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Di, 10:11 Uhr
23.01.2007

Immer noch der größte Einschnitt

Nordhausen (nnz). In der vergangenen Woche haben die Träger der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH mit dem Freistaat Thüringen eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet, die die Existenz des Kulturunternehmens bis zum Jahr 2012 mit großer Wahrscheinlichkeit sichert. Dennoch ist kein Jubel in der Chefetage des Theaters angesagt...


4,2 statt derzeit 4,91 Mio. Euro sollen ab 2009 noch nach Nordthüringen fließen. Nach über einem halben Jahr Bangen um die Existenz des einzigen Musiktheaters, Balletts und Orchesters in Nordthüringen scheinen sich die zahlreichen und vielfältigen Proteste ausgezahlt zu haben. Die Landesregierung musste von ihrem ursprünglichen Plan, den Produktionsstandort Nordthüringen zu schließen, Abstand nehmen.

"An dieser Stelle ist es Zeit, allen, die hierzu beigetragen haben, danke zu sagen" sagt Lars Tietje, Intendant und Geschäftsführer der Theater-Orchester-GmbH. "Wir bedanken uns bei unseren Trägern, allen Kommunal- und Landespolitikern, den Vorsitzenden und Mitgliedern unserer Fördervereine, sowie bei allen Bürgern, die sich für uns eingesetzt haben, bei Freunden und Partnern aus Wirtschaft, Sport, Kirche, bei vielen Medien und den vielen anderen, die alle dazu beigetragen haben, dass es zu dieser Kehrtwende kommen konnte." Sie alle haben die Hoffnung nie aufgegeben, aber für möglich gehalten hatten dieses Ergebnis die wenigsten. "Wir Mitarbeiter der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH wollen uns in einigen Wochen mit einem Fest bei allen Unterstützern bedanken", so Tietje.

Dennoch gibt es für die Theaterleitung nicht nur Grund zum Jubeln. Die Absenkung des Landeszuschusses um 710.000 Euro, also um etwa 14,5%, wird durch die vier Träger - die Städte Nordhausen und Sondershausen, sowie die Landkreise Nordhausen und den Kyffhäuserkreis - nicht in voller Höhe aufzufangen sein. Von den zu erwartenden Tariferhöhungen einmal ganz abgesehen.

Bereits bis zum Jahr 2004 hat das Unternehmen seit der Fusion 1991 über 40% der ursprünglichen Stellen abbauen und die eigene Schauspielsparte abwickeln müssen. Seit 2003 verzichten zudem die Mitarbeiter auf erhebliche Gehaltsbestandteile, um den Erhalt des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze zu sichern, dessen Zuschüsse seit über 10 Jahren "eingefroren" sind. In dieser Zeit waren erhebliche Tarifsteigerungen aufzufangen.

Ministeriumsvertreter hatten in den wenigen Gesprächen in den vergangenen Monaten den Eindruck erweckt, dass man die Abwicklung der eigenen Ballettsparte und eine deutliche Verkleinerung des Loh-Orchesters erzwingen möchte. "Beides müssen wir unbedingt verhindern", fordert Intendant Tietje. "Wir sind nach wie vor bereit, weitere Einsparungsmöglichkeiten durch strukturelle Veränderungen im Unternehmen vorzunehmen. Aber das Loh-Orchester muss die besonders in den letzten Jahren erarbeitete Qualität halten und weiter verbessern. Und das Ballett war in den letzten Jahren nie so erfolgreich wie derzeit."

Über 30% Zuschauerzuwachs bei den Ballettvorstellungen kann Ballettdirektorin Jutta Wörne seit ihrem Start im Sommer 2004 verzeichnen. Die Musiktheaterproduktionen, in denen die Ballett-Kompanie mitwirkt (z.B. Jesus Christ Superstar, Anything Goes und Die drei Musketiere), gehören zu den beliebtesten. "Mit Gera und Eisenach gibt es nur noch drei Ballettsparten in Thüringen. Und die Eisenacher Kompanie ist ebenso von der Schließung bedroht. Dass die Abwicklung einer Ballettkompanie nur äußerst geringe Einsparungen erwirken kann, ist auch im Kultusministerium hinreichend bekannt."

"Ich bin gespannt, wie die Verhandlungen mit den übrigen Trägern weitergehen", sagt Tietje. "Denn selbst wenn die Landesregierung bei der angekündigten Härte bleibt, und die Pläne vom Juli 2006 umsetzt, bleibt für Nordthüringen der größte Einschnitt: Während das Land die Zuschüsse für die Philharmonie Jena um 8,8% und für das Theater Altenburg/Gera um 2,2% senkt, bleibt für Nordhausen/Sondershausen noch immer eine Kürzung von 14,5%." Für die Theater Erfurt und Weimar hat der Kultusminister eine Kürzung um 10,4% vorgesehen, für Meiningen nur 3,8%.

Die Pro-Kopf-Bezuschussung für Theater und Orchester durch den Freistaat liegt damit in der Planungsregion Nordthüringen bei etwa 10 Euro, in den Regionen Ost und Südwest etwa doppelt und in der Mitte Thüringens ca. dreimal so hoch.

"Ich kann für die Unterschiedlichkeit der Zuschusskürzungen nach wie vor leider keine sachlichen Gründe erkennen", so Tietje. "Wir haben bereits im September im Ministerium alle unsere Zahlen offen gelegt. Beide Trägerstädte haben die Erhöhung ihrer Zuschüsse in Aussicht gestellt. Unter Inkaufnahme weiterer empfindlicher struktureller Einschnitte haben wir einen Zuschussbedarf von mindestens 4,6 Mio. Euro ermittelt. Wie wir die nun noch fehlenden 400.000 Euro abfedern sollen, weiß ich noch nicht. Wir werden in den kommenden Wochen Gespräche mit dem Betriebsrat, sowie den Gewerkschaften aufnehmen. Am 12. Februar tagen Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung. Sie werden die Richtung festlegen."
Autor: nnz

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