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Sa, 10:22 Uhr
21.10.2006

nnz-Forum: Das Wort zum Sonntag

Nordhausen (nnz). Im Forum der nnz veröffentlichen wir an dieser Stelle ein ganz "besonderes" Wort zum Sonntag. Vielleicht regt es Sie - an diesem Wochenende - zur Diskussion an.


Eigentlich, liebe Leserinnen und Leser der nnz-online, sind wir Ostdeutschen bei Lichte betrachtet doch ein recht undankbares Volk. Ist denn nicht alles das eingetreten, wofür vor siebzehn Jahren Bürgerrechtler und hunderttausend Menschen im Angesicht von staatlicher Gewalt in den Städten demonstriert haben?

Die Stasi und ihre infoffizellen Mitarbeiter sind verschwunden. Endlich können wir uns über die allumfassende elektronische Überwachung freuen. Nicht wie früher im Namen des Friedens und des Sozialismus, sondern im Namen der Terrorismusbekämpfung.

Seit Anfang 2002 stehen dem Bundesnachrichtendienst (BND), dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) in nahezu schrankenloser Weise Auskunftsrechte gegenüber Banken, Luftfahrtunternehmen, Post und Telekommunikationsfirmen zu, die die ohnehin schon üppigen Befugnisse noch erweiterten, Telefone, E-Mail-Verkehr und Internetnutzung zu überwachen.

Die ARGEN haben das Recht, Schnüffel- und Überwachungskolonnen auszusenden, um die in den sozialen Hängematten liegenden Bürgern zu drangsalieren.

Endlich brauchen wir unsere Kinder nicht mehr in eine Allgemeinbildende Zehnklassige Schule zu schicken, wo bereits Mitte der neunten Klasse die Lehrausbildung gesichert war. Nein, auch dieses Kainsmal der alten Gesellschaft haben wir wie gewollt überwunden. Unsere Kinder befinden sich nun in einem pädagogisch und bildungsmässig zerrütteten Schulsystem an dessen Ende das Nichtstun der jungen Menschen wunschgemäss erfüllt wird.

Der einstige Schlachtruf der Bürgerechtler:" Schwerter zu Plugscharen" hat sich erfüllt. Die NVA ist aufgelöst und endlich können wieder deutsche Soldaten in aller Welt für die Segnungen kämpfen, die wir bereits nutzen. Wie 1939 die "Schleswig-Holstein" vor Polen mit ihren Schüssen am 01.09. die Welt am deutschen Wesen genesen lassen wollte, heute die "Mecklenburg-Vorpommern" vor dem Libanon.

Hatten wir nicht alle die Schn... voll, uns täglich von Wurst und Fleisch aus dem VEB Fleichkombinat ernähren zu müssen. Sehen Sie, nun haben wir endlich das gewollte Gammelfleisch auf unseren Tellern.

War es nicht langweilig und schränkte es nicht unsere Freiheit ein, monatlich das Gleiche an Mietkosten bezahlen zu müssern. Genau, auch deshalb waren die Menschen auf der Strasse, um am Nervenkitzel teilhaben zu können, wie hoch die kommenden Betriebskosten sein werden und ob die Miete für sie überhaupt bezahlbar sein wird.

Und überhaupt: Wurde auf den Strassen vor siebzehn Jahren nicht auch dafür gestritten, nun endlich den Arbeitszwang zu überwinden. Sehen Sie, auch das haben wir mit den Demonstrationen erreicht. Heute sind 20% der arbeitsfähigen Bevölkerung in Ostdeutschland von dieser unseglichen Knute des Sozialismus befreit.

Also, liebe Leserinnen und Leser der nnz-online, wir haben schon viel erreicht. Dafür sollten wir uns gegenseitig auf die Schultern klopfen. Trotzdem, es sind noch nicht alle unsere Wünsche erfüllt. Gedulden wir uns in Demut bis die Einführung der Gesundheitsreform kommt. Freuen wir uns auf diesem Weg auf die nun endliche Erhöhung der Mehrwertsteuer. Übrigens: war das nicht auch ein Schlachtruf aus den Novembertagen des Jahres 1989?
Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen, Ihr Jürgen Nagel
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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