Di, 10:22 Uhr
15.01.2008
nnz-Betrachtung: Mehr als ein Bier
Bier schmeckt, das kann ich beim Blick auf das Gebilde unterhalb des Brustkorbes aus eigener Erfahrung sagen. Doch am Bier läßt auch so vieles andere aufhängen. Vor allem beim Nordhäuser Bier.
Es soll wieder Bier gebraut werden in Nordhausen. Am Taschenberg. Die nnz hatte oft und ausführlich darüber berichtet. Im kommenden Jahr soll es soweit sein, hatte Axel Heck erst gestern der nnz vor Ort erzählt. Der kleine Mann mit den großen Ideen hat jedoch ein Problem: Es ist der Absatz des Bieres, das Nordhäuser im Etikett trägt, eigentlich aber kein Nordhäuser Bier ist.
Und genau da kommen die Miesmacher auf den Plan. Das Bier schmeckt nicht. Das Bier ist zu teuer. Das Bier wird nicht in Nordhausen gebraut. Letzteres ist richtig. Die Brauerei steht in Landsberg bei Halle an der Saale. Dort nimmt man als Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zu Gären, wie später auch in Nordhausen. Nun ja das Wasser wird in Nordhausen ein wenig anders zusammengesetzt sein als an der Saale hellen Strande. Doch die Fachleute wissen es: Das eingesetzte Wasser wird in modernen Brauereien aufbereitet und so gleicht das Krombacher Felsquellwasser wohl dem des Veltins oder des Ur-Krostizers.
Sicher, das mentale Gefühl, Nordhäuser Bier zu trinken, wenn man die Produktionsstätte am Taschenberg auch sieht, könnte ausgeprägter sein wenn das Teil erst steht. Wer aber - mit Verlaub - trinkt Radeberger Bier nur deshalb, weil er die dortige Brauerei gesehen hat? Wer kann in einem global aggierenden Konzern schon genau sagen, daß das Goldgelbe in der Flasche auch in Sachsen gebraut und abgefüllt wurde?
Es geht bei der Akzeptanz des Nordhäuser Bieres um Grundsätzliches. Es geht um die Verbundenheit der Menschen zu ihrer Region. Hört die in Nordhausen beim Feiern der Rolandsfeste oder beim Fahren mit der Straßenbahn auf? Eine Ausnahme könnte da vielleicht noch der doppelte Korn sein. Doch, liebe nnz-Leser, wie sieht es aus mit der Verbundenheit zu den regionalen Produkten, zu denen auch das Bier nun mal zählt.
Blendet man die Geschmacksfrage beim Gerstensaft mal aus, gibt es doch kein schlüssiges Argument gegen das Nordhäuser Pils. Und doch schwelt es: Mit dem Kauf einer Flasche könnten ja Menschen Geld verdienen, die sowieso schon genug auf dem Konto haben und vielleicht dazu noch große Autos fahren. Es ist das Neidargument, das heutzutage zur Geltung kommt und seinen zerfressenden Charakter offenbart. Nur nicht bei dem Typen an der Ecke einkaufen, der könnte damit reich werden. Dieses Phänomen, schlimm vor allem nach der Wende, hat sich hartnäckig gehalten.
Ich sammle oft Erfahrungen im Ausland. In Bayern: Da gibt es in vielen kleinen Orten und Städten, auch in Nordhäuser Größenordnung, viele Gaststätten, Lokale und urige Kneipen. Und: es gibt regionales Bier. Entweder wird mit einem Reklameschild darauf hingewiesen oder der einheimische Hopfenblütentee steht ganz oben in der Getränkekarte. Manchmal gibt es Krombacher oder Bitburger nur auf Nachfrage. Das sind sie, die klitzekleinen Wirtschaftskreisläufe. Das ist aber auch das, was den Begriff Region ausmacht. Zusammengehören, dazugehören, anderen ihren Erfolg gönnen und den vielleicht befördern. Wie zum Beispiel im Eichsfeld?
Zum Schluß gewinnen alle: Der Taschenberg wird schöner, ein museales Kleinod könnte entstehen, einige Arbeitsplätze außerdem und vielleicht das regionale Gefühl wir trinken unser eigenes Bier könnte sich breit machen. Bleibt die Frage: Wäre das nicht ein schönes Gefühl? Und ich meine damit nicht nur beim Biertrinken
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs soll wieder Bier gebraut werden in Nordhausen. Am Taschenberg. Die nnz hatte oft und ausführlich darüber berichtet. Im kommenden Jahr soll es soweit sein, hatte Axel Heck erst gestern der nnz vor Ort erzählt. Der kleine Mann mit den großen Ideen hat jedoch ein Problem: Es ist der Absatz des Bieres, das Nordhäuser im Etikett trägt, eigentlich aber kein Nordhäuser Bier ist.
Und genau da kommen die Miesmacher auf den Plan. Das Bier schmeckt nicht. Das Bier ist zu teuer. Das Bier wird nicht in Nordhausen gebraut. Letzteres ist richtig. Die Brauerei steht in Landsberg bei Halle an der Saale. Dort nimmt man als Zutaten Wasser, Malz, Hopfen und Hefe zu Gären, wie später auch in Nordhausen. Nun ja das Wasser wird in Nordhausen ein wenig anders zusammengesetzt sein als an der Saale hellen Strande. Doch die Fachleute wissen es: Das eingesetzte Wasser wird in modernen Brauereien aufbereitet und so gleicht das Krombacher Felsquellwasser wohl dem des Veltins oder des Ur-Krostizers.
Sicher, das mentale Gefühl, Nordhäuser Bier zu trinken, wenn man die Produktionsstätte am Taschenberg auch sieht, könnte ausgeprägter sein wenn das Teil erst steht. Wer aber - mit Verlaub - trinkt Radeberger Bier nur deshalb, weil er die dortige Brauerei gesehen hat? Wer kann in einem global aggierenden Konzern schon genau sagen, daß das Goldgelbe in der Flasche auch in Sachsen gebraut und abgefüllt wurde?
Es geht bei der Akzeptanz des Nordhäuser Bieres um Grundsätzliches. Es geht um die Verbundenheit der Menschen zu ihrer Region. Hört die in Nordhausen beim Feiern der Rolandsfeste oder beim Fahren mit der Straßenbahn auf? Eine Ausnahme könnte da vielleicht noch der doppelte Korn sein. Doch, liebe nnz-Leser, wie sieht es aus mit der Verbundenheit zu den regionalen Produkten, zu denen auch das Bier nun mal zählt.
Blendet man die Geschmacksfrage beim Gerstensaft mal aus, gibt es doch kein schlüssiges Argument gegen das Nordhäuser Pils. Und doch schwelt es: Mit dem Kauf einer Flasche könnten ja Menschen Geld verdienen, die sowieso schon genug auf dem Konto haben und vielleicht dazu noch große Autos fahren. Es ist das Neidargument, das heutzutage zur Geltung kommt und seinen zerfressenden Charakter offenbart. Nur nicht bei dem Typen an der Ecke einkaufen, der könnte damit reich werden. Dieses Phänomen, schlimm vor allem nach der Wende, hat sich hartnäckig gehalten.
Ich sammle oft Erfahrungen im Ausland. In Bayern: Da gibt es in vielen kleinen Orten und Städten, auch in Nordhäuser Größenordnung, viele Gaststätten, Lokale und urige Kneipen. Und: es gibt regionales Bier. Entweder wird mit einem Reklameschild darauf hingewiesen oder der einheimische Hopfenblütentee steht ganz oben in der Getränkekarte. Manchmal gibt es Krombacher oder Bitburger nur auf Nachfrage. Das sind sie, die klitzekleinen Wirtschaftskreisläufe. Das ist aber auch das, was den Begriff Region ausmacht. Zusammengehören, dazugehören, anderen ihren Erfolg gönnen und den vielleicht befördern. Wie zum Beispiel im Eichsfeld?
Zum Schluß gewinnen alle: Der Taschenberg wird schöner, ein museales Kleinod könnte entstehen, einige Arbeitsplätze außerdem und vielleicht das regionale Gefühl wir trinken unser eigenes Bier könnte sich breit machen. Bleibt die Frage: Wäre das nicht ein schönes Gefühl? Und ich meine damit nicht nur beim Biertrinken
Peter-Stefan Greiner

