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Mo, 11:58 Uhr
23.04.2007

Eine oft tödliche Ruhe

Nordhausen (nnz). Er ist hohl, mehrere Meter lang und hat Millionen Zotten. Etwa 30 Tonnen Speisen und 50 000 Liter Flüssiges reisen im Lauf von 75 Jahren durch den menschlichen Darm. Wenn er streikt, kann es dramatische Folgen haben, hat Kurt Frank im Südharz-Krankenhaus erfahren.

Frühzeitg erkennen (Foto: M. Garke) Frühzeitg erkennen (Foto: M. Garke)

Chefarzt Dr. Joachim Rupprecht, hier vor einer Computertomografie

Bei den meisten Menschen zeigen sich über viele Jahre keinerlei Anzeichen einer Krankheit. Sie fühlen sich fit und rundum wohl. Kein Anlass, sich untersuchen zu lassen. Doch in ihrem Körper kann etwas wachsen, das ihr Leben bedroht: Darmkrebs. Er fordert deutschlandweit jedes Jahr etwa 35000 Opfer. Die Einwohnerzahl einer Kleinstadt. 70000 Menschen erkranken jährlich neu. Eine erschreckend hohe Zahl, die jährlich um 5.000 steigt.

Es ist ein stummer Krebs, sagt Dr. Joachim Rupprecht, Chefarzt der Klinik für Allgemeine und Viszerale Chirurgie des Südharz-Krankenhauses. Bis zu zehn Jahren kann es dauern, bis sich die ersten Symptome zeigen. Eine gefährliche Ruhe. Oft endet sie tödlich. Werde Darmkrebs festgestellt, dann liegen bei 25 Prozent der Patienten bereits Tochtergeschwülste vor.

Der Patient befindet sich im Stadium 4 der Erkrankung. Nur maximal 30 Prozent der Betroffenen überleben nach der Operation die nächsten fünf Jahre. Bei 30 Prozent der Erkrankten sind die Lymphknoten befallen (Stadium 3). Bei 45 Prozent der Patienten mit Darmkrebs besteht zum Zeitpunkt der Erkennung „nur“ ein lokales Geschehen (Stadium 1 und 2). 40 bis 50 Prozent der Betroffenen in den Stadien 1, 2 und 3 entwickeln später ebenfalls Metastasen. Die 5-Jahre-Überlebensrate ist in den einzelnen Etappen unterschiedlich.

Sie beträgt 60 bis 90 Prozent für Erkrankte im Stadium 1 und 2 und 30 bis 60 Prozent im Stadium 3. Etwa 100 Darmkrebsoperationen erfolgten im Vorjahr in der Klinik des Chefarztes Rupprecht. Leider, bedauert er, stieg die Zahl in den letzten Jahren stetig an.

Dr. Rupprecht beruhigt: An die 90 Prozent aller Darmkrebsfälle könnten durch Früherkennung verhindert oder geheilt werden. Aber nur 5 Prozent der Männer und etwa 10 Prozent der Frauen gehen zur Koloskopie (Darmspiegelung), bedauert der Mediziner. Mit der Spiegelung des gesamten Darms, klärt er auf, lassen sich laut einer aktuellen Studie nahezu alle Tumoren ausmachen. Polypen, Vorboten dieser heimtückischen Krankheit, werden dabei gleich entfernt.

Das Südharz-Krankenhaus kann alle bösartigen Erkrankungen der Bauchhöhle optimal behandeln, betont Doktor Rupprecht. Mit sehr guten Ergebnissen - auch im Vergleich mit Universitätskliniken. In Zusammenarbeit mit dem Onkologen Dr. Uwe Keppler biete das Krankenhaus eine hochqualifizierte Nachbehandlung (Chemotherapie) an und kann eine sehr persönliche Tumornachsorge über 5 Jahre ermöglichen. Alle nur denkbaren Therapiemöglichkeiten für die Behandlung möglicher Tochtergeschwülste oder erneuter Tumoren stehen zur Verfügung.

Völlig unbegründet ist es daher, meint der Chefarzt, wenn Patienten wegen einer Tumorerkrankung in Kliniken nach Göttingen oder Hannover verwiesen werden. Für sie und die Angehörigen sei das nur eine zusätzliche und unzumutbare Belastung.

Manche Menschen meinen, ein Test auf verstecktes Blut im Stuhl sei für eine Vorsorge ausreichend. Dieses Verfahren ist die einfachste und billigste Methode, Hinweise auf eine mögliche Erkrankung zu bekommen. Studien zeigten jedoch, dass der Stuhltest nur etwa 35 Prozent aller Darmkrebserkrankungen erkennt. In einer falschen Ernährung sieht Chefarzt Rupprecht einen Hauptrisikofaktor für die Entstehung von Darmkrebs.

So habe sich der Fleischkonsum in den letzten 50 Jahren versechsfacht. Cola und Süßgetränke verdrängen Milch und Kräutertees, Fast Food das Frühstücksbrot. Künstliche Produkte aus Dosen und Tüten ersetzten keine Ballaststoffe. Rauchen und Alkohol tun ein Übriges. Symptome für eine ernsthafte Erkrankung sind Blut oder Schleim im Stuhl, Bauchkrämpfe, Bleistift- oder so genannte Ziegenköttelstühle, abwechselnd Durchfälle und Verstopfungen. Durch Blutverlust kann es zur Anämie (Blutarmut) mit Leistungsabfall, Müdigkeit und Schwäche kommen.

Bei allen Fragen zum Thema Darmkrebs oder anderer Erkrankungen der Bauchhöhle können sich interessierte Bürger an das ?Sorgentelefon? wenden. Rufnummer: 03631 / 412303 oder 412307. Hier bekommen sie werktags von 7 bis 16 Uhr stets eine kompetente Auskunft durch einen Fachmediziner oder durch den Chefarzt Dr. Joachim Rupprecht persönlich.
Autor: nnz

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