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Sa, 15:13 Uhr
07.03.2026
Philologe und Dichter Lorenz Rhodomann

Ehrung für einen der klügsten Bauernsöhne vom Harztor

In Niedersachswerfen gibt es die Rhodomann-Straße, doch nur wenige Arree`s wissen, wer der Namensgeber war und wie sein Leben verlief. Das will die Ortschaft nun ändern, gerade fand dazu der Abschluss der Gestaltung für die Tafel statt, die aufgestellt wird, hier einige Details vorab…

Mit einer neuen Gedenktafel in der Rhodomannstraße würdigt die Gemeinde Harztor einen ihrer bedeutendsten Söhne: Lorenz Rhodomann (1546–1606), Philologe, Humanist, Dichter und einer der herausragenden Gelehrten der frühen Neuzeit. Was heute wie ein fernes Kapitel Gelehrtengeschichte klingt, beginnt in unserem kleinen thüringischen Heimatort – und mit einem Bauernsohn, dessen Wissensdurst ihn weit über die Grenzen seiner Heimat hinausführte.

Vom Harztor in die Welt der Gelehrten
Geboren am 5. August 1546 in Niedersachswerfen, erkannte der Ortspfarrer Andreas Wacker früh die außergewöhnliche Begabung des jungen Lorenz. Er forderte ihn, man schickte ihn auf Schulen in Stolberg, Nordhausen und Magdeburg – und öffnete ihm damit die Tür zu einer Laufbahn, die ihresgleichen sucht.

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Schon als Jugendlicher beeindruckte Rhodomann seine Lehrer so sehr, dass selbst die Landesherren auf ihn aufmerksam wurden. 1562 erhielt er ein Stipendium für die berühmte Klosterschule Ilfeld, die unter Michael Neander zu den angesehensten Bildungsstätten Mitteldeutschlands gehörte. Rhodomann wurde dort nicht nur zum Musterschüler, sondern zum engen Lebensfreund Neanders – ein Verhältnis, das Zeitgenossen später als Verbindung zwischen „Vater und Sohn im Geiste“ beschrieben.

Die Gedenktafel für Lorenz Rhodomann aus Niedersachswerfen (Foto: Tim Schäfer) Die Gedenktafel für Lorenz Rhodomann aus Niedersachswerfen (Foto: Tim Schäfer)

Ein „alter Homer“ – der zweite Homer
Rhodomann galt als einer der besten Kenner der griechischen Sprache seiner Zeit. Seine Übersetzungen, Gedichte und philologischen Arbeiten brachten ihm europaweite Anerkennung ein. Zeitgenossen ehrten ihn als „alter Homer“, also als zweiten Homer – ein Titel, der nur den größten Dichtern vorbehalten war. Der berühmte Melissus krönte ihn sogar feierlich zum poeta laureatus.
Seine beruflichen Stationen führten ihn nach Rostock, Schwerin, Lüneburg, Walkenried, Jena, Stralsund und schließlich nach Wittenberg. Überall hinterließ er Spuren – als Lehrer, als Forscher, als Dichter und als Mensch, der Bildung als Lebensaufgabe verstand.

Trotz seiner weiten Wege blieb Rhodomann seiner Herkunft stets verbunden. In Briefen und Gedichten taucht seine heute thüringische Heimat immer wieder auf. Dass heute eine Straße in Niedersachswerfen seinen Namen trägt, ist Ausdruck dieser historischen Verbundenheit – und die neue Gedenktafel macht diese Verbindung nun sichtbar und lebendig.

Die Initiative zur Gedenktafel geht auf Dirk Erfurt (SOWENO) zurück, der das Projekt mit großem persönlichem Engagement angestoßen und erfolgreich Sponsoren für die Umsetzung gewonnen hat. Gemeinsam mit dem grafischen und inhaltlichen Entwurf von R. Baumgarten aus Niedersachswerfen entstand eine sehr würdige Hommage an einen Mann, der aus einfachsten Verhältnissen zu einem der bedeutendsten Humanisten seiner Zeit wurde. Tim Schäfer unterstützt inhaltlich.

Ein Novum: QRCodes öffnen Rhodomanns Welt
Die Gedenktafel bietet mehr als Namen und Daten. Über moderne QRCodes erhalten Besucherinnen und Besucher Zugang zu:
  • einer ausführlichen Vita Rhodomanns,
  • und – als besondere Re-Premiere – dem berühmten Werk „Ilfelda Hercynica“, seinem poetischen Versgesicht auf Heimat, Landschaft und Herkunft.


Damit wird Rhodomanns Stimme erstmals und exemplarisch einer breiten Leserschaft in deutscher Sprache zugänglich. Es ist weit mehr als eine Ehrung: Es ist die Rückkehr eines Heimatdichters in die Mitte seiner Gemeinde.
Rhodomann steht für etwas, das in unserer Region tief verwurzelt ist: Bildung als Aufstiegskraft. Mut zum Denken. Und die Überzeugung, dass große Geister auch aus kleinen Orten kommen.

Mit der Gedenktafel erhält Niedersachswerfen nicht nur ein Stück Erinnerungskultur, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass Geschichte hier nicht nur verstaubt, sondern lebendig ist.
Tim Schäfer
Autor: red

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