Fr, 15:46 Uhr
06.06.2025
Leserbrief der Bürgerinitative Pro Südharz
Contra Windkraft im Wald
Seit Wochen wird diskutiert, ob sich im Südharzer Wald künftig Windräder drehen sollen. Bis zum Mittwoch kommender Woche sollen dazu die Bürger der Gemeinde Harztor befragt werden. Argumente Contra Windkraft im Wald trägt heute noch einmal die Bürgerinitiative "Pro Südharz" vor...
Deutschland befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel seiner Energieversorgung. Klimaschutz ist wichtig daran besteht kein Zweifel. Doch wie diese Energiewende umgesetzt wird, betrifft uns alle ganz direkt. Denn es geht längst nicht mehr nur um Strom, sondern auch um Kosten, Versorgungssicherheit, Natur- und Gesundheitsschutz sowie die Zukunft unserer Region.
Die Bundesregierung gibt derzeit jährlich über 23 Milliarden Euro für die Förderung von Wind- und Solaranlagen aus. Hinzu kommen weitere 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro jährlich für den Ausbau des Stromnetzes. Insgesamt werden also mehr als 27 Milliarden Euro pro Jahr investiert finanziert aus Steuergeldern und über unsere Stromrechnung.
Trotz dieser immensen Summen kommt der Strom nicht zuverlässig dort an, wo er gebraucht wird. Es werden Windparks gegen den Willen der Bevölkerung gebaut, selbst in geschützten Landschaften und sensiblen Trinkwassergebieten. Gleichzeitig muss Strom häufig abgeregelt werden, weil das Netz ihn nicht aufnehmen kann obwohl wir ihn dennoch bezahlen. Besonders problematisch: Deutschland steht beinahe täglich kurz vor einer Netzüberlastung. Netzbetreiber müssen regelmäßig eingreifen, um einen Blackout zu verhindern. Dafür zahlen wir als Bürger doppelt erstens für den erzeugten Strom und zweitens für dessen Entsorgung oder Umleitung ins Ausland. Allein im Jahr 2023 wurden über 3 Milliarden Euro für sogenannte Netzstabilisierung aufgewendet. Überschüssiger Ökostrom wird oft sogar gegen Entgelt ins Ausland exportiert, weil wir ihn nicht nutzen können.
Ein Blick auf den aktuellen Stand des Netzausbaus macht deutlich, warum das so ist. Die Bundesnetzagentur gibt an, dass rund 16.800 Kilometer neue Hochspannungsleitungen erforderlich sind, um den erzeugten Strom sinnvoll zu transportieren. Bislang wurden jedoch nur etwa 3.700 Kilometer genehmigt das entspricht weniger als 26 Prozent. Ein funktionierendes Übertragungsnetz ist daher frühestens ab dem Jahr 2030 zu erwarten. Bis dahin bleibt das System anfällig, teuer und ineffizient.
Doch es geht um mehr als Kosten und Netze: Der geplante Ausbau von Windkraftanlagen im Südharz würde einen bisher unzerschnittenen Naturraum massiv zerstören mit schwerwiegenden Folgen für Tiere, Pflanzen, Böden und Wasser. Die Große Harzhöhe ist Heimat zahlreicher geschützter und teils vom Aussterben bedrohter Arten wie dem Schwarzstorch, Rotmilan, Uhu oder dem Großen Abendsegler. Auch Amphibien wie der Bergmolch, die besonders empfindlich auf Lebensraumverluste reagieren, kommen hier vor.
Solche unzerschnittenen Natur- und Rückzugsräume sind in Deutschland selten geworden und sie genießen laut Bundesnaturschutzgesetz sowie internationaler Schutzrichtlinien eine besondere Schutzwürdigkeit. Windkraftanlagen in solchen Gebieten sind nicht einfach nur ein paar Türme im Wald: Sie bringen eine komplette Industrieinfrastruktur mit sich. Es müssen kilometerlange Zuwegungen gebaut, Schneisen durch Wälder geschlagen, massive Fundamente gegossen und Versorgungsleitungen verlegt werden. All das führt zur Versiegelung natürlicher Flächen, zur Zerstörung von Brut-, Nist- und Rückzugsgebieten und zum Verlust wichtiger Wasserspeicherfunktionen der Waldböden.
Hinzu kommen geophysikalische Folgen: Der Bau auf Hängen und instabilem Untergrund kann zu Rutschungen führen. Durch Bodenverdichtung, Versiegelung und die Veränderung des natürlichen Wasserabflusses steigt zudem das Risiko von Hochwasserereignissen in angrenzenden Tälern und Ortschaften ein Effekt, der in Zeiten zunehmender Starkregen nicht unterschätzt werden darf.
Gleichzeitig birgt der Betrieb der Windkraftanlagen selbst erhebliche Gefahren für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Moderne Windräder sind heute über 260 Meter hoch etwa 100 Meter höher als der Adlersberg bei Ilfeld. Diese Größe macht sie zu einem potenziellen Brand- und Sicherheitsrisiko für umliegende Wälder und Siedlungen.
Bei technischen Defekten, Hitzestau oder Blitzschlag kann es zu Bränden kommen, die durch fehlende Löschinfrastruktur kaum bekämpft werden können insbesondere in Wasserschutzzonen, wo kein Löschschaum eingesetzt werden darf. Besonders gefährlich ist der potenzielle Funkenflug: Brennende oder glühende Teile können durch Wind über große Distanzen getragen werden mit der Folge, dass sich Sekundärbrände in Wäldern oder angrenzenden Ortschaften entzünden.
Neben diesen akuten Gefahren entstehen auch langfristige Umweltbelastungen. Durch Rotorabrieb gelangen Mikroplastik, Glasfasern und sogenannte PFAS also nicht abbaubare Ewigkeitschemikalien in den Waldboden und von dort in das Grundwasser. Besonders bedenklich ist dies im Hinblick auf die Lage des Windparkgebiets in der Wasserschutzzone II des Quellgebiets Krebsbach und Beere, das die Talsperre Neustadt speist eine zentrale Quelle der öffentlichen Trinkwasserversorgung für Nordhausen. Ein Eintrag solcher Stoffe wäre irreversibel.
Wir fragen uns daher: Warum setzt die Politik weiterhin auf milliardenschwere Subventionen und zentralistische Großprojekte, anstatt tragfähige, bürgernahe Modelle zu fördern? Warum sollen wir für eine Energiewende zahlen, die unsere Versorgung nicht sichert, aber unsere Natur, unsere Heimat und unsere Gesundheit gefährdet?
Wir setzen uns ein für eine ehrliche Energiewende ohne Dauersubventionen, ohne Naturzerstörung und ohne Risiken für Mensch und Umwelt. Statt riesiger Windparks fordern wir Photovoltaik auf Dächern und kommunalen Flächen, Nahwärmenetze, die sich über Nutzungsbeiträge selbst finanzieren, sowie Energiegenossenschaften, in denen Bürger mitentscheiden und mitverdienen.
Nur was wirtschaftlich tragfähig ist, kann dauerhaft bestehen. Nur was lokal gewollt ist, kann langfristig akzeptiert werden. Und nur was unsere Heimat, unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität schützt, verdient unsere Zustimmung.
Wir fordern eine Energiepolitik, die verantwortungsvoll, naturverträglich und zukunftstauglich ist für unsere Region, unsere Kinder und für das, was wir Heimat nennen.
Mit freundlichen Grüßen,
Josephine Schröter-Gast
Bürgerinitiative "Pro Südharz - Keine Windindustrie im Naturpark"
Autor: redDeutschland befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel seiner Energieversorgung. Klimaschutz ist wichtig daran besteht kein Zweifel. Doch wie diese Energiewende umgesetzt wird, betrifft uns alle ganz direkt. Denn es geht längst nicht mehr nur um Strom, sondern auch um Kosten, Versorgungssicherheit, Natur- und Gesundheitsschutz sowie die Zukunft unserer Region.
Die Bundesregierung gibt derzeit jährlich über 23 Milliarden Euro für die Förderung von Wind- und Solaranlagen aus. Hinzu kommen weitere 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro jährlich für den Ausbau des Stromnetzes. Insgesamt werden also mehr als 27 Milliarden Euro pro Jahr investiert finanziert aus Steuergeldern und über unsere Stromrechnung.
Trotz dieser immensen Summen kommt der Strom nicht zuverlässig dort an, wo er gebraucht wird. Es werden Windparks gegen den Willen der Bevölkerung gebaut, selbst in geschützten Landschaften und sensiblen Trinkwassergebieten. Gleichzeitig muss Strom häufig abgeregelt werden, weil das Netz ihn nicht aufnehmen kann obwohl wir ihn dennoch bezahlen. Besonders problematisch: Deutschland steht beinahe täglich kurz vor einer Netzüberlastung. Netzbetreiber müssen regelmäßig eingreifen, um einen Blackout zu verhindern. Dafür zahlen wir als Bürger doppelt erstens für den erzeugten Strom und zweitens für dessen Entsorgung oder Umleitung ins Ausland. Allein im Jahr 2023 wurden über 3 Milliarden Euro für sogenannte Netzstabilisierung aufgewendet. Überschüssiger Ökostrom wird oft sogar gegen Entgelt ins Ausland exportiert, weil wir ihn nicht nutzen können.
Ein Blick auf den aktuellen Stand des Netzausbaus macht deutlich, warum das so ist. Die Bundesnetzagentur gibt an, dass rund 16.800 Kilometer neue Hochspannungsleitungen erforderlich sind, um den erzeugten Strom sinnvoll zu transportieren. Bislang wurden jedoch nur etwa 3.700 Kilometer genehmigt das entspricht weniger als 26 Prozent. Ein funktionierendes Übertragungsnetz ist daher frühestens ab dem Jahr 2030 zu erwarten. Bis dahin bleibt das System anfällig, teuer und ineffizient.
Doch es geht um mehr als Kosten und Netze: Der geplante Ausbau von Windkraftanlagen im Südharz würde einen bisher unzerschnittenen Naturraum massiv zerstören mit schwerwiegenden Folgen für Tiere, Pflanzen, Böden und Wasser. Die Große Harzhöhe ist Heimat zahlreicher geschützter und teils vom Aussterben bedrohter Arten wie dem Schwarzstorch, Rotmilan, Uhu oder dem Großen Abendsegler. Auch Amphibien wie der Bergmolch, die besonders empfindlich auf Lebensraumverluste reagieren, kommen hier vor.
Solche unzerschnittenen Natur- und Rückzugsräume sind in Deutschland selten geworden und sie genießen laut Bundesnaturschutzgesetz sowie internationaler Schutzrichtlinien eine besondere Schutzwürdigkeit. Windkraftanlagen in solchen Gebieten sind nicht einfach nur ein paar Türme im Wald: Sie bringen eine komplette Industrieinfrastruktur mit sich. Es müssen kilometerlange Zuwegungen gebaut, Schneisen durch Wälder geschlagen, massive Fundamente gegossen und Versorgungsleitungen verlegt werden. All das führt zur Versiegelung natürlicher Flächen, zur Zerstörung von Brut-, Nist- und Rückzugsgebieten und zum Verlust wichtiger Wasserspeicherfunktionen der Waldböden.
Hinzu kommen geophysikalische Folgen: Der Bau auf Hängen und instabilem Untergrund kann zu Rutschungen führen. Durch Bodenverdichtung, Versiegelung und die Veränderung des natürlichen Wasserabflusses steigt zudem das Risiko von Hochwasserereignissen in angrenzenden Tälern und Ortschaften ein Effekt, der in Zeiten zunehmender Starkregen nicht unterschätzt werden darf.
Gleichzeitig birgt der Betrieb der Windkraftanlagen selbst erhebliche Gefahren für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit. Moderne Windräder sind heute über 260 Meter hoch etwa 100 Meter höher als der Adlersberg bei Ilfeld. Diese Größe macht sie zu einem potenziellen Brand- und Sicherheitsrisiko für umliegende Wälder und Siedlungen.
Bei technischen Defekten, Hitzestau oder Blitzschlag kann es zu Bränden kommen, die durch fehlende Löschinfrastruktur kaum bekämpft werden können insbesondere in Wasserschutzzonen, wo kein Löschschaum eingesetzt werden darf. Besonders gefährlich ist der potenzielle Funkenflug: Brennende oder glühende Teile können durch Wind über große Distanzen getragen werden mit der Folge, dass sich Sekundärbrände in Wäldern oder angrenzenden Ortschaften entzünden.
Neben diesen akuten Gefahren entstehen auch langfristige Umweltbelastungen. Durch Rotorabrieb gelangen Mikroplastik, Glasfasern und sogenannte PFAS also nicht abbaubare Ewigkeitschemikalien in den Waldboden und von dort in das Grundwasser. Besonders bedenklich ist dies im Hinblick auf die Lage des Windparkgebiets in der Wasserschutzzone II des Quellgebiets Krebsbach und Beere, das die Talsperre Neustadt speist eine zentrale Quelle der öffentlichen Trinkwasserversorgung für Nordhausen. Ein Eintrag solcher Stoffe wäre irreversibel.
Wir fragen uns daher: Warum setzt die Politik weiterhin auf milliardenschwere Subventionen und zentralistische Großprojekte, anstatt tragfähige, bürgernahe Modelle zu fördern? Warum sollen wir für eine Energiewende zahlen, die unsere Versorgung nicht sichert, aber unsere Natur, unsere Heimat und unsere Gesundheit gefährdet?
Wir setzen uns ein für eine ehrliche Energiewende ohne Dauersubventionen, ohne Naturzerstörung und ohne Risiken für Mensch und Umwelt. Statt riesiger Windparks fordern wir Photovoltaik auf Dächern und kommunalen Flächen, Nahwärmenetze, die sich über Nutzungsbeiträge selbst finanzieren, sowie Energiegenossenschaften, in denen Bürger mitentscheiden und mitverdienen.
Nur was wirtschaftlich tragfähig ist, kann dauerhaft bestehen. Nur was lokal gewollt ist, kann langfristig akzeptiert werden. Und nur was unsere Heimat, unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität schützt, verdient unsere Zustimmung.
Wir fordern eine Energiepolitik, die verantwortungsvoll, naturverträglich und zukunftstauglich ist für unsere Region, unsere Kinder und für das, was wir Heimat nennen.
Mit freundlichen Grüßen,
Josephine Schröter-Gast
Bürgerinitiative "Pro Südharz - Keine Windindustrie im Naturpark"


