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Sa, 09:07 Uhr
04.11.2006

„Kuckuckslichtnelken“

Nordhausen (nnz). Klein und fein liegt die neue Publikation „Kuckuckslichtnelken“ der Dichterin Sarah Kirsch in der Hand. Der Einband, zart schimmerndes Leinen aus Holland, trägt annähernd die Farbe, die die Kuckucklichtnelken (Lychnis flos-cuculi) haben, nach denen Sarah Kirsch ihr Büchlein mit den 110 Seiten benannte. Dazu ein Beitrag von Heidelore Kneffel.


Diese aparte Rosè-Tönung setzt sich im Inneren fort mit dem Vorsatzpapier, der Initiale I des ersten Wortes „Ich“ und den Seitenzahlen. Dem Text Sarah Kirschs über das Dasein der Ingrid Bernstein vom 16. 4. 1935 bis zum 17. 6. 1953 nahe des Harzes (Limlingerode, Halberstadt) - ohne Absatz in fast atemloser Folge erzählt - sind neun farbige Grafiken des Künstlers Siegfried Klapper beigegeben, ausgesucht von der Autorin. Sie zeigen Darstellungen von Äpfeln, einer Frucht, die im Buch und also in der Kindheit und Jugend der Ingrid Bernstein ein Dreh- und Angelpunkt ist. Und da die meisten Bilder eine halbierte Frucht zeigen, ist man dem reichen Symbolgehalt des Apfels nahe.

Sarah Kirsch kennt Siegfried Klapper aus den 70er Jahren, als sie aus dem „Ländchen“ für einige Tage gen Frankreich fahren durfte und sich schnurstracks in den Süden begab. So heißt auch ein dann entstandenes Gedicht „Der Süden“ im Gedichtband „Rückenwind“, 1976 im Aufbau-Verlag Berlin und Weimar erschienen, in dem man liest: „Der Maler Klapper holt aus einem Schuhkarton fünfundzwanzig angefangene Blätter“. Ja, die Arbeiten des im Süden Frankreichs zurückgezogen lebenden realistischen Künstlers sind fast alle kleinformatig.

Im Frühjahr dieses Jahres gab es in der Galerie Brockstedt in Hamburg eine Retrospektive von über 90 seiner Arbeiten: „Akribische Träume“ - Bilder wider den Zeitgeist (1954 - 2002), zu der er Sarah Kirsch einlud. Just in dieser Zeit war der neue Text der Dichterin beendet, so dass sich Siegfried Klappers Bilder geradezu anboten, denn sie entsprechen in ihrer Art dem Erzählton der Autorin in schöner Weise.

Das neue Büchlein Sarah Kirschs wurde in ihrem Geburtshaus in Limlingerode bereits vorgestellt. Es beginnt nämlich in diesem Ort: „Ich bin 1935 im Pfarrhaus zu Limlingerode geboren worden, in einem südländisch anmutenden Fachwerkbau auf einer Anhöhe am Rande des Waldes. Es handelt sich um den letzten Amtsitz meines Großvaters vor dem Ruhestand, und es wohnten auch meine Eltern in diesem Haus...“

So lauten die ersten Zeilen, und wer mehr über Ingrid Hella Irmelindes Kindheit und frühe Jugend erfahren möchte, kann die „Kuckuckslichtnelken“ in jeder gut sortierten Buchhandlung für 12 € erwerben.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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