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Sa, 19:30 Uhr
22.11.2025
Das neue Stück der Silberdisteln

Ein Faust'scher Frankenstein feiert Premiere

Nicht der Faust sondern Mein Faust steht bei den Silberdisteln in diesem Jahr neu auf dem Programm. Mit dem Stück aus eigener Feder erfüllt sich eine der ältesten „Disteln“ einen lang gehegten Wunsch…

"Mein Faust" - das neue Stück der Silberdisteln feierte gestern auf der Studiobühne der pro vita Akademie Premiere (Foto: agl) "Mein Faust" - das neue Stück der Silberdisteln feierte gestern auf der Studiobühne der pro vita Akademie Premiere (Foto: agl)

Die Senioren-Schauspieler der Silberdisteln haben in den 16 Jahren, die man nun schon auf der Bühne steht, manche Höhen und Tiefen hinter sich gebracht. Ziemlich tief im Tale stand man im vergangenen Jahr - mit dem Umbau des Theaters hatte man das Dach über dem Kopf verloren, ein ordentlicher Raum für Proben fehlte und eine passende Spielstätte zu finden gestaltete sich schwierig. Woran es nicht mangelte, war Spielfreude und mit „Sein oder nicht Sein“ - ein Stück über eine fiktive Schauspielgruppe mit Schwierigkeiten - machte man aus der Not eine kreative Tugend. Auf der Bühne fällt im Stück der letzte Satz: „Und im nächsten Jahr spielen wir meinen Faust!“

„Was außer uns niemand wusste: das war Ernst gemeint und eine Ankündigung.“, sagt Anja Eisner, die Regisseurin und Dramaturgin der Silberdisteln, in diesem Jahr spielt man das besagte Stück aus eigener Feder, nämlich der von Manfred Baumann, selber Silberdistel und frische 92 Jahre jung.

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Auch der Titel war schon korrekt, „Mein Faust“ heißt das Werk, eine Nacherzählung des Klassikers, die der Titel vermuten ließe, ist es aber nicht geworden. Viel mehr hat man sich vom Dichterfürsten inspirieren lassen und überlegt was wohl wäre, wenn Dr. Faustus und sein Mephistopheles in unseren Tagen wiederkehren würden. „Zwischen dem Faust und Mein Faust liegt ein himmelweiter Unterschied. Goethes Faust bietet den Schulstoff den jeder kennt - der Pakt mit dem Teufel, die Gretchenfrage und ihr trauriges Schicksal. Unser Autor hat sich gefragt, was Faust in Anbetracht all der modernen Möglichkeiten unserer Zeit machen würde. Und das ist dann nicht das „was die Welt im Innersten zusammenhält“, sondern der Versuch, das Gretchen zurückzubringen. Natürlich läuft dabei nicht alles wie geplant“, erzählt Eisner.

Im Faust der Silberdisteln steckt also auch eine Portion Frankenstein, wer Goethes Tragödie gut kennt, dem wird es aber an Referenzen, Reminiszenzen und Zitaten auch nicht mangeln. Viel Zeit und Energie hat man in die Proben gesteckt, das 46 Seiten starke Script - frei nach Goehte gänzlich in Versform verfasst und vorgetragen - in den Kopf und auf die Bühne zu bekommen war keine leichte Aufgabe für die Seniorenschauspieler. „Wir sind im Schnitt 75 Jahre alt und das Stück ist so angelegt, dass auch alle auf der Bühne sind und spielen können. Das heißt natürlich auch, dass bei den Proben möglichst alle da sein sollten, mit den Hürden, die das Alter so mit sich bringt ist schon das keine leichte Sache“, erzählt Eisner. Und der Stoff ist ebenfalls kein einfacher, wer mit Referenzen an den Faust spielen will, der müsse sich nicht nur in der Materie auskennen, sondern sich auch für und um das Spiel selbst Gedanken machen. Zum Glück hat man schon ein wenig Erfahrung im Rücken - vor ein paar Jahren hatte man in "Des Pudels Kern" den Faust schon einmal gegeben, damals zusammen mit dem jungen Theater.

Der Spielfreude haben die Herausforderungen keinen Abbruch getan, zumal sich einige der Tiefen aus dem vergangenen Jahr in Wohlgefallen aufgelöst haben. Für die Proben ist man bei Christiane Marx und ihren „EX-IN Möglichkeitsräumen“ untergekommen, spielen kann man auf der Studio-Bühne der pro Vita Akademie und Anschluss hat man über das Radio ENNO gefunden. Für all diese glücklichen Umstände sei man unendlich dankbar, sagt Eisner.

Vor ein paar Jahren war noch Mephisto jetzt ist er Dr. Faust - Mannfred Baumann hat das Stück nicht nur geschrieben, er spielt auch die Hauptrolle und hat sich im hohen Alter damit noch einmal einen Lebenswunsch erfüllen können (Foto: agl) Vor ein paar Jahren war noch Mephisto jetzt ist er Dr. Faust - Mannfred Baumann hat das Stück nicht nur geschrieben, er spielt auch die Hauptrolle und hat sich im hohen Alter damit noch einmal einen Lebenswunsch erfüllen können (Foto: agl)

„Wir haben uns jedes Jahr übernommen“, erzählt die einstige Chefdramaturgin mit einem Lächeln, seit man nicht mehr unter den Fittichen des Theaters spielt, organisiere man im Grunde alles selbst. Und das auch hat seine guten Seiten. „Das hält einen auch gut auf Trab. Unser Stückautor Mannfred Baumann etwa ist über 90 Jahre alt und ein toller, begabter Schauspieler. Er übernimmt selber die Hauptrolle und kann sich mit dem Stück und dem Spiel auch noch einmal einen Lebenstraum erfüllen.“

Premiere feierte „Mein Faust“ gestern Abend auf der Studiobühne der pro Vita Akademie. Wer die verpasst hat, kann die Silberdisteln an folgenden Terminen erleben:
  • 23.11. - 15 Uhr, Studiobühne, Geschwister-Scholl-Straße 9
  • 28.11. - 19 Uhr, ebenda
  • 29.11. - 18 Uhr, ebenda
  • 07.12. - 15 Uhr, ebenda

Den Abschluss ihrer Spielzeit feiern die "Disteln" am 09. Dezember um 19 Uhr mit einem Gastspiel in der Kreissparkasse am Kornmarkt. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in der Stadtbibliothek erhältlich oder an der Abendkasse am jeweiligen Aufführungsort.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Warren
23.11.2025, 14:27 Uhr
....und silbrig glänzt
das Fell....
Es zeugt schon von großem Mut sich hier neben dem TNlos die Bühne zu erobern, aber sei's drum. Wir werden hören und sehen.
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