Do, 06:55 Uhr
14.12.2006
Ärztekritik an Kosten der E-Card
Nordhausen (nnz). Nachdem nnz am Dienstag über die Einführung der Gesundheitskarte als Test berichtete, informiert nnz heute über die Reaktion der Ärzteschaft zu dieser Neuerung.
Nachverhandlungen zur Finanzierung der elektronischen Gesundheitskarte fordert Ärztepräsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe. Anderenfalls würden die Ärzte das Projekt "wegen unerträglicher Kostenbelastung boykottieren".
Hoppe betonte, es könne nicht angehen, dass nach einem vorliegenden Gutachten die Ärzte die eindeutigen Verlierer und die Krankenkassen die finanziellen Gewinner der neuen Gesundheitskarte sind. Die Kassenärzte hätten schon jetzt nichts mehr übrig. Neue Belastungen seien für die allermeisten niedergelassenen Ärzte deshalb wirtschaftlich nicht verkraftbar. Die Betreibergesellschaft gematic, die die elektronische Gesundheitskarte manage, müsse deshalb reagieren und nachjustieren.
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wies Hoppes Forderungen nach Nachverhandlungen als "gegenstandslos" zurück. Die Ärzte erhielten jeweils 6200 Euro. Dies sei genug, um die notwendige Ausstattung zu finanzieren. Eine solche Subventionierung gebe es in keinem anderen Freiberuf.
Nach einem Bericht des Heise-Informationsdienstes bezieht sich Hoppe mit seinen Ausführungen über die Belastungen der Ärzte ausdrücklich auf das Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, das der Chaos Computer Club unlängst befreit hatte. Nach diesem Gutachten schneiden die niedergelassenen Ärzte von allen beteiligten am schlechtesten ab: Ausgaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro steht ein angenommener Nutzen von 553 Millionen Euro gegenüber. Dieses Minus von mehr als 1,3 Milliarden Euro ist für Hoppe inakzeptabel. Trotzdem bezeichnete der Ärztepräsident die Gesundheitskarte als unverzichtbar. Es werde aber ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Karte wirklich lohne, erklärte Hoppe gegenüber der Zeitung.
Bisher ist nur ein Rechenmodell der gematik bekannt. Danach sollen die Ärzte und Zahnärzte 3000 Euro für die eGK-konforme Umrüstung der Praxis und 3200 Euro für die Aufwendungen in puncto Schulungen und Support bekommen. Das Gutachten der Unternehmensberatung geht jedoch weit über diese Zahlen hinaus und berechnet etwa die Neuvernetzung einer Arzt oder Zahnarzt-Praxis mit Patchschrank und direktem Anschluss der Kartenterminals an das LAN. Ausgehend von der Zahl der Hausbesuche berechneten die Unternehmensberater ferner, dass 75 % der Arztpraxen und 0,5% der Zahnarztpraxen außerdem einen Laptop mit Kartenlesegerät und GPRS-Funkverbindung anschaffen müssten, um weiterhin Hausbesuche machen zu können. Schließlich kalkulierten die Gutachter die Umrüstungskosten für Praxen, die weder Windows XP noch Linux einsetzen.
Diese müssten dem Rechenmodell zufolge nicht nur ihr Praxisverwaltungssystem aufrüsten, sondern auch noch die Betriebssysteme. In 35 bis 40 % der deutschen Praxen sollen dem Gutachten zufolge noch DOS, Windows 3.11, Windows 95/98 und Windows NT arbeiten, die als nicht geeignet für die VPN-Vernetzung angesehen werden. Dazu kämen 0,6 % der Praxen, die heute gar keine Rechner besitzen. Im Vergleich zum angenommenen Umrüstungsaufwand bei der Software und der Neu-Vernetzung geben sich die Gutachter bei der Hardware sehr moderat. Für die durchschnittlich 4,5 installierten Rechner (3 PC bei Zahnärzten) pro Praxis wird angenommen, dass sie keinerlei Hardware-Aufrüstung benötigen werden.
Wie berichtet, war nach jahrelangen Vorbereitungen am Montag der Startschuss zur flächendeckenden Einführung der Gesundheitskarte in Deutschland gefallen.
Autor: jsNachverhandlungen zur Finanzierung der elektronischen Gesundheitskarte fordert Ärztepräsident Professor Jörg-Dietrich Hoppe. Anderenfalls würden die Ärzte das Projekt "wegen unerträglicher Kostenbelastung boykottieren".
Hoppe betonte, es könne nicht angehen, dass nach einem vorliegenden Gutachten die Ärzte die eindeutigen Verlierer und die Krankenkassen die finanziellen Gewinner der neuen Gesundheitskarte sind. Die Kassenärzte hätten schon jetzt nichts mehr übrig. Neue Belastungen seien für die allermeisten niedergelassenen Ärzte deshalb wirtschaftlich nicht verkraftbar. Die Betreibergesellschaft gematic, die die elektronische Gesundheitskarte manage, müsse deshalb reagieren und nachjustieren.
Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums wies Hoppes Forderungen nach Nachverhandlungen als "gegenstandslos" zurück. Die Ärzte erhielten jeweils 6200 Euro. Dies sei genug, um die notwendige Ausstattung zu finanzieren. Eine solche Subventionierung gebe es in keinem anderen Freiberuf.
Nach einem Bericht des Heise-Informationsdienstes bezieht sich Hoppe mit seinen Ausführungen über die Belastungen der Ärzte ausdrücklich auf das Gutachten der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, das der Chaos Computer Club unlängst befreit hatte. Nach diesem Gutachten schneiden die niedergelassenen Ärzte von allen beteiligten am schlechtesten ab: Ausgaben in Höhe von 1,9 Milliarden Euro steht ein angenommener Nutzen von 553 Millionen Euro gegenüber. Dieses Minus von mehr als 1,3 Milliarden Euro ist für Hoppe inakzeptabel. Trotzdem bezeichnete der Ärztepräsident die Gesundheitskarte als unverzichtbar. Es werde aber ein Jahrzehnt dauern, bis sich die Karte wirklich lohne, erklärte Hoppe gegenüber der Zeitung.
Bisher ist nur ein Rechenmodell der gematik bekannt. Danach sollen die Ärzte und Zahnärzte 3000 Euro für die eGK-konforme Umrüstung der Praxis und 3200 Euro für die Aufwendungen in puncto Schulungen und Support bekommen. Das Gutachten der Unternehmensberatung geht jedoch weit über diese Zahlen hinaus und berechnet etwa die Neuvernetzung einer Arzt oder Zahnarzt-Praxis mit Patchschrank und direktem Anschluss der Kartenterminals an das LAN. Ausgehend von der Zahl der Hausbesuche berechneten die Unternehmensberater ferner, dass 75 % der Arztpraxen und 0,5% der Zahnarztpraxen außerdem einen Laptop mit Kartenlesegerät und GPRS-Funkverbindung anschaffen müssten, um weiterhin Hausbesuche machen zu können. Schließlich kalkulierten die Gutachter die Umrüstungskosten für Praxen, die weder Windows XP noch Linux einsetzen.
Diese müssten dem Rechenmodell zufolge nicht nur ihr Praxisverwaltungssystem aufrüsten, sondern auch noch die Betriebssysteme. In 35 bis 40 % der deutschen Praxen sollen dem Gutachten zufolge noch DOS, Windows 3.11, Windows 95/98 und Windows NT arbeiten, die als nicht geeignet für die VPN-Vernetzung angesehen werden. Dazu kämen 0,6 % der Praxen, die heute gar keine Rechner besitzen. Im Vergleich zum angenommenen Umrüstungsaufwand bei der Software und der Neu-Vernetzung geben sich die Gutachter bei der Hardware sehr moderat. Für die durchschnittlich 4,5 installierten Rechner (3 PC bei Zahnärzten) pro Praxis wird angenommen, dass sie keinerlei Hardware-Aufrüstung benötigen werden.
Wie berichtet, war nach jahrelangen Vorbereitungen am Montag der Startschuss zur flächendeckenden Einführung der Gesundheitskarte in Deutschland gefallen.


