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Di, 11:03 Uhr
04.12.2007

Zoff in Haferungen

Die knapp 180 Einwohner von Haferungen haben es schon nicht leicht. Sie werden seit Jahren von Bundesstraßenplanern tyrannisiert und müssen nun auch noch Güllegestank ertragen. Die nnz mit der Leidensgeschichte einer kleinen Gemeinde...


Irgendwann einmal in diesem Jahrhundert wird die Bundesstraße 243 neu gebaut werden. „B 243n“ nennen sie die Planer. Und wie das so ist bei so gewaltigen Bauvorhaben, es wird Zeit benötigt. Wir blicken also in die Jahre 1997/98 zurück. Damals gab es die ersten zarten Versuche einer Linienführung für die neue Trasse, von der feststand, daß sie nicht allzuweit von der jetzigen führen sollte. Auf jeden Fall sollte und soll sie zwischen Günzerode und Haferungen entlang führen. Zuerst, so erzählen es die Historiker, auf einem alten Bahndamm, den die Nazis nicht zu Ende bauen konnten. Das aber gefiel einer flugs gegründeten Bürgerinitiative „BI 243 n“ in Haferungen nicht.

Das Mißfallen verflachte, weil diese Linienführung verworfen und das theoretische Asphaltband 75 Meter weiter in Richtung Großwechsungen verschoben werden sollte. Das war – wie geschrieben – im Jahr 1998. Von den Planungen bekamen die damals noch rund 200 Haferunger nicht mehr viel mit. Sie ruhten. Bis zu diesem Jahr. Jetzt gab es wieder Geld vom Bund und das Straßenbauamt Nordthüringen gab Bodengrunduntersuchungen in Auftrag. Es wurde gebohrt zwischen Günzerode und Haferungen und damit die „BI 243n“ wiederbelebt.

Die widmete sich aber nicht so sehr der B 243n, sondern einem Neubau auf der Gemarkung von Haferungen. Dieser Neubau ließ einige Haferunger sogar über einen neuen Ortsnamen nachdenken: „Bad Gülle“. Die APEX Bäuerliche AG Schiedungen hat ein fast 2.500 Kubikmeter fassendes Güllebecken bauen lassen. Im Ort, auf ihrem Gelände. In dem soll ausgegorene Schweinegülle der Van Asten Tierzucht in der Zeit gelagert werden, wenn die nicht auf die Felder gebracht werden kann.

In Haferungen erfolgte ein Aufschrei. Zu Recht, wie auch der Bürgermeister der Einheitsgemeinde Werther, Klaus Hummitzsch (LINKE) auf nnz-Anfrage konstatiert. Die Verwaltung hatte versäumt, die Bürger von Haferungen über das Bauvorhaben zu informieren. Hummitzsch hat nach Informationen der nnz inzwischen innerhalb der Verwaltung disziplinarisch reagiert. Verhindern hätte die Gemeinde Werther den Bau ohnehin nicht können, was in einem Schreiben des Landratsamtes bestätigt wird: „Selbst wenn die Gemeinde aus subjektiven Gründen das Vorhaben rechtswidrig abgelehnt hätte, hätte das Einvernehmen... durch die Untere Bauaufsicht des Landratsamtes Nordhausen ersetzt werden müssen.“ In dem Schreiben steht auch, daß der Güllebehälter auf dem Gelände des Unternehmens mit einer zehn Zentimeter dicken Plaetonschicht abgedeckt ist, „die eine Geruchsbelästigung verhindert“.

Ist nun in Haferungen Ruhe eingekehrt? Vielleicht. Aber: der nächste Brocken kommt auf die Menschen zu. Zwischen Günzerode und Haferungen, soll der gigantische Abzweig der Gasleitung durchführen, die Rußland durch die Ostsee nach Deutschland baut. Dem Hörensagen nach, handelt es sich um Rohre, die einen Durchmesser von einem Meter haben und die nicht weit unterhalb der Oberfläche in den Boden gebracht werden sollen. Die Bürgerinitiative „Haferungen B 243 n“ wird vermutlich noch einige Zeit zu tun haben...
Autor: nnz

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