Sa, 09:33 Uhr
22.12.2001
JS-Special: Was bringt die Greencard?
Nordhausen (nnz). Im Juli 2000 überreichte Arbeitsminister Walter Riester einem indonesischen IT-Spezialisten feierlich die erste Greencard. Viele Hoffnungen verbanden Ministerium und Bundesanstalt für Arbeit (BfA) damit für die Entlastung des Arbeitsmarktes im Bereich der Informationstechnologie. Ist also die Einführung von Greencards eine sinnvolle Maßnahme?
Soweit es die IT-Branche betrifft, sei hier lediglich bemerkt, dass inzwischen die ersten Greencard-Inhaber ihre Arbeit verloren, einzelne haben Deutschland bereits wieder verlassen. nnz wird sich in einem weiteren Beitrag mit dieser eigentlich paradoxen Situation befassen. Hier geht es allerdings um die Einführung einer solchen Grenncard-Regelung auf einem Tätigkeitsfeld, das einen angeblich ebenso empfindlichen Mangel an Fachkräften zu verzeichnen hat: der häuslichen Krankenpflege.
Diese Möglichkeit der Entlastung beschäftigt die Experten seit Ende November. Nachdem der Mangel an Pflegepersonal vor allen in den alten Bundesländern gravierend ist und auch das Reservoire Ostdeutschland nicht genügend Entlastung bringen kann, hat die Bundesregierung den Blick noch weiter schweifen lassen und entdeckte Osteuropa als ergiebiges Reservoir: Dort suchen angeblich in Polen, Tschechien, der Slowakei und anderen EU-Beitrittskandidaten Tausende einen Job in der Altenpflege. Und Arbeitsminister Walter Riester (SPD) will sich barmherzig sein und den Notstand von Alten und Kranken in der deutschen Gesellschaft bei ihrer Betreuung mildern helfen.
Immer mehr Menschen benötigen neben medizinischer Betreuung regelmäßige Pflege und Fürsorge, für die sie selbst oder ihre Angehörigen finanziell nicht aufkommen können. Und selbst wer den Dienst an den Pflegebedürftigen zahlen kann, hat es schwer, entsprechendes Personal für das Betten, Kochen, Einkaufen und Vorlesen aus Zeitungen oder Büchern zu finden. Das Bundeskabinett will deshalb noch vor Ende des Jahres Möglichkeiten schaffen, um etwa ab Februar 2002 den Anwerbestopp für Ausländer, die sich nach den Vorstellungen der Ministerialen für hauswirtschaftliche Tätigkeiten mit Betreuungsaspekten in Deutschland interessieren, aufzuheben. Wer demnach in seiner Familie einen anerkannten Pflegefall hat, kann sich dann einfach an das Arbeitsamt wenden, das dann Pflegekräfte aus den genannten Ländern zu vermitteln vermag. Drei Jahre lang sollen die Helfer der deutschen Altengesellschaft Aufenthalts- und Arbeitsrecht bekommen, wenn sie in privaten Haushalten für Pflegedienste sozialversicherungspflichtig angestellt werden.
Die Absicht ist eigentlich frappierend, führt eine solche Regelung doch auf geradezu ideale Weise Angebot und Nachfrage zusammen. Die Arbeitsämter haben bereits rege Kontakte nach Osteuropa aufgenommen, verlautet aus dem Arbeitsministerium. Die Legalisierung der Jobs biete insbesondere jungen Osteuropäern, die sich im Sozialbereich fortbilden und die deutsche Sprache besser erlernen wollen, große Chancen. Angeblich ist auch die größte Zahl der deutschen Pflegedienste mit der Absicht des Ministeriums einverstanden. Zustimmung kommt vor allen aus Baden-Württemberg und Bayern, von wo vielfach über Anzeigen um Personal geworben werde. Wie zu hören war, will man dort sogar seitens verschiedener Träger Prämien dafür zahlen, wenn Pflegepersonal neue Kollegen anwirbt. Der Wunsch in jenen Bundesländern geht sogar soweit, auch Pflegeheimen und privaten Pflegeunternehmen im ambulanten Dienst die Möglichkeit zu eröffnen, derartige Hilfskräfte selbst anzuwerben, um aus der Personalmisere herauszukommen. Und nicht einmal der deutsche Gewerkschaftsbund soll dem Zuzug aus Osteuropa ablehnend gegenüber stehen.
Trotz aller angeblich allseitiger Zustimmung gibt es in Fachkreisen Vorbehalte. Dazu sei auf einen Beitrag im Nordhäuser Kreisanzeiger in seiner Ausgabe 51/01 hingewiesen, in dem die Direktorin der pro vita Akademie in Nordhausen, Uta Triebel, erhebliche Bedenken gegen eine solche Entwicklung äußert. nnz wird diese Entwicklung aufmerksam verfolgen und verweist zunächst auf den vorgesehenen Beitrag über die Problematik der Greencard-Inhaber im IT-Bereich.
Autor: nnzSoweit es die IT-Branche betrifft, sei hier lediglich bemerkt, dass inzwischen die ersten Greencard-Inhaber ihre Arbeit verloren, einzelne haben Deutschland bereits wieder verlassen. nnz wird sich in einem weiteren Beitrag mit dieser eigentlich paradoxen Situation befassen. Hier geht es allerdings um die Einführung einer solchen Grenncard-Regelung auf einem Tätigkeitsfeld, das einen angeblich ebenso empfindlichen Mangel an Fachkräften zu verzeichnen hat: der häuslichen Krankenpflege.
Diese Möglichkeit der Entlastung beschäftigt die Experten seit Ende November. Nachdem der Mangel an Pflegepersonal vor allen in den alten Bundesländern gravierend ist und auch das Reservoire Ostdeutschland nicht genügend Entlastung bringen kann, hat die Bundesregierung den Blick noch weiter schweifen lassen und entdeckte Osteuropa als ergiebiges Reservoir: Dort suchen angeblich in Polen, Tschechien, der Slowakei und anderen EU-Beitrittskandidaten Tausende einen Job in der Altenpflege. Und Arbeitsminister Walter Riester (SPD) will sich barmherzig sein und den Notstand von Alten und Kranken in der deutschen Gesellschaft bei ihrer Betreuung mildern helfen.
Immer mehr Menschen benötigen neben medizinischer Betreuung regelmäßige Pflege und Fürsorge, für die sie selbst oder ihre Angehörigen finanziell nicht aufkommen können. Und selbst wer den Dienst an den Pflegebedürftigen zahlen kann, hat es schwer, entsprechendes Personal für das Betten, Kochen, Einkaufen und Vorlesen aus Zeitungen oder Büchern zu finden. Das Bundeskabinett will deshalb noch vor Ende des Jahres Möglichkeiten schaffen, um etwa ab Februar 2002 den Anwerbestopp für Ausländer, die sich nach den Vorstellungen der Ministerialen für hauswirtschaftliche Tätigkeiten mit Betreuungsaspekten in Deutschland interessieren, aufzuheben. Wer demnach in seiner Familie einen anerkannten Pflegefall hat, kann sich dann einfach an das Arbeitsamt wenden, das dann Pflegekräfte aus den genannten Ländern zu vermitteln vermag. Drei Jahre lang sollen die Helfer der deutschen Altengesellschaft Aufenthalts- und Arbeitsrecht bekommen, wenn sie in privaten Haushalten für Pflegedienste sozialversicherungspflichtig angestellt werden.
Die Absicht ist eigentlich frappierend, führt eine solche Regelung doch auf geradezu ideale Weise Angebot und Nachfrage zusammen. Die Arbeitsämter haben bereits rege Kontakte nach Osteuropa aufgenommen, verlautet aus dem Arbeitsministerium. Die Legalisierung der Jobs biete insbesondere jungen Osteuropäern, die sich im Sozialbereich fortbilden und die deutsche Sprache besser erlernen wollen, große Chancen. Angeblich ist auch die größte Zahl der deutschen Pflegedienste mit der Absicht des Ministeriums einverstanden. Zustimmung kommt vor allen aus Baden-Württemberg und Bayern, von wo vielfach über Anzeigen um Personal geworben werde. Wie zu hören war, will man dort sogar seitens verschiedener Träger Prämien dafür zahlen, wenn Pflegepersonal neue Kollegen anwirbt. Der Wunsch in jenen Bundesländern geht sogar soweit, auch Pflegeheimen und privaten Pflegeunternehmen im ambulanten Dienst die Möglichkeit zu eröffnen, derartige Hilfskräfte selbst anzuwerben, um aus der Personalmisere herauszukommen. Und nicht einmal der deutsche Gewerkschaftsbund soll dem Zuzug aus Osteuropa ablehnend gegenüber stehen.
Trotz aller angeblich allseitiger Zustimmung gibt es in Fachkreisen Vorbehalte. Dazu sei auf einen Beitrag im Nordhäuser Kreisanzeiger in seiner Ausgabe 51/01 hingewiesen, in dem die Direktorin der pro vita Akademie in Nordhausen, Uta Triebel, erhebliche Bedenken gegen eine solche Entwicklung äußert. nnz wird diese Entwicklung aufmerksam verfolgen und verweist zunächst auf den vorgesehenen Beitrag über die Problematik der Greencard-Inhaber im IT-Bereich.

