Mo, 08:02 Uhr
23.10.2006
Berlin kommt in die Provinz
Nordhausen/Limlingerode (nnz). Am kommenden Wochenende wird eine Gedenkstätte in einer Dichterstätte zu Gast sein. Wie das geht, wo das stattfinden wird – das hat jetzt die nnz erfahren.
Am kommenden Samstag (28. 10.) wird um 14.30 Uhr in der Dichterstätte in Limlingerode die Tradition fortgesetzt, andere Häuser vorzustellen, in denen man eindrücklich etwas über Poeten erfahren kann. Für die Schriftstellerin Anna Seghers (1900-983) nahm man die Arbeits- und Wohnräume, die sie nach ihrer Rückkehr aus der mexikanischen Emigration im geteilten Berlin nach mehreren Wohnungswechseln in einem dreigeschossigen Mietshaus, Volkswohlstraße 81 - jetzt nach ihr benannt - bezog. 14 Jahre hatte die Zeit gedauert, die sie wegen der Herrschaft der Nationalsozialisten mit ihrer Familie nicht in Deutschland leben konnte. Nach dem Tode Anna Seghers am 1. Juni 1983 gestaltete die Akademie der Künste der DDR, der sie den literarischen Nachlass testamentarisch vermacht hatte, die Wohnung in Adlershof zu einer Gedenkstätte.
Die Leiterin des Hauses, Monika Melchert, wird am 28. 10. 06 in Limlingerode in ihren Ausführungen auch neueste Forschungsergebnisse einbeziehen, denn längst ist noch nicht alles über diese große deutsche Erzählerin erkundet. Sie wird auch ein wesentliches Hauptmotiv im Werk der Anna Seghers kenntlich machen, die Mythen, Sagen und Legenden, die sie Zeit ihres Lebens am liebsten geschrieben hat.
Dabei findet die frühe Erzählung Die Legende von der Reue des Bischofs Jehan d` Aigremont von St. Anne in Rouen von 1924 besondere Erwähnung. Sie stammt aus dem Band Und ich brauch doch so schrecklich Freude, in dem auch das Tagebuch von 1924/25 publiziert wurde, das einzige, das sie je geführt hat. Damals hieß sie noch Netty Reiling, gebürtig aus Mainz, schloss ihr Studium in Heidelberg ab und promovierte in Kunstgeschichte zum Thema Jude und Judentum im Werke Rembrandts. Sie hatte sich auch entschieden, ihren gleichaltrigen Studiengefährten, den Ungarn Laszlo Radvany, zu heiraten. Und, in dieser Zeit war sie entschlossen, nicht wissenschaftlich zu arbeiten, sondern als Erzählerin.
Am 28. Oktober wird die Leiterin der Gedenkstätte auch die kleine feine Erzählung Der Baum des Odysseus aus dem Band Die drei Bäume lesen, in der Zeit des Exils in Frankreich geschrieben, als ihr Mann in Le Vernet interniert war und sie sich wünschte, das die Irrfahrten des Exils mit den Ängsten und Gefahren bald ein gutes Ende fänden. Dieser Text passt zu der momentan in der Dichterstätte gezeigten Ausstellung von Katrin Gaßmann aus Erfurt, Ulysses in Limlingerode. Anhand von Publikationen und einer Ausstellung in den Vitrinen kann man sich weitere Informationen über Anna Seghers verschaffen.
Monika Melchert, Dr. phil., Germanistin und Autorin, 1953 geboren, arbeitete 20 Jahre an der Humboldtuniversität in Berlin. Seit 2001 ist sie im Auftrag der Akademie der Künste in der Anna-Seghers-Gedenkstätte und der Brecht-Weigel-Gedenkstätte tätig. Sie ist die Herausgeberin der Buchreihe Spurensuche. Vergessene Autorinnen wiederentdeckt, die seit 2002 in sechs Bänden erschienen ist.
Heidelore Kneffel
Autor: nnzAm kommenden Samstag (28. 10.) wird um 14.30 Uhr in der Dichterstätte in Limlingerode die Tradition fortgesetzt, andere Häuser vorzustellen, in denen man eindrücklich etwas über Poeten erfahren kann. Für die Schriftstellerin Anna Seghers (1900-983) nahm man die Arbeits- und Wohnräume, die sie nach ihrer Rückkehr aus der mexikanischen Emigration im geteilten Berlin nach mehreren Wohnungswechseln in einem dreigeschossigen Mietshaus, Volkswohlstraße 81 - jetzt nach ihr benannt - bezog. 14 Jahre hatte die Zeit gedauert, die sie wegen der Herrschaft der Nationalsozialisten mit ihrer Familie nicht in Deutschland leben konnte. Nach dem Tode Anna Seghers am 1. Juni 1983 gestaltete die Akademie der Künste der DDR, der sie den literarischen Nachlass testamentarisch vermacht hatte, die Wohnung in Adlershof zu einer Gedenkstätte.
Die Leiterin des Hauses, Monika Melchert, wird am 28. 10. 06 in Limlingerode in ihren Ausführungen auch neueste Forschungsergebnisse einbeziehen, denn längst ist noch nicht alles über diese große deutsche Erzählerin erkundet. Sie wird auch ein wesentliches Hauptmotiv im Werk der Anna Seghers kenntlich machen, die Mythen, Sagen und Legenden, die sie Zeit ihres Lebens am liebsten geschrieben hat.
Dabei findet die frühe Erzählung Die Legende von der Reue des Bischofs Jehan d` Aigremont von St. Anne in Rouen von 1924 besondere Erwähnung. Sie stammt aus dem Band Und ich brauch doch so schrecklich Freude, in dem auch das Tagebuch von 1924/25 publiziert wurde, das einzige, das sie je geführt hat. Damals hieß sie noch Netty Reiling, gebürtig aus Mainz, schloss ihr Studium in Heidelberg ab und promovierte in Kunstgeschichte zum Thema Jude und Judentum im Werke Rembrandts. Sie hatte sich auch entschieden, ihren gleichaltrigen Studiengefährten, den Ungarn Laszlo Radvany, zu heiraten. Und, in dieser Zeit war sie entschlossen, nicht wissenschaftlich zu arbeiten, sondern als Erzählerin.
Am 28. Oktober wird die Leiterin der Gedenkstätte auch die kleine feine Erzählung Der Baum des Odysseus aus dem Band Die drei Bäume lesen, in der Zeit des Exils in Frankreich geschrieben, als ihr Mann in Le Vernet interniert war und sie sich wünschte, das die Irrfahrten des Exils mit den Ängsten und Gefahren bald ein gutes Ende fänden. Dieser Text passt zu der momentan in der Dichterstätte gezeigten Ausstellung von Katrin Gaßmann aus Erfurt, Ulysses in Limlingerode. Anhand von Publikationen und einer Ausstellung in den Vitrinen kann man sich weitere Informationen über Anna Seghers verschaffen.
Monika Melchert, Dr. phil., Germanistin und Autorin, 1953 geboren, arbeitete 20 Jahre an der Humboldtuniversität in Berlin. Seit 2001 ist sie im Auftrag der Akademie der Künste in der Anna-Seghers-Gedenkstätte und der Brecht-Weigel-Gedenkstätte tätig. Sie ist die Herausgeberin der Buchreihe Spurensuche. Vergessene Autorinnen wiederentdeckt, die seit 2002 in sechs Bänden erschienen ist.
Heidelore Kneffel

