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Do, 21:59 Uhr
25.10.2007

Mann liest

Nordhausen (nnz). „Der Untertan“, wer kennt ihn nicht aus der Schule. Heinrich Manns Bücher werden gelesen und sind spannende Zeitdokumente. Doch die Geschichte der Familie selbst ist ebenso interessant, wie Enkel Jindrich bewies.

Mann, Gräser (Foto: wf) Mann, Gräser (Foto: wf)

Die Sparkassenkulturtage gingen heute Abend mit einer Lesung von Jindrich Mann zu Ende. Der große Besucherzustrom überraschte den Organisator und Sparkassenvorstand Sebastian Gräser. Einer Neuauflage im nächsten Jahr steht er positiv gegenüber. Beim Jazzfest war es traditionell brechend voll, aber auch heute mußten weitere Stühle in die Galerie geholt werden. Trotz der Terminprobleme, eigentlich hatte man die Lesung für morgen angekündigt, erinnerten sich viele an Heinrich Mann und wollten wissen, was der Enkel über seine Familie berichten kann.

Geheime Geschichten hat er keine zu erzählen, den Zahn zog Enkel Jindrich den Neugierigen sofort. Kleine Geschichten aus seinem Alttag in Prag wolle er erzählen, denn die große Geschichte sei ja sowieso bekannt. Jindrich Mann spricht leise, zu leise für die meisten, und so mußte noch schnell ein Mikrofon für den erkälteten Autoren beschafft werden, damit ihm auch die hinteren Reihen zuhören konnten.

Jindrich Mann (Foto: wf) Jindrich Mann (Foto: wf)

Kleine Bilder aus den Straßen der Stadt skizziert Jindrich Mann in seinem Buch „Prag, poste restante“ mit Worten. Trocken und ironisch erzählt er von seiner alten Schule und seinen Fahrten mit dem Roller durch den Park, von den Bänken, auf denen die Rentner das Leben bereden und den Geschichten seiner Kindheit. Erst 1968 wanderte der 1948 geborene Mann nach Westberlin aus.

Persönlich gekannt hat Jindrich kein einziges Mitglied der Mannschen Familie. Seine Mutter sprach kaum über die Angehörigen. Aus ihrer Jugend gab es nur die Geschichten der Katze, des Hundes und des Papageis. Denen hat der Autor sogar ein ganzes Kapitel im Buch gewidmet. „Wenn man nicht fragt, bekommt man nichts aus der Vergangenheit erzählt. Wenn man dann fragen möchte, dann ist es oft zu spät.“ Beschrieb Jindrich Mann die Recherchen zu seinem Buch.

Ob sich nun geheime Geschichten aus dem Dunstkreis des großen deutschen Schriftstellers zwischen den Buchdeckeln verbergen oder nicht, die Lesung von Jindrich Mann stellte eine spannende Biographie einer Immigrantenfamilie in dritter Generation vor. In der Schule gelesen hat Jindrich die Werke seines Großvaters nicht. Erst mit 20 Jahren konnte er genug deutsch um sich mit den Manns zu befassen. Übrigens gefallen sie ihm alle. Besondere Lesetips erteilt er nicht.
Autor: wf

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