Do, 20:59 Uhr
24.01.2008
nnz-doku: Bildungsempfang
Die nnz veröffentlicht an dieser Stelle die Rede von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) anläßlich des Neujahrsempfangs in der Fachhochschule Nordhausen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Mit einem herzlichen guten Abend und einem Ausspruch des großen deutschen Gelehrten Wilhelm von Humboldt begrüße ich Sie zu Beginn des neuen Jahres im Audimax der Fachhochschule.
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst unfruchtbar. Besonders begrüße ich Herrn Staatssekretär Prof. Juckenack, den amtierenden Präsidenten der Universität Erfuhrt, Herrn Prof. Dr. Rüpke und die Herren Landräte Hengstermann und Claus.
Fachhochschule und Stadt richten in diesem Jahr den Neujahrsempfang gemeinsam aus. Dafür gibt es viele gute Gründe: Platzmangel im Rathaus, das kürzlich begangene 10jährigen Jubiläum der Fachhochschule, aber es gibt noch einen ganz außerordentlichen Grund, der nach einer besonderen Würdigung verlangt. Die Fachhochschule Nordhausen wurde als eine von bundesweit 5 Hochschulen und einzige aus Thüringen vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative ausgezeichnet. Das ist ein Riesenerfolg
Ich denke, dass ich in Ihrer aller Namen der Fachhochschule zu diesem großartigen Ergebnis gratulieren darf. Es scheint im Trubel der Weihnachtszeit in seiner vollen Bedeutung von vielen nicht wahrgenommen worden zu sein. Mit dieser Positionierung der Fachhochschule unter den TOP five in Deutschland wird ihr Ruf weiter verbessert und die Stellung der Stadt Nordhausen als führender Bildungsstandort im Norden des Freistaates Thüringen eindrucksvoll gestärkt.
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst unfruchtbar. Dieser Ausspruch Wilhelm von Humboldts kann uns im vor uns liegenden Jahr Anstöße und Anregungen geben, unser Wissen und unsere Erfahrung fruchtbar zu machen für neues Denken. Denn nur wenn Wissen als statischer Besitz in Denken als ein dynamischer Prozess umgesetzt wird, kann etwas Zukunftsfähiges entstehen. Der Ausspruch kann uns ermahnen, aus eingefahrenen Gleisen und Denkmustern herauszufinden, so wie es die Fachhochschule eindrücklich gezeigt hat. Sie hat auf Kooperation gesetzt und damit ihre Potenzen gestärkt – ein zukunftsfähiges Model. Dass wir das Jahr 2008 mit Wilhelm von Humboldt beginnen, hat natürlich einen ganz besonderen Grund.
Wir feiern im Sommer dieses Jahres das 200jährige Jubiläum unseres traditionsreichen Humboldt-Gymnasiums. In der Tradition des Spangenbergschen Gymnasiums von 1524 wurde damals die Höhere Töchterschule als Vorläuferin des späteren Städtischen Oberlyzeums Königin Luise gegründet. Als staatliches Humdboldt-Gymnasium wird diese Bildungsstätte bis heute erfolgreich fortgeführt. Trotz unterschiedlicher Trägerschaft soll die traditionsreiche Bindung an die Stadt in diesem Jahr mit einer Kooperationsvereinbarung gestärkt werden.
Grund genug, dem Leben und Wirken dieses großen deutschen Gelehrten, dieses außergewöhnlichen Staatsmannes, des Diplomaten für Freiheit und Frieden, wie er genannt wurde, nachzuspüren. Als der große Bildungsreformer ist er den meisten von uns bekannt und hat sich als Gründer der Humboldt-Universität um die Bildung in Deutschland dauerhaft verdient gemacht. Dass er mit seiner Frau Caroline von Dacheröden hier in Auleben vor den Toren unserer Stadt eine Zeit lang lebte, um in der Abgeschiedenheit seine Forschungen zu vertiefen, stellt für uns den besonderen regionalen Bezug her. Doch was verbindet uns heute nach 200 Jahren noch mit Wilhelm von Humboldt? Hatte er Erkenntnisse, die uns heute helfen können, unsere Aufgaben besser zu lösen?
Wilhelm von Humboldt erlebte und gestaltete einen tiefgreifenden dramatischen Epochenwandel, einen Wandel, wie wir ihn, wenn auch in gänzlich anderer Gestalt in den letzten Jahren selbst erlebt haben. Damals gerieten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen in Bewegung, getrieben von den Ideen der Aufklärung. In Frankreich zerbrach eine jahrhunderte alte starre Gesellschaftsordnung durch die Revolution. Von Humboldt erlebte die erste Nationalversammlung in Paris. Er erlebte den Übergang von einer ständisch feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft. Die Anforderungen an einen Staat hatten sich grundsätzlich geändert.
Wenn Theodor Fontane damals formulierte: Preußen sei eine Armee, die sich einen Staat hält, so stellt er dem später entschieden dagegen: für Preußen stehen nun Kant und Hardenberg, Stein und die Gebr. Humboldt, Bismarck, Hegel, Kleist und Schinkel. Sie setzen die entscheidenden Reformen in Gang. Durch Veränderung das Gute bewahren, war ihr Wahlspruch. Ihre Namen stehen für die Strahlkraft einer Reformidee der friedlichen Veränderung und Gestaltung überlebter Strukturen. Sie wollten nicht nur eine Staatskrise überwinden, sondern hatten die Vision einer Gesellschaft, in der sich jeder seinem Wesen gemäß frei entfalten kann. Sie alle traten aus der statischen Rolle der Beobachter heraus und wurden zu Gestaltern der neuen Idee.
Auch wir haben im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert revolutionäre Umbrüche erlebt, den Fall des eisernen Vorhangs, die friedliche Revolution von 1989, den gesamten Umbruch in Osteuropa. Ein in seiner Starrheit gefesseltes System zerbrach. Dass der Wandel viele Chancen aber auch Zumutungen brachte und noch immer bringt, haben wir alle selbst erlebt. Die notwendigen Strukturreformen sind längst nicht abgeschlossen. In manchen Bereichen erleben wir, dass die Rolle rückwärts uns als Fortschritt gepriesen wird. Bei den Stichworten Familienpolitik, Kulturpolitik, Bildungspolitik, Sicherheitspolitik und aktuell die Wirtschafts- und Subventionspolitik leuchten längst die roten Lampen auf. Der tragische Fall von Bike-Systems hier in Nordhausen oder von Nokia in unserer Partnerstadt Bochum zeigt dringenden politischen Handlungsbedarf.
Mit der Wende übernahmen wir ein Bildungssystem, das in großen Teilen von Wilhelm von Humboldt geschaffen wurde, allerdings für die Anforderungen des 19. Jahrhunderts und selbst da sind ein Teil seiner revolutionären Ideen noch immer nicht umgesetzt. So stellte unser Bundespräsident auch in seiner Festrede zum 250. Geburtstag von Freiherr vom Stein, dem Zeitgenossen und Mitstreiter Wilhelm von Humboldts, fest: Wir wähnten uns weit weg von der feudalen Gesellschaft und durch Herkunft und Geburt bestimmte Lebenswege. Jetzt haben wir es dank Pisa-Studien schwarz auf weiß, dass es bei uns auch heute noch ererbte Privilegien gibt. Denn anders kann man es doch nicht nennen, wenn vier von fünf Akademiker-Kindern studieren, aber nur eins von fünf Kindern mit Eltern ohne akademischen Grad. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir in punkto frühkindlicher Bildung den Status eines Entwicklungslandes haben, dass unser Schulsystem Begabungen verkümmern lässt und dass unsere Hochschulen in Spitze und Breite ein gutes Stück von der Exzellenz entfernt sind, die wir brauchen, um im internationalen Vergleich erfolgreich zu bleiben.
Wie sehr sich Investitionen in Bildung lohnen, zeigten damals Humboldts Reformen. Sie brachten eine in Sachen Bildung rückständige Bevölkerung an die europäische Spitze und die Wirtschaftskraft des Landes konnte dadurch Spitzenleistungen hervorbringen.
Das Anliegen Humboldts, dass auch die Angehörigen der damaligen unteren Schichten ihre Talente ausbilden und zum Wohle aller einsetzen können, ist heute noch genauso aktuell und geboten wie damals.
Nicht nur die demografische Entwicklung gebietet es, jedem Kind entsprechend seinen Möglichkeiten Bildungswege zu eröffnen, sondern gerade auch der humanistische Gedanke der Aufklärer um Kant, Hegel und Humboldt, der die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Es ist bereits ein großer Fortschritt, dass der bildungspolitische Befund, wie ihn der Bundespräsident formuliert hat, in der Gesellschaft auf breite Zustimmung gestoßen ist. Immer wieder kamen die notwendigen Anstöße besonders aus dem Bereich der Wirtschaft. So formulierte der BDI auf seiner Jahrestagung: Qualitätsdefizite und soziale Selektion sind für Deutschland mit seinem Anspruch auf demokratische Teilhabe und Chancen-gleichheit sowie seiner leistungsfähigen exportorientierten Wirtschaft nicht hinnehmbar.
Für uns stellt sich zu Beginn des neuen Jahres die Frage: Was tun wir vor Ort, um das richtig Erkannte in die Tat umzusetzen? Und war der eingeschlagene Weg der letzten Jahre der richtige?
Im Jahre 2007 stand der Schuldenabbau an erster Stelle, um im investiven Bereich wieder besser agieren zu können. Es gelang uns, den Fehlbestand um mehr als 4 Mio. Euro abzubauen und die Kredittilgung um 2,7 Mio. Euro zurückzufahren. Dadurch können wir auf die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung der Städte unserer Größe verweisen. Der zweite Schwerpunkt des vergangenen Jahres war die Sanierung der Schulen und Kindergärten.
Beides sind Investitionen in die Zukunft, weil sie der nächsten Generation zugute kommen. Insbesondere die 2 Millionen für unsere Kinder- und Bildungseinrichtungen unterstreichen den Anspruch, der führende Bildungsstandort in Nordthüringen zu sein!
In diesem Rahmen nimmt auch der neue Berufsschulstandort an der Morgenröte einen hervorragenden Platz ein. In Zukunft wird es hier besonders darauf ankommen, den regionalen Bedarf auch im Einklang mit der Wirtschaft durch entsprechende Ausbildungsangebote zu untersetzen. Auch in diesem Jahr werden wir weiter in Bildung investieren, um die Lernbedingungen für unsere Kinder zu verbessern.
Das bezieht sich vor allen Dingen auf Sanierungsarbeiten an den Kindergärten sowie an den Schulen Niedersalza, Nordhausen-Ost, der Förderschule Nordhausen-Ost und Petersdorf. Zum anderen werden wir mit der Komplettsanierung der Lessing-Schule wieder einen großen Brocken schultern. Beim Umbau werden Energie-Spar-Aspekte sowie eine kind- und lerngerechte Gestaltung den Schwerpunkt bilden. Damit wird der Investitionsstau an den Schulgebäuden erheblich gesenkt. Es ist absehbar, dass alle Schulstandorte, die entsprechend unserer Schulnetzplanung mindestens bis 2020 Bestand haben, modernisiert und an den Bedarf angepasst sind.
Nun sind die passenden baulichen Rahmenbedingungen für Bildung die eine Seite der Medaille. Aber genauso wichtig, ist das, was in den Bildungseinrichtungen angeboten wird. Doch in der Diskussion um Lerninhalte und pädagogische Konzepte betritt man ein unübersichtliches Feld, ein Gestrüpp von Bundes-, Landes und Kommunalzuständigkeiten, in dem wir als Kommune zwar Schulträger sein dürfen, aber inhaltlich außen vor sind. Wir wollen die Lücken im Dickicht nutzen und vor allen Dingen an der Vernetzung schulischer, jugendkultureller, sportlicher und sozialer Angebote arbeiten. Dazu richten wir in Kürze die Stelle eines Bildungskoordinators ein. Hier wird eine enge Verbindung von Schulamt, Schulträger, Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit angestrebt. So kann eine lokale Bildungslandschaft entstehen, die ganz im Humboldtschen Sinne Bildung als umfassende Aufgabe versteht.
Den schwerwiegendsten Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Stadt haben im vergangenen Jahr jedoch die Nordhäuserinnen geleistet: Sie haben 325 Kinder zur Welt gebracht.
Die positive Entwicklung bei den Geburten freut sicher auch Sie, meine Damen und Herren, denn noch immer ist die einheimische Bevölkerung das wichtigste Potenzial für die Fachkräfte von morgen und übermorgen. Ich freue mich in diesem Zusammenhang, dass die LEG das sich abzeichnende Fachkräfteproblem mit dem Projekt Fachkräfteservice in Nordhausen lösen will.
Das ist wichtig, weil unsere Stadt im letzten Jahr einen deutlichen wirtschaftlichen Aufwind erfahren hat. Nebenan ist richtig was los, stand jetzt in der Zeitung und gemeint war die Entwicklung der Nordhäuser Wirtschaft aus dem Blickwinkel des Kyffhäuserkreises. Das ist richtig. Das neue Jahr begann mit vielen guten Nachrichten, dem Spatenstich für eine neue Produktionshalle, vollen Auftragsbüchern in den Nordhäuser Unternehmen und einem Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen.
Alle genannten Fakten zeigen: Die Stadt Nordhausen wird für Unternehmensansiedlungen interessanter mit zunehmender Fertigstellung der A38. Im letzten Jahr konnten wir für zwei Unternehmen erfolgreich die Standortentwicklung abschließen. Da die Stadt nur noch über Flächenangebote zw. 4 und 6 ha verfügt, muss in diesem Jahr das Industriegebiet Goldene Aue im ersten Bauabschnitt erschlossen werden. Die Planungen sind weitestgehend abgeschlossen. Ein Drittel der Flächen sind im Eigentum der LEG. Wir hoffen, dass uns der Freistaat bei diesem Vorhaben weiter unterstützt, denn erst dann haben wir in der Region die Möglichkeit, größere Flächennachfragen zu bedienen. Zurzeit bearbeitet unsere Wirtschaftsförderung verschiedene Anfragen. So hoffe ich, auch im Jahr 2008 den Spatenstich für einen produzierenden Industriebetrieb machen zu können.
Wenn es um Wirtschaft geht, sind wir auch als Stadt mit unseren Kommunalbetrieben und Verbänden ein wichtiger Partner. Unsere Unternehmen sind in mehrfacher Hinsicht potente Partner als Arbeitgeber, Steuerzahler, Investor und als Dienstleister der Daseinsvorsorge für die Menschen. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Energieversorgung. Die beste Nachricht: Weit über 90 Prozent aller Nordhäuser sind Kunden der EVN. Dies zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus. Für diese Kunden fällt die bundesweite Preissteigerungsrunde zu Jahresbeginn weg, weil die EVN die Preise stabil halten kann. Darüber hinaus kommen die Gewinne der EVN allen Menschen dieser Stadt direkt zugute, weil sie im regionalen Wirtschaftskreislauf bleiben und dafür sorgen, dass unsere Straßenbahn fahren kann.
Damit leistet jeder Kunde der EVN auch einen direkten Beitrag zu einem gesunden Stadtklima, denn die Straßenbahn erzeugt keinen CO2 –Ausstoß. Mit dem Entschluss, die Energienetze unserer Ortschaften von EON aufzukaufen, haben wir eine strategisch wichtige Entscheidung getroffen, die uns mehr Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen gibt. Deren satte Gewinne kreisen in den internationalen Geldmärkten, ohne dass die Kunden vor Ort davon profitieren werden. Dieses Beispiel steht dafür, dass es falsch wäre, kommunale Unternehmen zu privatisieren. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: In den Aufsichtsräten sitzen die gewählten Vertreter der Bürgerschaft und so entscheidet letztlich die Bürgergesellschaft selbst, ob und wie investiert wird , ob und wie Arbeitsplätze geschaffen werden, und vor allem: wohin die Gewinne fließen. Ein solches Pfund darf man nicht aus der Hand geben.
Deshalb ist es nur folgerichtig, dass Stadt und Landkreis nun auch nach gemeinsamen kommunalen Lösungen im Bereich der Abfallentsorgung suchen, nachdem der privatwirtschaftliche Ansatz nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat.
Auch beim Blick auf die baulichen Veränderungen in der Innenstadt rund ums Rathaus, ist es mit der SWG wiederum ein kommunaler Akteur, der Akzente setzt. In diesen Tagen beginnen dort die Vorbereitungsarbeiten für den Bau der Tiefgarage und der 2. Bauabschnitt der Wohnungssanierung.
Auch der Wasserverband blickt inzwischen auf eine Erfolgsgeschichte zurück: 11 Jahre konstante Gebühren, trotz Neubau des Wasserwerkes mit modernsten ultrafeinen Membranfiltern. Wir freuen uns auf die Inbetriebnahme in diesem Frühjahr.
Nach der notwendigen Vorplanung kann nun auch in diesem Jahr mit dem Bau des Einkaufszentrums am Pferdemarkt begonnen werden. Damit kann Nordhausen seine überregionale Bedeutung als Handelszentrum weiter stärken. So ist die Einkaufsstadt Nordhausen gut für die Zukunft aufgestellt. Allerdings gehört dazu, dass sich die Einzelhändler der Innenstadt bewegen lassen, wieder eine gemeinsame Interessengemeinschaft zu gründen, denn der Handel ist eine der wichtigsten Funktionen der Innenstadt. Aber auch jene Gebiete, die nicht unmittelbar im Herzen der Stadt liegen, werden weiter unsere Aufmerksamkeit haben, besonders, wenn sie wichtig für die Geschichte unserer Stadt sind. So hat sich die SWG der liebevollen Instandsetzung zweier Stadtvillen angenommen. Noch in diesem Jahr hoffen wir die Villa Lindenhof am Gehege vom Krankenhaus zu übernehmen und sie vor dem Verfall zu retten. Ebenfalls wird das Gebäude der Flohburg einer Stabilitäts- und Schönheitskur unterzogen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, in Nordhausen lässt es sich gut leben, sagte mir kürzlich eine Berlinerin am Rande einer Theatervorstellung. Mit den neuen Ortsteilen Petersdorf, Rodishain und Stempeda ist Nordhausen noch einmal vielfältiger und schöner geworden und hat an landschaftlicher Attraktivität gewonnen. Wir wissen dieses Geschenk der Vielfalt zu schätzen und werden uns weiter unseren Ortsteilen widmen, der Dorferneuerung in Rodishain und Hesserode, bei Sanierungsarbeiten in Steigerthal und Sundhausen oder beim Radwegebau und der Gewässerunterhaltung.
Mit den neuen Einwohnern hat sich Nordhausen gestärkt. Seit 31. Dezember 2007 sind wir wieder 44.000 Einwohner! Hinzu kommt, dass sich der Trend des Bevölkerungsrückganges deutlich abgeschwächt hat. Wir hoffen, dass sich Zuzug und Wegzug bald die Waage halten. Dafür wird natürlich ausschlaggebend sein, ob unsere Stadt mit einer prosperierenden Wirtschaft, mit Handel und Dienstleistung, Kultur und Bildung jungen Menschen eine Zukunft bieten kann. Die Aussichten sind gut, vor allem, weil Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren mit viel Engagement und Tatkraft hier vor Ort arbeiten und ihre Visionen Wirklichkeit werden lassen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Was bei Ihnen geübte Praxis ist – denn sonst könnten Ihre Unternehmen und Einrichtungen nicht überleben – müssen unsere jungen Menschen noch lernen. Es ist an uns, bei Ihnen die Lust wecken, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Vieles von Humboldts Gedanken bleibt auch heute erstrebenswert: Den einzelnen Menschen in die Lage versetzen, in einer sich wandelnden Welt gut für sich und andere zu sorgen - eben Ertüchtigung und Befähigung durch Bildung. Dazu wollen wir auch 2008 etwas beitragen. In diesem Zusammenhang einen kleinen Vorschlag: Wäre es nicht der Anstrengung wert, auch bei uns den Bundeswettbewerb Jugend forscht aktiv zu unterstützen? Ich denke da an eine Initiative von Fachhochschule, Verband der Wirtschaft, Landratsamt und Stadtverwaltung. Es müsste uns doch gelingen, mehr junge Menschen als bisher dafür zu begeistern, wenn wir sie beim Finden von Ideen mit geeigneten Mentoren unterstützen. Wie groß der Wissensdurst ist, hat die Lange Nacht der Wissenschaften an der Fachhochschule eindeutig bewiesen. So blicke ich optimistisch ins neue Jahr und schließe mit einem ebenso bedeutenden Satz von Humboldt: Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.
Autor: nnzMeine sehr geehrten Damen und Herren,
Mit einem herzlichen guten Abend und einem Ausspruch des großen deutschen Gelehrten Wilhelm von Humboldt begrüße ich Sie zu Beginn des neuen Jahres im Audimax der Fachhochschule.
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst unfruchtbar. Besonders begrüße ich Herrn Staatssekretär Prof. Juckenack, den amtierenden Präsidenten der Universität Erfuhrt, Herrn Prof. Dr. Rüpke und die Herren Landräte Hengstermann und Claus.
Fachhochschule und Stadt richten in diesem Jahr den Neujahrsempfang gemeinsam aus. Dafür gibt es viele gute Gründe: Platzmangel im Rathaus, das kürzlich begangene 10jährigen Jubiläum der Fachhochschule, aber es gibt noch einen ganz außerordentlichen Grund, der nach einer besonderen Würdigung verlangt. Die Fachhochschule Nordhausen wurde als eine von bundesweit 5 Hochschulen und einzige aus Thüringen vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Rahmen der Exzellenzinitiative ausgezeichnet. Das ist ein Riesenerfolg
Ich denke, dass ich in Ihrer aller Namen der Fachhochschule zu diesem großartigen Ergebnis gratulieren darf. Es scheint im Trubel der Weihnachtszeit in seiner vollen Bedeutung von vielen nicht wahrgenommen worden zu sein. Mit dieser Positionierung der Fachhochschule unter den TOP five in Deutschland wird ihr Ruf weiter verbessert und die Stellung der Stadt Nordhausen als führender Bildungsstandort im Norden des Freistaates Thüringen eindrucksvoll gestärkt.
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Das Wissen bleibt sonst unfruchtbar. Dieser Ausspruch Wilhelm von Humboldts kann uns im vor uns liegenden Jahr Anstöße und Anregungen geben, unser Wissen und unsere Erfahrung fruchtbar zu machen für neues Denken. Denn nur wenn Wissen als statischer Besitz in Denken als ein dynamischer Prozess umgesetzt wird, kann etwas Zukunftsfähiges entstehen. Der Ausspruch kann uns ermahnen, aus eingefahrenen Gleisen und Denkmustern herauszufinden, so wie es die Fachhochschule eindrücklich gezeigt hat. Sie hat auf Kooperation gesetzt und damit ihre Potenzen gestärkt – ein zukunftsfähiges Model. Dass wir das Jahr 2008 mit Wilhelm von Humboldt beginnen, hat natürlich einen ganz besonderen Grund.
Wir feiern im Sommer dieses Jahres das 200jährige Jubiläum unseres traditionsreichen Humboldt-Gymnasiums. In der Tradition des Spangenbergschen Gymnasiums von 1524 wurde damals die Höhere Töchterschule als Vorläuferin des späteren Städtischen Oberlyzeums Königin Luise gegründet. Als staatliches Humdboldt-Gymnasium wird diese Bildungsstätte bis heute erfolgreich fortgeführt. Trotz unterschiedlicher Trägerschaft soll die traditionsreiche Bindung an die Stadt in diesem Jahr mit einer Kooperationsvereinbarung gestärkt werden.
Grund genug, dem Leben und Wirken dieses großen deutschen Gelehrten, dieses außergewöhnlichen Staatsmannes, des Diplomaten für Freiheit und Frieden, wie er genannt wurde, nachzuspüren. Als der große Bildungsreformer ist er den meisten von uns bekannt und hat sich als Gründer der Humboldt-Universität um die Bildung in Deutschland dauerhaft verdient gemacht. Dass er mit seiner Frau Caroline von Dacheröden hier in Auleben vor den Toren unserer Stadt eine Zeit lang lebte, um in der Abgeschiedenheit seine Forschungen zu vertiefen, stellt für uns den besonderen regionalen Bezug her. Doch was verbindet uns heute nach 200 Jahren noch mit Wilhelm von Humboldt? Hatte er Erkenntnisse, die uns heute helfen können, unsere Aufgaben besser zu lösen?
Wilhelm von Humboldt erlebte und gestaltete einen tiefgreifenden dramatischen Epochenwandel, einen Wandel, wie wir ihn, wenn auch in gänzlich anderer Gestalt in den letzten Jahren selbst erlebt haben. Damals gerieten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen in Bewegung, getrieben von den Ideen der Aufklärung. In Frankreich zerbrach eine jahrhunderte alte starre Gesellschaftsordnung durch die Revolution. Von Humboldt erlebte die erste Nationalversammlung in Paris. Er erlebte den Übergang von einer ständisch feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft. Die Anforderungen an einen Staat hatten sich grundsätzlich geändert.
Wenn Theodor Fontane damals formulierte: Preußen sei eine Armee, die sich einen Staat hält, so stellt er dem später entschieden dagegen: für Preußen stehen nun Kant und Hardenberg, Stein und die Gebr. Humboldt, Bismarck, Hegel, Kleist und Schinkel. Sie setzen die entscheidenden Reformen in Gang. Durch Veränderung das Gute bewahren, war ihr Wahlspruch. Ihre Namen stehen für die Strahlkraft einer Reformidee der friedlichen Veränderung und Gestaltung überlebter Strukturen. Sie wollten nicht nur eine Staatskrise überwinden, sondern hatten die Vision einer Gesellschaft, in der sich jeder seinem Wesen gemäß frei entfalten kann. Sie alle traten aus der statischen Rolle der Beobachter heraus und wurden zu Gestaltern der neuen Idee.
Auch wir haben im Übergang vom 20. zum 21. Jahrhundert revolutionäre Umbrüche erlebt, den Fall des eisernen Vorhangs, die friedliche Revolution von 1989, den gesamten Umbruch in Osteuropa. Ein in seiner Starrheit gefesseltes System zerbrach. Dass der Wandel viele Chancen aber auch Zumutungen brachte und noch immer bringt, haben wir alle selbst erlebt. Die notwendigen Strukturreformen sind längst nicht abgeschlossen. In manchen Bereichen erleben wir, dass die Rolle rückwärts uns als Fortschritt gepriesen wird. Bei den Stichworten Familienpolitik, Kulturpolitik, Bildungspolitik, Sicherheitspolitik und aktuell die Wirtschafts- und Subventionspolitik leuchten längst die roten Lampen auf. Der tragische Fall von Bike-Systems hier in Nordhausen oder von Nokia in unserer Partnerstadt Bochum zeigt dringenden politischen Handlungsbedarf.
Mit der Wende übernahmen wir ein Bildungssystem, das in großen Teilen von Wilhelm von Humboldt geschaffen wurde, allerdings für die Anforderungen des 19. Jahrhunderts und selbst da sind ein Teil seiner revolutionären Ideen noch immer nicht umgesetzt. So stellte unser Bundespräsident auch in seiner Festrede zum 250. Geburtstag von Freiherr vom Stein, dem Zeitgenossen und Mitstreiter Wilhelm von Humboldts, fest: Wir wähnten uns weit weg von der feudalen Gesellschaft und durch Herkunft und Geburt bestimmte Lebenswege. Jetzt haben wir es dank Pisa-Studien schwarz auf weiß, dass es bei uns auch heute noch ererbte Privilegien gibt. Denn anders kann man es doch nicht nennen, wenn vier von fünf Akademiker-Kindern studieren, aber nur eins von fünf Kindern mit Eltern ohne akademischen Grad. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir in punkto frühkindlicher Bildung den Status eines Entwicklungslandes haben, dass unser Schulsystem Begabungen verkümmern lässt und dass unsere Hochschulen in Spitze und Breite ein gutes Stück von der Exzellenz entfernt sind, die wir brauchen, um im internationalen Vergleich erfolgreich zu bleiben.
Wie sehr sich Investitionen in Bildung lohnen, zeigten damals Humboldts Reformen. Sie brachten eine in Sachen Bildung rückständige Bevölkerung an die europäische Spitze und die Wirtschaftskraft des Landes konnte dadurch Spitzenleistungen hervorbringen.
Das Anliegen Humboldts, dass auch die Angehörigen der damaligen unteren Schichten ihre Talente ausbilden und zum Wohle aller einsetzen können, ist heute noch genauso aktuell und geboten wie damals.
Nicht nur die demografische Entwicklung gebietet es, jedem Kind entsprechend seinen Möglichkeiten Bildungswege zu eröffnen, sondern gerade auch der humanistische Gedanke der Aufklärer um Kant, Hegel und Humboldt, der die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Es ist bereits ein großer Fortschritt, dass der bildungspolitische Befund, wie ihn der Bundespräsident formuliert hat, in der Gesellschaft auf breite Zustimmung gestoßen ist. Immer wieder kamen die notwendigen Anstöße besonders aus dem Bereich der Wirtschaft. So formulierte der BDI auf seiner Jahrestagung: Qualitätsdefizite und soziale Selektion sind für Deutschland mit seinem Anspruch auf demokratische Teilhabe und Chancen-gleichheit sowie seiner leistungsfähigen exportorientierten Wirtschaft nicht hinnehmbar.
Für uns stellt sich zu Beginn des neuen Jahres die Frage: Was tun wir vor Ort, um das richtig Erkannte in die Tat umzusetzen? Und war der eingeschlagene Weg der letzten Jahre der richtige?
Im Jahre 2007 stand der Schuldenabbau an erster Stelle, um im investiven Bereich wieder besser agieren zu können. Es gelang uns, den Fehlbestand um mehr als 4 Mio. Euro abzubauen und die Kredittilgung um 2,7 Mio. Euro zurückzufahren. Dadurch können wir auf die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung der Städte unserer Größe verweisen. Der zweite Schwerpunkt des vergangenen Jahres war die Sanierung der Schulen und Kindergärten.
Beides sind Investitionen in die Zukunft, weil sie der nächsten Generation zugute kommen. Insbesondere die 2 Millionen für unsere Kinder- und Bildungseinrichtungen unterstreichen den Anspruch, der führende Bildungsstandort in Nordthüringen zu sein!
In diesem Rahmen nimmt auch der neue Berufsschulstandort an der Morgenröte einen hervorragenden Platz ein. In Zukunft wird es hier besonders darauf ankommen, den regionalen Bedarf auch im Einklang mit der Wirtschaft durch entsprechende Ausbildungsangebote zu untersetzen. Auch in diesem Jahr werden wir weiter in Bildung investieren, um die Lernbedingungen für unsere Kinder zu verbessern.
Das bezieht sich vor allen Dingen auf Sanierungsarbeiten an den Kindergärten sowie an den Schulen Niedersalza, Nordhausen-Ost, der Förderschule Nordhausen-Ost und Petersdorf. Zum anderen werden wir mit der Komplettsanierung der Lessing-Schule wieder einen großen Brocken schultern. Beim Umbau werden Energie-Spar-Aspekte sowie eine kind- und lerngerechte Gestaltung den Schwerpunkt bilden. Damit wird der Investitionsstau an den Schulgebäuden erheblich gesenkt. Es ist absehbar, dass alle Schulstandorte, die entsprechend unserer Schulnetzplanung mindestens bis 2020 Bestand haben, modernisiert und an den Bedarf angepasst sind.
Nun sind die passenden baulichen Rahmenbedingungen für Bildung die eine Seite der Medaille. Aber genauso wichtig, ist das, was in den Bildungseinrichtungen angeboten wird. Doch in der Diskussion um Lerninhalte und pädagogische Konzepte betritt man ein unübersichtliches Feld, ein Gestrüpp von Bundes-, Landes und Kommunalzuständigkeiten, in dem wir als Kommune zwar Schulträger sein dürfen, aber inhaltlich außen vor sind. Wir wollen die Lücken im Dickicht nutzen und vor allen Dingen an der Vernetzung schulischer, jugendkultureller, sportlicher und sozialer Angebote arbeiten. Dazu richten wir in Kürze die Stelle eines Bildungskoordinators ein. Hier wird eine enge Verbindung von Schulamt, Schulträger, Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit angestrebt. So kann eine lokale Bildungslandschaft entstehen, die ganz im Humboldtschen Sinne Bildung als umfassende Aufgabe versteht.
Den schwerwiegendsten Beitrag zur Zukunftsfähigkeit unserer Stadt haben im vergangenen Jahr jedoch die Nordhäuserinnen geleistet: Sie haben 325 Kinder zur Welt gebracht.
Die positive Entwicklung bei den Geburten freut sicher auch Sie, meine Damen und Herren, denn noch immer ist die einheimische Bevölkerung das wichtigste Potenzial für die Fachkräfte von morgen und übermorgen. Ich freue mich in diesem Zusammenhang, dass die LEG das sich abzeichnende Fachkräfteproblem mit dem Projekt Fachkräfteservice in Nordhausen lösen will.
Das ist wichtig, weil unsere Stadt im letzten Jahr einen deutlichen wirtschaftlichen Aufwind erfahren hat. Nebenan ist richtig was los, stand jetzt in der Zeitung und gemeint war die Entwicklung der Nordhäuser Wirtschaft aus dem Blickwinkel des Kyffhäuserkreises. Das ist richtig. Das neue Jahr begann mit vielen guten Nachrichten, dem Spatenstich für eine neue Produktionshalle, vollen Auftragsbüchern in den Nordhäuser Unternehmen und einem Rückgang bei den Arbeitslosenzahlen.
Alle genannten Fakten zeigen: Die Stadt Nordhausen wird für Unternehmensansiedlungen interessanter mit zunehmender Fertigstellung der A38. Im letzten Jahr konnten wir für zwei Unternehmen erfolgreich die Standortentwicklung abschließen. Da die Stadt nur noch über Flächenangebote zw. 4 und 6 ha verfügt, muss in diesem Jahr das Industriegebiet Goldene Aue im ersten Bauabschnitt erschlossen werden. Die Planungen sind weitestgehend abgeschlossen. Ein Drittel der Flächen sind im Eigentum der LEG. Wir hoffen, dass uns der Freistaat bei diesem Vorhaben weiter unterstützt, denn erst dann haben wir in der Region die Möglichkeit, größere Flächennachfragen zu bedienen. Zurzeit bearbeitet unsere Wirtschaftsförderung verschiedene Anfragen. So hoffe ich, auch im Jahr 2008 den Spatenstich für einen produzierenden Industriebetrieb machen zu können.
Wenn es um Wirtschaft geht, sind wir auch als Stadt mit unseren Kommunalbetrieben und Verbänden ein wichtiger Partner. Unsere Unternehmen sind in mehrfacher Hinsicht potente Partner als Arbeitgeber, Steuerzahler, Investor und als Dienstleister der Daseinsvorsorge für die Menschen. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Energieversorgung. Die beste Nachricht: Weit über 90 Prozent aller Nordhäuser sind Kunden der EVN. Dies zahlt sich in mehrfacher Hinsicht aus. Für diese Kunden fällt die bundesweite Preissteigerungsrunde zu Jahresbeginn weg, weil die EVN die Preise stabil halten kann. Darüber hinaus kommen die Gewinne der EVN allen Menschen dieser Stadt direkt zugute, weil sie im regionalen Wirtschaftskreislauf bleiben und dafür sorgen, dass unsere Straßenbahn fahren kann.
Damit leistet jeder Kunde der EVN auch einen direkten Beitrag zu einem gesunden Stadtklima, denn die Straßenbahn erzeugt keinen CO2 –Ausstoß. Mit dem Entschluss, die Energienetze unserer Ortschaften von EON aufzukaufen, haben wir eine strategisch wichtige Entscheidung getroffen, die uns mehr Unabhängigkeit von den großen Stromkonzernen gibt. Deren satte Gewinne kreisen in den internationalen Geldmärkten, ohne dass die Kunden vor Ort davon profitieren werden. Dieses Beispiel steht dafür, dass es falsch wäre, kommunale Unternehmen zu privatisieren. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: In den Aufsichtsräten sitzen die gewählten Vertreter der Bürgerschaft und so entscheidet letztlich die Bürgergesellschaft selbst, ob und wie investiert wird , ob und wie Arbeitsplätze geschaffen werden, und vor allem: wohin die Gewinne fließen. Ein solches Pfund darf man nicht aus der Hand geben.
Deshalb ist es nur folgerichtig, dass Stadt und Landkreis nun auch nach gemeinsamen kommunalen Lösungen im Bereich der Abfallentsorgung suchen, nachdem der privatwirtschaftliche Ansatz nicht den gewünschten Erfolg gezeigt hat.
Auch beim Blick auf die baulichen Veränderungen in der Innenstadt rund ums Rathaus, ist es mit der SWG wiederum ein kommunaler Akteur, der Akzente setzt. In diesen Tagen beginnen dort die Vorbereitungsarbeiten für den Bau der Tiefgarage und der 2. Bauabschnitt der Wohnungssanierung.
Auch der Wasserverband blickt inzwischen auf eine Erfolgsgeschichte zurück: 11 Jahre konstante Gebühren, trotz Neubau des Wasserwerkes mit modernsten ultrafeinen Membranfiltern. Wir freuen uns auf die Inbetriebnahme in diesem Frühjahr.
Nach der notwendigen Vorplanung kann nun auch in diesem Jahr mit dem Bau des Einkaufszentrums am Pferdemarkt begonnen werden. Damit kann Nordhausen seine überregionale Bedeutung als Handelszentrum weiter stärken. So ist die Einkaufsstadt Nordhausen gut für die Zukunft aufgestellt. Allerdings gehört dazu, dass sich die Einzelhändler der Innenstadt bewegen lassen, wieder eine gemeinsame Interessengemeinschaft zu gründen, denn der Handel ist eine der wichtigsten Funktionen der Innenstadt. Aber auch jene Gebiete, die nicht unmittelbar im Herzen der Stadt liegen, werden weiter unsere Aufmerksamkeit haben, besonders, wenn sie wichtig für die Geschichte unserer Stadt sind. So hat sich die SWG der liebevollen Instandsetzung zweier Stadtvillen angenommen. Noch in diesem Jahr hoffen wir die Villa Lindenhof am Gehege vom Krankenhaus zu übernehmen und sie vor dem Verfall zu retten. Ebenfalls wird das Gebäude der Flohburg einer Stabilitäts- und Schönheitskur unterzogen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, in Nordhausen lässt es sich gut leben, sagte mir kürzlich eine Berlinerin am Rande einer Theatervorstellung. Mit den neuen Ortsteilen Petersdorf, Rodishain und Stempeda ist Nordhausen noch einmal vielfältiger und schöner geworden und hat an landschaftlicher Attraktivität gewonnen. Wir wissen dieses Geschenk der Vielfalt zu schätzen und werden uns weiter unseren Ortsteilen widmen, der Dorferneuerung in Rodishain und Hesserode, bei Sanierungsarbeiten in Steigerthal und Sundhausen oder beim Radwegebau und der Gewässerunterhaltung.
Mit den neuen Einwohnern hat sich Nordhausen gestärkt. Seit 31. Dezember 2007 sind wir wieder 44.000 Einwohner! Hinzu kommt, dass sich der Trend des Bevölkerungsrückganges deutlich abgeschwächt hat. Wir hoffen, dass sich Zuzug und Wegzug bald die Waage halten. Dafür wird natürlich ausschlaggebend sein, ob unsere Stadt mit einer prosperierenden Wirtschaft, mit Handel und Dienstleistung, Kultur und Bildung jungen Menschen eine Zukunft bieten kann. Die Aussichten sind gut, vor allem, weil Sie, meine sehr geehrten Damen und Herren mit viel Engagement und Tatkraft hier vor Ort arbeiten und ihre Visionen Wirklichkeit werden lassen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
Denken und Wissen sollten immer gleichen Schritt halten. Was bei Ihnen geübte Praxis ist – denn sonst könnten Ihre Unternehmen und Einrichtungen nicht überleben – müssen unsere jungen Menschen noch lernen. Es ist an uns, bei Ihnen die Lust wecken, Neues zu entdecken und auszuprobieren. Vieles von Humboldts Gedanken bleibt auch heute erstrebenswert: Den einzelnen Menschen in die Lage versetzen, in einer sich wandelnden Welt gut für sich und andere zu sorgen - eben Ertüchtigung und Befähigung durch Bildung. Dazu wollen wir auch 2008 etwas beitragen. In diesem Zusammenhang einen kleinen Vorschlag: Wäre es nicht der Anstrengung wert, auch bei uns den Bundeswettbewerb Jugend forscht aktiv zu unterstützen? Ich denke da an eine Initiative von Fachhochschule, Verband der Wirtschaft, Landratsamt und Stadtverwaltung. Es müsste uns doch gelingen, mehr junge Menschen als bisher dafür zu begeistern, wenn wir sie beim Finden von Ideen mit geeigneten Mentoren unterstützen. Wie groß der Wissensdurst ist, hat die Lange Nacht der Wissenschaften an der Fachhochschule eindeutig bewiesen. So blicke ich optimistisch ins neue Jahr und schließe mit einem ebenso bedeutenden Satz von Humboldt: Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.


