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Di, 08:43 Uhr
05.03.2002

JS-special: Rechtschreibreform

Nordhausen (nnz). Die neue Rechtschreibreform, über die in letzter Zeit wenig verlautete, hat nach einem Expertenbericht schon weitgehend in der Bevölkerung Wurzeln geschlagen. Ganz anderer Meinung ist dagegen der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, der sich im gleichen Zusammenhang für die Abschaffung der neuen Schreibweise aussprach.


Der Zusammenhang ergibt sich durch die turnusmäßige Plenarberatung der Kultusministerkonferenz (KMK), die am vergangenen Mittwoch und Donnerstag (27./28.02.02) in Berlin stattfand und eigentlich den möglichen Konsequenzen aus der „Pisa“ Studie gewidmet war (nnz wird darüber noch berichten). Ebenso turnusmäßig hatte die Zwischenstaatliche Kommission zur Einführung der neuen Rechtschreibung zu berichten. Und deren Präsident, Gerhard Augst, hält die neue Schreibweise weitgehend im Alltag angekommen. 80 Prozent aller neu erschienenen Bücher im vergangenen Jahr seien bereits in der Neuschreibung verfasst.

Und selbst Stichproben in Leserbriefen von Privatpersonen hätten gezeigt, dass in 66 Prozent davon schon die reformierte Schreibweise verwandt werde. In den Zeitungen werde die Neuschreibung sogar zu 96 Prozent richtig angewandt. „Teilweise kann man offensichtlich von Gewöhnungseffekt sprechen“, meinte Augst zu den Befunden. „Schreibweisen beruhen eben auf Konventionen.“ Irritationen, die Prof. Augst einräumt, gebe es beispielsweise noch an den Grundschulen, wo die Kinder in alten Büchern ein teilweise anderes Schreibbild sähen als in ihren Heften.

Eine völlig andere Auffassung kommt dagegen aus Politiker-Kreisen. So zitierte „Die Welt“ am vergangenen Donnerstag den FDP-Vorsitzenden Guido Westerwelle mit der Feststellung „Neue Rechtschreibung ist gescheitert“. Gleichzeitig forderte er die „Entmachtung“ der Kultusministerkonferenz. „Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, dass in der deutschen Bildungspolitik die Prioritäten falsch gesetzt sind, dann ist er mit der deutschen Rechtschreibreform erbracht“, erklärte Westerwelle gegenüber der genannten Zeitung. „Eine Kultusministerkonferenz, die die Frage, ob man Schifffahrt mit zwei oder mit drei „f“ schreibt, für wichtiger hält als die Bekämpfung des Unterrichtsausfalls, gehört entmachtet. Gleichzeitig sprach sich der FDP-Chef für eine „neue Autonomie der Schulen, Hochschulen und berufsbildenden Einrichtungen“ aus.

Nun beruft sich Westerwelle allerdings gerade auf den als vertraulich geltenden Bericht jener „Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung“, der eben jener Professor Gerhard Augst vorsteht, der sich gegenüber der KMK ganz anders äußerte. Er dementierte auch „anderslautende Zeitungsberichte“ wonach in dem Bericht umfangreiche Änderungen vorgeschlagen werden. „Wir haben an keiner Stelle gesagt, dass sich die Schreibweise erneut ändern soll“, sagte Augst ausdrücklich auf Nachfrage.

In die Debatte schaltete sich in den vergangenen Tagen auch der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Christian Meier, ein, der sich nun seinerseits für die Abschaffung der neuen Schreibweise aussprach. „Die beste Lösung wäre an sich, die neue Rechtschreibung einfach abzuschaffen. Das aber wird kaum möglich sein und wäre auch nicht in jedem Punkt sinnvoll“ sagte Meier wiederum in der „Welt“. Der Deutsche Lehrerverband forderte die Kultusministerkonferenz auf, eine schnelle Entscheidung über die neue Schreibweise zu treffen. Für eine „klare und radikale“ Reform plädierte wiederum der Verband Deutscher Schriftsteller, der u.a. für eine generelle Kleinschreibung eintritt.

Unbeirrt hält demgegenüber die Kommission des Gerhard Augst an ihrem Kurs fest. Sie berichtet den Kultusministern alle zwei Jahre über den Stand der Rechtschreibung. Der nächste Bericht wird allerdings entscheidend: Im Jahr 2005 läuft die von den deutschsprachigen Staaten vereinbarte Umsetzungsfrist ab. Im nächsten Bericht sollen daher alle notwendigen Änderungen enthalten sein, sagte der Sprachwissenschaftler. „Wenn Änderungen, dann zu diesem Zeitpunkt!“

Man wolle sich beispielsweise noch über Streitfälle einigen, die durch die Eigenregelungen von Zeitungen und Nachrichtenagenturen entstanden sind. Strittig ist beispielsweise noch, ob man „Schwarzes Brett“ oder „schwarzes Brett“ schreibe. „schwarzer Koffer“ oder „Schwarzer Koffer“, „doppelte Buchführung“ oder „Doppelte Buchführung“. Die alten Regeln sahen vor, solche Ausdrücke als festen Begriff groß und sonst klein zu schreiben. „Weil das völlig inkonsequent angewandt wurde, wird es nach neuer Schreibweise einheitlich klein geschrieben. Die Agenturschreibweise bleibt aber für 40 Begriffe bei der Großschreibung. „Darüber wollen wir uns dringend einigen.“
Autor: nnz

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