Mo, 14:33 Uhr
25.11.2024
Aktion vor dem Rathaus
Jedes Paar Schuhe ist ein Mord
Ein 15jähriger erwürgt seine Freundin, ein 70 Jahre alter Mann bringt seine Ehefrau um, ein 85jähriger greift zum Messer, genauso ein 18jähriger, der zum Mörder wird. Gewalt gegen Frauen ist in Deutschland an der Tagesordnung, darauf machte man heute auch in Nordhausen aufmerksam…
Die Zahl der in Deutschland ermordeten Frauen liegt für das Jahr 2024 bisher bei über 80 Fällen. Ebenso viele rote Schuhe wurden heute symbolisch vor dem Nordhäuser Rathaus aufgestellt, um zum internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen auf die Probleme aufmerksam zu machen.
Der Femizid, der Mord an Frauen, steht bei der Aktion Rote Schuhe im Mittelpunkt, der Tod ist aber nur der Endpunkt von oft sehr langen Geschichten von Gewalt, Missbrauch und Erniedrigung. Alle 80 Minuten wird jemand Opfer häuslicher Gewalt, in der überwiegenden Mehrheit Frauen und diese Gewalt muss nicht immer physisch sein. Bei der Interventionsstelle der Caritas in Nordhausen führt man im Jahr über 700 Beratungen und muss in 220 bis 250 Fällen auch direkt aktiv werden, berichtet Steffi Mayer, die Leiterin der Interventionsstelle.
Das Spektrum ist breit und die Problematik durchdringt alle gesellschaftliche Schichten. Betroffene haben nicht nur mit körperlicher Misshandlung zu tun, es geht auch um psychische Gewalt, Nötigung und Erniedrigung oder auch Stalking, berichtet Mayer vor dem Rathaus. Zusammen mit der Gleichstellungbeauftragen der Stadt und dem Verein Schrankenlos hat man die Aktion vorbereitet, das nötige Schuhwerk und reichlich Infomaterial zusammengetragen. Auch die blaue Fahne der Terre des Femmes weht wieder am Rathaus. Der jährliche Aktionstag, der 1999 ins Leben gerufen worden war, sei vor allem auch deswegen wichtig, weil viele Betroffene bis heute nicht um das existierende Hilfsnetzwerk wüssten. Es gibt verschiedene Wege, die die Menschen letztlich in die Interventionsstelle führen, meist ist es aber die Polizei, die nach einem Vorfall auf die Möglichkeiten hinweist. Das ist zum einen gut, weil die erste Hemmschwelle entfällt, zum anderen muss auch erst einmal etwas passieren und es muss jemand die Polizei überhaupt rufen, sagt Mayer.
Zu oft wird weggesehen, in der eigenen Familie oder auch in der Nachbarschaft und oft tun sich die Betroffenen selber schwer, sich aus einer problematischen Beziehung zu lösen. Kinder sind oft im Spiel, gemeinsame Verbindlichkeiten, finanzielle Nöte, Existenzen, die man sich aufgebaut hat, Freundeskreise und andere Abhängigkeiten. Und nicht immer ist die Gewalt permanent. Was den Mitarbeitern in den Interventionsstellen häufig begegne, seien Gewaltspiralen, die sich über längere Zeit aufbauten, an Intensität zunähmen und sich mitunter über Wochen, Monate und Jahre hinziehen könnten.
Die Fallzahlen, mit denen es Mayer und Kollegen zu tun haben, sind in den letzten Jahren gestiegen. Das hinge zum einen damit zusammen, dass das Hellfeld größer geworden ist. Nach über 20 Jahren voller Aktionen, Aufrufe und Info-Kampagnen ist das Problembewusstsein gewachsen und es kommen mehr Fälle häuslicher Gewalt ans Tageslicht. Zum anderen registriere man aber auch eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft und damit auch eine Zunahme gewalttätigen Verhaltens.
Wer den Mut findet, einen anderen Weg zu gehen, der findet Hilfe bei den Interventionsstellen. Hier können Kontakt- und Näherungsverbote oder die zeitweise Überlassung von gemeinsam genutzten Wohnraum vorbereitet und Kontakte zu den zuständigen Stellen geknüpft werden. Im Notfall kann auch auf Schutzwohnungen und Frauenhäuser zurückgegriffen werden. Wir nehmen außerdem eine Gefahrenanalyse vor. In Hochrisikofällen kommt es mitunter vor, dass wir nicht nur in Schutzwohnungen sondern gleich in andere Regionen vermitteln., sagt Mayer. Etwa 10 bis 15 solcher Fälle erlebe man jedes Jahr im Landkreis. Die Schicksale, auf die man heute auf dem Rathaus Platz symbolisch aufmerksam machte, seien letztlich der tragische Ausgang solcher Hochrisikofälle.
Hoffnung machen zwei Gesetzesinitiativen auf Landes- und Bundesebene, die das Hilfsnetzwerk weiter stärken sollen. Vor allem die fachliche und personelle Ausstattung der Anlaufstellen sei wichtig, sagen die Organisatoren. Zudem müsse die Finanzierung dringend institutionalisiert werden und von den Kommunen in die Hände des Landes gelegt werden. Schutz vor Gewalt dürfe es nicht nur in Kommunen geben, die es sich leisten können.
Wer im Landkreis Nordhausen selber Hilfe sucht, findet die Interventionsstelle der Caritas in Nordhausen unter der Adresse Am Markt 5, im Internet oder auch telefonisch unter 03631/6588460.
Angelo Glashagel
Autor: redDie Zahl der in Deutschland ermordeten Frauen liegt für das Jahr 2024 bisher bei über 80 Fällen. Ebenso viele rote Schuhe wurden heute symbolisch vor dem Nordhäuser Rathaus aufgestellt, um zum internationalen Aktionstag gegen Gewalt an Frauen auf die Probleme aufmerksam zu machen.
Der Femizid, der Mord an Frauen, steht bei der Aktion Rote Schuhe im Mittelpunkt, der Tod ist aber nur der Endpunkt von oft sehr langen Geschichten von Gewalt, Missbrauch und Erniedrigung. Alle 80 Minuten wird jemand Opfer häuslicher Gewalt, in der überwiegenden Mehrheit Frauen und diese Gewalt muss nicht immer physisch sein. Bei der Interventionsstelle der Caritas in Nordhausen führt man im Jahr über 700 Beratungen und muss in 220 bis 250 Fällen auch direkt aktiv werden, berichtet Steffi Mayer, die Leiterin der Interventionsstelle.
Das Spektrum ist breit und die Problematik durchdringt alle gesellschaftliche Schichten. Betroffene haben nicht nur mit körperlicher Misshandlung zu tun, es geht auch um psychische Gewalt, Nötigung und Erniedrigung oder auch Stalking, berichtet Mayer vor dem Rathaus. Zusammen mit der Gleichstellungbeauftragen der Stadt und dem Verein Schrankenlos hat man die Aktion vorbereitet, das nötige Schuhwerk und reichlich Infomaterial zusammengetragen. Auch die blaue Fahne der Terre des Femmes weht wieder am Rathaus. Der jährliche Aktionstag, der 1999 ins Leben gerufen worden war, sei vor allem auch deswegen wichtig, weil viele Betroffene bis heute nicht um das existierende Hilfsnetzwerk wüssten. Es gibt verschiedene Wege, die die Menschen letztlich in die Interventionsstelle führen, meist ist es aber die Polizei, die nach einem Vorfall auf die Möglichkeiten hinweist. Das ist zum einen gut, weil die erste Hemmschwelle entfällt, zum anderen muss auch erst einmal etwas passieren und es muss jemand die Polizei überhaupt rufen, sagt Mayer.
Zu oft wird weggesehen, in der eigenen Familie oder auch in der Nachbarschaft und oft tun sich die Betroffenen selber schwer, sich aus einer problematischen Beziehung zu lösen. Kinder sind oft im Spiel, gemeinsame Verbindlichkeiten, finanzielle Nöte, Existenzen, die man sich aufgebaut hat, Freundeskreise und andere Abhängigkeiten. Und nicht immer ist die Gewalt permanent. Was den Mitarbeitern in den Interventionsstellen häufig begegne, seien Gewaltspiralen, die sich über längere Zeit aufbauten, an Intensität zunähmen und sich mitunter über Wochen, Monate und Jahre hinziehen könnten.
Die Fallzahlen, mit denen es Mayer und Kollegen zu tun haben, sind in den letzten Jahren gestiegen. Das hinge zum einen damit zusammen, dass das Hellfeld größer geworden ist. Nach über 20 Jahren voller Aktionen, Aufrufe und Info-Kampagnen ist das Problembewusstsein gewachsen und es kommen mehr Fälle häuslicher Gewalt ans Tageslicht. Zum anderen registriere man aber auch eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft und damit auch eine Zunahme gewalttätigen Verhaltens.
Wer den Mut findet, einen anderen Weg zu gehen, der findet Hilfe bei den Interventionsstellen. Hier können Kontakt- und Näherungsverbote oder die zeitweise Überlassung von gemeinsam genutzten Wohnraum vorbereitet und Kontakte zu den zuständigen Stellen geknüpft werden. Im Notfall kann auch auf Schutzwohnungen und Frauenhäuser zurückgegriffen werden. Wir nehmen außerdem eine Gefahrenanalyse vor. In Hochrisikofällen kommt es mitunter vor, dass wir nicht nur in Schutzwohnungen sondern gleich in andere Regionen vermitteln., sagt Mayer. Etwa 10 bis 15 solcher Fälle erlebe man jedes Jahr im Landkreis. Die Schicksale, auf die man heute auf dem Rathaus Platz symbolisch aufmerksam machte, seien letztlich der tragische Ausgang solcher Hochrisikofälle.
Hoffnung machen zwei Gesetzesinitiativen auf Landes- und Bundesebene, die das Hilfsnetzwerk weiter stärken sollen. Vor allem die fachliche und personelle Ausstattung der Anlaufstellen sei wichtig, sagen die Organisatoren. Zudem müsse die Finanzierung dringend institutionalisiert werden und von den Kommunen in die Hände des Landes gelegt werden. Schutz vor Gewalt dürfe es nicht nur in Kommunen geben, die es sich leisten können.
Wer im Landkreis Nordhausen selber Hilfe sucht, findet die Interventionsstelle der Caritas in Nordhausen unter der Adresse Am Markt 5, im Internet oder auch telefonisch unter 03631/6588460.
Angelo Glashagel











