Fr, 23:30 Uhr
02.02.2007
Schach im Theater
Nordhausen (nnz). Im städtischen Musentempel ging gerade das Musical Chess von den ABBA-Herren über die Bühne. Ob die Nordhäuser dabei ihr Waterloo erlebten, das weiß Olaf Schulze, der für die nnz vor Ort war.
Nein, ein Waterloo ist es für das glänzende Ensemble ganz und gar nicht geworden, dafür wurde aus dem Disco-Kracher One night in Bankok ein two nights, denn die Nummer musste in die Zugabe, um das frenetisch jubelnde Publikum zu befriedigen.
Damit ist eigentlich auch schon gesagt, was die zweieinhalb Stunden Musicalkost im Theater brachten: eine dynamische und sauber inszenierte Aufführung mit einem bestens aufgelegtem Loh-Orchester, einem fantastischen Chor, einem sehenswerten Ballett und einer ganzen Reihe großartiger Solisten. Allen voran Femke Soetenga, die spiel- und stimmgewaltige Holländerin in der Hauptrolle der Florence Vassy. Und schon sind wir mittendrin in einer Handlung, die einer Schachpartie gleicht: viele überraschende, manchmal hinterhältige und stets wohlüberlegte Intrigen und Winkelzüge.
Ich will die Handlung nicht verraten und fasse deshalb hier sehr global zusammen: es kämpft schwarz gegen weiß, Sowjetunion gegen USA in einer fiktiven Schachweltmeisterschaft 1962. Florence die junge Ungarin ist die Freundin des amtierenden amerikanischen Schachweltmeisters (dargestellt vom virtuosen und stilsicheren Gast Paul Erkamp), der an die historische Figur des leicht zum Wahnsinn neigenden Bobby Fisher erinnert. Während des Turniers verlässt sie ihn aber, um in die Arme des sowjetrussischen Herausforderers Anatoly Sergievsky zu sinken, der prompt Weltmeister wird.
Gespielt wird Sergievsky von Rob Pitcher, der in der Rolle förmlich aufgeht und seinen Fans mit dieser Leistung weiteren Anlass gibt, ihn zu lieben. Ganz stark, wie er die Zerrissenheit des Sportlers zwischen politischen Ränkespielen und privater Gefühlswelt, zwischen Erpressung und Verlockung spielt. Als Schiedsrichter und mal mephistophlische und mal bürgerlich realistische Figur brilliert Christian Venzke, ein begnadeter Musicaldarsteller, der das Ensemble immer wieder mitreißt und anfeuert.
Auch Thomas Kohl als finsterer russischer Befehlshaber Molokov zeigt einmal mehr, wie verwandlungsfähig und was für ein Komödiant er ist. Allen anderen Darstellern in den kleineren Rollen merkt man die Spielfreude an und den Elan, den die Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth entfacht hat. Im rationalen (und natürlich größtenteils schwarz-weiß-kariertem) Bühnenbild kamen die Kostüme von Elisabeth Stolze Bley sehr gut zur Geltung. Auch hier überwogen die Farben schwarz und weiße bzw. elfenbeinerne Töne, wie wir sie von Schachfiguren kennen. Die Welt ist diesmal keine Bühne, sondern ein Schachbrett, auf dem die Intriganten im Kreml und im weißen Haus die Figuren ziehen.
Lediglich Florence tritt in der Farbe der Liebe, ganz in rot auf. Es nützt ihr am Ende nichts, doch warum, das werde ich hier nicht verraten. Schauen Sie es sich selbst an, die Inszenierung hat es verdient und beweist eindrucksvoll, was das kleine Haus in der Käthe-Kollwitz-Strasse zu leisten im Stande ist.
Vielleicht sollte mal irgendjemand einen gewissen Herrn Goebel einladen, sich das anzuschauen.
Olaf Schulze
Autor: oschNein, ein Waterloo ist es für das glänzende Ensemble ganz und gar nicht geworden, dafür wurde aus dem Disco-Kracher One night in Bankok ein two nights, denn die Nummer musste in die Zugabe, um das frenetisch jubelnde Publikum zu befriedigen.
Damit ist eigentlich auch schon gesagt, was die zweieinhalb Stunden Musicalkost im Theater brachten: eine dynamische und sauber inszenierte Aufführung mit einem bestens aufgelegtem Loh-Orchester, einem fantastischen Chor, einem sehenswerten Ballett und einer ganzen Reihe großartiger Solisten. Allen voran Femke Soetenga, die spiel- und stimmgewaltige Holländerin in der Hauptrolle der Florence Vassy. Und schon sind wir mittendrin in einer Handlung, die einer Schachpartie gleicht: viele überraschende, manchmal hinterhältige und stets wohlüberlegte Intrigen und Winkelzüge.
Ich will die Handlung nicht verraten und fasse deshalb hier sehr global zusammen: es kämpft schwarz gegen weiß, Sowjetunion gegen USA in einer fiktiven Schachweltmeisterschaft 1962. Florence die junge Ungarin ist die Freundin des amtierenden amerikanischen Schachweltmeisters (dargestellt vom virtuosen und stilsicheren Gast Paul Erkamp), der an die historische Figur des leicht zum Wahnsinn neigenden Bobby Fisher erinnert. Während des Turniers verlässt sie ihn aber, um in die Arme des sowjetrussischen Herausforderers Anatoly Sergievsky zu sinken, der prompt Weltmeister wird.
Gespielt wird Sergievsky von Rob Pitcher, der in der Rolle förmlich aufgeht und seinen Fans mit dieser Leistung weiteren Anlass gibt, ihn zu lieben. Ganz stark, wie er die Zerrissenheit des Sportlers zwischen politischen Ränkespielen und privater Gefühlswelt, zwischen Erpressung und Verlockung spielt. Als Schiedsrichter und mal mephistophlische und mal bürgerlich realistische Figur brilliert Christian Venzke, ein begnadeter Musicaldarsteller, der das Ensemble immer wieder mitreißt und anfeuert.
Auch Thomas Kohl als finsterer russischer Befehlshaber Molokov zeigt einmal mehr, wie verwandlungsfähig und was für ein Komödiant er ist. Allen anderen Darstellern in den kleineren Rollen merkt man die Spielfreude an und den Elan, den die Regisseurin und Choreografin Iris Limbarth entfacht hat. Im rationalen (und natürlich größtenteils schwarz-weiß-kariertem) Bühnenbild kamen die Kostüme von Elisabeth Stolze Bley sehr gut zur Geltung. Auch hier überwogen die Farben schwarz und weiße bzw. elfenbeinerne Töne, wie wir sie von Schachfiguren kennen. Die Welt ist diesmal keine Bühne, sondern ein Schachbrett, auf dem die Intriganten im Kreml und im weißen Haus die Figuren ziehen.
Lediglich Florence tritt in der Farbe der Liebe, ganz in rot auf. Es nützt ihr am Ende nichts, doch warum, das werde ich hier nicht verraten. Schauen Sie es sich selbst an, die Inszenierung hat es verdient und beweist eindrucksvoll, was das kleine Haus in der Käthe-Kollwitz-Strasse zu leisten im Stande ist.
Vielleicht sollte mal irgendjemand einen gewissen Herrn Goebel einladen, sich das anzuschauen.
Olaf Schulze


