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Do, 14:39 Uhr
14.02.2002

nnz-Interview: "Lache, Bajazzo!"

Nordhausen (nnz). Das Theater in Nordhausen zwischen Bangen und Hoffen. Über die Wahrnehmung des Hauses in der Region, über seine und ihre Zukunft, aber auch über Existenzängste sprach nnz mit Intendantin Dr. Monika Pirklbauer.


nnz: Wie wird das Nordhäuser Theater in der Region wahrgenommen?

Pirklbauer: Die Aufmerksamkeit, die unser Theater in der Region erfährt, ist sehr unterschiedlich, für eine teilweise strukturschwache Region jedoch sehr groß. Die Reichweite des Hauses erstreckt sich neben Thüringen auf weitere drei Bundesländer. Hier gibt es natürlich eine differenzierte Interessenslage der Zuschauer, die für unterschiedliche Aufführungen verschieden groß ist. Wie andere Theater wird auch das Nordhäuser von einer streng definierten Schicht angenommen. Theater für alle zu machen, das ist eine Utopie, die allerdings nicht aufgehen wird, nicht nur in und um Nordhausen.

nnz: In der Thüringer Theaterlandschaft stehen in den kommenden Jahren gravierende Veränderungen an. Wie gehen Sie damit um?

Pirklbauer: Als ich 1999 an dieses Haus kam, da gab es ein Hauptproblem: Armin Petras und seine persönliche Auffassung von Aufführungen. Das war nur ein künstlerische Problem, ein durchaus akzeptabler Streit. Jetzt haben wir es mit einem existenziellen Problem zu tun. Die Frage, die seit rund einem Jahr über dem Nordhäuser Theater schwebt ist doch folgende: Wird es überleben und wenn ja, in welcher Form? Mit Shakespeare gesprochen: Es geht um Sein oder Nichtsein. Und dieser schwebende Zustand zehrt die Nerven der Künstler auf. Die Ungewissheit hat sich in den Köpfen der Mitarbeiter reingebohrt, sie wird temporär verdrängt, doch ganz hinten ist sie stets vorhanden. Und trotzdem gehen sie jedes Mal auf die Bühne und spielen für ihr Publikum. Dafür zolle ich ihnen meine Hochachtung.

nnz: Wie könnte die Zukunft des Hauses aussehen?

Pirklbauer: Viele Varianten wurden in den vergangenen Monaten auf verschiedene Tische gebracht. Bislang ist nichts entschieden, da die Zukunft der großen Häuser in Weimar und Erfurt noch in der Schwebe ist. Ich habe vor einem Scheitern der angedachten Fusion eine riesige Angst. Angst deshalb, weil das Land Thüringen dann nach dem Gießkannenprinzip oder in einer Salamitaktik mit dem „Rest“ der Thüringer Theaterlandschaft verfahren könnte. Ich wünsche mir, dass zu Weimar und Erfurt recht schnell eine Entscheidung getroffen wird. Bei einer Fusion gibt es auch für den Nordhäuser Standort wesentlich mehr Möglichkeiten der Entwicklung.

nnz: Wie sollte es denn zum Beispiel bis zum Jahr 2004 in Nordhausen weitergehen?

Pirklbauer: So gut wie möglich. Das Schauspiel sollte sich mehr und mehr in Richtung eines zeitgenössischen Theaters entwickeln, ohne die Klassiker aufzugeben. Ich mache an dieser Stelle auf die herausragende Bedeutung der Deutschland-Tetralogie aufmerksam. Im Musiktheater steht in jeder Spielzeit eine große Produktion wie „Nabucco“ in der Planung. Hier geht das Haus zwar an die Grenze des Machbaren. Doch die Erfolge haben gezeigt, dass gerade diese Herausforderung eine absolute Motivation für die Agierenden darstellt.

nnz: Wie sehen Sie die Rolle der vier kommunalen Gesellschafter?

Pirklbauer: Die ist sehr differenziert zu betrachten. Der Kyffhäuserkreis als ein Geldgeber hat da wohl die größten Probleme. Die bestehen vor allem in der geographischen Ausdehnung des Landkreises. Teile davon sind ja näher an Weimar dran, als an Nordhausen. Die Stadt Nordhausen, so sehe ich das, hat ein elementares Interesse an diesem Haus, ist es doch ein unschlagbarer Standortfaktor. Hier müssen wir sehen, wie die Stadt als Hauptgesellschafter in der Lage sein wird, die Zuschüsse auch in Zukunft bereit zu stellen. Dankbar bin ich allen Gesellschaftern, dass sie ihren eingegangenen Verpflichtungen stets nachgekommen sind. Selbst in den alten Bundesländern gab es Fälle, wo in bestehende Budgets hineingekürzt wurde. Das wäre für unser Haus fatal, wenn nicht sogar tödlich.

nnz: Wie sieht ihre persönliche Zukunft über das Jahr 2004 aus?

Pirklbauer: Mein erster Tag in Nordhausen war - meteorologisch gesehen - ein Desaster. Graue Wolken am Himmel, es regnete ohne Ende. Aber Nordhausen hatte eine Straßenbahn. Thomas Thieme sagte mir einmal: Geh' in eine Stadt, die wenigstens eine Straßenbahn hat. Jetzt nach fast drei Jahren muß ich sagen, dass ich diesen Schritt nicht bereut habe, nicht nur wegen der Straßenbahn. Meine Zukunft in Nordhausen wird letztlich aber von dem Ausgang der jetzigen Strukturdebatte abhängen. Es gibt Dinge, für die sich ein Intendant nicht hergeben sollte und für die man sich auch nicht hergeben kann. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

nnz: Vielen Dank für das Interview.
Autor: nnz

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