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Do, 07:12 Uhr
09.11.2006

Zweifel an Seriosität

Nordhausen (nnz). Laut einem deutschen Physiker ist die PISA-Studie wissenschaftlich gescheitert. Über den darüber ausgebrochenen Streit informiert nnz.


Wenige Tage vor Veröffentlichung einer deutschen PISA-Nachfolgestudie hat der Münchner Physiker Joachim Wuttke dem PISA-Institut der OECD «spektakuläres Scheitern» vorgeworfen. Wuttke ist einer der Autoren eines neuen Sammelbandes, in dem deutsche Wissenschaftler die PISA-Studie einer Fundementalkritik unterziehen. Er sagte der «Berliner Zeitung», die internationale PISA-Studie sei wissenschaftlich unseriös. So hätten etwa Unterschiede in den Schulbesuchs- und Teilnahmequoten die Länder-Ranglisten verzerrt. So wäre Deutschland bei Pisa 2003 vom 18. auf den zwölften Platz von 30 Ländern vorgerückt, wenn man OECD-weit alle Tests für Sonderschüler ausgeklammert hätte.

Diese Tests habe es ohnehin nur in sieben Staaten gegeben. Die Ergebnisse verfälscht hätten auch die unterschiedliche Teilnahmequoten der Schulen - in Deutschland 98,8 Prozent, in den USA 68,1 Prozent. Wuttke zufolge ist dem internationalen Projektzentrum in Australien "ein kapitaler Programmierfehler unterlaufen". Deshalb könne man keine wirkliche Aussage treffen über das Können deutscher Schüler, etwa in Mathematik. Die bei Pisa ermittelten Kompetenzstufen seien so gut wie wertlos.

Die OECD wies Zweifel an der Methodik und der korrekten Auswertung der Daten kategorisch zurück. Diese entbehrten "jeglicher wissenschaftlicher Grundlage", erklärte die für die internationale Studie verantwortliche Organisation gestern in Berlin. Die jetzt neu aufgebrachten Zweifel seien längst ausgeräumt.

Der Leiter der deutschen Pisa-Tests, Manfred Prenzel, nannte die Vorwürfe Wuttkes "Blödsinn". Der Berliner "Tageszeitung" sagte er, Wuttke habe vieles nicht verstanden. Man sei keinem Programmierfehler aufgesessen: "Wir rechnen die Pisa-Tests alle selbst parallel zu den Australiern durch." Die Kultusministerkonferenz (KMK) werde trotzdem prüfen, ob es Fehler gegeben habe, kündigte KMK-Generalsekretär Erich Thies in der "Welt" an.

Prenzel sagte, für Sonderschüler sei ein eigenes PISA-Testheft entwickelt worden. „Wir wollten nicht mit dem großen Testheft in die Sonderschulen, wir wollten es menschlicher machen.“

Auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Priska Hinz, wies die Wuttke-Kritik zurück. In den meisten europäischen Ländern würden Sonderschüler ins allgemeine Schulsystem integriert. „Trotzdem schneiden diese Länder besser ab als Deutschland.“ Es sei „höchst erstaunlich, dass sich Wissenschaftler zusammentun, um die PISA-Studie in Misskredit zu bringen.“ Auch viele weitere Studien hätten die Mängel im deutschen Bildungssystem belegt.
Autor: js

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