eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Fr, 13:13 Uhr
03.01.2025
Rück- und Ausblick auf den Arbeitsmarkt

Es hätte schlechter laufen können

Bei der Agentur für Arbeit konnte man heute mit einer positiven Meldung in das neue Jahr starten - die Arbeitslosigkeit lag im Dezember niedriger als im Vorjahr. Insgesamt bleibt die Lage aber schwierig, vor allem am Bau und in der Industrie stehen die Zeichen weiter auf Krise. Sorge bereitet auch die Jugendarbeitslosigkeit…

Die Agentur für Arbeit wagte heute ihren traditionellen "Blick in die Glaskugel" für 2025. Symbolbild (Foto: erstell mit DALL E) Die Agentur für Arbeit wagte heute ihren traditionellen "Blick in die Glaskugel" für 2025. Symbolbild (Foto: erstell mit DALL E)


Arbeitsmarkt im Dezember
Zum Jahresende gab es eine gute Nachricht vom Nordthüringer Arbeitsmarkt: die Arbeitslosigkeit lag im Dezember leicht unter dem Vorjahreswert. Damit ist die
Entwicklung in der Region im Vergleich zum Vorjahr günstiger als thüringen- und deutschlandweit. Der Abbau der Arbeitslosigkeit ist vor allem in den Jobcentern gelungen.

Anzeige symplr (1)
In der Arbeitsagentur zeigen sich die Folgen der angespannten wirtschaftlichen Situation. Hier liegt die Arbeitslosigkeit seit Monaten über dem Wert des Vorjahres. „Auch in der wirtschaftlich schwierigen Lage werden Beschäftigte gesucht. Die gemeldeten Stellen richten sich aber zu 85 Prozent an Fachkräfte, Experten und Spezialisten“, so Karsten Froböse, Leiter der Agentur für Arbeit Thüringen Nord. 12.652 Menschen waren im Dezember arbeitslos gemeldet, 545 Personen mehr (+ 5 Prozent) als im November, aber 38 Personen bzw. 0,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Trotz der angespannten Lage hat sich die Arbeitslosenquote mit einem Wert von 6,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Allerdings liegt man deutlich unter dem Niveau aus dem Jahr 2021, das man mit 10.629 Meldungen in den Büchern abschloss.

Es hätte schlechter laufen können
Zum Blick auf die Zahlen aus dem Vorjahr kommt im Januar der Blick in die metaphorische Glaskugel. Für 2024 hatte Froböse vor einem Jahr nicht die besten Aussichten, die Prognose damals: unter 12.600 Arbeitslose wenn es gut läuft, mehr als 13.000 wenn es schlechter kommen sollte. Das Jahr endete zwischen beiden Polen, die schwächelnde Konjunktur und die demografischen Probleme waren zwar deutlich spürbar, aber nicht so gravierend, wie der pessimistische Ausblick zum Jahresbeginn prognostizierte.

Sorgen macht der Rückgang der Beschäftigung. Zur Jahresmitte waren 1.800 weniger Personen (- 1,5 Prozent) sozialversicherungspflichtig beschäftigt als ein Jahr zuvor. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit blieb aber begrenzt. Er betraf im Jahresdurchschnitt 127 Personen mehr als 2023 (+ ein Prozent). Gelitten hat allen voran das verarbeitende Gewerbe, das ein Minus von 1.219 Beschäftigten zu verzeichnen hatte. Einbrüche verzeichnete man auch im Baugewerbe mit einem Minus von 282 Stellen. Eng verwoben mit beiden Branchen ist der Bereich Arbeitnehmerüberlassung, hier geht man mit einem Minus von 419 Stellen aus dem alten Jahr. Andere Bereiche verzeichneten leichte Zuwächste, darunter das Heim- und Sozialwesen sowie das Gastgewerbe. „Die Schwäche in der Industrie und im Baugewerbe ist insofern problematisch als das hier traditionell gut gezahlt wird und beide Branchen damit die Basis für alles weitere bilden“, erklärt Froböse am Vormittag.

Am stärksten betroffen war das Eichsfeld. Hier nahm die Arbeitslosigkeit in 2024 um 4,9 Prozent zu, lag mit 2.480 Personen aber weiter auf vergleichsweise niedrigem Niveau. In Nordhausen stieg die Arbeitslosenquot auf 3.523 Personen oder 8,5 Prozent, während die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Unstrut-Hainich-Kreis im Jahr 2024 um 1,2 Prozent auf 3.642 Frauen und Männer gesenkt werden konnte. Einen Rückgang hatte man auch im Kyffhäuserkreis zu verzeichnen, hier zählte man im im Schnitt 3.094 Arbeitslose, was ebenfalls einer Quote von 8,5 Prozent entspricht.

Migration kein treibender Faktor mehr
Anders als in den letzten Jahren war die Migrationsproblematik 2024 kein Treiber der Entwicklung am Arbeitsmarkt. Vor allem der Zuzug vieler Flüchtlinge aus der Ukraine hatten nach Ausbruch des Krieges zu deutlichen Zuwächsen in der Statistik geführt.

Zum 30. Juni 2024 gingen nun knapp 9.350 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, fast sechs Prozent mehr (+ 511 Personen) als im Juni 2023. Auch die Beschäftigung von ukrainischen Staatsbürgern nahm weiter zu. Mitte 2024 waren 670 Ukrainerinnen und Ukrainer in Nordthüringen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 189 Männer und Frauen bzw. 39 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Unter den Zugewanderten, die bereits länger im Land sind, überwiegt die Zahl der Beschäftigten gegenüber denen der Arbeitslosen zunehmend. Bei den ukrainischen Staatsbürgern ist das Verhältnis noch umgekehrt, die Werte nähern sich aber auch hier weiter aneinander an. Zählte man im ersten Halbjahr 2023 noch 1.336 Arbeitslose und 419 Beschäftigte, waren es im Jahr 2024 nun 1.202 Arbeitslose zu 591 Beschäftigen. Die Arbeitslosenquote für Ausländer betrug im Jahresdurchschnitt 26,9 Prozent im gesamten Agenturbezirk. Sie sank um fast acht Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Der Anteil der Langzeitarbeitslosen lag 2024 bei 37 Prozent. Im Aufgabenbereich der Jobcenter macht das 4.677 Personen aus, womit man noch unter dem Wert von 2021 liegt, als man 4.957 Langzeitarbeitslose zählte und weit entfernt vom Höchststand aus dem Jahr 2007, als man kurz davor stand, die Marke von 15.000 Langzeitarbeitslosen zu erreichen. Aber auch heute gilt: wer längere Zeit ohne Arbeit war, der hat schlechtere Aussichten, in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine Anstellung zu finden, meint Froböse. Mit 57 Prozent zu 43 Prozent waren mehr Männer als Frauen arbeitslos gemeldet und demografisch dominiert die Gruppe der Älteren ab 55 Jahren mit 30 Prozent.

Sorgenkind Jugendarbeitslosigkeit
Deutlich gestiegen ist die Jugendarbeitslosigkeit. Im Jahresdurchschnitt lag sie bei fast sechs Prozent über dem Wert von 2023 und bei einer Quote von 7,7 Prozent. Im Jahresdurchschnitt waren etwa 1.270 junge Menschen arbeitslos – der höchste Stand seit zehn Jahren. „Die Unternehmen suchen Fachkräfte. 85 Prozent der gemeldeten Stellen richten sich an Fachkräfte, Experten und Spezialisten. Junge Menschen ohne Berufsabschluss haben deswegen ein besonders hohes Risiko arbeitslos zu sein“, ordnet der Agenturleiter ein.

Der Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit betrifft nicht nur Jugendliche aus dem Ausland. Fast 70 Prozent der arbeitslosen Jugendlichen sind Deutsche und drei von vier arbeitslosen Jugendlichen haben keinen Berufsabschluss. „Hier liegt das Problem. Manche Jugendlichen hängen der naiven Vorstellung an, die Unternehmen bräuchten sie auch ohne, dass sie sich selber anstrengen müssten. Die Ursache findet sich vor dem Spiegel. Es ist Zeit, dass sich diese jungen Leuten von falschen Vorstellungen verabschieden.“

Deshalb sei es wichtig, in jungen Jahren Engagement zu zeigen. Die Berufsberatung unterstützt
Schülerinnen und Schüler dabei, sich beruflich zu orientieren. Mit einer fundierten Berufswahl,
Fleiß und Willensstärke könne jede und jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag für die Region
leisten, ermutigt der Agenturleiter. Neue Wege geht man in Nordthüringen hier bereits mit dem „Tag in der Praxis“ (TiP), der jungen Schülerinnen und Schülern frühzeitig Einblicke in den Arbeitsalltag in den Betrieben gibt. Gestartet hatte man das Projekt im Kreis Nordhausen mit drei Regelschulen, 180 Schülerinnen und Schülern und 120 Betrieben. Inzwischen nehmen fast alle Nordhäuser Regelschulen an dem Programm teil, für 2025 rechnet man über die Nordthüringer Kreise verteilt mit 28 Schulen, fast 1.400 Schülern und 900 Betrieben, die sich am „TiP“ beteiligen werden.

Agenturleiter Karsten Froböse blickte heute zurück und voraus (Foto: agl) Agenturleiter Karsten Froböse blickte heute zurück und voraus (Foto: agl)


Der Blick in die Glaskugel
Natürlich blickte Karsten Froböse auch heute wieder in die Glaskugel und gab seine Prognose für das neue Jahr ab. „Die maßgebilichen Probleme bleiben uns erhalten, das ist zum einen der demografische Wandel und zum anderen der fehlende Rückenwind der Konjunktur. Läuft es schlecht, liegen wir am Jahresende bei über 13.200 Personen, wenn die Konjunktur wieder anzieht und wir optimistisch auf das Jahr blicken, dann halten wir das Niveau von 12.700 Arbeitslosen.“ Und ohne Chancen ist auch das neue Jahr nicht, aktuell sind in Nordthüringen rund 2.300 offene, sozialversicherungspflichtige Stellen zu besetzen.
Angelo Glashagel

Die ausführliche Statistik für den Dezember findet sich hier .
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)