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Mi, 11:00 Uhr
22.10.2025
Agentur für Arbeit und IHK stellen Ausbildungs-Projekt vor

Erfolgsgeschichte soll in Stein gemeißelt werden

Das inzwischen mit dem „Deutschen Fachkräftepreis 2025“ des Bundesarbeitsministeriums hoch dekorierte Gemeinschaftsprojekt der Agentur für Arbeit und der IHK „Tag in der Produktion“ (TiP) wurde gestern in Bad Langensalza einmal mehr der Öffentlichkeit vorgestellt. Und das in einem wahren Vorzeigebetrieb …

Ausbildungsleiter Ricardo Schröder mit seinem Zögling Kai Twrznik, der einen Greif aus dem Travertinstein befreit (Foto: oas) Ausbildungsleiter Ricardo Schröder mit seinem Zögling Kai Twrznik, der einen Greif aus dem Travertinstein befreit (Foto: oas)


Nordthüringer Schüler der achten und neunten Klassen können seit 2022 an einem Projekt teilnehmen, an das sich ältere Ex-DDR-Bürger noch gut erinnern werden: Der Tag in der Produktion. Warum diese im wahrsten Sinne des Wortes praktische Einrichtung abgeschafft wurde, soll hier nicht untersucht, wohl aber ihre Wiederauferstehung gefeiert werden.

Ziel des Ausbildungsförderungsprojektes ist es, eine praxisnahe Berufsorientierung für Schüler in Thüringer Unternehmen zu ermöglichen, die nicht nur die jungen Menschen vermittelt, sondern auch zur Fachkräftesicherung in den Thüringer Unternehmen beiträgt und eine regionale Bindung der zukünftigen Fachkräfte verspricht. Binnen eines Jahres in den Klassenstufen acht und neun suchen sich die Schüler vier Betriebe aus, in denen sie mehrere Tage Erfahrungen und Eindrücke sammeln, um ihren beruflichen Werdegang vorzubereiten. Dabei müssen sie sich wie im richtigen Leben in den Firmen schriftlich bewerben; ein weiterer Lerneffekt des Projekts.

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Aus den vor drei Jahren ursprünglich gestarteten drei Regelschulen im Nordthüringer Bereich der Arbeitsagentur sind es im Frühjahr dieses Jahres mittlerweile 28 Bildungseinrichtungen geworden, die sich im Projekt engagieren. Aus damals 180 beteiligten Schülern wurden 1.380 und die Anzahl von einst 120 ausführenden Praktikumsbetrieben hat sich inzwischen auf stolze 900 erhöht.

Eine Erfolgsgeschichte also, die zusätzliche Leuchttürme hat, wo der TiP besonders gut eingeschlagen hat. Die TRACO Deutsche Travertinwerke GmbH in Bad Langensalza ist einer dieser Türme, der die anderen sogar noch überragen dürfte, weshalb auch in ihren Räumen die Pressekonferenz stattfand. Sechs der sieben neu Auszubildenden im Werk haben ihren Weg in die technischen und kaufmännischen Berufe des Unternehmens über Praktika im TiP gefunden. Geschäftsführer Andreas Müller bezeichnet das Projekt als Teil des Marketing-Mixes bei der Werbung um neue Fachkräfte. Viele Schüler könnten sich unter den angebotenen Berufen der TRACO nicht all zu viel vorstellen und deshalb seien die Praktikumstage sehr hilfreich. Die zukünftigen Naturwerksteinbearbeiter, Schleiftechniker oder Maschinenbearbeitungstechniker können sich ein Bild vom Beruf machen und die Lehrausbilder können die Qualität und Motivation der Bewerber besser einschätzen.

Es wird gehämmert und geschliffen, vor allem aber fachgerecht ausgebildet in bad Langensalza  (Foto: oas) Es wird gehämmert und geschliffen, vor allem aber fachgerecht ausgebildet in bad Langensalza (Foto: oas)


Während des Praktikums erstellen die Schüler unter Anleitung ihrer späteren Lehrausbilder einzelne kleine Produkte aus Travertin, die sie am Ende mit nach Hause nehmen können. Ein zusätzlicher Effekt ist, dass sie sich dadurch nach dem Praktikum noch bildlich daran erinnern können, was sie gearbeitet haben. Ausbildungsleiter Ricardo Schröder ist mit dieser Entwicklung sehr zufrieden und erfährt stärkere Nachfragen nach Ausbildungsplätzen als vorher. „Berufsmessen und Schulmessen sind nach wie vor für die Berufsorientierung sehr wichtig“, weiß er und glaubt, dass die Vielzahl der angebotenen Berufe den Horizont der Schüler erweitere und bei ihnen bei der Auswahl helfe. Für die Praktika denkt sich Schröder spannende und gut umsetzbare Projekte aus, um den Schülern Lust an der Arbeit zu vermitteln. „Die Praktikanten sprechen sich auch in der Schule hinterher miteinander ab, wo es ihnen gefallen hat und wo nicht“, erklärt Schröder und ist froh, dass er so viele unterschiedliche und interessante Tätigkeiten im Werk vorstellen kann.

Die Anzahl der Beschäftigten in Thüringen ist um 1,6 Prozent zurückgegangen, ergänzt Christian Böduel von der zuständigen Industrie- und Handelskammer. Er verweist darauf, dass der Stand der Auszubildenden auf hohem Niveau gegenüber den Vorjahren gehalten werden konnte. Dennoch ist eine Abbruchrate von 30 Prozent alarmierend, deutschlandweit sind die Zahlen ähnlich, die größten Abbruchraten haben Gerüstbauer und Friseure, wo zwischen 30 bis 50 Prozent der Lehrlinge ihre Ausbildung nicht beenden.

Arbeitsplätze sind bei der TRACO GmbH ausreichend vorhanden und die frischen Fachkräfte konnten in den letzten Jahren exakt die ausscheidenden Mitarbeiter als Steinmetze oder Maschinenbearbeitungstechniker ersetzen. Achtzehn Azubis sind derzeit im Betrieb in Ausbildung, 15 im technischen und drei im kaufmännischen Bereich. Damit das so bleibt wird bei TRACO weiterhin auf die Beteiligung im Projekt TiP gesetzt und die auszubildenden jungen Mitarbeiter gehen ihrer Arbeit mit offensichtlicher Freude nach, wie ein Rundgang durch das Werksgelände im Anschluss an die Pressekonferenz bewies.

Nicht nur für die TRACO Deutsche Travertinwerke GmbH erweist sich das Projekt „Tag in der Produktion“ als immer wichtiger werdender Baustein in der Fachkräftegewinnung. Schon bald will die Agentur für Arbeit alle Regelschulen im Nordthüringer Raum integriert haben. Die ersten Förderschulen sind inzwischen auch schon dabei. Eine Erfolgsgeschichte, die weitergehen könnte, nicht nur in so stark engagierten Betrieben wie dem Traditionsunternehmen in Bad Langensalza.
Olaf Schulze
Autor: osch

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Kommentare
DonaldT
22.10.2025, 16:10 Uhr
TIP
UTP hieß es in der DDR, ein Hoch auf die Neuerfindung.
Marino50
22.10.2025, 17:17 Uhr
Praktikum
Ich habe den Bericht gestern Abend im Thüringen Journal gesehen mit diesem Jungen und den Firmenchef. Ich muss meinem Vorkommentator zustimmen. Bei uns hieß das UTP-Unterricht (gebräuchlicher Name). Es hat keinen Schüler geschadet. Es wäre gut, wenn das wieder eingeführt wird. So gewinnen nicht nur die Schüler an Wissen dazu, sondern auch gewerbliche Firmen Azubis wenn das Interesse und das Wollen vorhanden ist. Handwerker in allen Gewerben sind sehr gefragt.
Audio
22.10.2025, 17:54 Uhr
Die Neueinführung einer altbewährten vorberuflichen Ausbildung ist zu begrüßen !
Das gab es schon mal - und zwar in der "DDR" ! Dadurch konnten später viele hochqualifizierte Fachleute ausgebildet werden. Auch ich hatte die Möglichkeit, für geringe Kosten erst eine Fachschule und später eine Hochschule zu absolvieren. Leider hat die widersprüchliche, von den Sowjets übernommene kommunistische Wirtschaftspolitik hochqalifizierten Facharbeitern keine Chance geben können. Deshalb gingen nach der "Wende" auch viele nach Westdeutschland, wo sie aufgrund ihrer Fachkenntnisse gerne eingestellt wurden. Allerdings oftmals unter Tarif ! Die jahrelange Diffamierung durch die bundesdeutsche Hetzpresse hat dazu maßgebend beigetragen. Aber zur Sache !
Ich kann nur an die klugen und weitsichtigen "Macher" dieser Azubi-Aktion appellieren: Führt diese Maßnahme konsequent weiter, denn das wird die Wirtschaft der ostdeutschen Bundesländer voranbringen und die jungen Fachleute in der Region halten !
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