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Sa, 16:08 Uhr
23.02.2002

Genossen schafften Klarheit

Nordhausen (nnz). Die PDS hat heute ihren Kandidaten für die kommende Bundestagswahl im Wahlkreis 190 gewählt. Angetreten waren Gerhard Jüttemann und Matthias Mitteldorf...


Geschafft Nach einer 20minütigen Darlegung aller formalen und juristischen Wahlhintergründe konnten die 32 Wahlfrauen und -männer denn auch am Vormittag im Nordhäuser Ratskeller loslegen. Zuerst mussten sie aber zuhören. Die beiden Kandidaten stellten sich vor, sprachen über Ziele, Vorstellungen, geleistete Arbeit und sich selbst. Die biographische Reise von Gerhard Jüttemann begann im Jahr 1994. Damals fragte ihn PDS-Frontmann Gregor Gysi, ob er denn nicht für die offene Liste der PDS in den Bundestag einziehen wolle. Jüttemann sagte zu, jetzt, nach acht Jahren ist aus ihm ein Vollblutpolitiker geworden, der jedoch ein Arbeiterkind geblieben ist. Im Berliner Senat würde man an dieser Stelle sagen: Und das ist auch gut so!

Vorgestellt Jüttemann also referierte über seine Bundestagsarbeit im Parlament, in den Ausschüssen, über seine Gespräche mit Betriebsräten der Region, über das verbesserte Verhältnis zur Nordhäuser Region und über die Goldene Aue. Er wäre in den zurückliegenden Jahren viel herumgekommen, Auslandsreisen seien ihm dennoch fremd geblieben. Und das ist auch gut so!

Mitteldorf begann seine Vorstellung mit vielen Details aus seiner Vita. Geburt, Schule, Ausbildung, Berufssoldat, Schauspieler, SED-Mitglied, Wahlkämpfer, berufener Bürger, Stadtrat, Beigeordneter. Im Bundestag wolle er sich, so man ihn lasse, für eine Lobby für Kunst und Kultur einsetzen. Natürlich solle auch die Wirtschaft eine entscheidende Rolle spielen. Zum Beispiel müsse der Mittelstand gefördert werden. „Habt Mut zu neuen Entscheidungen“, rief Mitteldorf den PDS-lern aus den beiden Landkreisen zu. Wie sich letztlich herausstellte, hatten sie den nicht.

Gezählt Doch bevor nnz zur statistischen Auswertung des Wahlaktes kommt, noch schnell ein Blick auf die Diskussion. Sie sollten von den gewählten Vertretern „auf Herz und Nieren“ geprüft werden. Denkste! So sehr sich der Tagungsleiter denn auch mühte, Fragen blieben aus, fast. Dann war es doch die BO Herreden, die noch mal hinterlistig in Richtung Mitteldorf, aber indirekt natürlich auch in Richtung Jüttemann fragte, ob er, der Matthias, denn auch ein Wahlkreisbüro in Nordhausen eröffnen werde. „Na klar“, meinte Mitteldorf. Und schließlich wollte eine erfahrende Genossin, namens Inge noch wissen, wann die Post endlich ihre Steuerschulden zurückzahlen werde. Das müsse der Gerhard doch wissen, er sitze doch in dem Postausschuß. Gerhard wusste das natürlich und verteidigte den Erlaß der Mehrwertsteuer. Ohne diesen Deal müssten die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern oder in den Alpen nämlich Tage auf ihre Briefe warten.

Das Ergebnis der Wahl wurde denn kurz vor 12.30 Uhr verkündet. 26 stimmten für Gerhard Jüttemann, sechs Stimmen blieben für Matthias Mitteldorf übrig. Ein Ergebnis, das im Vorfeld klar war. Als Mensch, der sich das Theaterleben zur bisherigen Profession gemacht hat, war die Inszenierung seiner Kandidatur mehr als misslungen. Vor allem in einer Partei, die trotz jüngerer Mitglieder immer noch sehr alterslastig ist. Da kommt Spontanes nun überhaupt nicht an. Schließlich weiß man bei dem Gerhard doch, was und wen man wählt. Der sitzt ja schließlich im Postausschuß, meinte doch die Inge.
Autor: nnz

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