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Mo, 07:06 Uhr
08.01.2007

Nordhäuser Hopfenblütentee

Nordhausen (nnz). Was macht eine Stadt wirklich aus? Stadtmauern, ein Theater, eine Hochschule, die Autobahn in der Nähe oder Schützenvereine? Mag alles sein – gibt es auch in Nordhausen. Nur das Bier fehlt. Bislang...


Schärding ist eine kleine Stadt an der österreichisch-deutschen Grenze. Etwa so groß wie Bleicherode. Viele Hotels und nahezu ungezählte Gaststätten locken die Touristen von Wien bis Dessau an den Inn. Was ist allen Lokalitäten gemeinsam? Sie schenken Bier aus Schärding aus. Nur auf Anfrage gibt es für den Gast mal ein „Bit“ oder ein Krombacher.

Einen solchen Lokalpatriotismus wünschen sich künftig auch Axel Heck, Peter Winsel, Andreas Hichert und Christoph Thormann. Das Kleeblatt will in Nordhausen die Bierbrau-Tradition wiederbeleben (nnz berichtete schon im vergangenen Jahr). Am Taschenberg soll eine feine Brauerei aus der alten Rolandbräu-Ruine erwachsen. Im Frühjahr soll mit dem Abriß der Gebäude begonnen werden, bereits im vergangenen Jahr wurden die Anträge für Fördermittel im Wirtschaftsministerium gestellt. Sollten die in diesem Jahr bewilligt werden, dann wird mit der Investition begonnen. Die vier Investoren wollen insgesamt 4,5 Millionen Euro in „die Hände“ nehmen. Geld, das in der Region bleiben wird, die Aufträge gehen an Unternehmen in und um Nordhausen.

Neben den künftigen Bauarbeiten wird sich in Nordhausen derzeit mit dem Inneren und dem Äußeren der künftigen Bierflaschen beschäftigt. Bis zu 150 Probanden sind im Sensorik-Labor der Fachhochschule dabei, das passende Bier zu finden. Bis Februar wird alles gestestet: Von Inhalt bis zum Outfit.

Der Aufruf von Heck, Winsel, Thormann und Hichert an die Nordhäuser, sich Gedanken um ihr künftiges Bier zu machen, hatte eine große Resonanz zur Folge. Nahezu 70 Zuschriften sind bislang eingegangen. Für Axel Heck zum Beispiel ein Zeichen, dass sich die Rolandstädter für die Brautradition begeistern könnten. Das ist doch auch was, ein eigenes Bier, neben dem eigenen Korn? In vielen Zuschriften drückten die Menschen ihre Begeisterung für das Vorhaben aus, sie fanden die Idee gut und wünschten den Investoren „viel Glück“. Vom sonstigen Neid überhaupt keine Spur.

Im vergangenen Jahr hatte Axel Heck ein Gespräch mit Nordbrandchef Hans-Joachim Junker. Dabei wurden Gemeinsamkeiten zwischen beiden Alkoholitäten ausgelotet. So sind zum Beispiel gemeinsame Werbeauftritte denkbar.

Das Kleeblatt, dass nach der Fertigstellung der Brauerei am Nordhäuser Taschenberg jährlich 20.000 Hektoliter Bier in bis zu sechs verschiedenen Sorten absetzen will, ist eine fachkundige Mischung. Axel Heck, der erfahrene Immobilienkaufmann. Peter Winsel als Vertriebsfachmann, als der Bierverleger. Christoph Thormann – der Mälzer - kommt aus Landsberg bei Halle/Sa., hat dort schon eine mittelständische Brauerei aus dem Boden gestampft und bringt die Erfahrung im Bierbraugeschäft mit. Und dann ist da noch Andreas Hichert. Er ist im Hauptjob der Geschäftsführer des Nordhäuser Apparatebaus. Warum immer nur Brauereien in Asien oder Afrika bauen und nicht mal in Nordhausen?

Wohl gemerkt, die vier Männer bringen sich nicht mit ihren Unternehmen, sie bringen sich als Privatpersonen in das bürgerliche Brauhaus zu Nordhausen ein. Zum Rolandsfest soll das erste – noch in Landsberg – gebraute Bier angeboten werden. Es wird jedoch in Verpackung und Inhalt exakt dem „Hopfenblütentee“ entsprechen, der dann am Taschenberg gebraut und in Flaschen abgefüllt werden soll. Vom klassischen Pils bis zum ausgeflippten Mix-Getränk soll die Palette reichen. Und Axel Heck verspricht: „Die Kiste Pils wird unter 10 Euro kosten!“

Zurück zu Schärding am Inn. Wie eingangs beschrieben, dort gibt es in Cafes, in Gaststätten, in Hotels, selbst in der Go-Go-Bar das „Stadtbräu“ der Kapsreiter Brauerei. Sollte der künftige Gerstensaft aus Nordhausen wirklich die „Seele“ der hiesigen Biertrinkergemeinde „streicheln“, dann steht dem Erfolg dieses wirklichen Nordhäuser Bieres nichts mehr viel im Wege. Warum dann noch ein „Bit“???
Autor: nnz

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