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Do, 18:23 Uhr
14.02.2002

Schicksalsjahr der Südharzstrecke?

Nordhausen (nnz). Ausgerechnet das Wahljahr 2002 wird zum Schicksalsjahr der Südharzstrecke Northeim-Nordhausen werden. So jedenfalls sieht es die Initiative "Höchste Eisenbahn für den Südharz". Sie hat sich seit Jahren und mit zunehmender Unterstützung durch die Politik um eine Besserung der Verhältnisse auf dieser Verbindung bemüht.


Hangrutsch "Wir haben Hunderte von Briefen geschrieben, Gespräche geführt, zuletzt 2.500 Unterschriften gesammelt und der niedersächsischen Ministerin Dr. Knorre übergeben. Wir haben zahlreiche Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität und Verbesserung der Fahrpläne eingebracht. Wir konnten uns über einige Fortschritte wie den Stundentakt, durchgehende Züge nach Göttingen und Braunschweig und neue Fahrzeuge freuen - aber alles droht angesichts der Ignoranz der Deutschen Bahn Netz zur Makulatur zu werden" resümiert Sprecher Michael Reinboth den heutigen Stand der Dinge.

Denn zum einen hat die DB Netz es mit der Behebung des Hangrutsches oberhalb des Walkenrieder Tunnels nicht eilig. Fast drei Wochen sind vergangen, ohne dass die Arbeiten, die zu einer Wiederaufnahme des Zugverkehrs führen, begonnen hätten. Dabei hätte das frost- und schneefreie Wetter die Arbeiten durchaus begünstigt. Zum anderen aber - und das könnte sich wesentlich schlimmer auswirken - droht zwischen Ellrich und Woffleben die dritte Verzögerung der Sanierungsarbeiten. "Für 2000 versprochen, für 2001 zugesichert - die Fahrpläne für den Busverkehr hingen schon aus! - und schließlich für Frühjahr 2002 angekündigt, wird daraus wohl wieder nichts werden. Schade, denn man hätte mit der Bündelung der Arbeiten am Tunnel und bei Woffleben viel Geld sparen und den Fahrgästen viel Unbill ersparen können" kommentiert Reinboth die Lage im Februar 2002.
"Höchste Eisenbahn" befürchtet nun, dass die DB Netz den schlechten Zustand des Gleises zwischen Ellrich und Woffleben und die selbst herbeigeführten Verzögerungen bei der Sanierung zum Anlass nimmt, den Zugverkehr zwischen diesen beiden Orten "vorübergehend" einzustellen. In Thüringen hat die Bahn diese Taktik schon oft mit Erfolg angewandt und musste letztlich vom Eisenbahn-Bundesamt an seine Pflichten erinnert werden. "Von Tempo 30 bis Tempo 0 ist es nur ein kleiner Schritt" befürchtet Reinboth, der den Beteuerungen einiger Bahnoberer, dass es hierzu nicht kommen werde, keinen Glauben mehr schenkt.

Güterverkehr muss weite Umwege fahren

Fahrgäste können umsteigen - ob sie es gern tun, ist eine andere Sache. Güter können dies nicht. "Der durchgehende Güterverkehr war dank der Initiative einer Privatbahn gerade wieder angelaufen - nun müssen die Züge zwischen Scharzfeld und Nordhausen beinahe täglich den weiten Umweg über Eichenberg nehmen. Ein klarer Wettbewerbsnachteil für die heimische Wirtschaft" kommentiert Reinboth. Die Bahn, so Reinboth, sei offenbar an den zusätzlichen Erträgen durch die Güterzüge - jeder Zug bringt Geld in die Kassen von DB Netz! - nicht sonderlich interessiert. Oder hat man es nicht eilig, weil es um ein Konkurrenzunternehmen von DB Cargo geht?

Bauarbeiten sichern Arbeitsplätze

Die Initiative weist auf einen anderen Zusammenhang hin: Die Arbeiten am Tunnel und zwischen Ellrich und Woffleben können für mehrere Wochen auch Aufträge für das heimische Baugewerbe bedeuten. "In einer Zeit, in der alle nach Arbeit für das Baugewerbe rufen, sollten wir solche Arbeiten doch wohl sehr willkommen heißen" merkt Sprecher Reinboth an, der nicht verstehen kann, dass man im Südharz diese Chance nicht ergreifen will.

Alle Kräfte noch einmal anspannen

Höchste Eisenbahn will nochmals alle Kräfte anspannen, um DB Netz endlich zur Aufnahme der längst fälligen Arbeiten zu bewegen. "Entweder es wird 2002 weiter saniert oder nie mehr, denn irgendwann sind die Mittel alle oder woanders verbaut" meint Reinboth. Die Initiative hat vor einigen Tagen Verkehrsminister Bodewig und alle Bundestagsabgeordneten der Region angeschrieben und um Mithilfe gebeten. Ministerin Dr. Knorre hat ihrerseits bei der Entgegennahme der Unterschriften in Herzberg am Harz ihre Unterstützung zugesichert. "Landrat Reuter bemüht sich sehr, und Bad Sachsa, Bad Lauterberg und Walkenried haben sich inzwischen ebenfalls an Bahn und Bund gewandt" weiss Reinboth das Engagement örtlicher Politiker zu schätzen. "Aber", seufzt der Sprecher, "vielleicht müssen wir eine Demo auf dem Potsdamer Platz anmelden, um DB Netz endlich aus dem Sessel zu bekommen": Dort, unter Nr. 1, residiert nobel die DB-Zentrale - und zahlt in einer Woche mehr Miete, als die Sanierung der Südharzstrecke insgesamt verschlingt...
Autor: nnz

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