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Mi, 13:29 Uhr
14.11.2007

Fünf Jahre in Limlingerode

Nordhausen/Limlingerode (nnz). Am 30. November 2002 erhielt der Förderverein, der sich nach der Dichterin Sarah Kirsch nennen darf, die in dem stattlichen Fachwerkhaus auf dem Hügel im Osten des kleinen Dorfes 1935 geboren wurde, sein Domizil im rekonstruierten Bauwerk. Heidelore Kneffel mit einem Rück- und einem Ausblick in Ihrer nnz.


Seit dem erleben jährlich ca. 750 Literatur- und Kunstinteressierte, was Dichterinnen und Dichter wortkünstlerisch zu Papier brachten und bildende Künstler mit den ihnen gemäßen Utensilien. Als Dritte im Bunde setzt die Musik ihre Akzente.

Es fügt sich gut in dieses kleine Jubiläum, dass Sarah Kirsch just am Samstag, dem 24. 11. 07, an dem in der „Dichterstätte“ der aus der Schweiz gebürtige Conrad Ferdinand Meyer ( 1825-1898) mit seiner Lyrik vorgestellt wird, in der polnischen Stadt Thorn den Samuel-Bogumil-Linde-Preis erhält. Diese Auszeichnung wird gemeinsam an deutsche und polnische Autoren vergeben, die sich um die Literatur in beiden Ländern verdient gemacht haben. Mit Sarah Kirsch erhält die 1945 in Krakau geborene Lyrikerin Ewa Lipska diesen Literaturpreis, deren Gedichte wie die der deutschen Poetin in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Beide Damen werden persönlich anwesend sein.

Auch in diesem Jahr erschien zur Herbstbuchmesse in Frankfurt am Main ein Werk Sarah Kirschs, das sie „Regenkatze“ nannte. Vor dem Erscheinen sagte sie am Telefon, dass es Tagebuchprosa aus der Zeit vom September 2003 bis zum Februar 2004 sei, wo bei ihr nichts los gewesen wäre. Ihre Katze Emily, die sie damals seit einem halben Jahr bei sich hatte, wäre ein Kompositionsprinzip – sie ginge raus und rein ins Haus. Und da es in diesen Monaten so kühl und klatschnass im Norden sei, hieße das Buch „Regenkatze“.

Auf 143 Seiten erhält man in diesen Miniaturen zahlreiche zur Literatur gewordene Einblicke in den Alltag dieser Dichter-Frau, mal kontemplativ, mal komisch, mal bitterböse, auch voller Naturbeobachtungen, die an ihre Gedichte erinnern – kurz gesagt: Reflexionen über sich und die Welt! Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist allerhand los im „Koppe“ der Autorin!

Auch in dieser Publikation ist der Ort Limlingerode präsent. Zum einen erinnert sie sich, dass ihre Eltern sich im Februar 1934 hier trauen ließen. „Eines von ihren Blumenstreukindern hab ich in Limlingerode vor ein paar Jahren getroffen“, heißt es auf Seite 120. Am 7. Jaguar 2004 steht verbucht: „Habe die Handschrift für den Sonderdruck von ‚Kommt der Schnee im Sturm geflogen’ für Thüringen hergestellt. Mit Sepiatinte und dem silbernen Füller. Eingetütet und weg.“ Es handelt sich um das großformatige Kunstbuch, das der Förderverein gemeinsam mit der Pavillon-Presse Weimar anlässlich des 70. Geburtstages Sarah Kirschs 2005 in 100 Exemplaren herausgegeben hat.

Und der erwähnte silberne Füller ist seit 1996 in ihrem Besitz, denn sie kaufte ihn sich nach der Georg-Büchner-Preisverleihung in Darmstadt. Just in dem Jahr begann mein schriftlicher Kontakt mit der Dichterin, der sie ja 1997 zu zwei Lesungen in unsere Region führte – also auch ein kleines Jubiläum! Und da aller guten Dinge drei sind, heißt es an dritter Stelle in der „Regenkatze“: „Ich bekam ein Buch meines dichtenden Großvaters von einem Menschen, der früher in Limlingerode gelebt hat ... ’Treu der Heimat’ heißt dieser Band. 1920 ist er erschienen.“

Am 24.11. ab 14.30 Uhr wird Conrad Ferdinand Meyer als Verfasser von Gedichten im Sarah-Kirsch-Haus zu Wort kommen. Er gehört neben Gottfried Keller zu den bekanntesten schweizerischen Erzählern, Balladendichtern und Lyrikern des 19. Jahrhunderts. Für nachfolgende Generationen war er Vorbild, zum Beispiel für Rainer Maria Rilke. Seine für die „Dichterstätte“ ausgewählten Gedichte spiegeln sein Weltgefühl, z. B. „Der römische Brunnen“ das Gleichmaß der Dinge, „Im Spätboot“ die Last der Herkunft, „Zwei Segel“ Lust und Leid der Liebe, „Unter den Sternen“ Tod und Leben und seine berühmte Ballade „Die Füße im Feuer“ den Prunk der Geschichte.

In einem seiner Gedichte fragt er :“Was geb ich, das dem Tod entflieht? Vielleicht ein Wort, vielleicht ein Lied, ein kleines stilles Leuchten.“ Dass mehr als ein Lied von ihm in der Welt geblieben ist, kann man am Samstag, dem 24. November, in Limlingerode hören.
Autor: nnz

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