Do, 13:48 Uhr
24.05.2007
Hospiz zwischen Interesse und Sorge
Nordhausen (nnz). Vor der nächsten Sitzung des Stadtrates soll ein Vertreter des künftigen Kinderhospiz in Krimderode interessierten Nordhäusern Rede und Antwort stehen (siehe nnz-Archiv). Auch die Landesarbeitgemeinschaft Hospiz zeigte Interesse für das Vorhaben – vor kurzem erhielt die LAG Post von Anwälten.
Es muß Mitte März gewesen sein, so ganz genau erinnert sich die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V., Ursula Neumann, nicht mehr, da verfaßte die LAG eine Stellungnahme zu den gegenwärtigen Aktivitäten der ‚Stiftung Kinderhopspiz Mitteldeutschland e.V.’, in der diese mit Interesse und Sorge zugleich beobachtet werden. Man sehe mit Freude die breit angelegte Pressearbeit der Stiftung, die auch zu einer Verbreitung des Hospizgedankens betragen würde, andererseits wird mit zunehmender Sorge beobachtet, dass Fragen nach den fachlichen Grundlagen des Projektes nicht oder nur unzureichend von den Verantwortlichen des Vereins ‚Kinderhospiz Mitteldeutschland’ beantwortet werden.
Weiterhin wird mit Sorge beobachtet, dass der Verein bisher Angebote zu einer Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz in Thüringen und Sachsen-Anhalt unbeantwortet läßt und somit die Interessen der Hospizbewegung in ihrer Gesamtheit von diesem Projekt berührt sind. Dies ist um so bedeutender, da unter dem Stichwort eines Hospizes für Kinder mit den Emotionen von Spendern und vielen ehrenamtlichen Helfern gearbeitet wird, die neben dem Projekt des Kinderhospizes in Krimderode auch der Idee der Hospizbewegung verbunden sind.
Abschließend wird in der Stellungnahme der LAG die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland öffentlich aufgefordert, die fachlichen und materiellen Grundlagen des Kinderhospizes nachvollziehbar darzustellen und sich gleichzeitig öffentlich zur Frage einer Mitarbeit in der Hospizbewegung in Thüringen zu positionieren.
Anfang Mai gab es seitens der Stiftung eine Antwort, und zwar in Form eines fünfseitigen Schreibens einer Nordhäuser Anwaltskanzlei, bei deren Lesen den Vorständlern der LAG der Atem stockte. Darin ist unter anderem zu lesen, dass eine Zusammenarbeit nicht abschließend geklärt ist, weil der Eindruck entstehen muss, dass ein einheitlicher und klarer Wille ... nicht vorhanden ist.
Über die Stellungnahme der LAG ist die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. - so ist in dem anwaltlichen Schreiben zu lesen – sehr verärgert. Es werde der Versuch unternommen, die Stiftung zu diskreditieren und die redlichen Bemühungen, weiterhin die wirtschaftlichen Grundlagen des Kinderhospiz zu stärken, zu unterminieren.
Der Ton wird im Verlaufe der fünf Seiten allerdings noch schärfer. Sollte unsere Mandantin (Stiftung – d. Red.) noch einmal Kenntnis davon erlangen, dass Sie den Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. regelrecht in Misskredit zu bringen suchen, so werden wir auf Weisung unserer Auftraggeberin Ihre Landesarbeitsgemeinschaft vor dem örtlich und sachlich zuständigen Landgericht zum einen auf Unterlassung, zum anderen auf Ersatz der schon eingetretenen und dann ggf. noch weiter entstehenden wirtschaftlichen Einbußen (Schadenersatz) in Anspruch nehmen.
In der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland ist man jetzt der Meinung, dass diese juristische Breitseite ihre Wirkung nicht verfehlt habe. Stiftungssprecher Stephan Masch sagte zur nnz: Diese Stellungnahme ist nicht mehr aktuell, von unserer Seite steht einer Zusammenarbeit nichts im Wege!
Dr. Jens Büntzel, einer der Vorständler der LAG und Chefarzt am Nordhäuser Südharz-Krankenhaus, sieht das anders. Im Gespräch mit der nnz betonte er nachdrücklich, dass diese Stellungnahme immer noch stehe. Im Übrigen zeigte er sich erstaunt darüber, dass man der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. eine Mitgliedschaft in der LAG habe anbieten müssen. Die rund 30 Mitglieder seien hingegen auf die LAG zugekommen und hätten um Aufnahme gebeten. Nach nnz-Informationen auch die Hospizinitiative Bleicherode sowie der Hospizverein Nordhausen e.V.
Ende Juni soll es nun im Thüringer Sozialministerium ein klärendes Gespräch geben. Für den sozialpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Michael Panse, ist es wichtig, ein Miteinander statt ein Nebeneinander herzustellen. Ich wünsche mir kein Konkurrenzverhalten zwischen der Hospizbewegung im allgemeinen und dem Kinderhospiz, sagte der Politiker der nnz.
Für Dr. Büntzel macht ein solches Gespräch allerdings nur dann einen Sinn, wenn sich die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland in einem anderen Ton positioniere. Der Ton, wie er aus dem Schreiben der Anwaltskanzlei herauszuhören war, der sei überhaupt nicht angebracht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzEs muß Mitte März gewesen sein, so ganz genau erinnert sich die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V., Ursula Neumann, nicht mehr, da verfaßte die LAG eine Stellungnahme zu den gegenwärtigen Aktivitäten der ‚Stiftung Kinderhopspiz Mitteldeutschland e.V.’, in der diese mit Interesse und Sorge zugleich beobachtet werden. Man sehe mit Freude die breit angelegte Pressearbeit der Stiftung, die auch zu einer Verbreitung des Hospizgedankens betragen würde, andererseits wird mit zunehmender Sorge beobachtet, dass Fragen nach den fachlichen Grundlagen des Projektes nicht oder nur unzureichend von den Verantwortlichen des Vereins ‚Kinderhospiz Mitteldeutschland’ beantwortet werden.
Weiterhin wird mit Sorge beobachtet, dass der Verein bisher Angebote zu einer Zusammenarbeit mit der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz in Thüringen und Sachsen-Anhalt unbeantwortet läßt und somit die Interessen der Hospizbewegung in ihrer Gesamtheit von diesem Projekt berührt sind. Dies ist um so bedeutender, da unter dem Stichwort eines Hospizes für Kinder mit den Emotionen von Spendern und vielen ehrenamtlichen Helfern gearbeitet wird, die neben dem Projekt des Kinderhospizes in Krimderode auch der Idee der Hospizbewegung verbunden sind.
Abschließend wird in der Stellungnahme der LAG die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland öffentlich aufgefordert, die fachlichen und materiellen Grundlagen des Kinderhospizes nachvollziehbar darzustellen und sich gleichzeitig öffentlich zur Frage einer Mitarbeit in der Hospizbewegung in Thüringen zu positionieren.
Anfang Mai gab es seitens der Stiftung eine Antwort, und zwar in Form eines fünfseitigen Schreibens einer Nordhäuser Anwaltskanzlei, bei deren Lesen den Vorständlern der LAG der Atem stockte. Darin ist unter anderem zu lesen, dass eine Zusammenarbeit nicht abschließend geklärt ist, weil der Eindruck entstehen muss, dass ein einheitlicher und klarer Wille ... nicht vorhanden ist.
Über die Stellungnahme der LAG ist die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. - so ist in dem anwaltlichen Schreiben zu lesen – sehr verärgert. Es werde der Versuch unternommen, die Stiftung zu diskreditieren und die redlichen Bemühungen, weiterhin die wirtschaftlichen Grundlagen des Kinderhospiz zu stärken, zu unterminieren.
Der Ton wird im Verlaufe der fünf Seiten allerdings noch schärfer. Sollte unsere Mandantin (Stiftung – d. Red.) noch einmal Kenntnis davon erlangen, dass Sie den Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. regelrecht in Misskredit zu bringen suchen, so werden wir auf Weisung unserer Auftraggeberin Ihre Landesarbeitsgemeinschaft vor dem örtlich und sachlich zuständigen Landgericht zum einen auf Unterlassung, zum anderen auf Ersatz der schon eingetretenen und dann ggf. noch weiter entstehenden wirtschaftlichen Einbußen (Schadenersatz) in Anspruch nehmen.
In der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland ist man jetzt der Meinung, dass diese juristische Breitseite ihre Wirkung nicht verfehlt habe. Stiftungssprecher Stephan Masch sagte zur nnz: Diese Stellungnahme ist nicht mehr aktuell, von unserer Seite steht einer Zusammenarbeit nichts im Wege!
Dr. Jens Büntzel, einer der Vorständler der LAG und Chefarzt am Nordhäuser Südharz-Krankenhaus, sieht das anders. Im Gespräch mit der nnz betonte er nachdrücklich, dass diese Stellungnahme immer noch stehe. Im Übrigen zeigte er sich erstaunt darüber, dass man der Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland e.V. eine Mitgliedschaft in der LAG habe anbieten müssen. Die rund 30 Mitglieder seien hingegen auf die LAG zugekommen und hätten um Aufnahme gebeten. Nach nnz-Informationen auch die Hospizinitiative Bleicherode sowie der Hospizverein Nordhausen e.V.
Ende Juni soll es nun im Thüringer Sozialministerium ein klärendes Gespräch geben. Für den sozialpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Michael Panse, ist es wichtig, ein Miteinander statt ein Nebeneinander herzustellen. Ich wünsche mir kein Konkurrenzverhalten zwischen der Hospizbewegung im allgemeinen und dem Kinderhospiz, sagte der Politiker der nnz.
Für Dr. Büntzel macht ein solches Gespräch allerdings nur dann einen Sinn, wenn sich die Stiftung Kinderhospiz Mitteldeutschland in einem anderen Ton positioniere. Der Ton, wie er aus dem Schreiben der Anwaltskanzlei herauszuhören war, der sei überhaupt nicht angebracht.
Peter-Stefan Greiner

