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Di, 13:44 Uhr
23.01.2007

Rätsel wird nicht gelöst

Nordhausen/Limlingerode (nnz). Die Literatur-Freaks im Landkreis Nordhausen und darüber hinaus blicken am Wochenende wieder erwartungsvoll nach Limlingerode. Was da los ist, das hat jetzt die nnz von Heidelore Kneffel erfahren.


Am Samstag, dem 27. Januar, erklingen ab 14. 30 Uhr in der „Dichterstätte“ die berühmten Sonette William Shakespeares (1564-1616). Denn dieser Engländer verfasste nicht allein als Tragödien- und Komödiendichter unnachahmliche Werke, sondern auch als Dichter von Sonetten, einer besonders kunstvollen Art der Lyrik, schuf er Bemerkenswertes und wurde Anregender für Dichterscharen.

1609 erschienen die 154 Gedichte zum ersten Mal in London und erregten ob des Inhaltes und der Form die Gemüter. Nach Shakespeares Tod wurden sie jedoch vergessen, in der Mitte des 18. Jahrhunderts aber wieder entdeckt. Besonders seit der Zeit der Romantik werden sie als beispielhaft betrachtet und seit dem beschäftigen sie kunstsinnige Menschen in vielen Ländern der Erde.

Fest steht, dass sie von dem Manne stammen, der auch die Dramen schrieb. Aber, wer das genau war, das weiß man noch immer nicht zweifelsfrei, so zahlreich auch die Veröffentlichungen darüber sind.

Dieses Rätsel um Shakespeare wird auch am Samstag in Limlingerode nicht gelöst werden, jedoch, man wird das Gedichtete sowohl in der englischen Originalfassung hören als auch in verschiedenen deutschen Nachdichtungen, da jede Generation sich aufs Neue veranlasst fühlt, diese Verse in ihre Muttersprache zu übertragen. Kein Werk der Weltliteratur – außer der Bibel – wurde so häufig übersetzt.

Zum vorgetragenen Wort fügt sich am 27. 1. 07 das künstlerisch geschriebene Wort. Gleichzeitig mit der Lesung wird nämlich die 19. Kunstausstellung in der Langen Reihe 11 eröffnet. Susanne Uhl aus Braunschweig stellt 133 Shakespeare-Sonette vor, von ihr auf transparente A4-Blätter geschrieben. Jedes Blatt zeigt ein anderes Wortgebilde.

Susanne Uhl wurde 1966 in Nordhausen geboren, studierte an der PH Erfurt Germanistik und Kunsterziehung. Dann zog es sie ans Theater in Eisleben, und zwar zum Gebiet der Bühnen- und Kostümbildung. Es folgte ein Studium dieser Fachrichtung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Ein Meisterschülerstudium schloss sich an. Seit 1996 ist Susanne Uhl freiberuflich vielseitig aktiv und betätigte sich an mehreren Ausstellungen. Genaueres darüber erfährt man in Limlingerode.

Bei ihrer Theaterarbeit entwirft sie Kostüme und Bühnenbilder für klassische und moderne Autoren und Autorinnen. Genannt sei einiges aus den letzten Jahren: In Esslingen schuf sie Bühne und Kostüme für „Das Wintermärchen“ von William Shakespeare, in Weimar die Kostüme für „Der Drache“ von Jewgeni Schwarz, an der Hochschule für Schauspielkunst in Berlin das Bühnenbild für „Die Nibelungen“. Hin und wieder arbeitet sie auch in Inszenierungen, bei denen ihre Schwester Christina Friedrich die Regie führt. Diese wird am Samstag an der Lesung der Sonette in Limlingerode beteiligt sein, denn sie lebt und arbeitet seit Mitte September in der „Dichterstätte“ an einem Roman und an neuen Regievorhaben. Auch Susanne Uhl hielt sich einige Tage in der Langen Reihe 11 auf und schuf Schriftblätter der Sonette. Die Vitrinen in der Bibliothek werden von Karin Kisker gestaltet.

„So lang, wie Menschen atmen, Augen blicken/ So lang soll dies hier dich mit Leben schmücken.“ schreibt Shakespeare in seinem 18. Sonett, in dem die Unsterblichkeit auch der Dichter benannt wird. In diesem Sinne sind alle Altersstufen am 27. 1. um 14. 30 Uhr nach Limlingerode eingeladen.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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