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Sa, 12:59 Uhr
22.11.2025
Heimatgeschichte Niedersachswerfen

Warum der Tanzteich nie tanzte

Sagenumwoben ist der Tanzteich bei Niedersachwerfen. Gleich mehrfach belegt als gefährliches Strudelwasser, See mit Monster oder dem Schloss, das unterging. Doch wie ist der Name des beliebten Ausflugsziels richtig zu deuten? Darüber berichtet Tim Schäfer...

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Viele Südharzer lieben diesen See an der Grenze zum Auslaugungstal im Gipskarst. Den Tanzteich. Früher, in meiner Jugend, auch noch Partyort und es wurde darin gebadet. Es finden sich selten Flora und Fauna hier, sogar Orchideen. Aber hat der Name des Sees etwas mit dem Tanz zu tun?

Gab es hier früher, wie sagenhaft berichtet, gefährliche Strudel im Wasser, gar ein Wassermonster al la Nessie von Lochness oder ein Schloss, welches im See versank? Der Autor sieht einen anderen Hintergrund bzw. eine Erklärung und die geht weit in die Geschichte zurück. Kommt Ihr mit? Gehen wir ins 12. Jahrhundert, aus der Ilfelder Linie des Grafen Adelgerd war ein Graf Honstein geworden, dessen Familie eine bedeutende Ära von Dynasten und Amtsträgern im damaligen Reich über Jahrhunderte hinweg stellten. Zu derem Eigentum gehörte bis 1307 auch das heute untergegangene Örtchen Balrode, mit allem Zubehör, zu dem auch die Tanse seinerzeit gehört hat. Tanse war die Bezeichnung für den heutigen Tanzteich.

Am 11. November 1307 wurde eine bemerkenswerte Urkunde ausgestellt, die uns heute einen tiefen Einblick in die mittelalterliche Geschichte des Südharzes gibt. Darin bekennen die Grafen von Honstein – Theodericus mit seinen Söhnen Heinrich, Elger und Odalricus sowie seinen Brüdern Otto und Heinrich – den Verkauf des Dorfes Balrode mit allen Äckern, Wiesen, Wäldern und Wasserläufen an die Kirche St. Maria Ilfeld (Kloster, Prämonstratenser). Der Kaufpreis betrug stolze 80 Mark Nordhäuser Silber.

Theodericus, Graf von Honstein, zusammen mit seinen Söhnen Heinrich, Elger und Odalricus sowie seinen Brüdern Otto und Heinrich, verkaufen an Ilfelds Kloster der Heiligen Gottesmutter Maria. Sie waren Nachkommen des früheren Grafen Heinrich von Honstein, („pie mem.“, seligen Angedenkens). In einer vorherigen Darstellung bin ich auf das Paradoxon in der Honsteiner Grafenfamilie eingegangen, wer will, kann dies gern auf Burg Honstein nachlesen, dort ist die Zusammenfassung ausgestellt, die Burgherr Kai angebracht hat.
Besonders hervorgehoben wird in dieser Urkunde das Fischwasser „Tanse“, das wir heute als Tanzteich bei Niedersachswerfen kennen. Damit ist die Tanse als wirtschaftlich genutztes Gewässer belegt. Fischteiche wie dieser waren für die Versorgung der Bevölkerung und insbesondere für die klösterliche Ernährung in der Fastenzeit von großer Bedeutung, denn die Klosterbrüder durften kein Fleisch essen.

Die Urkunde wurde von angesehenen Persönlichkeiten bezeugt, darunter Conradus, Pfarrer in Elriche (Ellrich), sowie die Ritter Heinrich von Wilrode und Henning von Bleicherode. Die Siegel zeigen das Wappen der Grafen von Honstein und einen Heiligen, der einem Geistlichen eine Palme überreicht – ein Symbol für göttliche Bestätigung und Frieden (Kloster Ilfeld). Offenbar handelte Borchard von Osterode für die Honsteiner, der öfter und bedeutend begegnet.

Was bedeutet „Tanse“?
Das Wort Tanse ist sprachgeschichtlich interessant. Im Mittelhochdeutschen Wörterbuch (MWB Online) findet sich die Wurzel dinsen/dinsan mit der Bedeutung „ziehen, schleppen, tragen“. Daraus entwickelte sich später die schweizerische Bedeutung „Bütte, Tragegefäß“ – ein hölzerner oder metallener Behälter, den man auf dem Rücken trägt. Im Harz und Thüringer Raum blieb jedoch eine regionale Sonderbedeutung erhalten: Tanse bezeichnete ein Fischwasser oder Teich.

Damit ist die Tanse ein Beispiel für ein Wort, das im allgemeinen Sprachgebrauch verschwand, aber in Flurnamen weiterlebt. Der Tanzteich bei Niedersachswerfen bewahrt diesen alten Ausdruck bis heute. Hat aber nix mit tanzen oder dem Tanz zu tun, was in Vergessenheit geriet.

Die Tanse ist mehr als nur ein Teich – sie ist ein Stück lebendige Sprach- und Heimatgeschichte. Mit der Urkunde von 1307 haben wir einen seltenen Beleg, der sowohl die mittelalterliche Wirtschaftsweise als auch die Entwicklung unserer Sprache sichtbar macht.
tim Schäfer
Autor: red

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