Meine Meinung
Mercosur: Gut für Landwirtschaft und Umwelt?
Heute sollte in Rio de Janeiro nach fast 26 Jahren Verhandlung ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und vier Ländern Südamerikas abgeschlossen werden. Das hilft weder unserer Landwirtschaft noch der Umwelt. nnz-Kolumnist Bodo Schwarzberg mit einigen Gedanken dazu...
Unter anderem Billig-Soja, Palmöl und Billig-Rindfleisch aus Südamerika drohen den europäischen Markt noch mehr zu überschwemmen, als bisher schon. Auf der Strecke bliebe einmal mehr die grüne Lunge der Erde, der tropische Regenwald. (Foto: Vitor Dutra Kaosnoff from Pixabay)
Gerade erst haben europäische Bauern vor Handelsketten-Zentralen wegen zu niedriger Milch- und Butterpreise demonstriert. Ein Misthaufen, abgekippt vor einem Dresdner Supermarkt, steht symbolhaft für ihre Stimmung. Zuletzt wäre der Butterpreis beim Discounter stellenweise auf 99 Cent pro 250 Gramm-Stück Butter gefallen, liest man.
Doch bei Aldi, Lidl & Co zuckt man mit den Schultern: Schuld seien die niedrigen Weltmarktpreise für Milch.
Ortswechsel: Am Samstag wollte EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen in Brasilien mit Vertretern der vier südamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay, also mit Staaten der so genannten Mercosur-Gruppe, ein Freihandelsabkommen unterzeichnen, über das knapp 26 Jahre verhandelt wurde. Der Druck auf die EU ist angesichts der zunehmenden chinesischen Übermacht im Handel und auf Grund von Trumps gestiegenem Interesse an Südamerika sowie dessen unkalkulierbarer Zollpolitik gerade jetzt enorm.
Aber die Folgen des Mercosur-Abkommens für die Umwelt wären es sehr sicher auch. Denn weitgehende Zollfreiheit zwischen südamerikanischen Staaten und Europa begünstigt eine gesteigerte Regenwaldzerstörung zugunsten des Anbaus von Soja, Ölpalmen, Reis und der Produktion billigen Rindfleischs, zumal die Produktionskosten in Südamerika deutlich niedriger liegen, als in der EU.
Umweltverbände befürchten weitere Verluste der sich bereits im freien Fall befindlichen Artenvielfalt, mehr Einsatz von Pestiziden und Vertreibungen Indigener, die im Einklang mit der Natur leben. Bis heute wurden bereits rund 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes durch den Menschen zerstört. Forscher befürchten einen Kollaps des Amazonaswaldes, falls mehr als 25 Flächenprozent der Motorsäge oder Feuern zum Opfer gefallen sind.
Und die europäischen Bauern? In Brüssel wollen sie wiederholt gegen den unmittelbar bevorstehenden Abschluss des Mercosur-Abkommens protestieren. Gebeutelt durch niedrige Milchpreise droht aus ihrer Sicht nun auch noch eine Überflutung des europäischen Marktes mit Billigprodukten aus Übersee.
Ein weiteres Bauernsterben in Europa kann, bei aller Kritik an der intensiven Landwirtschaft, jedoch nicht im europäischen Sinne sein. Ihre Situation, der Zwang, immer weiter zu intensivieren, die Abhängigkeit ihrer Einnahmen von Subventionen, das zeigen die Butterpreise und die Ängste vor dem Mercosur-Abkommen, wurden erst durch die Globalisierung erzeugt.
Sinnvoller wäre es doch, sich im Interesse stabiler und existenzsichernder Preise wieder auf die nationale Vermarktung zu konzentrieren und die Abhängigkeit vom Welthandel mit all seinen Risiken zu reduzieren. Frühere Generationen machten es vor.
Zumal die Preise für importierte Obstexoten unter anderem klimawandelbedingt immer weiter steigen. - Hier nützt die Dumpingmaschine Weltmarkt derzeit gar nichts: Kakaopreis: Vervierfachung seit um 2020, der Rohkaffeepreis erreichte Anfang 2025 ein Allzeithoch und die zu Weihnachten so beliebten Orangen sind 80 Prozent teurer als noch 2020.
Vielleicht wäre daher eine noch stärkere Rückbesinnung der Politik auf die heimischen Produktionsmöglichkeiten und eine Reduktion internationaler Abhängigkeiten sinnvoll, statt diese durch weitere Globalisierungsabkommen noch zu erhöhen. Dies würde nicht nur der Situation unserer Landwirte zugutekommen, sondern auch ihren Einnahmen, die Flut weggeworfener Lebensmittel könnte reduziert werden und auch der Druck auf die heimische Umwelt durch den preisabhängigen Intensivierungsdruck könnte womöglich abnehmen.
Nach heutigem Stand wurde die für Sonnabend geplante Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens auf Grund italienischer und französischer Bedenken zwar um einige Wochen verschoben. Da die Europäer aber in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Rücken zur Wand stehen und sich in den letzten Jahrzehnten massiv in den Globalisierungsnetzen verstrickt haben, wird es gewiss kommen. - Ohne größere Rücksicht auf die Umwelt und auf die heimische Wirtschaft. Die Versprechen der internationalen Staatengemeinschaft, den weltweiten Verlust der Urwälder entsprechend dem Glasgow-Protokoll bis 2030 zu stoppen, dürfte spätestens dann Makulatur sein.
Bodo Schwarzberg
Autor: psg
Kommentare
Fönix
21.12.2025, 08:05 Uhr
Reregionalisierung der Wirtschaftskreisläufe,
nicht nur für landwirtschaftliche Produkte. Habe ich hier schon vor Jahren eingefordert. Nur so stärken und schützen wir die heimische Wirtschaft, nur so reduzieren wir die Abhängigkeit von teils zwielichtigen Anbietern. Nur so vermeiden wir eine weiter zunehmende Schwemme von oft unbrauchbarem Billigkrempel, der irgendwo auf dieser immer mehr aus den Fugen geratenenden Welt auf der Basis niedrigster Sozial- und Umweltstandards (der Klimawandel lässt grüßen!) von Kindern oder irgendwelchen anderen armen Schluckern im Akkord produziert wird, ohne dass deren Lohn auch nur ansatzweise für die Eigenversorgung reicht ...
Obwohl unsere Wirtschaft schon jetzt an Krücken geht, träumen unsere politischen Eliten noch immer von Wohlstand durch Globalisierung, obwohl sie noch nicht einmal im eigenen Haus (D und EU) z.B. einen sinnvollen Verbund der Energienetze und eine faire Regulierung des Strommarktes organisiert kriegen.
Wie blind muss man und wie verantwortungslos kann man sein ....
P.Burkhardt
21.12.2025, 11:08 Uhr
Lokale Produkte...
... und damit die lokale Wirtschaft zu stärken, was dann wieder zu Arbeitsplätzen und höheren Einkünften führt, funktioniert nur, wenn diese (meist teureren, aber auch besseren) bewusst gekauft werden.
So lange der Verbraucher eben 50ct oder 1 Euro bei der Salami sparen will und diese eben beim Discounter kauft und nicht beim Metzger an der Ecke bleibt die Idee der Reregionalisierung (hab das Wort gerade zum ersten Mal gelesen) unrealistisch. Ein klassisches Henne-Ei-Problem.
Schaffen wir die Nachfrage, ändert sich auch das Angebot... in anderen ländlichen Regionen funktioniert das ganz gut.
Ein Landwirt der nicht meckert ist kein richtiger Landwirt
Ich meine von grüner Seite wird diesem Berufsstand zu wenig Repekt entgegen gebracht. Und die großen Proteste wegen des steuerreduzierten Agrardiesels waren richtig, weil die Landwirte ja weniger öffentliche Straßen benutzen als PKW oder LKW. Daher kamm rührte nämlch die Steuerreduzierung.
Außerdem schlossen sich viele andere Bürger an und man zeigte der Ampel, vorwiegend dem grünen Teil, den Stinkefinger.
Aber ich sage mal so, wenn mein Arbeitsplatz nach Polen verlagert werden kann, dann möchte ich dort dort auch Milch oder meinen Strom kaufen können. Wenn Markwirtschaft dann richtig. Und vom globalsierten Welthandel haben wir als Exportnation profitiert. Und mal ehrlich, mit in Deutschland oder europa produzierten Handys oder TV Geräten wäre das für uns kaum bezahlbar. Heutzutage hat ja fast jeder Haushalt 2 oder 3 Smart TV. Die Asiaten sind preisgünstiger und Deutschland und Europa haben in diesen Bereichen schon lange keine Innovationskraft mehr. Gleiches gilt für die Zukunftsindustrie im Tec Bereich. Selbst innerhalb von europa anlaoge Hinterwäldler, von den USA und Asie ganz zu schweigen. Hier hätte und mehr Wettbewerb gutgetan. Stichwort German Angst.
free Gigi
21.12.2025, 11:48 Uhr
merkwürdig
wie versiegeln unsere fruchtbaren Böden für die vermeintliche Energieewende und holen unsere Nahrungsmittel über 10.000km aus brandgerodeten Regenwald welcher Ureinwohner und Bevölkerung benachteiligt und ausbeutet.
Frohe Weihnachten 🎄
Kobold2
21.12.2025, 12:56 Uhr
Ja merkwürdig
wir nutzen lt. Landwirtschaft.de knapp die Hälfte unserer Fläche landwirtschaftlich.
Davon entfallen
51 Prozent für Futtermittel
21 Prozent für Nahrungsmittel
13 Prozent für Treibstoff und Energie
Der Rest sind Verluste, Saatgutanbau, oder industrielle Verwertung.
Die Schieflage entsteht u.a. nicht nur im Kaufverhalten#, sondern an merkwürdigen Marktmechanismen, Wenn das Obst, Fleisch und Gemüse aus Ägypten, Pakistan, Libanon, Indien, Brasilien, Argentinien, usw. billiger ist, obwohl es Tausende Kilometer umhergekarrt wird und oftmals in den Herkunftsländern auch mehr Wasser und andere Ressourcen verbraucht, stimmt etwas nicht. Hier sollten sich die Endkunden ihrer Marktmacht bewusst werden, aber da fühlt man sich ja wieder belehrt und bevormundet .
Zur "Regionalisierung" der Wirtschaft
Ich habe Spargel in Windhausen gekauft und Erdbeeren in Ost selber gepflückt, nicht ohne entsprechenden "Mundraub" natürlich...(-; Immerhin gibt es noch Verkaufsstände. Erdbeeren aus Gebesee schmecken besser als Hydrokulturen...
Aber mal ehrlich. Es kann nicht alles aus Nordhausen oder Thüringen kommen. Deutscher (Schwarzwälder) Schinken schmeckt komplett anders als Parmaschinken oder spanischer Serrano. Köstlich schmecken alle und ich bin froh, mir von jedem hin und wieder ein paar Scheiben kaufen zu können.
Und wer behauptet aus Südamerika kommt "Billigfleich", der hat noch nie in einem guten Steakhaus gegessen. Aus Südamerika kommt das beste Rindfleisch der Welt...
Ich wünsche mir auch keine Schlangen um nach Bananen oder Südfrüchten anzustehen. Das gab es ja schon einmal in einem Land wo Milch und Honig geflossen sind...
Ich probiere auch gerne mal eine exotische Frucht. Mercosur kann für uns Verbraucher nur gut sein, da Zölle wegfallen. Und mal ehrlich, die europiäsche Landwirtschaft exportiert in die ganze Welt...
Wir sollten regionale Produkte verspeisen, aber trotzdem weiterhin die Möglichkeit haben, internationale Spezialitäten zu kaufen. Also ich möchte kein eigeschränktes Winterangebot und erst nicht im SolaWi einkaufen müssen...
Mercosur und auch TTIP wären Möglichkeiten gewesen, die Vorteile einen gemeinsamen Marktes zu nutzen, Normen zu vereinheitlichen und ein Mindestmaß an gemeinsamen Vorschriften zu schaffen.
Es spricht für die Hufeisentheorie, dass rechtsaußen und linksaußen Freihandelsabkommen gemeinsam ablehnen.
Chloe
21.12.2025, 16:49 Uhr
Ein Widerspruch
Bei der Klimakonferenz in Brasilien wurde unter anderen beschlossen,ein neuer Fonds zum Schutz des Regenwalds, für den Deutschland eine Milliarde Euro über zehn Jahre gestreckt bereitstellt. Länder, die ihre Wälder erhalten, sollen nach diesem neuen Modell belohnt werden. Umgekehrt sollen sie für jeden zerstörten Hektar Wald Strafe zahlen.
Beschließt man jetzt das Freihandelsabkommen muss man doch unter Umständen damit rechnen, daß wieder mehr gerodet wird.
rasska86
22.12.2025, 00:00 Uhr
Hauptsache billig ?
Stimmt so nicht. Wir kaufen ausschließlich regionale Produkte, auch Rindfleisch vom Hofladen um die Ecke. Wer heute von Klimawandel, Co 2 Ausstoß oder Stärke der heimischen Landwirtschaft redet, andererseits aber ein solches Abkommen vorantreibt, schadet Europa und ist , was Umweltpolitik und Wirtschaftsstandort betrifft, nicht ehrlich. Dieser Irrsinn ist völlig kontraproduktiv und nutzt am Ende nur den Großkonzernen, die hier einmal mehr zu Dopingpreisen einkaufen , um dem Verbraucher vermeintliche Schnäppchen anzubieten. Die EU Politik ist, wie so oft, auf dem Holzweg....
emmerssen
22.12.2025, 10:00 Uhr
Äpfel mit Birnen vergleichen?
Richtig ist, viele kaufen billig. Aber warum, weil es ihr Einkommen nicht anders zulässt. Regional kaufen, die eigenen Erzeuger stärken. Mache ich auch, kann sich aber nicht jeder leisten. Man kann den Euro eben nur einmal ausgeben. Wie stärkt Amerika seine eigene Wirtschaft seit Trump. Sie machen Importe mit Zöllen unattraktiv. Das stärkt die Staatskasse und gibt Spielraum für Hilfen, wie zum Beispiel an die Bauern. Wir lassen uns mit billigen Zeug wie Temu überfluten und dann kommt eben so etwas wie in der Solarindustrie (wo billige Importe aus China den hoch entwickelten deutschen Markt kaputt gemacht haben) heraus. Nicht alles kann der Markt von alleine regeln.
Fönix
22.12.2025, 17:34 Uhr
@ RWE
Wenn man andere Kommentare kommentiert, sollte man diese richtig lesen. Das fängt schon mit der Überschrift an...
Und auch die Inhalte sollte man erst verstehen und dann interpretieren. Ich habe mit keiner Silbe den Freihandel im Grundsatz in Frage gestellt. Wer gerne Argentinisches Rindfleisch isst, sollte das selbstverständlich gerne tun dürfen. Allerdings muss die Preisgestaltung so erfolgen, dass der heimische Produzent durch von ihm nicht beeinflussbare Rahmenbedingungen wie höhere Sozial- und Umweltstandards oder auch höhere Energiepreise nicht von vornherein chancenlos ist im Kampf um das beste Angebot. Übrigens hole ich mein Rindfleisch regelmäßig beim Nebenerwerbslandwirt. Da kann ich während der gesamten Vegetationsperiode sehen, was das liebe Vieh so futtert, denn da steht es auf der Wiese neben unserem Garten. Ich kenne kein besseres Fleisch, egal ob es um die Beinscheibe für die Suppe oder um das Fleisch für Gulasch, Rouladen und Braten geht...
Aber darum geht es im Kern ja gar nicht. Es ist in vielerlei Hinsicht unsinnig, gerade für Waren des täglichen Bedarfs die Ausgangsprodukte quer durch das ganze Land oder sogar den halben Kontinent zu karren um dann die fertigen Waren wieder zurückzuverteilen, egal ob z B. Milch oder Zuckerrüben. Es gab einen Milchhof in Wipperdorf (die dazugehörige Pipeline von den Milchviehanlagen in Großwechsungen existiert nach meinem Kenntnisstand noch heute!) und eine Zuckerfabrik in Straußfurt. Aber das war ja böse Konkurrenz, die unbedingt eliminiert werden musste...
Wenn ich heute in den Supermärkten auf den Verpackungen lese, wo diese Allerweltsprodukte so herkommen und ich mir vorstelle, welcher logistische Aufwand sich dahinter verbirgt, wird mir speiübel. Aber mir vorschreiben wollen, welches Auto ich in 10 Jahren kaufen darf...
Und dieses Dilemma kann man auf viele andere Warengruppen übertragen, egal ob Bekleidung, Werkzeug, Möbel o.ä..
Letztendlich geht es beim Geschäftemachen sehr oft darum, dass die großen, global agierenden Player ihr Geld damit verdienen, im Ausland billig zu produzieren und hier vergleichsweise teuer zu verkaufen.
Was das mit linker oder rechter Weltanschauung zu tun hat, müssen sie mir noch erklären...
Fönix
22.12.2025, 17:54 Uhr
@ P. Burghardt
Zitat:
"die Idee der Reregionalisierung (hab das Wort gerade zum ersten Mal gelesen) "
Sie werden es nicht glauben, aber es gab die Welt der nnz schon, bevor sie hier die Bühne betreten haben...
Und was das Thema Preise bzw. Preisbildung angeht, sollten auch Sie wissen, dass es da einige maßgebliche Faktoren gibt, auf die der Produzent keinen Einfluss hat. Sozial- und Umweltstandards sowie Energiepreise habe ich schon genannt. Steuern, Abgaben, Pflichtbeiträge zum Beispiel für die Seuchenkasse oder auch Mehraufwand für den ganzen Bürokratiewahnsinn kommen da noch hinzu und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.
Eigentlich müsste der Staat hier eingreifen und für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen. Aber wer angesichts einer Staatsquote von mittlerweile ca. 50 Prozent daran glaubt, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet ...
P.Burkhardt
22.12.2025, 21:13 Uhr
@Fönix... sicher, gibt es die
Debatten in der NNZ länger, als ich mich daran beteilige, keine Frage... traurig genug 😂.
Lieber Fönix (eigentlich doch Phönix, oder ?) ich bin ja insgesamt bei Ihnen....und ein Stückchen beim RWE (argentinisches Steak ist wirklich lecker, aber das vom Bullen vor der Haustür nicht wirklich schlechter...) und beim Kobold (Kein Apfel muss quer durch Europa gefahren werden). Wir haben nun mal das globale Angebot - warum sollen wir es nicht nutzen dürfen - manchmal mag ich auch eine Mango oder eine Ananas, die nun mal in Deutschland nicht wachsen ?
Ich meine ja nur, dass Produkte, die in der Region zu finden sind (Brot, Butter, Milch, Fleisch und Wurst, Kartoffeln und Gemüse), eben auch Käufer brauchen, auch wenn sie etwas teurer sind, als die Discounter-Pampe, die irgendwo zusammengerührt und quer durch Europa gefahren wird.
Ja, das kostet ggf. ein paar Euro mehr - und genau darauf wollte ich heraus. Mehr Umsatz für die regionale Wirtschaft, schafft Spielraum und Nachfrage nach mehr regionalen Jobs und auch bessere Bezahlung... die dann eben wieder zu mehr Nachfrage bei regionalen Erzeugnissen führt... sofern man eben nicht im Discounter, die überwürzte Matsche kauft, wo sich der Kreis dann schließt...
Dazu braucht es aber eben auch ein gewisses Verständnis bei den Verbrauchern, wie es in ländlichen Regionen in Süddeutschland (wie ich aus eigener Erfahrung weiß) vorhanden ist ! Dort kauft kaum einer Salami im Supermarkt, sondern geht zum Metzger an der Ecke. Das bekommen wir doch auch hin, oder ?
und: Ja, Sie haben Recht ! Die Staatsquote in Deutschland ist hoch ! ...allerdings liegt das daran, dass wir uns hier in Deutschland eben auch viel staatliche Hoheit leisten wollen... in vielen anderen Ländern sind Straßen und Bahngleise privat, mit dem damit verbundenen Gewinn-Interesse. Renten- und Krankenkassen, werden in den meisten anderen Ländern eben NICHT staatlich subventioniert, die Leistungen der Versicherer NICHT gesetzlich festgeschrieben...
Ja, aus dem Staatssäckle fließt viel Geld in soziale (also für die Menschen) Kassen, welches zuvor anderen Menschen in Form von progressiven Steuern und Abgaben genommen wird.... ich bin einer davon...
Wyatt Earp
22.12.2025, 22:22 Uhr
Noch mehr Subventionen für Bauern?
Eigentlich wollte ich mich in die Diskussion hier gar nicht einschalten, weil ich sie für fruchtlos halte. Wenn alle, die hier behaupten regelmäßig regional einkaufen würden, dies auch tun würden, gebe es ja gar kein Problem.
Die Landwirtschaft wird jedes Jahr mit zig Milliarden Euro subventioniert und baut doch nur noch Raps, Getreide und Mais an. Ich habe mal etwas von 30 Milliarden Euro gehört, muss aber nicht stimmen.
Beim Vieh sieht es nicht anders aus, nur noch Milchkühe und ganz wenig auf Weiden gehaltene Fleischrinder. Die meisten Tiere fristen ihr armseliges Leben an der Kette, damit sie bloß kein Kilo verlieren.
Wenn ich dann lese: " Eigentlich müsste der Staat hier eingreifen und für faire Wettbewerbsbedingungen sorgen." frage ich mich natürlich, wo soll der Staat denn hier noch mit rausgeschmissenem Geld und noch mehr Tierleid reagieren? Rinder in der Pampa oder in den Plains werden nun einmal günstiger "produziert" und haben bestimmt auch ein besseres Leben als an der Kette vegetierend in einen deutschen Dunkelstall ohne jemals die Sonne zu sehen.
ich kaufe ja auch keine Bananen oder Orangen aus deutschen Treibhäusern. Was andere günstiger und qualitätsgleich produzieren wird sich immer durchsetzen!
Fönix
22.12.2025, 22:42 Uhr
@ Wyatt Earp
Eigentlich geben sie die Antwort doch selber:
Zitat:
"Die Landwirtschaft wird jedes Jahr mit zig Milliarden Euro subventioniert und baut doch nur noch Raps, Getreide und Mais an."
Wenn die Subventionen so gestaltet sind, dass sie die falschen Anreize setzen, liegt der Webfehler bei denen, die die Subventionen ausreichen und nicht bei denen, die sie entgegen nehmen.
Oder sehen sie das anders?
Fönix
22.12.2025, 23:02 Uhr
@ P. Burghardt
Fönix ist hier kein Name für eine Sagengestalt sondern ein Eigenname und so sind alle nur denkbaren Schreibweisen möglich wie auch föhnix, Phoeniggs, foenicks usw. ...
Genauso wie z.B. auch Burkart, Burghart, Burkhard, Burckhardt, ...
Alles klar?
Habe ich hier alles schon mal erklärt und eigentlich habe ich mir fest vorgenommen, in der nnz nicht mehr alles x-mal zu wiederholen.
Aber für sie mache ich gern nochmal eine Ausnahme, schließlich ist ja bald Weihnachten.
Apropos Weihnachten:
Eigentlich ist so ein astreiner Chat ja so gar nicht meine Art, aber diesmal konnte ich mir das nicht verkneifen.
Ich hoffe, der Weihnachtsmann lässt es ausnahmsweise mal durchgehen. Es passiert auch nicht wieder, versprochen!
PS.
Noch eine Ergänzung für Wyatt Earp:
Zu dieser völlig verqueren Subventionspolitik (man schaue sich nur die Energiewirtschaft an!!!), sowohl in Deutschland als auch in der EU, habe ich keine andere Meinung als sie!
Wyatt Earp
22.12.2025, 23:23 Uhr
Ja, das sehe ich anders
eine Umverteilung der Subventionen ist ein fauler Kompromiss. Subventionen denen zu geben, die die Tiere nicht vernünftig halten bringt keinen Nährwert und schon gar keinen Mehrwert.
Tiere, die fast wild in Regionen wie der südamerikanischen Pampa, den great Plains oder im Outback gehalten werden haben eine hervorragende Fleischqualität, leben bis zur Schlachtung halbwegs vernünftig und sind eben günstiger für den Verbraucher.
Den Webfehler sehe ich darin, hier künstliche Bedingungen zu schaffen und Märkte abzuschotten. Was Abschottung (Trump) von Märkten bedeutet spürt gerade unsere gesamte Industrie.
Fönix
23.12.2025, 08:23 Uhr
@ Wyatt Earp - Und wieder geben sie die Antwort eigentlich selber:
Zitat:
"Den Webfehler sehe ich darin, hier künstliche Bedingungen zu schaffen und Märkte abzuschotten. Was Abschottung (Trump) von Märkten bedeutet spürt gerade unsere gesamte Industrie."
Also wenn ich sie richtig verstehe, sollen wir, während andere große Player ihre Märkte zu ihrem eigenen Vorteil abschotten (Trump) oder auf ganz spezielle Art und Weise regulieren (z.B. China in Bezug auf seltene Erden), genau das Gegenteil tun. Tolle Strategie!
Warum wohl werden unsere Märkte mit Billigware aus aller Herren Länder geflutet? Warum wohl verlagern immer mehr heimische Unrernehmen ihre Produktion in's Ausland oder verkaufen sich gleich ganz an die USA (Vissmann!)? Warum wohl gehen in Deutschland immer mehr Industriearbeitsplätze und damit auch ganz viel Wertschöpfung verloren?
Fragen über Fragen ...
Wertschöpfung ist in Bezug auf Wirtschafts- und Finanzpolitik nicht alles, aber ohne ausreichende Wertschöpfung ist alles nichts!!!
Übrigens ist auch für Rindviecher das Gras in der südamerikanischen Pampa nicht gehaltvoller oder schmackhafter als das Gras auf den Grünlandflächen in den Überschwemmungsgebieten unserer Talauen hier in Deutschland. Das Problem liegt vielmehr darin, dass für diese Bereiche Im Zuge der Argrarförderung nach aktuellem GAP (Säule 1 und 2) für die Landwirte die Bewirtschaftung als Ackerfläche immer noch deutlich ertragreicher ist als eine Bewirtschaftung als extensives Grünland mit 0,4 bis 1,3 rauhfutterfressendes Großvieh pro Hektar. Hier müsste die (Förder-)Politik die Hebel ansetzen, übrigens auch im Interesse des HW-Schutzes!!!
Und da haben wir uns noch nicht über die Arbeitsbedingungen in den südamerikanischen Fleischverarbeitungsbetrieben oder auch über den Transportaufwand und die damit verbundenen Emissionen unterhalten... Oder auch z.B. über die Einfuhr von Schnittblumen aus Peru per Flugzeug oder den Pestizideinsatz bei der dortigen Pflsnzenproduktion. Wenn sie da mal ein wenig hinter die Kulissen schauen, überlegen sie dreimal, welche Blumen sie nächstes Frühjahr ihren Liebsten zum Frauentag schenken ....
Natürlich dürfen sie unbegrenzten und unregulierten Freihandel selig oder sogar heilig sprechen, das ist ihnen unbenommen. Ich sehe das etwas anders!
KeinKreisverkehr
23.12.2025, 11:26 Uhr
Winterzeit ist Jammerzeit
Jahrzehntelang haben die Bauern gegen die Milchquote demonstriert. Dann haben Sie endlich Ihren Willen bekommen: Freie Marktwirtschaft. Wenn diese jetzt zuschlägt ist es natürlich auch nicht genehm.
Mit dem Mühlstein auf der Brust geboren. Zum Jammern verdammt.
Wurden die Protestierenden Bauern eigentlich schon als RAF 2.0 eingestuft oder macht man das nur bei Jugendlichen die für Ihre Zukunft demonstrieren?
Es gibt kaum eine Lobbygruppe die mir unsympathischer ist.
Ach KeinKreisverkehr
Wenn die Landwirtschaftslobby ihnen unsympathisch sollte sollten diese das als Kompliment auffassen. Klar regen sie sich immer auf. Manchmal zu recht (Agrardiesel), manchaml zu unrecht. Das habe ich auch schon so geschrieben. Sie ziehen aber hier mutmaßlich einen Vergleich zwischen Klimaklebern und den Blockaden bei den Bauernprotesten. Die "Jugendlichen die für Ihre Zukunft demonstrieren" haben unangemeldet Straßen, Flughäfen usw blockiert und Millionenschäden verursacht. Oder haben sich an Kunstwerke oder historischen Gebäuden vergangen.
Die Landwirte haben ihre Proteste angemeldet. Das ist ein Unterschied, egal wie man zu den Inhalten steht. Und ich bin dankbar dafür, dass sich viele andere angeschlossen haben und die grüne Blase erschrocken festgestellt hat, wie die Stimmungslage seinerzeit im Land war. Man war es nicht gewohnt selbst Ziel von Massenprotesten zu sein. Vielmehr orchestrierte man selbst mittels der "Zivilgesellschaft" und linksgrünen Vorfeldorganisationen welche. Glauben sie mir, ich freue mich schon auf die Landtagswahlen 2026, wenn sich Grüne und Linke gegenseitig die Stimmen wegnehmen und erstgenannte Partei aus wenigstens einen weiteren Landtag rausfliegt und ihre Macht in BaWü verliert.
Zum Thema: Ich bin für Marktwirtschaft und freien Handel und gegen jeder Art von sozialistischen Untrieben, auch wenn diese grün lackiert sind...Ich freue mich auch dass mal wieder ein paar Lebensmittel billiger werden. Und wenn da die Landwirte lobbbyieren ist das ihr gutes Recht, teile da aber ihre Meinung nicht.
Fönix:
Freier Handel hat uns unglaublichen Wohlstand beschert. Gerade weil wir von billiger produzierten Waren profitieren. Freier Welthandel hat hunderte Millionen Menschen in Asien von Armut in die Mittelschicht gebracht.
Was das mit Rechts und Links zu tun hat? Beide Ränder eint der Antikapitalismus. Ich erinnere mich an gut TTIP. Da wurde uns hier Angst vor dem "Chlorhühnchen" gemacht. Okay, wir pumpen die Tiere mit Antibiotika, ist ja so viel besser. Mit Freihnadelsabkommen können auch einheitliche Standards im sozialen Bereich, Verbraucherschutz oder Umweltschutz festgelgt werden. Statt TTIP haben wir jetzt eine Handelskrieg mit den USA...
Ein frohes Fest!
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