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Mi, 10:52 Uhr
06.12.2006

nnz-Forum: Brief an Merkel und Müntefering

Nordhausen (nnz). Viele Menschen im Landkreis Nordhausen setzen sich nicht nur mit der lokalen Politik, sondern auch mit der „großen“, der Bundespolitik auseinander. Ein nnz-Leser hat jetzt einen offenen Brief nach Berlin geschrieben.


Sehr verehrte Frau Merkel, sehr geehrter Herr Müntefering,

ich möchte Ihnen heute diesen Brief schreiben, weil ich Ihnen aus ganzem Herzen ein frohes und besinnliches Fest wünsche.
Ich wünsche es Ihnen genauso, wie den vielen tausend Kindern in Deutschland, die in diesen Tagen in den Räumen der Tafel essen müssen, die keinen Weihnachtsbaum haben und deren Mütter und Väter vor Verzweiflung nicht wissen, wie sie ihren Kindern erklären sollen warum das so ist.

Während Herr Ackermann nicht einmal weiß wieviel Millionen er im Jahr verdient, sehe ich in meiner persönlichen Umgebung jeden Tag ein solches Elend, das es mir das Essen verdirbt, ja sogar das Fest zu einer Feier verkommen läßt, an der ich am liebsten alles herausschreien möchte, was mir auf der Seele liegt. Ich schäme mich dafür deutscher Staatsbürger zu sein, ein Land das zuläßt wie Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben sich dafür auch noch wie Verbrecher behandeln lassen müssen, vom Amt (oder auf Neudeutsch „Arbeitsagentur“) wie auch von den Medien und von Ihren Kollegen, die nicht müde werden immer wieder die angebliche Faulheit der Arbeitslosen anzuprangern.

Lesen Sie doch einmal die Drohbriefe (sprich „Einladungen“) der ARGE oder fragen Sie die Bürger wie sie, als „Kunde“ dort behandelt werden. Ganz davon abgesehen, dass ich nicht akzeptieren kann, wenn Menschen für die Fehler der Politik zur Kasse gebeten werden, kann ich es auch nicht verstehen, dass niemand in Ihrer Regierung einmal auf die Idee kommt, den Menschen oder wenigstens den armen Kindern zu Weihnachten ein kleines Geschenk zu machen. Vielleicht nur ein Weihnachtsbaum oder vielleicht ein paar Euro, damit die Eltern ihren Kindern nur ein kleines Geschenk darunter legen können. Nur ein wenig Freude in dieser schwierigen Zeit, eine kleine Geste der Menschlichkeit.

In den letzten Wochen wurde hier in Nordhausen darüber diskutiert, um wieviel man die Kosten für die Unterkunft für Hartz 4 Empfänger noch senken kann. Die Politiker, allen voran der örtliche Landrat (der mit dem Mercedes Dienstfahrzeug) besaßen die Frechheit noch kurz vor Weihnachten über eine solche Angelegenheit zu diskutieren. Zum Glück ist es am Widerstand der Opposition gescheitert. So etwas schäbiges ist einfach nicht mehr mit einem normalen Menschenverstand zu begreifen.

Ich denke, die sogenannte „Mitnahmementalität“ ist eher dort angesiedelt, wo sie erfunden wurde. Zum Schluß möchte ich Ihnen noch sagen, dass ich Angst habe, Angst davor, dass eines Tages den Menschen dieser Zustand zu viel wird und sie aufstehen. Ich wundere mich, dass noch so viele arme Bürger sich das gefallen lassen. Zumindest haben Sie daran gedacht und die Sicherheitsmaßnahmen in den „Arbeitsagenturen“ bereits verstärkt.

Liebe Repräsentanten der großen Koalition, tun Sie endlich etwas für die Bürger, die Sie gewählt haben und nicht nur für die, die in Ihrer Lobby sitzen. Die Menschen in Deutschland werden es Ihnen danken.

In diesem Sinne hoffe ich, dass mein Brief ein wenig bewirken kann und hoffe, dass Sie, wenn Sie Weihnachten mit Ihren Lieben verbringen, ein paar Minuten inne halten und an die denken, deren Weihnachtabend nur Tränen anstatt Geschenke bringt. Sie haben die Verantwortung, tun Sie etwas und tun Sie es schnell. Ein Frohes Fest wünscht Ihnen
Andreas Graf, Großwechsungen
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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