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Mi, 11:45 Uhr
10.09.2025
nnz nachgehakt

Wird bei den Kindergärten der Rotstift angesetzt?

Es ist nur ein paar Monate her, dass im Landkreis über die mögliche Schließung einer Grundschule gestritten wurde. Dass eben jene Diskussion bald auch die Kindergärten erreichen würde, war abzusehen, den Anfang wird gerade in Nordhausen gemacht. Wie weit die Pläne reichen und ob tatsächlich Schließungen bevorstehen, hat die nnz versucht herauszufinden…

21 Kindergärten gibt es in Nordhausen - die Auslastung nimmt mit sinkenden Kinderzahlen zunehmend ab (Foto: agl) 21 Kindergärten gibt es in Nordhausen - die Auslastung nimmt mit sinkenden Kinderzahlen zunehmend ab (Foto: agl)

Es ist Samstagabend, eine gesellige Runde, man redet über dies und das, die Getränke fließen reichlich und so kommt man schließlich auch zur Gerüchteküche. Die Stadt macht den ökumenischen Kindergarten dicht, meint ein Bekannter, es gibt zu wenig Kinder und das Rathaus will sparen, Entlassungen hat es bereits gegeben.

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Ein scharf gewürztes Gerücht, eigentlich unvorstellbar aber doch gerade noch nah genug am Denkbaren. Nach ein paar Telefonaten stellt sich heraus: wie bei jedem Gericht hat die Küche auch hier mehrere Zutaten zusammengeschmissen. Die Klarstellung an erster Stelle: der ökumenische Kindergarten wird nicht schließen.

Mit über 200 Kindern gehört die Einrichtung am Fuße der Altstadt zu den größten Kindertagesstätten in Nordhausen und das wird sich nicht allzu bald ändern. Aber: die Zahl der Neuzugänge sinkt und es hat Entlassungen gegeben. „Unseren Kindergarten gibt es seit 1992 und wir haben nie, auch nicht in den schwersten Zeiten, Leute entlassen müssen. Das ist jetzt anders.“, sagt Norbert Klodt, einer der Gründerväter des Kindergartens und bis heute Vorstandsmitglied. Grund für die Entwicklung sei nicht die Akzeptanz des ökumenischen Kindergartens, sondern schlicht die Demographie. 40 Kinder hat man in diesem Jahr in Richtung Schule entlassen, 45 waren es im Vorjahr, 2026 rechnet man mit 30 Verabschiedungen. Die Zahl der Kinder die nachrücken liegt weit darunter. Es sind die Zeichen der Zeit, die sich schon in der Klettenberger Schuldiskussion zu Beginn des Jahres unübersehbar deutlich gezeigt haben.

Auch in schweren Zeiten geht es am ökumensichen Kindergarten weiter, verischert die Hausleitung. v.l.: Thomas Günther, Elke Gulden und Norbert Klodt (Foto: ykh) Auch in schweren Zeiten geht es am ökumensichen Kindergarten weiter, verischert die Hausleitung. v.l.: Thomas Günther, Elke Gulden und Norbert Klodt (Foto: ykh) Eine Frage des Geldes
Fünf Mitarbeiter hat man verloren, vier durch Kürzungen, eine Kollegin war ohnehin befristet und hat sich eine neue Anstellung gesucht, ist aus dem Kindergarten zu erfahren. Ein Verlust ohne Frage, zumal das Arbeitsrecht vorgibt, wie und wen man nach der „Sozialauswahl“ zu entlassen hat und es sind die Jungen sind, die zuerst gehen müssen. Im ökumenischen Kindergarten ist der Altersdurchschnitt aber noch gut durchmischt, sagt die Hausleitung, Erfahrung und frischer Wind können sich ergänzen. Die Renten-Welle der kommenden Jahre wird zwingend auch die Kindergärten treffen und die Attraktivität des Berufsfeldes ist auf einem Tiefpunkt. Wer heute als junger Mensch in Thüringen Erzieher wird, der brauche Mut, meint Klodt.

Mit den personellen Anpassungen reitet der ökumenische Kindergarten womöglich vor einer Welle, die auch auf andere Einrichtungen zukommt. Genaue Zahlen waren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, nicht zu bekommen, eine Anfrage an die Stadtverwaltung zeitigte lediglich die Daten für die beiden Kindergärten, die direkt von der Stadt Nordhausen betrieben werden. Hinter vorgehaltener Hand wird von einem Überhang von rund 200 Plätzen gesprochen, ein signifikanter Kostenfaktor für die Gemeinde.

Passen die Betreuungsschlüssel nicht mehr zu den tatsächlichen Zahlen, wackelt die Finanzierung. Letztere ruht für alle Nordhäuser Kindergärten auf mehreren Säulen:
  • den Elternbeiträgen, die im vergangenen Jahr nach heftigen Diskussionen angehoben wurden aber dennoch den kleinsten Teil des Kuchens ausmachen,
  • den Sachkosten die sich an der vollen Auslastung orientieren (rund 1.200 Euro pro Platz)
  • und den Zuschüssen des Landes.

Alle Kosten, die darüber hinaus gehen, fallen in die „Defizitfinanzierung“ und landen vertraglich geregelt bei der Stadt Nordhausen.

Um den städtischen Geldbeutel ist es nicht gut bestellt und so ist es nur folgerichtig, dass eine Stadt im Sparmodus nach den Kostenfaktoren schaut. Das ist die zweite Zutat zum Gerüchte-Gericht und ja, zwischen Rathaus und Stadtrat gibt es Gespräche zur Zukunft der Nordhäuser Kindergärten. Fraglich ist, wie weit die Sache schon gediehen ist.

Viel Platz, wenig Kinder
21 Kindergärten gibt es im Zuständigkeitsbereich der Stadt Nordhausen. Zwei Einrichtungen - das vergleichsweise neue „Regenbogenhaus“ in Nordhausen Ost und die Eichenbergzwerge in Petersdorf - betreibt die Stadt selber, mit 69 und 25 Betreuungsplätzen. Bei den „Kleinen Spürnasen“ im Regenbogenhaus ist man gut ausgelastet, ist auf Nachfrage aus dem Rathaus zu erfahren 59 Plätze sind belegt. Bei den Eichenbergzwergen zählt man 20 Kinder, die Petersdorfer haben in den letzten Jahren über Durchschnitt für Nachwuchs gesorgt. 2024 haben drei Mitarbeiter die Einrichtungen verlassen, das Einsparpotential bei den eigenen Kindergärten dürfte damit minimal bis nicht existent sein.

Alle anderen Kindergärten liegen in der Hand freier Träger, mit denen entsprechende Verträge geschlossen wurden. Der ökumenische Kindergarten steht für sich alleine, die Johanniter-Unfallhilfe betreibt drei Einrichtungen in Nordhausen, Leimbach und Herreden, das Rote Kreuz führt die Kita „Sonnenschein“ in Bielen und die Lebenshilfe unterhält den integrativen „Traumzauberbaum“ in Salza. Alle Weiteren befinden sich unter dem Schirm des Jugendsozialwerks (JuSoWe). Mögliche Kürzungen würden also mit hoher Wahrscheinlichkeit primär den größten Träger treffen. Auf Anfrage teilt das JuSoWe mit, dass die Zahlen in Nordhausen rückläufig sind und man eine mögliche Reduzierung der Betreuungsplätze innerhalb der Betriebserlaubnis einzelner Einrichtungen prüfe. Dazu sei man im Gespräch mit der Stadt, dem Jugendamt und dem zuständigen Ministerium in Erfurt.

Hinter vorgehaltener Hand
Eine Reduzierung der Betreuungsplätze würde die Komponente der Sachkosten in den Blick nehmen - stehen auf dem Papier weniger verfügbare Plätze, sinkt insgesamt die Pauschale. Ob das ausreicht dem Schwund und den Kosten langfristig Herr zu werden ist fraglich. Zwischen Stadtrat und Rathaus laufen Diskussionen zur Zukunft der Kindergärten, das ist aus mehreren Quellen zu erfahren, offen reden will bisher keiner. Eine „Streichliste“ gebe es nicht und über konkrete Einrichtungen habe man bisher nicht gesprochen, teilt uns ein Mitglied des Stadrates mit. An anderer Stelle ist aus dem Rathaus zu hören, dass man die Diskussion auch "mit dem Rotstift" führe.

Auf Seiten der Träger, auch hier nicht unter der Nennung von Namen, wird Kritik an der Kommunikation der Stadtverwaltung geübt, es scheine keine klare Linie innerhalb des Hauses zu geben, sowohl auf der Leitungs- wie auch auf der Fachebene. Niemand weiß so recht, woran man ist, so der allgemeine Eindruck.

In der Logik der kalten Zahl stünden bei Kürzungen zuerst die dünn besiedelten Ortsteile mit zunehmend schwindender Bevölkerungs- und Kinderzahl an erster Stelle - das Klettenbergproblem. Dagegen regt sich im Stadtrat Widerstand, die Ortsteile seien ohnehin „gehandicapt“ und sollten nicht weiter belastet werden, ist hier zu vernehmen, eine Position die so auch in Teilen des Rathauses vertreten wird, zumindest dem vagen Lagebild nach, dass sich nach diversen Hintergrundgesprächen bisher zeichnen lässt.

Logistisch macht ein Blick in die Kernstadt Sinn, die Wege sind kurz, das Angebot an Ausweichmöglichkeiten groß. Wenn man die Kinder einer oder mehrere Einrichtungen verteilen müsste, ginge das hier leichter von der Hand. Eine Umverteilung würde zudem andere Einrichtungen mit Platzüberhang stärken. Ein weiterer Aspekt sind mögliche Investitionskosten in den Kindergärten. Wenig Kinder und hoher Sanierungsbedarf dürften eine Kombination von Faktoren in den Abwägungen sein. Wer hingegen in der letzten Zeit die Bauarbeiter für größere Maßnahmen bei sich hatte, dürfte auf einer hypothetischen Streichliste weiter unten landen.

Der Korridor wird knapp
Über allem steht die Haushaltslage der Stadt Nordhausen. Im Rathaus will man sparen, der nächste Haushalt muss für 2026 unter Dach und Fach gebracht werden. Sollten die Kindergärten Teil der Sparpläne für das kommende Jahr sein, wird die Zeit für eine offene Diskussion zum Thema knapp, warnt ein Stadtratsmitglied. Aus der hitzigen Debatte rund um die Erhöhung der Elternbeiträge im vergangenen Jahr habe man offenbar nichts gelernt, so die Kritik der Trägerseite, damals habe man die Eltern vor vollendete Tatsachen stellen wollen, den Pfad, so scheine es, schlage man nun wieder ein.

Einen „Geheimplan“ gebe es nicht, wird uns aus dem Stadtrat versichert, aber es bestehe die ernste Sorge, dass der Korridor für substantielle Diskussionen eng werden könnte. Alle Beteiligten sollten frühzeitig eingebunden werden um gemeinsam nach Handlungsspielräumen zu suchen, geschehen Diskussionen alleine in der Nicht-Öffentlichkeit, könne das nicht gelingen.

Ob es Schließungen geben wird, ist also unter dem Strich noch keine ausgemachte Sache. Man wird im Stadtrat auf andere Optionen drängen, ob diese realistisch sind oder das demographische Problem langfristig bändigen können, steht auf einem anderen Blatt. Und sollte eine einige und zufriedenstellende Lösung für diese Sorge gefunden werden, wartet schon der nächste Schritt in der Kaskade am Horizont: die Grundschulen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Südharzmensch
10.09.2025, 13:09 Uhr
Kitas dicht und Millionen furs Theater
Jawohl, macht noch die Kitas dicht, weil die Stadt runtergewirtschaftet ist.

Aber 40 Millionen fürs Theater - so ist es richtig. 🤢
Wanderwölfin
10.09.2025, 15:57 Uhr
Südharzmensch
Das Geld fürs Theater kommt aus einem anderen Topf.Und wenn sich ein Kindergarten nicht mehr rechnet sollte er aufgelöst werden.
Anmerkung techn. Support:
Ich denk der »Südharzmensch« weiß das tatsächlich auch ganz genau, möchte aber ein bißchen stänkern. Geht ja gegen die Stadt, da ist er oder sie immer gerne dabei.
nordfreak
10.09.2025, 17:27 Uhr
Vielleicht mal zur Klarstellung
Ob ein städtischer Haushaltstitel, ein Tröpfchen aus den Fördertöpfen bis Bund oder Land: es sind alles unsere gezahlten Steuern. Deshalb sollte mit ihnen von den Politikern und Beamten so umgegangen werden, als wäre es ihr eigenes Geld, da wir Steuerzahler ihnen anvertraut haben. Oder das uns abgenommen wurde.
Mando
11.09.2025, 06:28 Uhr
Mehr Kinder
Es werden also viele Jahre kommen, in denen kaum Kinder nachkommen.
Wenn es doch nur eine Möglichkeit gäbe, die schwachen Geburtenzahlen in Deutschland irgendwie auszugleichen... Möglicherweise auch mit Kindern, deren Muttersprache (noch!) nicht deutsch ist...
Nein, das führt nur zu Bevölkerungsaustausch! Und dann kann man ja auch nicht meckern, dass es Stellenabbau geben muss.
Ernsthaft jetzt: gerade dort ist Migration doch ein willkommenes Geschenk. Lücken werden gefüllt, Stellen dürfen weiter finanziert werden und ganz nebenbei gelingt so Integration direkt von Kindestagen an viel besser. Und möglicherweise dauert so ein Integrationsprozess halt auch mal eine Generation lang - aber es wirkt dann.
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