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Mo, 17:58 Uhr
22.01.2007

Neues aus der Gedenkstätte

Nordhausen (nnz). Das neue Jahr ist ein guter Zeitpunkt zurückzublicken und die zukünftige Planung vorzustellen. Obwohl die neue Ausstellung steht, gibt’s in der Gedenkstätte Dora auch 2007 wieder einiges neues. Die nnz verschafft Ihnen einen Überblick.

Gedenkstättenleiter Wagner (Foto: wf) Gedenkstättenleiter Wagner (Foto: wf)



Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner hatte zur kleinen Pressekonferenz geladen, um seine Pläne für das neue Jahr vorzustellen. Ersagte, daß die Neukonzeption der KZ-Gedenkstätte Dora noch lange nicht abgeschlossen ist. Vieles muß noch getan werden, aber wie überall ist das Geld knapp. Mit den Neubau des Lern- und Dokumentationszentrums wurde viel erreicht, vor allem viele neue Besucher gewonnen. Rund 60.000 Personen kamen 2006 in die Gedenkstätte. Das sind genauso viele wie 2005, dem Jahr mit der großen Feier zu 60 Jahren Befreiung. Bis zum September 06, als die Ausstellung eröffnet wurde, gab es einen Besucherrückgang von zehn Prozent. In den letzten vier Monaten konnte die Gedenkstätte den Rückstand wieder aufholen.

Im Außengelände soll dieses Jahr viel gemacht werden. Neue Aufsteller und Hinweisschilder sollen die Besucher lenken und das Freigelände mit in die Ausstellung integrieren. Historische Fotos und Dokumente werden an den Infosäulen gezeigt. Ab dem ersten Mai leitet ein multimediales System die Gäste durch die Gedenkstätte. Auf einem Display kann man sich Fotos anschauen. Zudem gibt es Hörtexte und Interviews mit ehemaligen Häftlingen auf dem Gerät. Es soll eine Ergänzung zur Ausstellung und den Tafeln werden.

Komplett umgestaltet soll die Gedenkstätte nicht werden, aber einiges wird verändert. So kommt beispielsweise die Treppe zum Krematorium weg. Ein neuer Weg, der den historischen Vorbild folgt, wurde bereits angelegt. Bauwerke wie Garagen und das Vereinsheim der Hundesportler sind verschwunden. Der untere Parkplatz in der Nähe der Stolleneingänge wurde beseitigt. Er paßte nicht in das historische Bild des Lagers, da er in den 1970er Jahren angelegt wurde. Andere Relikte aus der DDR wurden erneuert und bleiben erhalten, wie die Steine der Nationen und das Kupferrelief. Diese Bauwerke sollen zeigen, wie zur Zeit des Sozialismus an die NS-Verbrechen erinnert wurde.

Am 11. April wird traditionell die Befreiung des Lagers Dora gefeiert, obwohl nur rund 500 Häftlinge befreit werden konnten. Die anderen befanden sich bereits auf den Todesmärschen. Um 10.30 Uhr gibt es eine Gedenkfeier am Krematorium. Außerdem wird eine Wanderausstellung zur Euthanasie in der ehemaligen Ausstellungsbaracke eröffnet. Einen Tag später findet im Außenlager Ellrich Juliushütte eine Gedenkveranstaltung statt. Auch wenn die Stiftung Buchenwald-Dora nicht für die Außenlager zuständig sei, wolle man trotzdem daran erinnern, sagte Wagner. Durch die deutsche Teilung sei das relativ große Lager in Vergessenheit geraten. 8.000 Menschen fanden hier den Tod. Um mehr Besucher zu finden , müßte in Ellrich ein besserer Zufahrtsweg geschaffen werden. Die Schilder, einst mit viel Engagement vom Verein „Jugend für Dora“ aufgestellt, sollen dringend erneuert werden.

Die Gedenkstätte Dora ist inzwischen recht bekannt. 20 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland. Der größte Teil ist aus den Niederlanden. „Die klassischen Harztouristen“ sagt Wagner. Belgier und Franzosen kommen eher, weil sie Angehörige haben, die in Dora Zwangsarbeit leisten mußten. Vermehrt besuchen Polen das ehemalige KZ. Auch sie gedenken vor allem toter Freunde und Familienmitglieder. Ein gewisser Prozentsatz aller Besucher interessiere sich aber vor allem für die Raketenproduktion, gibt Wagner zu. Die Ausstellung soll versuchen, sie für die Verbrechen hinter der Technik zu sensibilisieren.

Viele Besucher sind Jugendliche, allein 80 Prozent der geführten Gruppen. Davon kommen jeweils 35 Prozent aus Thüringen und Niedersachsen, zehn Prozent aus Hessen und fünf Prozent aus Sachsen-Anhalt. Schulklassen können Projekttage durchführen, die von Gymnasiasten und Regelschülern gleichermaßen gut angenommen werden.

Weniger gern sieht Wagner wenn Leute ihre Hunde auf dem Gelände ausführen. Auch die Hochsitze der Jäger und die unlängst durchgeführte Jagd findet er pietätlos. Da hätte er sich eine bessere Absprache gewünscht. Im Allgemeinen lobte er aber die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Nordhausen und das große Interesse, auf das die Gedenkstätte bei den Bürgern stößt.
Autor: nnz

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