Di, 21:10 Uhr
09.12.2025
Neuer Bildband mit alten Bildern
Was man beim Aufräumen so alles findet…
Der Buchhandel, auch der, der in Nordhausen übrig blieb, ist gut bestückt mit Literatur aus der näheren Umgebung. Heimat-Literatur zu den verschiedensten Themen. Erinnerungen, Mahnungen und das Gefühl einer Verwurzelung - all das gibt es bereits. Jetzt kommt ein Bildband dazu, der vermutlich seines Gleichen suchen könnte…
Das Foto von Herbert Wolff aus dem Jahr 1954 war einer der "Anstöße" für die Herausgabe des Bildbandes (Foto: Archiv Wolff)
Doch der Reihe nach. Ich leite seit dem 1. Mai 1992 die Redaktion der damaligen Nordhäuser Zeitung, einem Ableger des Herzberger Harzkuriers. Drei Jahre lang währte diese berufliche Phase. Sie war geprägt von einem unendlichen Willen, jeden Tag eine gute Zeitung zu machen. Möglich war das nur mit einem tollen Team. Alle Journalisten, Redakteure, Volontäre waren beseelt von dieser Motivation.
Einer davon war der Fels in der Brandung. Er war der Größte (in Zentimeter), der Ruhepol und war bestens vernetzt, wie man es heute auszudrücken pflegt. Hans-Peter Wolff, kurz »HP«. Er hatte den Blick für das richtige Motiv, das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt und was mindestens genauso wichtig war: Er kannte nahezu alle Menschen, die damals lebten, liebten und die Nachwendezeit in dieser Stadt prägten.
Beruflich verloren wir uns aus den Augen, er fotografierte bei BILD und ich ging zum Radio. Ab und an sah man sich, diese Momente wurden jedoch seltener. Doch heute rief HP an und meinte, dass er zusammen mit Markus Veit einen tollen Bildband auf den Markt der Heimatliteratur bringen würde.
In seinem Lieblingskeller in der Oberstadt erzählte er, wie er einen lange getragenen Gedanken in die Tat umsetzen wollte: Er wollte endlich den Keller in seinem Haus entrümpeln. Was er dabei entdeckte, das war sozusagen das Initial, in dessen Fortgang dieser Bildband entstand.
HP's Vater war der legendäre Herbert Wolf. Natürlich auch Fotograf, wie später sein Sohn beim VOLK” beschäftigt. HP entdeckte beim Entrümpeln Tausende Negative aus der Zeit des Anfangs der DDR in Nordhausen. Es waren die Aufnahmen, die es damals vermutlich nicht ins Blatt geschafft hatten. Beim Betrachten war bei HP -wie ich ihn kenne - eine Spur von Sentimentalität dabei, denn jetzt war der Zeitpunkt gekommen, einen Teil dieses unschätzbar wichtigen Fundus für die Nachwelt zu erhalten. Nicht als Schwarz und Weiß, sondern in "Graustufen", wie das Leben eben ist.
HP sprach mit einem, der sich im Verlegen und Herausgeben von Büchern bestens auskennt. Mit Markus Veit. Gemeinsam reifte das Projekt. HP suchte aus, Veit recherchierte die Geschichten zu den Fotos, manchmal auch die Geschichten hinter der Geschichte. Vor allem jedoch mussten die zeitliche Einordnung und Datierung der Aufnahme stimmen.
Jetzt haben Veit und Wolff es geschafft, die erste Auflage ist angeliefert, 1.000 Stück mit einem wechselnden Cover wurden entladen und sollen ab dem kommenden Freitag (12. Dezember) noch ins Weihnachtsgeschäft gebracht werden. Zu kaufen gibt es sie für 35 Euro bei Thalia sowie in einigen DHL-Shops in Nordhausen. Einen Tag zuvor werden die beiden Autoren im Geschäft von Markus Veit in der Stolberger Straße zwischen 19 und 20 Uhr den Bildband signieren.
Bildbände über Nordhausen gab es viele. Das Besondere an diesem ist jedoch die professionelle Art des Fotografierens. Es sollten keine Fotos fürs Familienalbum gezeigt werden. Sie sollten eine anregende und aufregende Zeit im Leben dieser Stadt mit ihren Menschen dokumentieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich es, es sind mitunter die Fotos, die dann nicht zur Veröffentlichung ausgewählt werden, die mehr Atmosphäre vermitteln. Vielleicht war es auch die damalige Technik, die dieses Besondere möglich machte. Statt einer 256 GB-Speicherkarte hatten beide Wolffs eben nur 36 Bilder je Film zur Verfügung. Man musste also schon vor dem Drücken des Auslösers nachdenken.
Nach der Arbeit in der Redaktion wurde es immer mal gemütlich, wie hier Anfang 1995. Rechts "HP", daneben die Redakteure Heidrun Fischer und PSG (Foto: Archiv PSG)
Ich freue mich ganz persönlich, dass sich HP auf den Weg gemacht hat, der Nachwelt diese Zeit auf fast 250 Seiten in Erinnerung zu bringen. Und dass er mit Markus Veit einen Partner an seiner Seite hatte, der sich der Geschichte unserer Heimat nicht nur beruflich, sondern auch privat verschrieben hat.
Peter-Stefan Greiner
Autor: psg
Das Foto von Herbert Wolff aus dem Jahr 1954 war einer der "Anstöße" für die Herausgabe des Bildbandes (Foto: Archiv Wolff)
Doch der Reihe nach. Ich leite seit dem 1. Mai 1992 die Redaktion der damaligen Nordhäuser Zeitung, einem Ableger des Herzberger Harzkuriers. Drei Jahre lang währte diese berufliche Phase. Sie war geprägt von einem unendlichen Willen, jeden Tag eine gute Zeitung zu machen. Möglich war das nur mit einem tollen Team. Alle Journalisten, Redakteure, Volontäre waren beseelt von dieser Motivation.
Einer davon war der Fels in der Brandung. Er war der Größte (in Zentimeter), der Ruhepol und war bestens vernetzt, wie man es heute auszudrücken pflegt. Hans-Peter Wolff, kurz »HP«. Er hatte den Blick für das richtige Motiv, das Gefühl für den richtigen Zeitpunkt und was mindestens genauso wichtig war: Er kannte nahezu alle Menschen, die damals lebten, liebten und die Nachwendezeit in dieser Stadt prägten.
Beruflich verloren wir uns aus den Augen, er fotografierte bei BILD und ich ging zum Radio. Ab und an sah man sich, diese Momente wurden jedoch seltener. Doch heute rief HP an und meinte, dass er zusammen mit Markus Veit einen tollen Bildband auf den Markt der Heimatliteratur bringen würde.
In seinem Lieblingskeller in der Oberstadt erzählte er, wie er einen lange getragenen Gedanken in die Tat umsetzen wollte: Er wollte endlich den Keller in seinem Haus entrümpeln. Was er dabei entdeckte, das war sozusagen das Initial, in dessen Fortgang dieser Bildband entstand.
HP's Vater war der legendäre Herbert Wolf. Natürlich auch Fotograf, wie später sein Sohn beim VOLK” beschäftigt. HP entdeckte beim Entrümpeln Tausende Negative aus der Zeit des Anfangs der DDR in Nordhausen. Es waren die Aufnahmen, die es damals vermutlich nicht ins Blatt geschafft hatten. Beim Betrachten war bei HP -wie ich ihn kenne - eine Spur von Sentimentalität dabei, denn jetzt war der Zeitpunkt gekommen, einen Teil dieses unschätzbar wichtigen Fundus für die Nachwelt zu erhalten. Nicht als Schwarz und Weiß, sondern in "Graustufen", wie das Leben eben ist.
HP sprach mit einem, der sich im Verlegen und Herausgeben von Büchern bestens auskennt. Mit Markus Veit. Gemeinsam reifte das Projekt. HP suchte aus, Veit recherchierte die Geschichten zu den Fotos, manchmal auch die Geschichten hinter der Geschichte. Vor allem jedoch mussten die zeitliche Einordnung und Datierung der Aufnahme stimmen.
Jetzt haben Veit und Wolff es geschafft, die erste Auflage ist angeliefert, 1.000 Stück mit einem wechselnden Cover wurden entladen und sollen ab dem kommenden Freitag (12. Dezember) noch ins Weihnachtsgeschäft gebracht werden. Zu kaufen gibt es sie für 35 Euro bei Thalia sowie in einigen DHL-Shops in Nordhausen. Einen Tag zuvor werden die beiden Autoren im Geschäft von Markus Veit in der Stolberger Straße zwischen 19 und 20 Uhr den Bildband signieren.
Bildbände über Nordhausen gab es viele. Das Besondere an diesem ist jedoch die professionelle Art des Fotografierens. Es sollten keine Fotos fürs Familienalbum gezeigt werden. Sie sollten eine anregende und aufregende Zeit im Leben dieser Stadt mit ihren Menschen dokumentieren. Aus eigener Erfahrung weiß ich es, es sind mitunter die Fotos, die dann nicht zur Veröffentlichung ausgewählt werden, die mehr Atmosphäre vermitteln. Vielleicht war es auch die damalige Technik, die dieses Besondere möglich machte. Statt einer 256 GB-Speicherkarte hatten beide Wolffs eben nur 36 Bilder je Film zur Verfügung. Man musste also schon vor dem Drücken des Auslösers nachdenken.
Nach der Arbeit in der Redaktion wurde es immer mal gemütlich, wie hier Anfang 1995. Rechts "HP", daneben die Redakteure Heidrun Fischer und PSG (Foto: Archiv PSG)
Ich freue mich ganz persönlich, dass sich HP auf den Weg gemacht hat, der Nachwelt diese Zeit auf fast 250 Seiten in Erinnerung zu bringen. Und dass er mit Markus Veit einen Partner an seiner Seite hatte, der sich der Geschichte unserer Heimat nicht nur beruflich, sondern auch privat verschrieben hat.
Peter-Stefan Greiner


