitgeteilt, daß 14 Chefs der 23 Kreisverbände der SPD hinter dem Parteichef Matschie stehen.
Da soll einer aus dieser Volkspartei noch schlau werden, die in der nun sechsgrößten Thüringer Stadt, in Nordhausen, nicht einmal 100 Mitglieder hat. Soll man diese Partei wählen? Im Oktober des vergangenen Jahres wollten das nur 15,8 Prozent der nnz-Leser, für die Linken entschieden sich zum Beispiel 27,8 Prozent. Bei vielen Menschen im Osten steht SPD für Agenda 2010, für Hartz IV und all die schlimmen Folgen für die Betroffenen. Das sitzt tief, auch weil die SPD im Lande beim Volk nicht wahrgenommen wird, schon gar nicht als Oppositionspartei.
Und wie ist es mit Herrn Matschie, der ja gemeinhin als Wortführer der Opposition im Landtag gelten will, bei einem 2004er Wahlergebnis von 14,5 Prozent? War es nicht jener Christoph Matschie, der immer brav – wie ein Parteisoldat – die Berliner Linie vertrat und vermutlich immer froh ist, wenn er in der zweiten Reihe im Willy Brandt Haus stehen darf, wie er jüngst Anfang dieser Woche. Da mag er noch so brillante Rede im Plenarsaal halten, wer vom Wahlvolk erfährt davon, wer hört zu?
Und da ist Richard Dewes, der Polit-Vorruheständler. Der sich aus allen Ämtern zurückgezogen hatte, auch, weil er sich nicht unterordnen wollte, schon gar nicht dem damaligen Fraktionsvorsitzenden. Da hält es Dewes fast wie La Fontaine – beide haben die gleiche Heimat. Beide tauchen erst ab, dann wieder auf. Warum die Matschie-Stürzer unbedingt auf Richard-Dewes kamen? Keiner weiß es ganz genau, vermutlich lag es am mangelnden Personal?
Nun endlich wird auch die Thüringer SPD ein wenig im Freistaat bekannt. Selbst bei den eigenen Genossen. Die beschäftigen sich überraschenderweise wieder mit Inhalten und Positionen und: Mit Personen. Und der interessierte Rest? Der erfährt über die Medien, wo der Tross der beiden Kandidaten Station gemacht hat.
Die Frage aber bleibt: Wer soll diese Thüringer SPD im kommenden Jahr wählen? 100 Pflicht-Stimmen der Genossen werden nicht reichen, nicht einmal in Nordhausen, einer Stadt mit 44.000 Einwohnern. Nur zur Erinnerung: In der Rolandstadt gaben im Jahr 2004 lediglich 2.630 Frauen und Männer den Sozis ihre Stimme, das waren 7,3 Prozent der damals wahlberechtigten Nordhäuser.
Peter-Stefan Greiner

