Fr, 10:11 Uhr
02.02.2007
Nordhäuser Zukunft
Nordhausen (nnz). Noch in diesem Jahr soll der aktuelle Stadtentwicklungsplan für Nordhausen zu einem integrierten Stadtentwicklungskonzept fortgeschrieben werden. Das kündigte jetzt Inge Klaan (CDU), Dezernentin für Bau, Wirtschaft und Umwelt, an. Was sich hinter diesem kompliziert klingenden Namen versteckt, das hat jetzt die nnz erfahren.
Der Plan soll Entwicklungsperspektiven bis zum Jahr 2020 zeigen und führt damit den bereits bestehenden Plan fort, der Handlungsanregungen bis zum Jahr 2010 festschreibt. Wir müssen bereits jetzt wissen, wie es nach 2010 in Nordhausen weiter geht, sagte Frau Klaan. Bei der Erarbeitung des neuen Konzeptes werde der Kreis der einzubinden Akteure breiter sein müssen: Vor allem mit Blick auf die Folgen des demographischen Wandels werden wir Institutionen an den Tisch holen, die zum Beispiel Kindergärten betreiben und Altenheime, wir werden einen Blick haben müssen auf die Angebote zur medizinischen Versorgung; es geht aber auch darum, wie wir mit den Kosten umgehen, die zum Beispiel entstehen, wenn immer weniger Menschen Abwasser produzieren bzw. Wasser beziehen - denn die Leitungsnetze müssen ja trotzdem vorgehalten werden. Deshalb ist der integrierte Ansatz wichtig , so die Dezernentin.
Angesichts des Bevölkerungsrückgangs und des damit einher gehenden Wohnungsleerstandes hatten die Nordhäuser Stadträte im Dezember 2002 den aktuellen Stadtentwicklungsplan verabschiedet. Dieser Plan ist für uns Handlungsgrundlage bis 2010, so Frau Klaan. Zu dessen Schwerpunkten gehörte das Leitbild, das unter anderem die Stärkung der Innenstadt festschreibt, die im Gegensatz zu anderen Städten viele Funktionen gleichzeitig erfüllt: Im Unterschied zu anderen Kommunen ist unsere Innenstadt nach 18 Uhr nicht menschenleer, denn in Nordhausen wohnt hier ein Großteil der Bevölkerung. Darüber hinaus ist sie Arbeitsort, Hauptgeschäftszentrum der Stadt und Raum für Freizeit, Kultur und Erholung.
Diesem Ziel diente quasi als Motor die Austragung der Gartenschau mitten in der Stadt - mit allen heute sichtbaren Effekten wie dem Petersberg als Bildungs-, Freizeit- und Veranstaltungsplatz, einem völlig neu gestalteten Stadtzentrum vom Theater bis zum Bahnhofsplatz, sagte Frau Klaan. Zweiter Schwerpunkt sei die Stabilisierung des Wohnungsmarktes gewesen. Im Jahr 2001 hatte sowohl bei der SWG als auch der WBG - beide Gesellschaften halten rund die Hälfte der zusammengenommen 22.000 Wohnungen in Nordhausen - der Leerstand mit rund 15 % seinen Höhepunkt. Inzwischen liege die Leerstandsquote bei rund 7 % - damit sei auch das zweite Ziel des Leitbildes erreicht.
Mit dem aktuellen Entwicklungsplan für den Stadtumbau habe man die Wohngebiete in Nordhausen in zwei Kategorien unterteilt: zu stabilisieren wie etwa Nordhausen-Ost, Nordhausen-Salza und die Innenstadt sowie umzustrukturieren wie etwa das Gebiet südlich des Bahnhofsgeländes in Richtung Darrweg.
In der Innenstadt sei der Wohnungsleerstand nie sehr hoch gewesen, eine Wohnungsmarkstabilisierung habe man hier vor allem durch die Neugestaltung der Wohngebäude in den letzten Jahren erreicht. Die rund 1.500 Wohnungen hier sind sehr gut vermietet, die altersmäßige und soziale Durchmischung stimmt - es ist Platz für Alte und Junge, Alleinstehende und Familien; hier können Menschen mit großem und kleinen Geldbeutel wohnen, so Frau Klaan. Aus diesen Gründen habe und werde es hier auch eine keine Flächenabrisse gegeben; sondern nur punktuell, um die zu dichte Bebauung aufzulockern, wie aktuell an der Engelsburg. Nur 150 Wohnungen sollen hier insgesamt wegfallen. Auch in den Wohngebieten Nord und Salza gebe es keinen Handlungsbedarf, hier beobachten wir lediglich die Entwicklung.
Anders in Nordhausen-Ost: Hier war der Leerstand mit teilweise um die 30% dramatisch. Deshalb gab es auch hier die meisten Abrisse - von insgesamt 1600 Wohnungen sollen insgesamt 600 zurückgebaut werden, von denen aktuell bereits 500 verschwunden sind, so die Dezernentin. Der Abriss hat auch hier zu einer wesentlichen Auflockerung beigetragen - was dem Wohngebiet insgesamt sehr gut bekommen ist. Der Vandalismus ist zurückgegangen, die Vermüllung ebenfalls. Ost hat durch den Rückbau insgesamt gewonnen und Erhebungen zeigen, dass die Menschen hier gern leben und ihren Stadtteil übrigens wesentlicher positiver sehen als jene, die nicht hier wohnen. Nach dem Abriss soll es in Ost nun auch an die so genannten Aufwertungen gehen - wie die Verlängerung des Pappelweges als Grüne Achse bis hin zum Rossmannsbach, die Neuordnung der PKW-Stellflächen sowie die Umgestaltung der Abriss-Brachflächen zu Grün- bzw. Erholungsoasen. Die Stadt hat dafür im aktuellen Haushalt Geld zur Verfügung gestellt, jetzt müssen wir sehen, ob auch das Land seine Zuschüsse gibt, sagte Frau Klaan.
Die Umstrukturierungsgebiete hätten sich vor allem aus der Vorgabe ergeben: Keine Wohn-Schwerpunkte mehr südlich des Bahnhofsbereiches und nördlich und südlich der Bundesstraße stadtauswärts Richtung Halle. So ist der Bereich nördlich des Darrweges vornehmlich Industrie und Gewerbe vorbehalten. Die Flächen der dort rund 400 abgerissenen Wohnungen werden entsprechend vermarktet. Und im Bereich entlang der Halleschen Straße haben wir Wohnblöcke vornehmlich an Einzelstandorten zurückgebaut wie zum Beispiel am Strohmühlenweg oder in der Thomas-Müntzer Straße. Von den insgesamt 1230 Wohnungen entlang der Bundesstraße seien 560 zum Abriss vorgesehen, von denen rund die Hälfte bereits nicht mehr existiere. In diesem Jahr würden noch die 174 Wohnungen in der Zorgestraße 1 bis 13 abgerissen.
Trotz des prognostizierten anhaltenden Bevölkerungsrückgangs in ganz Deutschland müsse es für Nordhausen nicht bedeuten, dass es nach 2010 weiter Abrisse in großem Umfang geben werde, es kann auch bedeuten, dass man Ressourcen nicht liquidiert, sondern nur für einen Übergangszeitraum still legt. Einen gewissen Wohnungsüberhang wird es immer geben müssen, da ja die Bevölkerungsentwicklung auch wieder in die andere Richtung zeigen kann. Darüber hinaus muss auch eine Angebotsbreite gehalten werden. Weiterhin wird es immer Wohnungen geben müssen, die nicht dem Höchst-Standard entsprechen, denn wir wollen über all in der Stadt für jedermann bezahlbaren Wohnraum anbieten können, so Frau Klaan.
1850 Wohnungen verschwinden
Insgesamt sind in Nordhausen von 2002 bis 2010 rund 1850 Wohnungen zum Abriss vorgesehen, 1256 von denen sind bereits gefallen, sagte Frau Klaan. Doch Stadtentwicklung braucht nicht nur Abriss, sondern auch zusätzliche Wohngebiete, um Platz für die neuen, individuellen Bedürfnisse der Menschen zu geben. Aus diesem Grund haben wir mit dem Neubaugebiet unter anderem in Nordhausen-Ost und Am Holungsbügel Angebote geschaffen, so Inge Klaan, Dezernentin für Bau, Wirtschaft und Umwelt.
Autor: nnzDer Plan soll Entwicklungsperspektiven bis zum Jahr 2020 zeigen und führt damit den bereits bestehenden Plan fort, der Handlungsanregungen bis zum Jahr 2010 festschreibt. Wir müssen bereits jetzt wissen, wie es nach 2010 in Nordhausen weiter geht, sagte Frau Klaan. Bei der Erarbeitung des neuen Konzeptes werde der Kreis der einzubinden Akteure breiter sein müssen: Vor allem mit Blick auf die Folgen des demographischen Wandels werden wir Institutionen an den Tisch holen, die zum Beispiel Kindergärten betreiben und Altenheime, wir werden einen Blick haben müssen auf die Angebote zur medizinischen Versorgung; es geht aber auch darum, wie wir mit den Kosten umgehen, die zum Beispiel entstehen, wenn immer weniger Menschen Abwasser produzieren bzw. Wasser beziehen - denn die Leitungsnetze müssen ja trotzdem vorgehalten werden. Deshalb ist der integrierte Ansatz wichtig , so die Dezernentin.
Angesichts des Bevölkerungsrückgangs und des damit einher gehenden Wohnungsleerstandes hatten die Nordhäuser Stadträte im Dezember 2002 den aktuellen Stadtentwicklungsplan verabschiedet. Dieser Plan ist für uns Handlungsgrundlage bis 2010, so Frau Klaan. Zu dessen Schwerpunkten gehörte das Leitbild, das unter anderem die Stärkung der Innenstadt festschreibt, die im Gegensatz zu anderen Städten viele Funktionen gleichzeitig erfüllt: Im Unterschied zu anderen Kommunen ist unsere Innenstadt nach 18 Uhr nicht menschenleer, denn in Nordhausen wohnt hier ein Großteil der Bevölkerung. Darüber hinaus ist sie Arbeitsort, Hauptgeschäftszentrum der Stadt und Raum für Freizeit, Kultur und Erholung.
Diesem Ziel diente quasi als Motor die Austragung der Gartenschau mitten in der Stadt - mit allen heute sichtbaren Effekten wie dem Petersberg als Bildungs-, Freizeit- und Veranstaltungsplatz, einem völlig neu gestalteten Stadtzentrum vom Theater bis zum Bahnhofsplatz, sagte Frau Klaan. Zweiter Schwerpunkt sei die Stabilisierung des Wohnungsmarktes gewesen. Im Jahr 2001 hatte sowohl bei der SWG als auch der WBG - beide Gesellschaften halten rund die Hälfte der zusammengenommen 22.000 Wohnungen in Nordhausen - der Leerstand mit rund 15 % seinen Höhepunkt. Inzwischen liege die Leerstandsquote bei rund 7 % - damit sei auch das zweite Ziel des Leitbildes erreicht.
Mit dem aktuellen Entwicklungsplan für den Stadtumbau habe man die Wohngebiete in Nordhausen in zwei Kategorien unterteilt: zu stabilisieren wie etwa Nordhausen-Ost, Nordhausen-Salza und die Innenstadt sowie umzustrukturieren wie etwa das Gebiet südlich des Bahnhofsgeländes in Richtung Darrweg.
In der Innenstadt sei der Wohnungsleerstand nie sehr hoch gewesen, eine Wohnungsmarkstabilisierung habe man hier vor allem durch die Neugestaltung der Wohngebäude in den letzten Jahren erreicht. Die rund 1.500 Wohnungen hier sind sehr gut vermietet, die altersmäßige und soziale Durchmischung stimmt - es ist Platz für Alte und Junge, Alleinstehende und Familien; hier können Menschen mit großem und kleinen Geldbeutel wohnen, so Frau Klaan. Aus diesen Gründen habe und werde es hier auch eine keine Flächenabrisse gegeben; sondern nur punktuell, um die zu dichte Bebauung aufzulockern, wie aktuell an der Engelsburg. Nur 150 Wohnungen sollen hier insgesamt wegfallen. Auch in den Wohngebieten Nord und Salza gebe es keinen Handlungsbedarf, hier beobachten wir lediglich die Entwicklung.
Anders in Nordhausen-Ost: Hier war der Leerstand mit teilweise um die 30% dramatisch. Deshalb gab es auch hier die meisten Abrisse - von insgesamt 1600 Wohnungen sollen insgesamt 600 zurückgebaut werden, von denen aktuell bereits 500 verschwunden sind, so die Dezernentin. Der Abriss hat auch hier zu einer wesentlichen Auflockerung beigetragen - was dem Wohngebiet insgesamt sehr gut bekommen ist. Der Vandalismus ist zurückgegangen, die Vermüllung ebenfalls. Ost hat durch den Rückbau insgesamt gewonnen und Erhebungen zeigen, dass die Menschen hier gern leben und ihren Stadtteil übrigens wesentlicher positiver sehen als jene, die nicht hier wohnen. Nach dem Abriss soll es in Ost nun auch an die so genannten Aufwertungen gehen - wie die Verlängerung des Pappelweges als Grüne Achse bis hin zum Rossmannsbach, die Neuordnung der PKW-Stellflächen sowie die Umgestaltung der Abriss-Brachflächen zu Grün- bzw. Erholungsoasen. Die Stadt hat dafür im aktuellen Haushalt Geld zur Verfügung gestellt, jetzt müssen wir sehen, ob auch das Land seine Zuschüsse gibt, sagte Frau Klaan.
Die Umstrukturierungsgebiete hätten sich vor allem aus der Vorgabe ergeben: Keine Wohn-Schwerpunkte mehr südlich des Bahnhofsbereiches und nördlich und südlich der Bundesstraße stadtauswärts Richtung Halle. So ist der Bereich nördlich des Darrweges vornehmlich Industrie und Gewerbe vorbehalten. Die Flächen der dort rund 400 abgerissenen Wohnungen werden entsprechend vermarktet. Und im Bereich entlang der Halleschen Straße haben wir Wohnblöcke vornehmlich an Einzelstandorten zurückgebaut wie zum Beispiel am Strohmühlenweg oder in der Thomas-Müntzer Straße. Von den insgesamt 1230 Wohnungen entlang der Bundesstraße seien 560 zum Abriss vorgesehen, von denen rund die Hälfte bereits nicht mehr existiere. In diesem Jahr würden noch die 174 Wohnungen in der Zorgestraße 1 bis 13 abgerissen.
Trotz des prognostizierten anhaltenden Bevölkerungsrückgangs in ganz Deutschland müsse es für Nordhausen nicht bedeuten, dass es nach 2010 weiter Abrisse in großem Umfang geben werde, es kann auch bedeuten, dass man Ressourcen nicht liquidiert, sondern nur für einen Übergangszeitraum still legt. Einen gewissen Wohnungsüberhang wird es immer geben müssen, da ja die Bevölkerungsentwicklung auch wieder in die andere Richtung zeigen kann. Darüber hinaus muss auch eine Angebotsbreite gehalten werden. Weiterhin wird es immer Wohnungen geben müssen, die nicht dem Höchst-Standard entsprechen, denn wir wollen über all in der Stadt für jedermann bezahlbaren Wohnraum anbieten können, so Frau Klaan.
1850 Wohnungen verschwinden
Insgesamt sind in Nordhausen von 2002 bis 2010 rund 1850 Wohnungen zum Abriss vorgesehen, 1256 von denen sind bereits gefallen, sagte Frau Klaan. Doch Stadtentwicklung braucht nicht nur Abriss, sondern auch zusätzliche Wohngebiete, um Platz für die neuen, individuellen Bedürfnisse der Menschen zu geben. Aus diesem Grund haben wir mit dem Neubaugebiet unter anderem in Nordhausen-Ost und Am Holungsbügel Angebote geschaffen, so Inge Klaan, Dezernentin für Bau, Wirtschaft und Umwelt.

