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Mi, 13:10 Uhr
12.11.2025
„Friedrich–Christian–Lesser–Preis“ an Nordhäuser Geschichtsverein verliehen

Hohe Ehrung für Hobbyhistoriker

Er gehört mit nahezu 100 Mitgliedern zu den größten seiner Art in Thüringen. Monatlich treffen sich die Freunde zu Vereinsabenden im Tabakspeicher, tauchen in ihrer Freizeit tief ein in die regionale Historie. Ihre Forschungsergebnisse finden sich in Aufsätzen wieder oder werden in abendfüllenden Vorträgen präsentiert. Die Rede ist vom Nordhäuser Geschichtsverein, dem am Abend eine besondere Ehrung zuteil wurde...

Landrat und Bürgermeisterin gratulieren Hans-Jürgen Grönke (Foto: Backhaus) Landrat und Bürgermeisterin gratulieren Hans-Jürgen Grönke (Foto: Backhaus)
Keine geringere als die „Historische Kommission für Thüringen“ zeichnete den Nordhäuser Geschichts- und Altertumsverein – so sein korrekter Name – mit dem „Friedrich-Christian-Lesser-Preis“ 2025 aus. Der Verein sieht sich in der Tradition des bereits 1870 gegründeten Geschichtsvereins und leistet seit mehreren Jahrzehnten in Sachen deutscher, vornehmlicher aber regionaler Geschichtsforschung, eine äußerst engagierte Forschungs- und Bildungsarbeit.

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Der Preis wurde auf Initiative von Andreas Lesser aus München im Jahr 2008 ins Leben gerufen. Zur damaligen Zeit stand er der „Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung“ vor. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und wird an Vereine vergeben, deren Mitglieder sich über längere Zeiträume mit der Heimat- und Lokalgeschichte beschäftigen und entsprechende Forschungen betreiben.

Wichtig ist dabei, dass die Vereinsfreunde hohes ehrenamtliches Engagement an den Tag legen und ihre Recherche- und Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Dies geschieht seit Jahrzehnten durch die oben bereits angeführten Vereinsabende, die für Jedermann kostenfrei zugänglich sind. Zudem bietet der Verein Bus- und Autoexkursionen zu geschichtsträchtigen Orten an und gibt jeweils eine zum Jahresende erscheinende Publikation heraus.

Wurden Forschungsergebnisse von Historikern in den Jahren 1953 bis 1959 zunächst in der Schrift „Der Nordhäuser Roland“ veröffentlicht, fanden ab 1977 Aufsätze in der Heftreihe „Beiträge zur Heimatgeschichte aus Stadt und Kreis Nordhausen“ ihren Platz. Ab der Nr. 26/2001 erschien die Publikation mit dem etwas veränderten Titel „Beiträge zur Geschichte aus Stadt und Landkreis Nordhausen“, verkürzt auch „Gelbe Reihe“ genannt.

Höchst selten „verirren“ sich Kommunalpolitiker in Vereinsabende der Geschichtsfreunde. Doch am Dienstagabend war das anders. Matthias Jendricke, Landrat des Landkreises Nordhausen, und die Bürgermeisterin der Rolandstadt, Alexandra Rieger, (beide SPD) sowie weitere Mitglieder aus dem Stadtrat und dem Kreistag und weiteren Vereinen und ehemaligen Politgrößen machten den Hobbyhistorikern ihre Aufwartung.

Den Part der Begrüßung übernahm in dieser Feierstunde der Stellvertretende Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Wolfram G. Teilemann. Er hieß alle, in welcher Funktion sie auch anwesend waren, auf das herzlichste Willkommen. In Grußworten gleich zu Beginn brachten sowohl Bürgermeisterin Rieger sowie auch Landrat Jendricke ihre Freude über die Ehrung der Nordhäuser Geschichtsfreunde mit dem Lesser-Preis zum Ausdruck.

Während die Bürgermeisterin sich in ihren Worten der Thematik Heimat und regionaler Verbundenheit widmete, hob der Landrat neben dem Engagement der Vereinsmitglieder ebenso die oft mühevolle und ehrenamtliche Arbeit vieler Ortschronisten in den kleinen Gemeinden hervor.

Und Andreas Lesser, „Stargast“ und Stifter des Preises und zudem großzügiger Geldgeber für Belange der Stadt Nordhausen, nahm in seinem Kurzvortrag die Anwesenden mit auf eine Reise in die Geschichte der Familie Lesser, die auch und vor allem aus Pfarrersleuten hervorging. Nachweislich nahm sie Anfang des 16. Jahrhunderts ihren Anfang und dauert bis in unsere Zeit an.

Schließlich ergriff Prof. Dr. Werner Greiling aus Jena das Wort. Er ist Vorsitzender der „Historischen Kommission für Thüringen“ und berichtete über die Entstehung, den Werdegang und das Aufgabenspektrum des eingetragenen Vereins. Die Kommission will mit der Preisvergabe die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf mit „hohem ehrenamtlichen Engagement gegründeten und auf den lokalen und regionalen Raum konzentrierten Vereinen und Initiativen sowie deren verdienstvolle und kontinuierliche Geschichtspflege“ lenken und entsprechend würdigen.

Dr. Martin Sladeczek aus Erfurt, ebenso Mitglied der „Historischen Kommission“, unternahm in seiner Laudatio einen geschichtlichen Exkurs und rief den zahlreichen Gästen den Sinn und die Entstehung des Vereinswesens in Deutschland in Erinnerung
Er machte deutlich, dass bereits gegründete Vereine aus dem 19. Jahrhundert während der Nazizeit und später auch in der DDR einem Verbot unterlagen.

Unter dem Dach des (Deutschen) Kulturbundes der DDR fand man sich in Arbeits- und Interessengemeinschaften oder in Fachgruppen zusammen, um sich im Rahmen des jeweiligen Betätigungsfeldes auszutauschen, Forschung zu betreiben und neue Erkenntnisse zu vermitteln. Sei es nun in öffentlichen Präsentationen, Vorträgen oder in Fachpublikationen.

So bildete sich im Kulturbund im April 1952 die Fachgruppe „Heimatgeschichte und Ortschronik“. 1955 schließlich kam es zur Umbenennung in Fachgruppe „Heimatgeschichte“. Diese Bezeichnung behielt sie bis 1991 bei. Das Haus des Kulturbundes, später dann das Vereinshaus „Thomas Mann“, in der Nordhäuser Wilhelm-Nebelung-Straße 39, war über Jahrzehnte hauptsächliches Domizil des Geschichtsvereins.

Nach Schließung des Kulturhauses vor einigen Jahren haben die Geschichtsfreunde im Nordhäuser Tabakspeicher, Bäckerstraße 20, eine neue Heimat gefunden. Und in diesem ehrwürdigen Gebäude wurde aus den Händen der Kommissionsmitglieder und Andreas Lesser an den Vereinsvorsitzenden Hans-Jürgen Grönke der „Friedrich-Christian-Lesser-Preis“ 2025 feierlich überreicht. Darüber hinaus gab es Blumen und abermalige Dankesworte in alle Richtungen.

Sichtlich bewegt dankte Grönke auch im Namen der Geschichtsfreunde für diese hohe Ehrung. Die 1.000 Euro, die mit dem Preis verbunden sind, will der Verein nicht in die eigene Kasse stecken. Die ersten 250 Euro erhält für ein Schülerprojekt die Regelschule Hainleite. Für den 9. Dezember ist im Tabakspeicher die Preisübergabe geplant. Spontan schaltete sich der Landrat ein und kündigte an, weiter 250 Euro für derlei Projekte dem Geschichtsverein zukommen zu lassen.

Alles in allem ein denkwürdiger (Vereins)abend, der nicht nur den Nordhäuser Geschichtsfreunden, sondern ganz bestimmt auch den vielen Gästen aus weiteren Vereinen, Vertretern der Kommunalpolitik sowie den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Tabakspeichers noch lange in bester Erinnerung bleiben dürfte.
Hans-Georg Backhaus
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Feierliche Auszeichnung für Nordhäuser Hobby-Historiker (Foto: Hans-Georg Backhaus)
Autor: psg

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Kommentare
Betrachter
12.11.2025, 16:01 Uhr
Schön
das es einen solchen Verein gibt, der sich aktiv mit der regionalen Geschichte beschäftigt. Herr Grönke ist ein Unikum, den ich schon als Geschichtslehrer geschätzt habe.
Weiterhin viel Erfolg!
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