Mi, 22:11 Uhr
04.10.2006
nnz-Forum: "Kreativität angesagt"
Nordhausen (nnz). Die nnz hatte heute zum wiederholten Mal über die geplanten Kürzungen in der Kreisverwaltung Nordhausen berichtet. Dazu eine Anmerkung vom Personalratsvorsitzen des Landratsamtes.
Im heutigen Beitrag der nnz Streichen angesagt war zum wiederholten Mal in der Öffentlichkeit zu lesen, dass die Sanierung des desolaten Kreishaushaltes einer resoluten Anwendung des Rotstiftes bei den Personalkosten im Landratsamt bedarf. Herr Primas sprach schon an anderer Stelle von seinen intelligenten Lösungen. Die nnz hat diesmal klar ausgesprochen, was damit gemeint war: Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich. Mal abgesehen davon, dass der Kreistag höchstens die Aufnahme von Tarifverhandlungen zu einem Tarifvertrag soziale Sicherheit, der Voraussetzung für eine solche verkürzte Arbeitszeit darstellt, beschließen kann, anordnen kann er Kurzarbeit nicht, genau so wenig wie der Landrat. Hierzu sind die Tarifpartner aufgefordert: der Kommunale Arbeitgeberverband Thüringen und die Gewerkschaft ver.di. Und Tarifverhandlungen, wenn sie denn überhaupt aufgenommen werden, können sehr langwierig sein. Auch muss das Ergebnis überhaupt nicht dem entsprechen, was die Arbeitgeberseite will.
Ob dies alles so "intelligent" ist, das mögen die Damen und Herren Mitglieder des Kreistages bitte bei den Mitarbeitern, Fachbereichsleitern und Beigeordneten im Landratsamt erfragen, die jetzt schon teilweise unter chronischem Personalmangel und Leitungsproblemen leiden. Wir können zum Ergebnis dieser Meinungsbildung gemeinsam auch gerne hier die Öffentlichkeit suchen. Ich biete dieses Herrn Primas und allen Kreistagsmitgliedern an.
Was die Aussage betrifft, dass natürliche Entlassungen – hiermit ist wahrscheinlich das Ausscheiden von Mitarbeitern in den Ruhestand gemeint; der Terminus selbst ist schier menschenverachtend in einer Zeit, wo Bürgern durch Arbeitslosigkeit der rasche soziale Abstieg droht; Politiker und Führungskräfte sollten derartiges nicht in den Mund nehmen – nicht einmal ausreichen, die jährlichen Tarifsteigerungen abzufangen, so ist hierzu nur zu sagen, dass diese Behauptung so einfach nicht stimmt.
Allen Fraktionen des Kreistages liegt eine Überschlagsberechnung vor, dass allein durch das Ausscheiden aus Altersgründen im Landratsamt mehr als die vom Haushaltskonsolidierungskonzept vorgesehenen 20% von 8 Millionen Euro an Personalkosten bis 2011 eingespart werden können. Ich weiß nicht, ob man diese Realität einfach nicht zur Kenntnis nehmen will oder dazu vielleicht auch nicht in der Lage ist. Was hingegen die nnz sowohl aus der Rede des Landrates vor dem letzten Kreistag ausführte (Analyse und Ziele, 26.September 2006, 18:19 Uhr) als auch im aktuellen Artikel wieder zum Vorschein kommt: Der Landrat sprach in aller Öffentlichkeit davon, weitere Stellen abbauen zu müssen, 6 bis 7 jährlich bis 2011. Im gleichen Atemzug, sorgte er sich natürlich für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region.
Nun ja, die nnz ist für derartige Widersprüche nicht verantwortlich zu machen. Hier wird ein Schema konstruiert, dass relativ einfach zu verstehen ist. Es läuft darauf hinaus, dass die Mitarbeiter und natürlich die Öffentlichkeit die Kröte der Kurzarbeit leichter schlucken sollen als die angedrohten Entlassungen. Durch ständiges Wiederholen der Aussage, dass zusätzlich zu den natürlichen Entlassungen Personalabbau notwendig ist, soll erreicht werden, dass eben diese Notwendigkeit nicht weiter hinterfragt wird. Dabei sind die Ausgangspositionen derer, die die Notwendigkeit zusätzlichen Personalabbaus behaupten, einfach falsch.
Die Verantwortlichen müssten es bei solider Auswertung der Daten eigentlich besser wissen. Aber das setzt einen seriösen Umgang mit den Zahlen voraus und die Bereitschaft zu einer wirklich intelligenten Personalpolitik. Kreative Personalpolitik bedeutet bei reduzierter Belegschaft (und sinkenden Personalkosten) durch Förderung, Motivation und Umstrukturierungen die zunehmenden Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Dafür bedarf es eines intelligenten Personalentwicklungskonzeptes und Flexibilität bei der Leitung des Landratsamtes und im Kreistag.
Augenblicklich wird stattdessen eine Drohkulisse aufgebaut - die der Wahl zwischen Entlassungen und Kurzarbeit. Das ist auch eine Form von Personalpolitik: Drohen statt Fördern, Angst statt Motivation. Ich glaube nicht, dass diese Methode auf Dauer erfolgreich sein wird. Zukunftsweisend für eine sich auf Kreativität und Innovation berufende Region ist sie auf keinen Fall.
Uwe Koch, Vorsitzender des Personalrats im Landratsamt Nordhausen
Autor: nnzIm heutigen Beitrag der nnz Streichen angesagt war zum wiederholten Mal in der Öffentlichkeit zu lesen, dass die Sanierung des desolaten Kreishaushaltes einer resoluten Anwendung des Rotstiftes bei den Personalkosten im Landratsamt bedarf. Herr Primas sprach schon an anderer Stelle von seinen intelligenten Lösungen. Die nnz hat diesmal klar ausgesprochen, was damit gemeint war: Arbeitszeitverkürzungen ohne Lohnausgleich. Mal abgesehen davon, dass der Kreistag höchstens die Aufnahme von Tarifverhandlungen zu einem Tarifvertrag soziale Sicherheit, der Voraussetzung für eine solche verkürzte Arbeitszeit darstellt, beschließen kann, anordnen kann er Kurzarbeit nicht, genau so wenig wie der Landrat. Hierzu sind die Tarifpartner aufgefordert: der Kommunale Arbeitgeberverband Thüringen und die Gewerkschaft ver.di. Und Tarifverhandlungen, wenn sie denn überhaupt aufgenommen werden, können sehr langwierig sein. Auch muss das Ergebnis überhaupt nicht dem entsprechen, was die Arbeitgeberseite will.
Ob dies alles so "intelligent" ist, das mögen die Damen und Herren Mitglieder des Kreistages bitte bei den Mitarbeitern, Fachbereichsleitern und Beigeordneten im Landratsamt erfragen, die jetzt schon teilweise unter chronischem Personalmangel und Leitungsproblemen leiden. Wir können zum Ergebnis dieser Meinungsbildung gemeinsam auch gerne hier die Öffentlichkeit suchen. Ich biete dieses Herrn Primas und allen Kreistagsmitgliedern an.
Was die Aussage betrifft, dass natürliche Entlassungen – hiermit ist wahrscheinlich das Ausscheiden von Mitarbeitern in den Ruhestand gemeint; der Terminus selbst ist schier menschenverachtend in einer Zeit, wo Bürgern durch Arbeitslosigkeit der rasche soziale Abstieg droht; Politiker und Führungskräfte sollten derartiges nicht in den Mund nehmen – nicht einmal ausreichen, die jährlichen Tarifsteigerungen abzufangen, so ist hierzu nur zu sagen, dass diese Behauptung so einfach nicht stimmt.
Allen Fraktionen des Kreistages liegt eine Überschlagsberechnung vor, dass allein durch das Ausscheiden aus Altersgründen im Landratsamt mehr als die vom Haushaltskonsolidierungskonzept vorgesehenen 20% von 8 Millionen Euro an Personalkosten bis 2011 eingespart werden können. Ich weiß nicht, ob man diese Realität einfach nicht zur Kenntnis nehmen will oder dazu vielleicht auch nicht in der Lage ist. Was hingegen die nnz sowohl aus der Rede des Landrates vor dem letzten Kreistag ausführte (Analyse und Ziele, 26.September 2006, 18:19 Uhr) als auch im aktuellen Artikel wieder zum Vorschein kommt: Der Landrat sprach in aller Öffentlichkeit davon, weitere Stellen abbauen zu müssen, 6 bis 7 jährlich bis 2011. Im gleichen Atemzug, sorgte er sich natürlich für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Region.
Nun ja, die nnz ist für derartige Widersprüche nicht verantwortlich zu machen. Hier wird ein Schema konstruiert, dass relativ einfach zu verstehen ist. Es läuft darauf hinaus, dass die Mitarbeiter und natürlich die Öffentlichkeit die Kröte der Kurzarbeit leichter schlucken sollen als die angedrohten Entlassungen. Durch ständiges Wiederholen der Aussage, dass zusätzlich zu den natürlichen Entlassungen Personalabbau notwendig ist, soll erreicht werden, dass eben diese Notwendigkeit nicht weiter hinterfragt wird. Dabei sind die Ausgangspositionen derer, die die Notwendigkeit zusätzlichen Personalabbaus behaupten, einfach falsch.
Die Verantwortlichen müssten es bei solider Auswertung der Daten eigentlich besser wissen. Aber das setzt einen seriösen Umgang mit den Zahlen voraus und die Bereitschaft zu einer wirklich intelligenten Personalpolitik. Kreative Personalpolitik bedeutet bei reduzierter Belegschaft (und sinkenden Personalkosten) durch Förderung, Motivation und Umstrukturierungen die zunehmenden Arbeitsaufgaben zu bewältigen. Dafür bedarf es eines intelligenten Personalentwicklungskonzeptes und Flexibilität bei der Leitung des Landratsamtes und im Kreistag.
Augenblicklich wird stattdessen eine Drohkulisse aufgebaut - die der Wahl zwischen Entlassungen und Kurzarbeit. Das ist auch eine Form von Personalpolitik: Drohen statt Fördern, Angst statt Motivation. Ich glaube nicht, dass diese Methode auf Dauer erfolgreich sein wird. Zukunftsweisend für eine sich auf Kreativität und Innovation berufende Region ist sie auf keinen Fall.
Uwe Koch, Vorsitzender des Personalrats im Landratsamt Nordhausen
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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