Di, 11:07 Uhr
24.06.2025
Tag der Architektur in Nordhausen
Gebaut wird immer
Die Baubranche hatte zuletzt vor allem im Wohnungsbau ein tiefes Tal zu durchwandern. Für den diesjährigen Tag der Architektur fanden sich dennoch neun Nordthüringer Projekte, die am kommenden Wochenende für den Publikumsverkehr geöffnet werden…
Alte Halle in neuem Gewand; das Programm zum diesjährigen Tag der Architektur wurde in der Sporthalle am Berufsschulzentrum vorgestellt. v.l.: Renate Müller, Architektin im Landratsamt, der stellvertretende Schulleiter Mathias Wiegleb, Architektin Pia Wienrich, SWG-Chefin Inge Klaan und Architekt Tobias Winkler (Foto: agl)
Sechs Bauten finden sich im Kreis Nordhausen, eines im Kyffhäuserkreis und zwei weitere im Eichsfeld. Ein privater Wohnbau, wie sie in den zurückliegenden Architekturtagen immer wieder im Programm zu finden waren, ist nicht dabei. Den Einbruch spüren auch die Architekten, zuletzt seien eher An- und Umbauten als Neubauten gefragt, sagt Tobias Winkler, der dieses Jahr mit drei Projekten beim Tag der Architektur vertreten ist.
Wir hatten Jahre, da konnte man sich in Thüringen 90 Objekte anschauen, dieses Jahr sind es 45. Gerade im Wohnungsbau ist man deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückgeblieben, was auch an den hohen Baukosten lag, die sich nur langsam relativieren, kann Inge Klaan berichten, die Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWG.
Gebaut hat man natürlich trotzdem, die SWG zeigt mit dem Ossietzky-Hof das größte und umfangreichste Projekt im diesjährigen Programm. Das IBA Projekt war in mehrfacher Hinsicht ein Experiment, sowohl im Verfahren als auch im Ansatz, um nachhaltige und effiziente Bau- und Betriebsmethoden zu erproben. Die beiden alten Plattenbauten Ludwig und Sophia wurden klimagerecht generalüberholt und durch breite Balkone, Fußbodenheizung, Aufzüge, Mietergärten und einen grünen Wohnhof ergänzt. Die Mieter profitieren dabei auch durch niedrigere Nebenkosten. Das Programm scheint aufzugehen, sämtliche Wohnungen sind vermietet, sagt Klaan gestern, nach dem Bau der Außenanlagen sieht man sich nun auf der Zielgeraden, die nächste Etappe ist Franzi, der Neubau der das Areal komplettieren soll.
Macht nicht nur von außen wieder etwas her: die Sporthalle am Berufsschulzentrum in der Straße der Genossenschaften (Foto: agl)
Zur Programmvorstellung lud man gestern allerdings nicht nach Nordhausen Nord, sondern auf das Areal der Berufsschule. Hier wurde die Turnhalle aufwendig saniert. Der Altbau aus dem Jahre 1985 war schwer in die Jahre gekommen, für gewöhnlich heißt das heutzutage: Abriss. Eben diesen Weg wollte man an der Straße der Genossenschaften aber nicht gehen, erläutert Architektin Pia Wienrich die für das Projekt zusammen mit Tobias Winkler verantwortlich war. Architektur passiert auch hier und man kann das Potential von dem, was schon da ist nutzen und trotz knapper Finanzen nach modernen Prinzipien für Erneuerung sorgen, sagt Wienrich.
Die Liste an Maßnahmen ist lang: neuer Sportfußboden, eine robuste und ballsichere Aktustikdecke, Fußbodenheizung, Wärmepumpe, automatisierte Verschattung und Sonnenschutz, Photovoltaik auf dem Dach, Barrierefreiheit, Vogelschutz, digitale Infrastruktur und eine moderne Farbgebung, um nur einige zu nennen. Rund drei Millionen Euro hat das alles gekostet, wobei etwa eine Millione Euro aus Landesmitteln aufgebracht werden konnten. Eine klassische Turnhalle habe man nun nicht mehr, sagt der stellvertretende Leiter des Berufsschulzentrums, Matthias Wiegleb, einige Anlagen die im Schulsport heutzutage nicht mehr gebraucht werden, mussten weichen. Die generalsanierte Anlage ist eher auf Fitness- und Vereinssport ausgelegt, die Schule teilt sich die Nutzung aktuell mit fünf Vereinen, die Auslastung ist gut. Das neue Niveau spiegele sich auch im Umgang mit der Halle wieder, meint Wiegleb, es werde mehr auf den Erhalt geachtet.
Im Blick hatte man bei der Sanierung auch die Zukunft, sagt Renate Müller, die sich im Landratsamt mit Fragen der Architektur zu beschäftigen hat. Im Raum steht ein Umzug der Berufsschule und ein Einzug des Förderzentrums St. Martin, die neue alte Anlage werde sich auch für diese Zwecke eignen.
Neben dem Ossietzky-Hof und der Turnhalle wird in der Stadt Nordhausen das Feuerwehr-Gerätehaus in Petersdorf ins Rampenlicht gerückt und auch in Wolkramshausen wird man die neue Heimstatt der örtlichen Feuerwehr in Augenschein nehmen können. In Bleicherode öffnet das Seniorenzentrum Glück Auf seine Pforten und in Ellrich steht die Kirche St. Johannis mit ihren neuen Türmen im Mittelpunkt.
Der Ossietzky-Hof wird am Samstag von 09 bis 13 Uhr für den Besucherverkehr zugänglich sein, um 10 und 11 Uhr sind Führungen über das Areal geplant. Die Sporthalle wird ebenfalls am Samstag zwischen 14 und 16 Uhr zugänglich gemacht, Erläuterungen geben die Architekten um 14 und 15 Uhr, Treffpunkt für den Rundgang ist das Schultor. Weitere Termine für den Tag der Architektur in Nordthüringen finden sich hier, einen Überblick über die zugänglichen Objekte im Freistaat bietet die Thüringer Architektenkammer hier. Ein Blick lohnt sich vielleicht auch auf das Geschehen bei den Nachbarn in Stolberg.
Angelo Glashagel
Autor: red
Alte Halle in neuem Gewand; das Programm zum diesjährigen Tag der Architektur wurde in der Sporthalle am Berufsschulzentrum vorgestellt. v.l.: Renate Müller, Architektin im Landratsamt, der stellvertretende Schulleiter Mathias Wiegleb, Architektin Pia Wienrich, SWG-Chefin Inge Klaan und Architekt Tobias Winkler (Foto: agl)
Sechs Bauten finden sich im Kreis Nordhausen, eines im Kyffhäuserkreis und zwei weitere im Eichsfeld. Ein privater Wohnbau, wie sie in den zurückliegenden Architekturtagen immer wieder im Programm zu finden waren, ist nicht dabei. Den Einbruch spüren auch die Architekten, zuletzt seien eher An- und Umbauten als Neubauten gefragt, sagt Tobias Winkler, der dieses Jahr mit drei Projekten beim Tag der Architektur vertreten ist.
Wir hatten Jahre, da konnte man sich in Thüringen 90 Objekte anschauen, dieses Jahr sind es 45. Gerade im Wohnungsbau ist man deutlich hinter den gesteckten Zielen zurückgeblieben, was auch an den hohen Baukosten lag, die sich nur langsam relativieren, kann Inge Klaan berichten, die Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWG.
Gebaut hat man natürlich trotzdem, die SWG zeigt mit dem Ossietzky-Hof das größte und umfangreichste Projekt im diesjährigen Programm. Das IBA Projekt war in mehrfacher Hinsicht ein Experiment, sowohl im Verfahren als auch im Ansatz, um nachhaltige und effiziente Bau- und Betriebsmethoden zu erproben. Die beiden alten Plattenbauten Ludwig und Sophia wurden klimagerecht generalüberholt und durch breite Balkone, Fußbodenheizung, Aufzüge, Mietergärten und einen grünen Wohnhof ergänzt. Die Mieter profitieren dabei auch durch niedrigere Nebenkosten. Das Programm scheint aufzugehen, sämtliche Wohnungen sind vermietet, sagt Klaan gestern, nach dem Bau der Außenanlagen sieht man sich nun auf der Zielgeraden, die nächste Etappe ist Franzi, der Neubau der das Areal komplettieren soll.
Macht nicht nur von außen wieder etwas her: die Sporthalle am Berufsschulzentrum in der Straße der Genossenschaften (Foto: agl)
Zur Programmvorstellung lud man gestern allerdings nicht nach Nordhausen Nord, sondern auf das Areal der Berufsschule. Hier wurde die Turnhalle aufwendig saniert. Der Altbau aus dem Jahre 1985 war schwer in die Jahre gekommen, für gewöhnlich heißt das heutzutage: Abriss. Eben diesen Weg wollte man an der Straße der Genossenschaften aber nicht gehen, erläutert Architektin Pia Wienrich die für das Projekt zusammen mit Tobias Winkler verantwortlich war. Architektur passiert auch hier und man kann das Potential von dem, was schon da ist nutzen und trotz knapper Finanzen nach modernen Prinzipien für Erneuerung sorgen, sagt Wienrich.
Die Liste an Maßnahmen ist lang: neuer Sportfußboden, eine robuste und ballsichere Aktustikdecke, Fußbodenheizung, Wärmepumpe, automatisierte Verschattung und Sonnenschutz, Photovoltaik auf dem Dach, Barrierefreiheit, Vogelschutz, digitale Infrastruktur und eine moderne Farbgebung, um nur einige zu nennen. Rund drei Millionen Euro hat das alles gekostet, wobei etwa eine Millione Euro aus Landesmitteln aufgebracht werden konnten. Eine klassische Turnhalle habe man nun nicht mehr, sagt der stellvertretende Leiter des Berufsschulzentrums, Matthias Wiegleb, einige Anlagen die im Schulsport heutzutage nicht mehr gebraucht werden, mussten weichen. Die generalsanierte Anlage ist eher auf Fitness- und Vereinssport ausgelegt, die Schule teilt sich die Nutzung aktuell mit fünf Vereinen, die Auslastung ist gut. Das neue Niveau spiegele sich auch im Umgang mit der Halle wieder, meint Wiegleb, es werde mehr auf den Erhalt geachtet.
Im Blick hatte man bei der Sanierung auch die Zukunft, sagt Renate Müller, die sich im Landratsamt mit Fragen der Architektur zu beschäftigen hat. Im Raum steht ein Umzug der Berufsschule und ein Einzug des Förderzentrums St. Martin, die neue alte Anlage werde sich auch für diese Zwecke eignen.
Neben dem Ossietzky-Hof und der Turnhalle wird in der Stadt Nordhausen das Feuerwehr-Gerätehaus in Petersdorf ins Rampenlicht gerückt und auch in Wolkramshausen wird man die neue Heimstatt der örtlichen Feuerwehr in Augenschein nehmen können. In Bleicherode öffnet das Seniorenzentrum Glück Auf seine Pforten und in Ellrich steht die Kirche St. Johannis mit ihren neuen Türmen im Mittelpunkt.
Der Ossietzky-Hof wird am Samstag von 09 bis 13 Uhr für den Besucherverkehr zugänglich sein, um 10 und 11 Uhr sind Führungen über das Areal geplant. Die Sporthalle wird ebenfalls am Samstag zwischen 14 und 16 Uhr zugänglich gemacht, Erläuterungen geben die Architekten um 14 und 15 Uhr, Treffpunkt für den Rundgang ist das Schultor. Weitere Termine für den Tag der Architektur in Nordthüringen finden sich hier, einen Überblick über die zugänglichen Objekte im Freistaat bietet die Thüringer Architektenkammer hier. Ein Blick lohnt sich vielleicht auch auf das Geschehen bei den Nachbarn in Stolberg.
Angelo Glashagel


