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Fr, 14:33 Uhr
14.11.2025
Nordhausen

Neuzugang im Nachtleben

Das Nachtleben in Nordhausen kannte in den letzten Jahren vor allem eines: den schleichenden Niedergang. Für Jugendliche und Studenten gleiche die Stadt heute eher einem Dorf, meint ein junger Nordhäuser und will dem etwas entgegensetzen…

Marko Uskovic ist heute 22 Jahre alt, ausgebildeter Physiotherapeut und unzufrieden mit dem, was Nordhausen ihm und seiner Generation in den Abendstunden noch zu bieten hat. Mit 10 Jahren kam Uskovic mit seiner Familie aus Serbien nach Nordhausen, ist hier zur Schule gegangen und groß geworden, hat seine Ausbildung am Berufsschulzentrum gemacht und in dieser Zeit auch das kennengelernt, was vom "Nachtleben" noch übrig ist. „Für junge Leute ist Nordhausen heute eine tote Stadt. Man geht zu McDonalds, hängt vor der Tankstelle oder dem Kino ab oder trifft sich auf einem Parkplatz. Das sind die Spots, die die 15 bis 18jährigen aufsuchen. Ich und viele meiner Freunde sind aus dem Alter raus und es gibt nichts, wo wir hin könnten. Daraus ist die Idee für die Bar entstanden“, erzählt der frisch gebackene Gastronom, der seine „Bar Voyage“ in der Halleschen Straße 13 eingerichtet hat.

22 Jahre jung, Physiotherapeut und nun auch Barkeeper - Marko Uskovic will das Nordhäuser Nachtleben bereichern (Foto: agl) 22 Jahre jung, Physiotherapeut und nun auch Barkeeper - Marko Uskovic will das Nordhäuser Nachtleben bereichern (Foto: agl)

Günstig soll es sein, erschwinglich für das schmale Portemonnaie von Azubis und Studenten und Spaß, Spiel und Entspannung bieten, ein Anlaufpunkt für die Abendstunden, mit ausreichend Raum für Partys, erzählt Uskovic. Alles etwas hemdsärmelig, aber erschwinglich, so der Gedanke. Inspiration habe man bei Freunden aus Sondershausen gefunden, die mit ihrem „Treffpunkt“ etwas ähnliches versuchen. „In Sondershausen, in einer Stadt in der sonst so wirklich gar nichts los ist, haben junge Leute mehr Optionen, als in Nordhausen. Was eine Stadt sein sollte, fühlt sich wie ein Dorf an. Und das war ja nicht immer so, mein Fahrlehrer ist um die 40 und schwärmt vom Schabernack. Nordhausen war mal eine Stadt, da wollte man am Wochenende hin um zu feiern. Wir wollen zumindest versuchen, wieder in die Richtung zu gehen.“

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„Wir“ sind in dem Fall Uskovic und sein Bruder, auch der Rest der Familie steht im Hintergrund, der Vater hat beim Umbau der alten Hotelräume geholfen. Gastro-Erfahrung haben die Brüder schon als Aushilfen gesammelt und wollen die Bedienung selber stemmen. Schwarze Zahlen müsse die Bar auch nicht sofort schreiben, meint der junge Unternehmer, im Hintergrund hat man mit einer Reinigungsfirma noch ein zweites Standbein und das laufe gut. Geöffnet wird die Bar erst ab 19 Uhr, für das Tagesgeschäft mag der umtriebigen Jugend damit genug Zeit bleiben.

Frei von Herausforderungen ist der Einstieg in das notorisch rauhe Gastro-Geschäft indes nicht, den ersten Startschuss musste man wegen eines Wasserschadens schon verschieben, nach der ersten Einweihungsparty mahnte das Amt noch ein paar Anpassungen für Bar und Küche an. „Bei uns sagt man: du machst Pläne und Gott lacht dich aus. Irgendwas ist immer, aber es geht weiter“, gibt sich Uskovic optimistisch. Am Samstag sollen die Türen nun wieder geöffnet werden, ob damit auch wieder etwas Schwung in das Nordhäuse Nachtleben kommt, muss die Zukunft zeigen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Audio
14.11.2025, 16:01 Uhr
Was Marko anstrebt, ist lobenswert !
Aber der Hauptgrund für den Zusammenbruch des "Nachtlebens" ist die zunehmende Kriminalität in Nordhausen ! Und die Sicherheitsorgane können nicht wirkungsvoll eingreifen, weil die armselige Gesetzgebung das nicht zulässt. Zu DDR-Zeiten war am Wochenende z.B. im Gehege an 5 Stellen Tanz. In der "Stadt-Terasse sogar in der Woche und in der "Börse" und im "Handelshof" auch zwischendurch. Und man konnte unbehelligt in der Nacht nach Hause gehen ! Wohlgemerkt - ich will die DDR nicht hochloben, aber was sich verstärkt seit 2015 in unserer Region abspielt, erinnert an amerikanische Verhältnisse. Ich hoffe sehr, dass unsere Bürger in Zukunft alles tun werden , damit diese unzumutbaren Verhältnisse verändert werden und wieder normale Verhältnisse einziehen !
Trotzdem wünsche ich Marko viel Glück und ein erfolgreiches Geschäft !
KlausMüller1960
14.11.2025, 16:55 Uhr
Gute Idee im falschen Viertel
Die Idee das Nordhäuser Nachtleben zu bereichern finde ich sehr gut.
Leider ist die Bar im falschen Viertel von Nordhausen. Ich bezeiche diese Gegend leider as "No Go Area" von Nordhausen. Ich persönlich traue mich nach Einbruch der Dunkelheit nicht in dieses Viertel,da ich genau weiß wer und was sich dort rumtreibt. Ich wünsche trotzdem viel Glück mit der neuen Bar und hoffe nicht wöchentlich Polizeiberichte aus der Halleschen Straße zu lesen.
Anonymus84
14.11.2025, 18:58 Uhr
@Audio
Das Nachtleben brach schon zusammen da gab es die übermäßige Zuwanderung und Problematik auf den Straßen noch nicht. Grundlegend ist der finanzielle Aspekt der Treiber für den Untergang. Löhne und Zuwendungen steigen nicht im gleichen Tempo wie die Ausgaben.

Hatte man zu meiner Zeit bis kurz vor Mitternacht bei Freunden vorgeglüht, ist man dann bis vier oder fünf ins Klubhaus, die Weberei ins Schabernack oder in die Destille. Mit 50€ ist man da noch gut über die Runden gekommen. Heutzutage kostet der Eintritt schon fast 20€ und der kleine Schnaps 2.50€ oder mehr. Das will und kann sich kein Azubi oder Student jedes Wochenende oder zweimal die Woche leisten.

Also wird zu Hause gefeiert oder sich mit Bier aus dem Supermarkt in den Park oder sonst wo gesetzt.
Glaskugel
14.11.2025, 21:47 Uhr
Kriminalität soll schuld sein?
Der hat doch niemals in der DDR gelebt und hat überhaupt nicht verstanden, woran die Gastronomie hier über Jahrzehnte hinweg seit der Wende kaputt geht. Solche Claquere, die selbst die Gastronomie für ihre Zwecke mißbrauchen, braucht die Welt nun wirklich nicht.

Ich wünsche dem Marko jedenfalls viel Erfolg und distanziere mich von solchen Kaputtschreibern ausdrücklich.
snowcat
14.11.2025, 23:02 Uhr
Ein Hauch von „Goldener Handschuh“ – aber in süß
Irgendwie erinnert mich die Theke ganz leicht an den Goldenen Handschuh – aber auf die liebste und charmanteste Art.
So ein kleiner „Retro-Vibe“, nur ohne Matrosenhemd, Fiete und Schnapsgeruch.
Einfach gemütlich, ein bisschen schräg und total sympathisch!
Elfie 20
15.11.2025, 01:52 Uhr
Erinnern
Ich denke da noch an den Uhu "Eule", diese Discothek hatte jeden Tag geöffnet. Eine Ordnungsgruppe hatte da für Ordnung und Sicherheit gesorgt. Am Wochenende konnten da sogar Jugendliche unter 16 Jahren bis 22.00 Uhr Party machen, nix passiert. Heute unmöglich.
nur_mal_so
15.11.2025, 07:55 Uhr
Entschuldigung,
aber Nordhausen hatte schon lange vor 2015 kein "Nachtleben" mehr.
Nehmt doch bitte mal eine gewisse Alternative Brille ab und besinnt euch, wie und warum und vor allem, seit wann das gelobte "DDR"-Nachtleben verschwand. In meinen Augen hat der Rückgang des Nachtlebens vor allem wirtschaftliche Gründe, die schon weit früher als "2015" begannen, nämlich gefühlt, ohne dass ich jetzt Beispiele anbringen könnte, seit den mittleren 90ern. Auf der einen Seite immer höhere Preise, auf der anderen Seite immer weniger junge Menschen mit immer weniger Geld in der Tasche.
Dafür nehme ich auch gerne "Daumen runter" in Kauf.

Und was die angesprochenen No-Go-Areas angeht: auch die gab es bereits in den 90ern.
"Ich geh nicht ins Kiene, da gibt es jedes Wochenende mindestens eine Schlägerei."
"Geh bloß nicht durch die Promenade, da sind die Rechten wieder auf Krawall aus."
Weiß man bloß nicht mehr oder will es nicht wissen, sonst könnte man "2015" nicht unterbringen.
Wie Bitte
15.11.2025, 20:56 Uhr
Wer sich hinstellt und ernsthaft behauptet,
"das Kneipensterben in Nordhausen hat mit den Merkelgästen ab 2015 zu tun", wohnt entweder erst seit 2014 in Nordhausen, oder er lügt bewusst aus Gründen, über die ich nur spekulieren könnte, aber nicht mag.

Herrn Uskovic alles Gute in einer Stadt, in welcher Menschen seines Phänotyps im "Straßenbild" nicht gern gesehen werden.
Hoffentlich läuft er nicht mal zufällig durch die Uferstraße.
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