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Mo, 09:30 Uhr
15.09.2025
Radiosendung „Červona Ruta“

Brückenbauer am Mikrofon

Die Sendung „Červona Ruta“ bei Radio ENNO verbindet seit 2022 deutsche und ukrainische Stimmen. Anja Eisner und Igor Zarzhytskyy erzählen von Kultur, Musik und Alltag- und bauen so eine Brücke zwischen beiden Ländern...

Anja Eisner und Igor Zarzhytskyy im Radiostudio am August-Bebel-Platz (Foto: Radio ENNO) Anja Eisner und Igor Zarzhytskyy im Radiostudio am August-Bebel-Platz (Foto: Radio ENNO)

Червону руту
Не шукай вечорами
Ти у мене єдиний
Тільки ти, повір.

„Rote Ruta, such sie nicht des Abends —
Du bist mein Einziger, nur du, glaub mir.“

Mit diesen wenigen Zeilen beginnt ein Lied, das in der Ukraine tief verwurzelte Bilder von Liebe und Hoffnung heraufbeschwört. Die „červona ruta“ — die rote Weinraute — ist mehr als ein poetisches Bild: der Legende nach blüht sie in der Johannisnacht, und wer sie findet, trifft im kommenden Jahr seine große Liebe. In dieser Symbolik liegen Sehnsucht und Erinnerung.

Diesen Klang von Nähe und Hoffnung haben die beiden Moderatoren Anja Eisner und Igor Zarzhytskyy bewusst als Namen für ihre Sendung gewählt: „Červona Ruta“. „Es ist mir eingefallen, dass ich ein ukrainisches Lied kenne, dass in Deutschland nicht so bekannt ist. Wir haben es zum Namen unserer Sendung gemacht und die Geschichte erklärt, sodass der deutsche Hörer das versteht“, erzählt Eisner, die ehemalige Dramaturgin des Nordhäuser Theaters. Seit 2022 produziert sie mit Zarzhytskyy im Rahmen von Radio ENNO eine zweisprachige Sendung, die nicht nur Musik bringt, sondern als Mittel des Austauschs zwischen Geflüchteten aus der Ukraine und der deutschen Zuhörerschaft dient.

Hoch oben im achten Stock des Radiostudios ENNO in Nordhausen, mit einem spannenden Blick über Nordhausen, sitzen sie Seite an Seite und teilen dort ihre Geschichten, Erfahrungen und Musik mit den Hörerinnen und Hörern.

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Die deutsche Moderatorin Anja Eisner ist Theaterwissenschaftlerin und arbeitete viele Jahre als Dramaturgin. Schon während ihrer Theaterarbeit in Nordhausen sammelte sie Erfahrung beim Radio ENNO. Nach der Theaterkarriere war es für sie selbstverständlich, weiterhin Radio zu machen. Die Idee einer zweisprachigen Sendung entstand, als die ersten Ukrainer nach Ausbruch des Krieges nach Deutschland kamen, um sowohl ukrainischen als auch deutschen Hörern kulturelle Einblicke zu geben.

Ihr Kollege aus der Ukraine, Igor Zarzhytskyy, ist Sportjournalist und wie die nnz berichtete kam kurz nach Ausbruch des Krieges aus Charkiw nach Deutschland. In der Ukraine hat er als Journalist gearbeitet und viele Auszeichnungen im Rahmen seines Berufs gesammelt. Seine Leidenschaft für das Radio begann schon sehr früh: „Als ich in der 9. Klasse war, hat mich eine Journalistin aus Charkiw eingeladen, ihr beim Radio zu helfen. Als ich ins Studio kam, drückte sie mir sofort das Mikrofon in die Hand und sagte: „Geh, mach ein Interview“. Ich wusste damals überhaupt nichts – ich wurde ins kalte Wasser geschmissen.“ Diese Erfahrung habe dazu beigetragen, dass er sich für den Journalismus entschieden hat, erzählt Zarzhytskyy, der inzwischen auf über 40 Jahre Berufserfahrung zurückblickt

Und heute ist das Ergebnis ihrer Vergangenheit zu hören
Gemeinsam haben beide Moderatoren die Sendung aufgebaut, die inzwischen 165 Folgen umfasst. Sie behandelt eine Vielzahl von Themen: Städte wie Odessa, Charkiw, Hamburg und Berlin, Kultur, Musik, Sprache, UNESCO-Stätten, Feiertage und lokale Bräuche werden vorgestellt. Besondere Folgen entstehen zu Feiertagen wie Weihnachten oder Ostern, oder wenn wichtige Ereignisse anstehen. Bildungs- und Stadtinformationen werden regelmäßig aufgearbeitet. Zusätzlich gibt es ein kleines deutsch-ukrainisches Wörterbuch, das bei den Hörern sehr beliebt ist.

„Wir sitzen einfach zusammen, und manchmal entsteht die Idee für die nächste Sendung ganz von selbst“, erzählt Zarzhytskyy. Musik spielt eine zentrale Rolle. Neben ukrainischen Neuerscheinungen berichten sie auch über internationale Events wie den Eurovision Song Contest. Dabei achten sie darauf, dass die Lieder thematisch zu den behandelten Orten oder Ereignissen passen.

„Červona Ruta“ erreicht nicht nur lokale Hörer oder Menschen in Berlin und Hamburg, sondern über Internetstreams auch Zuhörer in der Ukraine, in den USA und anderen Ländern. Besonders bewegend ist die Rückmeldung eines blinden ukrainischen Jungen: „Da war ein Junge, er konnte nicht sehen, aber er hörte jede Woche unsere Sendung. Für ihn war es wichtig, die ukrainische Sprache zu hören. Da wo er ist, war das schwer zu finden, außer vielleicht im Internet. Aber bei uns im Radio hat er immer diese Verbindung gespürt.“, erzählt Zarzhytskyy. Eine deutsche Nachbarin hat andererseits dank der Sendung sogar ein paar Worte Ukrainisch gelernt.

Ein zentrales Merkmal der Sendung ist die Arbeitsteilung zwischen den Beiden. Sie verstehen sich nicht als reine Übersetzer oder Moderatoren, sondern als Redakteure: „Igor erwähnt immer das, was für Ukrainer wichtiger ist, und ich betone, was für die deutschen Hörer interessant ist“, erklärt die Theaterwissenschaftlerin. So entsteht eine Balance: Informationen, die für Geflüchtete wichtig sind, verbinden sich mit Themen, die Deutschen Einblicke in die ukrainische Kultur geben.

Das Duo sieht seine Arbeit als Brücke zwischen den Kulturen: Deutsche lernen die Ukraine besser kennen, ukrainische Migranten erhalten Orientierung und Information. Unterstützt werden sie dabei von Radio ENNO, das Team ermöglicht ihnen feste Sendezeiten, technische Hilfe und Freiräume für kreative Gestaltung.

Ein langfristiges Ziel ist, die Sendung weiterzuentwickeln, um den kulturellen Austausch zu vertiefen und Verständnis zwischen Deutschen und Ukrainern zu fördern. „Wir wollen, dass die Menschen unsere Sendung lieben und etwas Neues lernen“, sagt Anja Eisner. Igor Zarzhytskyy ergänzt: „Es ist uns wichtig, dass Deutsche und Ukrainer sich besser verstehen – wer sich versteht, wird kein Feind sein.“

Die Moderatoren wünschen sich, dass der Krieg in der Ukraine schnell endet, damit die Menschen wieder ein friedliches Leben aufbauen können.

Wer selber einmal reinhören möchte, der findet die Sendung wöchentlich bei Radio ENNO, jeweils am Donnerstag, Samstag und Sonntag. Vergangene Sendungen und weitere Informationen gibt es auf der Seite des Radio ENNO
Yelyzaveta Khurshudian
Autor: pra

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Kommentare
Wanderwölfin
15.09.2025, 17:10 Uhr
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