Mi, 17:57 Uhr
04.10.2006
Vereinigte Staaten von Europa
Nordhausen (nnz). Vor 60 Jahren hielt Winston Churchill in Zürich eine berühmte Rede vor Studenten, die als eine der Bausteine Europas bis heute gilt. Dazu eine Betrachtung von nnz-Leser Tim Schäfer.
1946 war für die europäische Bewegung ein entscheidendes Jahr: Im September hielt Winston Churchill an der Universität Zürich sein berühmtes Plädoyer für die Vereinigten Staaten von Europa. Doch was wollte Churchill und wo steht Europa nach 60 Jahren? Wir alle leben heute in einem friedlichen, geeinten Europa, dies hat Churchill als wichtigste Aufgabe schon 1946 zur Sicherung des dauerhaften Friedens als Europäische Staatengemeinschaft vorgeschlagen. Noch die Generation unser Großeltern und teilweise Eltern weiß was Krieg, Vertreibung und Not bedeuten.
Dabei ging es Churchill in seiner Rede um eine Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie, oder doch soviel davon wie möglich. Nicht ein europäisches Volk sollte integriert werden, sondern die Struktur für eine europäische Völkerfamilie, also nicht deren Einbindung in einen europäischen Völkerstaat. Zweifellos kann man sagen, dass in den vergangenen 60 Jahren eine Europäische Union entstanden ist, die den Vorstellungen des Visionärs, Politikers und Historikers Winston Churchills gerecht geworden ist. Und diese Entwicklung hat nicht zuletzt mit der Integration der ehem. DDR in die EU und die Osterweiterung oder auch die Einführung des Euro (EWWS) enorm an Fahrt gewonnen.
Kritisch muss man aber die langen Entscheidungswege, Bürokratismus und fehlende Bürgernähe Europas notieren. Da ändern bisherige Vorschläge und neue Vertragswerke wenig, oder wen interessieren die schon? Und da wird darüber hinaus kaum jemand Notiz von einem Demokratiedefizit des Europäischen Parlaments nehmen, welches durchaus besteht.
Andererseits ist insbesondere die Europäische Währung oder die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der europäischen Union seit den Verträgen von Maastricht 1993 als EU Europäische Union ein Erfolgsmodell.
Zuletzt zeigten die Abwahlen der durch die europäischen Berufspolitiker vorgelegten Verfassung in den Abstimmungen in den Ländern und die allgemeine Stimmung, dass die Bürger einen Bundesstaat im Sinne eines United Europe, etwa wie die USA, nicht wollen.
Dieser Meinung schließt sich der Autor dieses Beitrages an. Es muss aber aus den Regionen mehr Druck ausgeübt werde, damit sich Brüssel effektiv und subsidiär nachhaltig entwickeln kann. Gerade auch zu mehr Bürgernähe. Damit nicht eine 60 Jährige erfolgreiche und friedliche Entwicklung im Vakuum und durch Bürokratie, Ängste und Missverständnisse erstickt wird, etwa extreme Tendenzen breiten Raum finden könnten.
Tim Schäfer
Autor: nnz1946 war für die europäische Bewegung ein entscheidendes Jahr: Im September hielt Winston Churchill an der Universität Zürich sein berühmtes Plädoyer für die Vereinigten Staaten von Europa. Doch was wollte Churchill und wo steht Europa nach 60 Jahren? Wir alle leben heute in einem friedlichen, geeinten Europa, dies hat Churchill als wichtigste Aufgabe schon 1946 zur Sicherung des dauerhaften Friedens als Europäische Staatengemeinschaft vorgeschlagen. Noch die Generation unser Großeltern und teilweise Eltern weiß was Krieg, Vertreibung und Not bedeuten.
Dabei ging es Churchill in seiner Rede um eine Neuschöpfung der europäischen Völkerfamilie, oder doch soviel davon wie möglich. Nicht ein europäisches Volk sollte integriert werden, sondern die Struktur für eine europäische Völkerfamilie, also nicht deren Einbindung in einen europäischen Völkerstaat. Zweifellos kann man sagen, dass in den vergangenen 60 Jahren eine Europäische Union entstanden ist, die den Vorstellungen des Visionärs, Politikers und Historikers Winston Churchills gerecht geworden ist. Und diese Entwicklung hat nicht zuletzt mit der Integration der ehem. DDR in die EU und die Osterweiterung oder auch die Einführung des Euro (EWWS) enorm an Fahrt gewonnen.
Kritisch muss man aber die langen Entscheidungswege, Bürokratismus und fehlende Bürgernähe Europas notieren. Da ändern bisherige Vorschläge und neue Vertragswerke wenig, oder wen interessieren die schon? Und da wird darüber hinaus kaum jemand Notiz von einem Demokratiedefizit des Europäischen Parlaments nehmen, welches durchaus besteht.
Andererseits ist insbesondere die Europäische Währung oder die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik in der europäischen Union seit den Verträgen von Maastricht 1993 als EU Europäische Union ein Erfolgsmodell.
Zuletzt zeigten die Abwahlen der durch die europäischen Berufspolitiker vorgelegten Verfassung in den Abstimmungen in den Ländern und die allgemeine Stimmung, dass die Bürger einen Bundesstaat im Sinne eines United Europe, etwa wie die USA, nicht wollen.
Dieser Meinung schließt sich der Autor dieses Beitrages an. Es muss aber aus den Regionen mehr Druck ausgeübt werde, damit sich Brüssel effektiv und subsidiär nachhaltig entwickeln kann. Gerade auch zu mehr Bürgernähe. Damit nicht eine 60 Jährige erfolgreiche und friedliche Entwicklung im Vakuum und durch Bürokratie, Ängste und Missverständnisse erstickt wird, etwa extreme Tendenzen breiten Raum finden könnten.
Tim Schäfer

