Di, 07:00 Uhr
16.10.2007
Geschichte erlebbar machen
Nordhausen (nnz). Einst, das war im Jahr 1990, da hatte sich Martin Schirmacher geschworen, keinen Fuß mehr auf das IFA-Gelände zu setzen. Der heute 83jährige ehemalige Chef der Hauptmechanik wird seinen Schwur ablegen müssen. Er hat in den kommenden Wochen und Monaten noch viel zu tun...
Von links: Günter Helbing, Kurt Bierwisch, Eberhard Strehler, Klaus Becker, Helmut Peter
Am vergangenen Freitag war Martin Schirmacher zu Gast im Mercedes-Autohaus Peter. Ein Auto wollte er nicht kaufen, doch mit Fahrzeugen hatte der Termin wohl zu tun. Es ging um motorisierte Geschichte. Es ging um den Schlepperbau in Nordhausen, konkret die Zeit nach dem Krieg. Martin Schirmacher war einer von 42 ehemaligen Motoren- und Schlepperwerkern, die Helmut Peter eingeladen hatte. Und das hatte seinen Grund, dessen Anfänge allerdings in Leinefelde stehen.
Helmut Peter und Günter Helbing, der Nordthüringer Lieblingsbäcker, kennen sich, sie sind befreundet. In einem Gebäude von Helbing stehen neun Traktoren. Nicht irgendwelche, sondern die, die einst in Nordhausen produziert worden waren. Die Schlepper und Traktoren, die bestehen auch heute noch aus Guß, aus Blech und Gummi, sie sind jedoch mehr. Sie sind "vollgestopft" mit Erinnerungen, einem erfüllten und abrupt abgebrochenen Arbeitsleben, mit Erfolgen und Niederlagen – kurz um: mit Emotionen.
Experten im Gespräch (Foto: nnz)
Und die brachen sich denn auch an diesem Freitag ihren Bann, als Helmut Peter berichtete, was er sich – als persönliches Geschenk zu seinem 50. Geburtstag – ausgedacht hat. Der Nordhäuser Chef der Autohausgruppe wird vom Eichsfelder Bäcker zu einem Freundschaftspreis die Traktoren erwerben, nach Nordhausen holen, einen Verein gründen und diese Zeugnisse einstiger industrieller Kultur in Nordhausen dem Gemeinwesen zur Verfügung stellen. Kurzum: Helmut Peter will ein Museum etablieren, wenn möglich, dann auf dem oder am Gelände der ehemaligen IFA. Und so hat der agile Unternehmer schon Gespräche mit der LEG geführt, hat sich Mitstreiter ins Boot geholt, die der nnz gestern die ersten Ideen vorstellten.
Am 16. November kommen die ersten Traktoren nach Nordhausen, sie werden in einer eigens dafür eingerichteten Halle auf dem Gelände der dann stattfindenden Südharz-Messe zu sehen sein. Dazu lädt Helmut Peter schon jetzt alle ehemaligen Schlepper- und Motorenbauer um 17 Uhr zu Gesprächen und zum Fachsimpeln bei Bratwurst und Bier ein.
Anfang 2008 soll der geeignete Raum für das Museum gefunden werden. Eine Konzeption im Entwurf soll stehen. 2008 passt gut, es ist das Jahr 60 nach dem Bau des ersten Traktors. 1948 wurde damit in Nordhausen begonnen.
Nicht nur Bäcker, sondern ein Trecker-Verrückter ist Günter Helbing. Der 60jährige Eichsfelder hat sie fast alle zusammen, den Pionier, den Aktivist, die "Brockenhexe. Mit 15 Jahren hatte er auf einem Pionier die Fahrprüfung für Zugmaschinen bei der damaligen MTS absolviert. Den Pionier nennt er sein eigen. Doch in Leinefelde wird der Platz knapp und was gibt es für Helbing schöneres als die musealen technischen Kostbarkeiten dorthin zu bringen, wo einst ihre Wiege stand.
Neben Helmut Peter und Günter Helbing haben sich auch noch Kurt Bierwisch, Eberhard Strehler und Klaus Becker den Hut der Organisation aufgesetzt. Sie werden in den kommenden Wochen Unterlagen sammeln, mit ehemaligen Schlepperbauern reden, Kontakte knüpfen und als Ansprechpartner fungieren. Die Bitte geht an diejenigen, die Zuhause noch Material oder Technik aus den Zeiten des Schlepper- und Motorenbaus haben und diese Schätze der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen: In dem künftigen Museum kann sie dann gezeigt werden: Schlepperfreunden aus Deutschland und aller Welt ebenso wie Schulklassen.
Den Zusammenbruch der IFA in den Jahren nach der Wende werden viele wie Martin Schirmacher vielleicht nie gänzlich verwinden. Sie können jetzt die Tradition des Maschinen- und Motorenbaus in Nordhausen weiterführen, in dem sie voller Stolz diese Zeit für die kommenden Generationen erlebbar machen.
Wer also beim künftigen Verein mitmachen will, wer Hinweise, Material oder Ideen hat – hier sind die Ansprechpartner:
Eberhard Strehler: 03631/882247
Klaus Becker: 0172/9496291
Kurt Bierwisch: 03631/612080
Autor: nnzVon links: Günter Helbing, Kurt Bierwisch, Eberhard Strehler, Klaus Becker, Helmut Peter
Am vergangenen Freitag war Martin Schirmacher zu Gast im Mercedes-Autohaus Peter. Ein Auto wollte er nicht kaufen, doch mit Fahrzeugen hatte der Termin wohl zu tun. Es ging um motorisierte Geschichte. Es ging um den Schlepperbau in Nordhausen, konkret die Zeit nach dem Krieg. Martin Schirmacher war einer von 42 ehemaligen Motoren- und Schlepperwerkern, die Helmut Peter eingeladen hatte. Und das hatte seinen Grund, dessen Anfänge allerdings in Leinefelde stehen.
Helmut Peter und Günter Helbing, der Nordthüringer Lieblingsbäcker, kennen sich, sie sind befreundet. In einem Gebäude von Helbing stehen neun Traktoren. Nicht irgendwelche, sondern die, die einst in Nordhausen produziert worden waren. Die Schlepper und Traktoren, die bestehen auch heute noch aus Guß, aus Blech und Gummi, sie sind jedoch mehr. Sie sind "vollgestopft" mit Erinnerungen, einem erfüllten und abrupt abgebrochenen Arbeitsleben, mit Erfolgen und Niederlagen – kurz um: mit Emotionen.
Experten im Gespräch (Foto: nnz)
Und die brachen sich denn auch an diesem Freitag ihren Bann, als Helmut Peter berichtete, was er sich – als persönliches Geschenk zu seinem 50. Geburtstag – ausgedacht hat. Der Nordhäuser Chef der Autohausgruppe wird vom Eichsfelder Bäcker zu einem Freundschaftspreis die Traktoren erwerben, nach Nordhausen holen, einen Verein gründen und diese Zeugnisse einstiger industrieller Kultur in Nordhausen dem Gemeinwesen zur Verfügung stellen. Kurzum: Helmut Peter will ein Museum etablieren, wenn möglich, dann auf dem oder am Gelände der ehemaligen IFA. Und so hat der agile Unternehmer schon Gespräche mit der LEG geführt, hat sich Mitstreiter ins Boot geholt, die der nnz gestern die ersten Ideen vorstellten.Am 16. November kommen die ersten Traktoren nach Nordhausen, sie werden in einer eigens dafür eingerichteten Halle auf dem Gelände der dann stattfindenden Südharz-Messe zu sehen sein. Dazu lädt Helmut Peter schon jetzt alle ehemaligen Schlepper- und Motorenbauer um 17 Uhr zu Gesprächen und zum Fachsimpeln bei Bratwurst und Bier ein.
Anfang 2008 soll der geeignete Raum für das Museum gefunden werden. Eine Konzeption im Entwurf soll stehen. 2008 passt gut, es ist das Jahr 60 nach dem Bau des ersten Traktors. 1948 wurde damit in Nordhausen begonnen.
Nicht nur Bäcker, sondern ein Trecker-Verrückter ist Günter Helbing. Der 60jährige Eichsfelder hat sie fast alle zusammen, den Pionier, den Aktivist, die "Brockenhexe. Mit 15 Jahren hatte er auf einem Pionier die Fahrprüfung für Zugmaschinen bei der damaligen MTS absolviert. Den Pionier nennt er sein eigen. Doch in Leinefelde wird der Platz knapp und was gibt es für Helbing schöneres als die musealen technischen Kostbarkeiten dorthin zu bringen, wo einst ihre Wiege stand.
Neben Helmut Peter und Günter Helbing haben sich auch noch Kurt Bierwisch, Eberhard Strehler und Klaus Becker den Hut der Organisation aufgesetzt. Sie werden in den kommenden Wochen Unterlagen sammeln, mit ehemaligen Schlepperbauern reden, Kontakte knüpfen und als Ansprechpartner fungieren. Die Bitte geht an diejenigen, die Zuhause noch Material oder Technik aus den Zeiten des Schlepper- und Motorenbaus haben und diese Schätze der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen: In dem künftigen Museum kann sie dann gezeigt werden: Schlepperfreunden aus Deutschland und aller Welt ebenso wie Schulklassen.
Den Zusammenbruch der IFA in den Jahren nach der Wende werden viele wie Martin Schirmacher vielleicht nie gänzlich verwinden. Sie können jetzt die Tradition des Maschinen- und Motorenbaus in Nordhausen weiterführen, in dem sie voller Stolz diese Zeit für die kommenden Generationen erlebbar machen.
Wer also beim künftigen Verein mitmachen will, wer Hinweise, Material oder Ideen hat – hier sind die Ansprechpartner:
Eberhard Strehler: 03631/882247
Klaus Becker: 0172/9496291
Kurt Bierwisch: 03631/612080








