Mo, 14:07 Uhr
08.04.2002
Nur wer schweigt, vermag zu hören!
Nordhausen/Sollstedt (nnz). Die Lage im Nahen Osten ist angespannter denn je. Die Pröpstin der Propstei Erfurt-Nordhausen, Elfriede Begrich, hat einen Brief dazu geschrieben. Dr. Holger Kaffka, Pfarrer in Sollstedt, hat den Brief der nnz freundlicherweise zur Verfügung gestellt.
Liebe Schwestern und Brüder!
Hinter uns liegt ein Sonntag mit einem wunderbaren Namen: Den neugeborenen Kindern gleich und die deutlichste Predigt dazu halten uns die Feldlerche und der Mandelbaum. Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?! Ein Lied, das Schalom Ben Chorin geschrieben hat, als er von einem blühendem Zweig vor seinem Fenster eines Frühlingsmorgen im Jahr 1967 vom Krieg in den Frieden geweckt wurde.
Jahr für Jahr steht das ganze Land Israel in Flammen dieser Blütenpracht, aber selten hat dieses liebevolle Zeichen Gottes so kraftlos seine Schönheit verschenkt wie in diesem Frühjahr. Die ganze Welt schaut ratlos den Geschehnissen im Land Israel zu, wie sollten wir dann Rat wissen? Gerade aus dieser Ratlosigkeit heraus, aus Angst und Sorge gleichermaßen schreibe ich Ihnen diesen Brief.
Wir haben in diesem Jahr zeitgleich mit den jüdischen Gemeinden OsternPessach gefeiert. Wir haben dies hier dankbar in Frieden tun dürfen und die großen Kraft der Auferstehung spüren können. Anders in Israel: Mitten in der Pessachfeier, als die Familie und die Freunde im Festsaal um den Tisch versammelt waren, betrat der Mensch den Raum, der dann Dutzende der Feiernden mit seinem Selbstmordanschlag in den Tod riß. Überlebende haben berichtet, wie dieser junge Palästinenser alle der Reihe nach in den Blick nahm, ehe er die Bombe an seinem Körper zündete.
Seit diesem Tag belagern israelische Panzer palästinensische Städte, halten Palästinenserführer Arafat gefangen, und sammeln Zorn und Proteste in aller Welt auf sich. Palästinensische Familien werden in unwürdigem und erniedrigendem Zustand voller Angst um ihr Leben festgehalten. Angst auf allen Gesichter: Wird der Mann im Eingang des Cafes, der in seine Tasche greift, eine Bombe oder nur seine Zigaretten herausholen? Wird es morgen Wasser geben, Brot und Licht? Alle elementaren Dinge zum Notwendigsten im Leben?
Liebe Schwestern und Brüder, ich weiß es wohl, es ist unglaublich schwer, von hier aus ein Wort zu finden. Und dennoch: Es muß endlich beides gleichzeitig und gleichstark geschehen: Eine deutliche Verurteilung der Selbstmordattentate. Solange den Mördern der Himmel versprochen wird und Arafat selbst als Märtyrer auf dem Weg nach Jerusalem sterben will, kann kein Frieden werden. Und: eine deutliche Verurteilung der Kriegshandlungen. Solange Scharon mit Panzern und militärischer Übermacht so brutal und menschenfeindlich dem Verlangen nach Autonomie und grundlegenden Menschenrechten der Palästinenser begegnet, kann kein Frieden werden.
Gerade weil wir als Christen durch das gemeinsame göttliche Wort der Heiligen Schrift und in unserem Land durch die vergangene Geschichte Verantwortung für Israel tragen, die uns niemand abnehmen kann, lasst uns bitten und flehen zu Gott um Frieden und um Bewahrung Seines Volkes und aller Seiner geliebten Kinder im gelobten Land.
Israel bleibt Sein auserwähltes Volk, gerade deshalb ist uns so an seinem Schalom gelegen.
Am kommenden Dienstag ist der 9.April 2002 A+D+.
Der 9.April ist ein Datum, das unsere beiden Länder in besonderer Weise miteinander verbindet: Es ist der Jom ha Shoa, der Holocaust- Gedenktag in Israel, an dem für eine Minute das ganze Land in Schweigen erstarrt und es ist der Gedenktag der Ermordung Dietrich Bonhoeffers im Jahr 1945 für uns in Deutschland.
Wir können das Schweigen in diesen Tag hineinnehmen, denn nur wer schweigt, vermag zu hören.
Ihre Elfriede Begrich
Autor: nnzLiebe Schwestern und Brüder!
Hinter uns liegt ein Sonntag mit einem wunderbaren Namen: Den neugeborenen Kindern gleich und die deutlichste Predigt dazu halten uns die Feldlerche und der Mandelbaum. Freunde, dass der Mandelzweig wieder blüht und treibt, ist das nicht ein Fingerzeig, dass die Liebe bleibt?! Ein Lied, das Schalom Ben Chorin geschrieben hat, als er von einem blühendem Zweig vor seinem Fenster eines Frühlingsmorgen im Jahr 1967 vom Krieg in den Frieden geweckt wurde.
Jahr für Jahr steht das ganze Land Israel in Flammen dieser Blütenpracht, aber selten hat dieses liebevolle Zeichen Gottes so kraftlos seine Schönheit verschenkt wie in diesem Frühjahr. Die ganze Welt schaut ratlos den Geschehnissen im Land Israel zu, wie sollten wir dann Rat wissen? Gerade aus dieser Ratlosigkeit heraus, aus Angst und Sorge gleichermaßen schreibe ich Ihnen diesen Brief.
Wir haben in diesem Jahr zeitgleich mit den jüdischen Gemeinden OsternPessach gefeiert. Wir haben dies hier dankbar in Frieden tun dürfen und die großen Kraft der Auferstehung spüren können. Anders in Israel: Mitten in der Pessachfeier, als die Familie und die Freunde im Festsaal um den Tisch versammelt waren, betrat der Mensch den Raum, der dann Dutzende der Feiernden mit seinem Selbstmordanschlag in den Tod riß. Überlebende haben berichtet, wie dieser junge Palästinenser alle der Reihe nach in den Blick nahm, ehe er die Bombe an seinem Körper zündete.
Seit diesem Tag belagern israelische Panzer palästinensische Städte, halten Palästinenserführer Arafat gefangen, und sammeln Zorn und Proteste in aller Welt auf sich. Palästinensische Familien werden in unwürdigem und erniedrigendem Zustand voller Angst um ihr Leben festgehalten. Angst auf allen Gesichter: Wird der Mann im Eingang des Cafes, der in seine Tasche greift, eine Bombe oder nur seine Zigaretten herausholen? Wird es morgen Wasser geben, Brot und Licht? Alle elementaren Dinge zum Notwendigsten im Leben?
Liebe Schwestern und Brüder, ich weiß es wohl, es ist unglaublich schwer, von hier aus ein Wort zu finden. Und dennoch: Es muß endlich beides gleichzeitig und gleichstark geschehen: Eine deutliche Verurteilung der Selbstmordattentate. Solange den Mördern der Himmel versprochen wird und Arafat selbst als Märtyrer auf dem Weg nach Jerusalem sterben will, kann kein Frieden werden. Und: eine deutliche Verurteilung der Kriegshandlungen. Solange Scharon mit Panzern und militärischer Übermacht so brutal und menschenfeindlich dem Verlangen nach Autonomie und grundlegenden Menschenrechten der Palästinenser begegnet, kann kein Frieden werden.
Gerade weil wir als Christen durch das gemeinsame göttliche Wort der Heiligen Schrift und in unserem Land durch die vergangene Geschichte Verantwortung für Israel tragen, die uns niemand abnehmen kann, lasst uns bitten und flehen zu Gott um Frieden und um Bewahrung Seines Volkes und aller Seiner geliebten Kinder im gelobten Land.
Israel bleibt Sein auserwähltes Volk, gerade deshalb ist uns so an seinem Schalom gelegen.
Am kommenden Dienstag ist der 9.April 2002 A+D+.
Der 9.April ist ein Datum, das unsere beiden Länder in besonderer Weise miteinander verbindet: Es ist der Jom ha Shoa, der Holocaust- Gedenktag in Israel, an dem für eine Minute das ganze Land in Schweigen erstarrt und es ist der Gedenktag der Ermordung Dietrich Bonhoeffers im Jahr 1945 für uns in Deutschland.
Wir können das Schweigen in diesen Tag hineinnehmen, denn nur wer schweigt, vermag zu hören.
Ihre Elfriede Begrich

