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Do, 07:30 Uhr
05.03.2026
Neueste Bevölkerungsprognose für den Landkreis Nordhausen

Wie der Südharz vergreist

Ganz neu ist die Nachricht nicht: Die Bevölkerung im Landkreis Nordhausen schrumpft und wird älter. Doch die zweite Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes zeigt, wie dramatisch diese Entwicklung für unsere Region wird...

Ältere Menschen sitzen auf einer Bank in einem Park.  (Foto: Manfred Richter/Pixabay) Ältere Menschen sitzen auf einer Bank in einem Park. (Foto: Manfred Richter/Pixabay)
20 Prozent. So viel weniger Menschen wird der Landkreis im Jahr 2045 zählen: Nach der aktuellen Prognose werden dann nur noch etwa 64.410 Menschen im Südharz leben. Heute sind es 80.762. Die frischen Zahlen stellte Ina Schmücking von der Stabsstelle Sozialplanung im jüngsten Sozialausschuss des Landkreises vor.

Während die Zahl der Menschen unter 65 Jahren bis 2045 deutlich sinkt, wächst gleichzeitig die Gruppe der über 65-Jährigen um etwa 25 Prozent. Das bedeutet: Immer weniger Erwerbstätige stehen einem deutlich steigenden Pflege- und Sozialbedarf gegenüber. Schmücking sprach in diesem Zusammenhang von einer „großen Herausforderung“ für die Versorgung älterer Menschen.

Übersicht über die einzelnen Gemeinden im Landkreis und ihre Einwohnerentwicklung.  (Foto: Quelle: Statitisches Landesamt) Übersicht über die einzelnen Gemeinden im Landkreis und ihre Einwohnerentwicklung. (Foto: Quelle: Statitisches Landesamt)
Festzuhalten bleibt: Es gibt keine Gemeinde im Landkreis, die in den kommenden 19 Jahren an Bevölkerung zunimmt. Alle Orte schrumpfen. Dabei zeigen sich jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Städten, Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften. Während einige Orte, wie etwa Sollstedt oder Ellrich, vergleichsweise moderate Rückgänge aufweisen, sind insbesondere kleinere ländliche Gemeinden wie Lipprechterode, Großlohra, Kehmstedt, Niedergebra und Görsbach von überdurchschnittlich starken Bevölkerungsverlusten betroffen.

Weniger Kinder und Jugendliche
Besonders stark betroffen vom Rückgang sind die Kinder- und Jugendjahrgänge bis 20 Jahre. Die größten Rückgänge werden in Nordhausen mit minus 33 Prozent erwartet, gefolgt von Bleicherode (-32 Prozent) und Harztor (-31 Prozent). Anders kann man auch sagen: Dann leben in den drei Gemeinden deutlich mehr ältere Menschen als heute. Vergleichsweise stabil zeigt sich laut Vorausberechnung lediglich Sollstedt mit einem Rückgang von fünf Prozent.

Vom Kita-Bau zur Kita-Schließung
Dass der demografische Wandel längst Realität ist, zeigt sich aktuell in den Kindertagesstätten der Region. Während vor nicht einmal zehn Jahren noch Kitas gebaut wurden, unter anderem in Harztor und Bleicherode, muss man jetzt mancherorts über Schließungen nachdenken. Sinkende Kinderzahlen führen dazu, dass weniger Kitaplätze benötigt werden. In der Stadt Nordhausen wird deshalb derzeit über mögliche Schließungen von mindestens drei Einrichtungen diskutiert. Entsprechend der neuesten Zahlen könnten in den nächsten zehn Jahren bis zu 660 Plätze in der Rolandstadt wegfallen. Auch die Gemeinde Harztor hat den lange geplanten Kita-Neubau in Ilfeld ad acta gelegt. Die zusätzlichen Plätze werden nicht mehr gebraucht. Hinzu kommt die finanzielle Belastung für die Kommune durch die sinkende Kinderzahl und die dadurch immer geringeren Elternbeiträge, über die die Kitas zum großen Teil mit finanziert werden.

Schulen haben noch Schonfrist
Auch für die Schulen hat die Entwicklung Folgen. Beigeordneter Stefan Nüßle (CDU) bat die Ausschussmitglieder, den Demografiebericht in ihre Fraktionen mitzunehmen. Ohne Zuwanderung würden die Zahlen noch deutlich schlechter ausfallen, sagte er. Ab etwa 2030 werde sich der Rückgang auch in den Schulen bemerkbar machen – die Klassen werden langfristig kleiner. Die Daten sollen daher auch in die kommende Schulnetzplanung einfließen. Möglicherweise müssten Schulen geschlossen werden.

Die SPD sprach sich in der Diskussion für starke Schulzentren und eine "resiliente Planung" aus. Auch wenn es schmerzhaft wäre: Nicht jede kleine Dorfschule werde langfristig erhalten bleiben können. Vertreter der Grünen betonten dagegen, wie wichtig Schulen und Kitas für die Attraktivität von Orten für junge Familien und den Zuzug seien. Stefanie Tiepelmann-Halm (Grüne) mahnte zudem an, bei möglichen Veränderungen in der Schullandschaft wie Schulschließungen unbedingt die Betroffenen wie Elternvertreter und Lehrerschaft frühzeitig einzubeziehen.

Ab etwa 2035 dürfte der Rückgang auch im Jugendbereich deutlich spürbar werden und sich an Regelschulen sowie Gymnasien bemerkbar machen.

Zahl der Geburten auf absolutem Tiefstand
Im Vorjahr wurde im Landkreis Nordhausen die bislang niedrigste Geburtenrate in der Nachwendezeit registriert. Bislang wurden im Landkreis nur im Jahr 1994 weniger Kinder geboren, nicht einmal 500 Mädchen und Jungen kamen damals zur Welt. Erst ab 1998 stieg die Zahl der Geburten wieder an und hatte in den Jahren zwischen 2014 und 2018 ihren Höhepunkt - auch die Anzahl der Kinder pro Frau war in diesen Jahren mit 1,7 Kindern pro Frau hoch. "Diesen Knick aus den 1990ern spüren wir jetzt", sagte Nüßle. Es fehlen schlichtweg junge Frauen Ende 20, Anfang 30. Laut Vorausberechnungen wird die Kinderzahl von 2024 bis 2045 nie wieder erreicht. Bis 2030 sinken die Zahlen weiter, ehe sie sich auf niedrigem Niveau stabilisieren. "Langfristig müssen wir unsere Infrastruktur strategisch anpassen. Wir alle stehen vor schweren Entscheidungen", sagte Schmücking.
Update, 9. März 2026: In einer früheren Variante stand, dass die AfD sich für starke Schulzentren aussprach. Das war eine Verwechslung. Richtig ist, dass die Forderung von der SPD kam. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.
Susanne Schedwill
Autor: ssc

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Kommentare
Wanderwölfin
05.03.2026, 08:28 Uhr
Vergreist
Wenn ich das Rentenalter erreichen sollte,dann ziehe ich in eine Großstadt. Hier ist man verkehrmässig abgeschnitten.Als kranker Mensch wird bei einem die OP ambulant erledigt und wie es den Menschen danach geht interessiert keinen.
H.Freidenker
05.03.2026, 08:29 Uhr
Bevölkerungsprognose und Familienplanung
Der Umbau der Gesellschaft trägt seine Früchte und damit sind diese Zahlen keine Überraschung. Welchen Wert hat die typische Familie in der heutigen Gesellschaft noch.
Solange Ideologien herrschen, dass es unvorstellbar viele Geschlechter gibt, dass es menstruierende und gebärende Männer gibt, dass schon in der Schule das typische Familienbild zerstört wird, zeigt auf,das die Gesellschaft krank ist.
Krank ist das Gesundheitssystem, genauso krank ist das Rentensystem. Krank ist das gesamte System. Hier helfen auch keine kurzfristigen Veränderungen.
Das Schreckensystem der DDR fand sein Ende, dass neue System brachte andere Schrecken, auch wenn das eine gewisse Zeit gedauert hat, um es zu erkennen.
Es steht wieder eine Systemveränderung vor uns, keiner wird dies aufhalten.
"Besonders nicht, unsere Demokratie"!!!

Der wirtschaftliche und militärische Komplex wird Veränderungen bringen, die jenseits unseres Vorstellbaren liegen.
Was spielt eigentlich Krieg für eine Rolle, beim erarbeiten einer Bevölkerungsprognose?
Echter Sundhäuser
05.03.2026, 08:53 Uhr
Und die positiven Aspekte?
Lässt man hier völlig aus. Ist es denn nicht so, das einerseits gejammert und gewarnt wird, das die Erde unter Überbevölkerung leidet und die Ressourcen immer knapper werden und mehr Menschen mehr CO2 Ausstoß bedeuten und den Klimawandel beschleunigen und nun vermehren wir uns nicht wie die Karnickel, wie z.B. in Afrika oder Indien und dann ist es auch nicht richtig...
GN24
05.03.2026, 10:36 Uhr
...Vermehren wir uns nicht wie die Karnickel ?
...@Echter Sundhäuser, Artikel nicht verstanden. 6 setzen. Mehr kann ich dazu nicht sagen.
Da muss einem doch Angst und Bange werden, wenn man sowas liest. In 20 Jahren rund 20 Tausend Einwohner im Landkreis weniger. Da sehe ich keine positiven Aspekte. Diese Republik hat sich fast abgeschaft, genau wie es @H.Freidenker sagt. Hier krankt es an allem. Aus meiner Sicht liegt das an unvernünftiger idiologie getriebener Politik. Wir verschenken Milliarden in Länder die nicht in der EU - und auch nicht in der Nato sind. Sinnvolle Familienpolitik bleibt in dieser Republik auf der Strecke.
Echter Sundhäuser
05.03.2026, 16:08 Uhr
Wenn sie Zynismus nicht verstehen
GN24, tja dann...
Beim nächsten Mal klappt's dann vielleicht. ;-)
mobilitymind
05.03.2026, 21:23 Uhr
...und was man dagegen tun kann"
Beim Lesen dieses Artikels fehlt mir persönlich der Abschnitt "und was man dagegen tun kann". Es liest sich hier so, als sei diese Entwicklung unausweichlich.
Spoiler: Ist sie nicht. Oder besser: Sie müsste es nicht sein.
Nordhausen ist eine alte Industriestadt. Nur eben mit schrumpfender Industrie. Das ist kein Geheimnis. Seit der Wende: IFA, FMN, Reemtsma, Löblein, Eaton, Blechservice - platt. Weitere Betriebe verkleinert.
Es ist aber die Industrie, an der alles andere hängt. Industrie zieht Arbeitskräfte an. Diese siedeln sich an, gründen Familien, Bedarf entsteht, Infrastruktur entsteht, Handel und Dienstleistungen entstehen - mehr Arbeitsplätze, mehr Familien usw.
Genau da aber versagen die Verantwortlichen in Stadt und Landkreis seit langem auf der ganzen Linie.
Schauen Sie nach Erfurt, nach Wernigerode: Dort sind die Bürgermeister und Entscheidungsträger in den Betrieben, im Austausch mit Unternehmern. Das Erfurter Kreuz blüht. Wernigerode hat gerade erfolgreich "Karl's" angeworben.
Und in Nordhausen? Hier halten wir den Thüringenrekord für das am längsten brach liegende, vollerschlossene Industriegebiet. Hier ist der Oberbürgermeister so sichtbar wie russische Atom-U-Boote: Alle 3 Monate einmal auftauchen.

Anstatt den Niedergang zu prognostizieren und ihn achselzuckend zu begleiten, müssten die wohlbesoldeten Amtsträger aus ihrer Lethargie erwachen und alles mobilisieren, um hier neue Industrie anzuwerben und aus Nordhausen eben wieder eine der Zukunft zugewandte Industriestadt zu machen, mit einer Wachstumsperspektive!
Und ja, um die Antwort auf die erwartbare Frage vorwegzunehmen: Natürlich auch gerne Rüstungsindustrie. By the way, Herr Landrat: wie weit ist es denn damit?
Kobold2
06.03.2026, 08:59 Uhr
Beim dagegen tun
Nur immer auf die da oben zu zeigen, ist hat etwas zu simpel.
Selbst hat man wenig gegen das Geburtendefizit getan. Das liegt ja auch bei den Anderen. Industrie und Handwerk hat die wenige Jugend mit Perspektivlosigkeit jahrelang weggelobt, so dass man seine Zukunft in anderen Regionen gefunden hat. Bei den Indusdrieansiedlungen wurde auch fleißig dagegen gemobbt. Den Autohof viele Jahre verhindert, Batterierecycling, Rüstung und nicht zuletzt das Rechenzentrum sind weitere Beispiele, wie man sich selbst, ganz ohne "die da oben" abhängt und noch stolz darauf ist. Dazu gehört auch der gelebte Futterneid, wenn die wenigen organisierten Arbeitnehmer für beserre Bedingungen und Löhne streiken. Fragt einfach mal Jugendliche die ausserhalb unserer Region ihre Ausbildung absolviert haben, warum sie der Region den Rücken gekehrt haben. Mittlerweile hat man sich hier wohl auch einen Ruf "erarbeitet", oder sollte man besser erjammert und ernölt schreiben, in der die Region als unattraktiv gesehen wird.
Wanderwölfin
08.03.2026, 17:11 Uhr
Vergreist
Die jungen Menschen, welche streiken kommen hier in Thüringen nicht von Muttis Rockzipfel los.
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