Mi, 19:37 Uhr
21.03.2007
Zappelphilipp sagt Auf Wiedersehen
Nordhausen (nnz). Nach 36 Jahren ist Schluß. Dr. Bernhard Blochmann hängt den weißen Kittel an den Nagel. Heute verabschiedete er sich und übergab die Klinik an seine Nachfolgerin. Nnz mit Rück- und Ausblick.
Das Bild vom kippelnden Zappelphilipp ließ Dr. Bernhard Blochmann auf seine Einladungskarte drucken. Viele berühmte Männer litten an ADS, darunter Einstein, Churchill, Napoleon und der Pädagoge Pestalozzi. Und du hast vielleicht auch etwas von der Figur sagte Uwe Klein, der medizinische Direktor des Südharzkrankenhaus. Auf Fotos war der junge Chefarzt zu sehen, mal erst, mal als zappeliger kleiner Junge. Kinder- und Jugendpsychiater Blochmann widmete seine letzten Jahre vor allem dem Kindern, die an Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität leiden. Die Zahl deren hat im Laufe der 36,5 Jahre seiner Dienstzeit stark zugenommen.
Es ist nicht der letzte Vortrag, den der 1943 in Waltershausen geborene Blochmann heute hielt. Die Thüringer Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie wird ihn weiter zu Kongressen einladen. Sein Wissen ist gefragt. Im Notfall kann man Blochmann immer anrufen. Der weiß auch in schweren Fällen Rat. Loben Kollegen.
Heute wollte er noch einmal einen Einblick in die aktuellen Probleme der Kinder- und Jugendpsychiatrie geben. Anlagen und Umwelt beeinflussen die Kinder in ihrem Verhalten. Im Bereich der neuroanalytischen Richtung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Diagnose von Hirnschäden findet heute schon im Mutterleib statt. Inzwischen liegt der Schwerpunkt ganz deutlich auf umweltbedingten Problemen. 68 bis 75 Prozent meiner Patienten litten an einer Störung des sozialen Verhaltens. Führt er aus. Grund dafür sind sich auflösende Familien, keine angemessene Schulbildung und wenig sinnvoll verbrachte Freizeit. Statt gemeinsam verbrachter Zeit bekämen Jugendliche heute schicke Unterhaltungselektronik ins Zimmer gestellt. Rund 30 Prozent aller Jugendlichen verbringen weniger als neun Stunden pro Woche mit ihren Eltern.
Bernhard Blochmann hatte viel Zeit in Nordhausen seine Erfahrungen zu sammeln. Am 01.10.1970 begann er hier seine Facharztausbildung. Er brachte viel auf den Weg für sein Fachgebiet, die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als Oberarzt und Abteilungsleiter wurde er 1984 ernannt. Im selben Jahr promovierte er zum Thema Fotosensibilität und Psychopathologie Mit seinem Weggang aus dem Südharzkrankenhaus geht eine Ära zuende. Geschäftsführer Antonius Pille verabschiedete Blochmann als den letzten Chefarzt, der schon in der DDR dieses Amt innehatte.
Seine Nachfolgerin Inge Schreier hat überhaupt keine DDR-Vergangenheit. Sie kommt aus Kassel, hat dort vor allem viel Erfahrung mit drogensüchtigen Jugendlichen und an der Borderline-Störung Erkrankten gesammelt. Mit Drogen haben wir hier noch nicht viel zu tun. Sagte ihr Blochmann. Aber das kann ja noch kommen. Sie bringt neben der psychiatrischen auch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung mit.
Der Strom der Gratulanten riß nicht ab. Obwohl Bernhard Blochmann keine Blumen wollte, hatten ihm viele Freunde welche mitgebracht. Spenden für den Verein Lernen fördern an der Pestalozzi-Förderschule kamen trotzdem zusammen. Bald wird es eine neue Psychiatrische Klinik am Südharzkrankenhaus geben. Zur Eröffnung ist der scheidende Chefarzt schon eingeladen. Seine Nachfolgerin weiß, daß sie ein schweres Erbe antritt. Hoffentlich sieht man sich immer mal. Wünschte sie sich.
Autor: wfDas Bild vom kippelnden Zappelphilipp ließ Dr. Bernhard Blochmann auf seine Einladungskarte drucken. Viele berühmte Männer litten an ADS, darunter Einstein, Churchill, Napoleon und der Pädagoge Pestalozzi. Und du hast vielleicht auch etwas von der Figur sagte Uwe Klein, der medizinische Direktor des Südharzkrankenhaus. Auf Fotos war der junge Chefarzt zu sehen, mal erst, mal als zappeliger kleiner Junge. Kinder- und Jugendpsychiater Blochmann widmete seine letzten Jahre vor allem dem Kindern, die an Aufmerksamkeitsdefiziten und Hyperaktivität leiden. Die Zahl deren hat im Laufe der 36,5 Jahre seiner Dienstzeit stark zugenommen.
Es ist nicht der letzte Vortrag, den der 1943 in Waltershausen geborene Blochmann heute hielt. Die Thüringer Gesellschaft für Neurologie und Psychiatrie wird ihn weiter zu Kongressen einladen. Sein Wissen ist gefragt. Im Notfall kann man Blochmann immer anrufen. Der weiß auch in schweren Fällen Rat. Loben Kollegen.
Heute wollte er noch einmal einen Einblick in die aktuellen Probleme der Kinder- und Jugendpsychiatrie geben. Anlagen und Umwelt beeinflussen die Kinder in ihrem Verhalten. Im Bereich der neuroanalytischen Richtung hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Diagnose von Hirnschäden findet heute schon im Mutterleib statt. Inzwischen liegt der Schwerpunkt ganz deutlich auf umweltbedingten Problemen. 68 bis 75 Prozent meiner Patienten litten an einer Störung des sozialen Verhaltens. Führt er aus. Grund dafür sind sich auflösende Familien, keine angemessene Schulbildung und wenig sinnvoll verbrachte Freizeit. Statt gemeinsam verbrachter Zeit bekämen Jugendliche heute schicke Unterhaltungselektronik ins Zimmer gestellt. Rund 30 Prozent aller Jugendlichen verbringen weniger als neun Stunden pro Woche mit ihren Eltern.
Bernhard Blochmann hatte viel Zeit in Nordhausen seine Erfahrungen zu sammeln. Am 01.10.1970 begann er hier seine Facharztausbildung. Er brachte viel auf den Weg für sein Fachgebiet, die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als Oberarzt und Abteilungsleiter wurde er 1984 ernannt. Im selben Jahr promovierte er zum Thema Fotosensibilität und Psychopathologie Mit seinem Weggang aus dem Südharzkrankenhaus geht eine Ära zuende. Geschäftsführer Antonius Pille verabschiedete Blochmann als den letzten Chefarzt, der schon in der DDR dieses Amt innehatte.
Seine Nachfolgerin Inge Schreier hat überhaupt keine DDR-Vergangenheit. Sie kommt aus Kassel, hat dort vor allem viel Erfahrung mit drogensüchtigen Jugendlichen und an der Borderline-Störung Erkrankten gesammelt. Mit Drogen haben wir hier noch nicht viel zu tun. Sagte ihr Blochmann. Aber das kann ja noch kommen. Sie bringt neben der psychiatrischen auch eine betriebswirtschaftliche Ausbildung mit.
Der Strom der Gratulanten riß nicht ab. Obwohl Bernhard Blochmann keine Blumen wollte, hatten ihm viele Freunde welche mitgebracht. Spenden für den Verein Lernen fördern an der Pestalozzi-Förderschule kamen trotzdem zusammen. Bald wird es eine neue Psychiatrische Klinik am Südharzkrankenhaus geben. Zur Eröffnung ist der scheidende Chefarzt schon eingeladen. Seine Nachfolgerin weiß, daß sie ein schweres Erbe antritt. Hoffentlich sieht man sich immer mal. Wünschte sie sich.


