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Mi, 12:37 Uhr
06.12.2006

Rudolf Mönch Chorleiter mit Charisma

Nordhausen (nnz) In seinem hundertsten Lebensjahr wurde Rudolf Mönch heimgerufen.


Der gebürtige Leutenberger wuchs in Bad Blankenburg zu Füßen der Burg Greifenstein auf. Dem Schwarzatal mit der einst berühmten Schwarzburg ist er zeitlebens verbunden gewesen. Seine Kindheit und Jugend standen im Schatten des Ersten Weltkrieges, der Inflation und der Weltwirtschaftskrise.

Von frühauf fühlte er sich zur Musik berufen, übte aber als "Brotberuf" das ehrbare Handwerk des Uhrmachers aus. In beiden Bereichen kommt es auf Präzision und Genauigkeit an. Schon als Kind lernte er das Geigenspiel. Er beherrschte aber auch mit großer Kunstferigkeit Holz- und Blech-Blasinstrumente. Ins Licht er Öffentlichkeit trat er Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre als Leiter der Kantorei und des Jugendchores der evangelischen Propstei Südharz.

Schüler der Humboldt-Schule und Lehrlinge, die sich aus der evangelischen Jugendarbeit kannten, gründeten den Chor 1947. Von Anfang an dabei waren z.B. die späteren Pfarrer Jürgen Lanz und Victor Diederichs, der spätere namhafte Nordhäuser Musikpädagoge und Chorleiter Horst Roscher und deren Geschwister sowie der spätere Betriebsleiter Günter Grimm und der Zahntechniker Wolfgang Stülzebach. Geleitet wurde der Chor anfangs von den Theologiestudentinnen Maria Wagner und Uschi Boettcher. 1948 übernahm Rudolf Mönch die Chorleitung.

Er ergänzte den Chor durch eine Flöten- und Bläsergruppe. Binnen eines Jahres führte er das Ensemble soweit, daß es in Kirchenkonzerten auftreten konnte - mit starkem Echo und großem Erfolg. Gesungen wurde Kirchenmusik von der Vor-Bach-Zeit bis zur Moderne. Der Chor erhielt damals starken Zulauf und dürfte zeitweilig um 4o bis 5o Sänger und Instrumentalisten umfaßt haben. Anfang der fünfziger Jahre wurden Kantorei und Chor über Nordhausen hinaus durch Konzertreisen in der DDR und im Westen bekannt.

Das war nur möglich, weil Rudolf Mönch die Jugendlichen zu begeistern wußte. Er war eine charismatische Persönlichkeit von starker Ausstrahlung. Dabei wurde deutlich, wie sehr er von der deutschen Jugendbewegung und der evangelischen Singebewegung der zwanziger Jahre geprägt war. Sein wichtigster Lehrmeister war Dr. theol.h.c. Alfred Stier (188O-1967). Auch er ein gebürtiger Thüringer (aus Greiz), damals Kantor in Dresden, später ab 1948 in Ilsenburg/Harz Landessingewart der Kirchernprovinz Sachsen. Einer von Stiers letzten Schülern war der 2003 viel zu früh verstorbene Horst Roscher.

Rudolf Mönchs Lebensziel war es, junge Menschen im Dienste der Musica sacra, der Kirchenmusik, durch das Singen und Musizieren in der Gemeinschaft, innerlich frei zu machen - und zwar trotz des politischen Druckes, der damals von der SED auf die Kirchen und ihre Jungen Gemeinden ausgeübt wurde. Das ist ihm bis zu der Verfolgung der Jungen Gemeinden durch die SED im Vorfeld des bekannten 17. Juni 1953 weithin gelungen. Danach war evangelische Jugendarbeit weit eingeschränkter möglich.

Wie sehr dennoch die Zeit mit Rudolf Mönch die damaligen Chormitglieder geprägt hatte, zeigte sich nach der "Wende": Jahr für Jahr traf sich der Chor - nun 40 Jahre später ein Senioren-Kreis - und sang unter seiner Leitung in Gottesdiensten in der Justus-Jonas-Kirche, in St. Blasii und in der Frauenberger-Kirche, bis sich Rudolf Mönch altersbedingt Ende der neunziger Jahre zurückzog. Wer einmal diesem begnadeten Musiker begegnete, blieb ihm zeitlebens innerlich verbunden.
Dr. Christoph Führ, Stadtprozelten/Unterfranken
Autor: nnz

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