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Mi, 11:21 Uhr
16.07.2025
Boomer-Soli:

Neue Fehlanreize statt zielgenaue Hilfe

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) schlägt vor, alle Alterseinkommen ab einem bestimmten Freibetrag mit einem sogenannten Boomer-Soli zu belegen, der niedrigeren Alterseinkünften zugutekommen soll. Was vor Armutsgefährdung im Alter schützen soll, entpuppt sich als ungenaue Hilfe und Fehlanreiz...


Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhestand, viele befürchten eine starke Zunahme armutsgefährdeter Rentner. Deshalb haben die Wirtschaftsweisen im Herbst 2023 vorgeschlagen, den Rentenanspruch der Besserverdiener zu reduzieren, um den der Geringverdiener zu erhöhen. Die Idee: Niedrige Alterseinkommen ließen sich so aufbessern, ohne dafür die nachfolgenden Generationen mit immer weiter steigenden Beitragssätzen zu belasten. Problematisch ist, dass die Alterseinkommen der Ehepartner keine Rolle spielen, Vermögen und sonstige Einkünfte ebenso wenig. Außerdem unterscheidet der Vorschlag nicht zwischen Teilzeit- und Vollzeitbeschäftigten.

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Diese Kritik hat ein DIW-Forscherteam zum Anlass genommen, die Idee weiterzuspinnen: Statt über die gesetzliche Rente umzuverteilen, soll das gesamte Alterseinkommen eines Haushalts herangezogen werden – also auch die Einkommen des Ehepartners, private und betriebliche Versorgung und Mieteinnahmen. Überschreitet das Alterseinkommen einen bestimmten Freibetrag, wird auf jeden weiteren Euro eine Abgabe von zum Beispiel zehn Prozent fällig. Damit ließe sich die Absicherung der einkommensschwächeren Ruheständler aufbessern. Doch der Vorschlag birgt Ungereimtheiten.

Vermögen werden ignoriert
Einerseits stellt der Vorschlag nicht sicher, dass jeder Niedrigeinkommensbezieher über die Armutsrisikoschwelle gehoben wird, geschweige denn vor dem Gang zum Sozialamt geschützt wird. Viel schwerwiegender aber ist, dass der Wohlstand im Alter auch durch Vermögen gesichert wird. Und das ist bei Rentnerhaushalten nicht wenig: Die Altersgruppen über 65 Jahren verfügen in Deutschland im Mittel über ein Haushaltsnettovermögen von über 172.500 Euro, dazu zählen Finanzvermögen und Immobilien. Am Ende würde es vor allem zu Fehlanreizen kommen: So wäre es beispielsweise sinnvoll, die betriebliche Altersvorsorge in einer Summe auszahlen zu lassen, statt eine monatliche Betriebsrente zu bekommen. Das Alterseinkommen würde dann nämlich niedriger ausfallen – und damit auch der zu zahlende Boomer-Soli.

Das gesamte Bild betrachten
Wer finanziell schwachen Rentnerhaushalten helfen möchte, muss das gesamte Bild betrachten und zunächst die wirklich Bedürftigen identifizieren. „Der vorgeschlagene Boomer-Soli mag auf den ersten Blick charmant sein, doch wer die Vermögen bei Rentnerhaushalten nicht mit einbezieht, schießt am Ziel vorbei“, sagt IW-Ökonom Jochen Pimpertz. Das aber leisten die steuerfinanzierten Hilfen des Sozialstaats bereits. „Die gesetzliche Rente sollte nicht allein betrachtet werden und dennoch ist sie besser als ihr Ruf. Denn hier gilt: Wer länger einzahlt, erhält im Alter mehr. Diesen Leistungsanreiz braucht es mehr denn je, wenn ab jetzt die Boomer aus dem Erwerbsleben ausscheiden.”
Autor: psg

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Kommentare
KeinKreisverkehr
16.07.2025, 13:02 Uhr
So ein Quatsch
Wo kämen wir denn da hin wenn wir zur Abwechslung Mal nicht die Jungen ausbluten lassen.

Der Artikel liefert genau ein Argument gegen den Boomersoli. Und das ist einfach nichtig. Wir ignorieren in Deutschland Vermögen sowieso. Sonst hätten wir längst eine Vermögenssteuer.

Wir brauchen den Boomersoli. Sonst verbauen wir endgültig die Zukunft.
diskobolos
16.07.2025, 17:40 Uhr
Eine prinzipiell richtige Idee!
Ohne tiefgreifende Maßnahmen wird das Rentensystem kaum zu retten sein.
Ich selbst wäre jedenfalls bereit, ein paar Prozent von meiner Rente abzugeben.
Man sollte aber nicht nur die gut gestellten Rentner im Blick haben, sondern auch die Pensionäre.
Ob der Vorschlag eine realistische Chance hat, darf man aber bezweifeln: Welche Parteien werden sich denn mit den Rentnern anlegen, die ja die wichtigste Wählerschicht darstellen? Lieber macht wird man weitere Schulden machen . . .
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