So, 18:34 Uhr
23.12.2001
nnz-Betrachtung: Die leuchtende Kerze
Nordhausen (nnz). Seit Alters her gilt mit der Kerze das Licht, das in der Finsternis leuchtet als ein bedeutsames Symbol des Weihnachtsmonats. Es ist bis heute nicht außer Mode gekommen, sich zum Advent eine Kerze - das sogenannte Adventlicht - zu schenken. Eine nnz-Betrachtung von Rainer Hellberg.
Auffallend ist, das die Kerze mit dem flackernden Schein in nahezu allen altüberlieferten Bräuchen das Licht des Lebens symbolisiert und somit im Laufe der Jahrhunderte zu einem Abbild menschlichen Lebens geworden ist. Doch vorzugsweise werden solche Fest- und Feiertage wie Mariä Lichtmeß und Weihnachten bei Kerzenschein festlich begangen. Aber auch als Orakel kennen wir sie. Die noch unverheiratete Jugend versuchte einst in der Thomasnacht am 21. Dezember oder in der Neujahrsnacht ihr künftiges Schicksal zu erkunden. Wenn man sich zum sogenannten Lichterschwemmen traf, wurden zunächst für alle Anwesenden mit kleinen Kerzen besteckte Nußschalen in eine Schüssel mit Wasser gesetzt. Aus dem Zu- oder Auseinanderstreben einzelner Nußschiffchen schloß man indes auf die Zu- oder Abneigung der zugehörigen Personen. Sollten sich zwei der zu Wasser gelassenen Schiffchen sogar berühren, stand im kommenden Jahr die Hochzeit ihrer Besitzer bevor. Ältere Menschen suchten bei Kerzenlicht ihren eigenen Schatten. Wenn man den nicht fand, bedeutete dies großes persönliches Unglück.
Unweit der Wiege in den Stuben aufgestellt, sollte das Lebenslicht alle bösen Mächte von dem ungetauften Neugeborenen fernhalten. In ihrer Funktion als Tauf- und spätere Kommunionskerze sollte die Kerze dem Kind den Weg ins geistige Leben zeigen. Ein Leben lang sorgfältig bewahrt, brannte vielfach die gleiche Kerze noch einmal als Sterbekerze, um ihren Besitzer den Abschied vom Leben zu erleichtern. Mit dem sogenannten Wachsstöckel hat sich in vielen Gegenden eine spezielle Form der Kerze ihren Platz im Brauchtum erobert und zum Teil bis heute erhalten. Die meterlangen, dünnen Wachslichter, die wie eine Sattelfeder zusammengedreht waren, fanden im häuslichen als auch im kirchlichen Umfeld Verwendung.
Bei Frühmesse oder abendlichen Rosenkränzchen zündeten die Gläubigen ihre Wachsstöcke auf den Betstühlen an. In jenen Zeiten, als es in den Gotteshäusern noch kein elektrisches Licht gab, war dies die einzige Möglichkeit, um bei Dunkelheit im Gebet- oder Gesangbuch lesen zu können. Bis heute legen schwarze Brandflecken auf allen hölzernen Kirchenbänken Zeugnis darüber ab, daß es Gläubige gegeben hat, die in frommer Andacht mitunter vergaßen, ihren Wachsstock rechtzeitig umzudrehen.
Autor: nnzAuffallend ist, das die Kerze mit dem flackernden Schein in nahezu allen altüberlieferten Bräuchen das Licht des Lebens symbolisiert und somit im Laufe der Jahrhunderte zu einem Abbild menschlichen Lebens geworden ist. Doch vorzugsweise werden solche Fest- und Feiertage wie Mariä Lichtmeß und Weihnachten bei Kerzenschein festlich begangen. Aber auch als Orakel kennen wir sie. Die noch unverheiratete Jugend versuchte einst in der Thomasnacht am 21. Dezember oder in der Neujahrsnacht ihr künftiges Schicksal zu erkunden. Wenn man sich zum sogenannten Lichterschwemmen traf, wurden zunächst für alle Anwesenden mit kleinen Kerzen besteckte Nußschalen in eine Schüssel mit Wasser gesetzt. Aus dem Zu- oder Auseinanderstreben einzelner Nußschiffchen schloß man indes auf die Zu- oder Abneigung der zugehörigen Personen. Sollten sich zwei der zu Wasser gelassenen Schiffchen sogar berühren, stand im kommenden Jahr die Hochzeit ihrer Besitzer bevor. Ältere Menschen suchten bei Kerzenlicht ihren eigenen Schatten. Wenn man den nicht fand, bedeutete dies großes persönliches Unglück.
Unweit der Wiege in den Stuben aufgestellt, sollte das Lebenslicht alle bösen Mächte von dem ungetauften Neugeborenen fernhalten. In ihrer Funktion als Tauf- und spätere Kommunionskerze sollte die Kerze dem Kind den Weg ins geistige Leben zeigen. Ein Leben lang sorgfältig bewahrt, brannte vielfach die gleiche Kerze noch einmal als Sterbekerze, um ihren Besitzer den Abschied vom Leben zu erleichtern. Mit dem sogenannten Wachsstöckel hat sich in vielen Gegenden eine spezielle Form der Kerze ihren Platz im Brauchtum erobert und zum Teil bis heute erhalten. Die meterlangen, dünnen Wachslichter, die wie eine Sattelfeder zusammengedreht waren, fanden im häuslichen als auch im kirchlichen Umfeld Verwendung.
Bei Frühmesse oder abendlichen Rosenkränzchen zündeten die Gläubigen ihre Wachsstöcke auf den Betstühlen an. In jenen Zeiten, als es in den Gotteshäusern noch kein elektrisches Licht gab, war dies die einzige Möglichkeit, um bei Dunkelheit im Gebet- oder Gesangbuch lesen zu können. Bis heute legen schwarze Brandflecken auf allen hölzernen Kirchenbänken Zeugnis darüber ab, daß es Gläubige gegeben hat, die in frommer Andacht mitunter vergaßen, ihren Wachsstock rechtzeitig umzudrehen.

