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Do, 11:45 Uhr
27.12.2001

Oberbürgermeistern sagt Danke

Nordhausen (nnz). Mit einem Grußwort und gleichzeitig einem kleinen Rückblick auf das Jahr 2001 bedankt sich Oberbürgermeisterin Barbara Rinke jetzt für das Engagement aller Nordhäuser.


Liebe Nordhäuserinnen und Nordhäuser,

in wenigen Tagen beginnt das Neue Jahr - jetzt ist Zeit für Bilanz und Ausblick - jetzt ist aber auch Gelegenheit, Danke zu sagen: Danke insbesondere Ihnen, die Sie sich in und für Nordhausen engagiert haben, in und für Nordhausen gearbeitet haben, in und für Nordhausen gestritten und die Entwicklung kritisch begleitet und damit auch oft vorangetrieben haben.

2001 war nicht das Jahr der guten Nachrichten. Zwei Erfahrungen, welche die Sicherheit der Menschen weitgehend erschüttert haben, sollen am Anfang stehen, weil sie die Grenzen der Interpretationsfähigkeit der Würde des Lebens eindeutig überschritten haben. Ich rufe zum einen die Erfahrungen mit der BSE-Krise und der Maul- und Klauenseuche ins Gedächtnis zurück. Nicht nur Landwirte und Verbraucher wurden aufgeschreckt, sondern es bleibt eine offene Frage an die Form unserer Lebensführung auch über das Jahr 2001 hinaus, auf die wir Antworten finden müssen.

Zum zweiten denke ich noch immer an die zerstörten Türme des World-Trade-Centers und all die Folgen. Hier wurde die Verletzlichkeit und Verwundbarkeit unseres westlichen und globalen Lebensstils deutlich. Eine auf den großen Freiheiten des Marktes, des Reiseverkehrs oder der Information basierenden Wirtschaftsordnung braucht ein Korrektiv in Solidarität und Gerechtigkeit. Klar geworden ist auch: Terror zerstört alle politischen Gestaltungskräfte.

Wie auf alle diese Erfahrungen reagieren? Mit Stärke ohne Umkehr oder mit dem Versuch einer globalen Verständigung über ein konsensfähiges Menschenbild, das eine der Praxis der Menschenwürde entsprechende Lebensweise zur Folge hat? Eine Herausforderung ist abgesteckt. Christen und Juden, Anhänger des Islam und anderer Religionen sowie Menschen, die aus der französischen humanistischen Tradition der Aufklärung ihre Orientierung nehmen, müssen einen Dialogprozess um das ethisch Verbindende in der Gesellschaft in Gang bringen.

Aber natürlich gab es auch die Bilder von den guten Ereignissen: Der ehemalige jugoslawische Präsident und Kriegsverbrecher Slobodan Milosevic steht seinen Richtern gegenüber, die Aktenkisten für den Verbotsantrag der NPD rollen in das Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe, Frauen in Kabul legen nach dem Abzug der Taliban ihre Burka ab und sitzen mit am Verhandlungstisch.

Wenn auch in der Wirkkraft zwar nicht weltbewegend, aber durch die Ereignisse in der Welt bewegt, so hat selbstverständlich Auf und Ab das Jahr 2001 auch in Nordhausen geprägt.

Die beste Nachricht zuerst: 40 Kinder mehr als im Vorjahr sind in Nordhausen zur Welt gekommen ­ ein positiver Trend aus den vergangenen Jahren hat sich fortgesetzt. Das ist Ansporn, für die Zukunft dieser Kinder im Jahre 2002 das Beste zu wollen und zu tun. Deshalb sind wir auch über die Sicherung des Kalkberges in der Rüdigsdorfer Schweiz vor dem Gipsabbau besonders froh: Den kommenden Generationen eine intakte Natur zu hinterlassen, ist für uns eine wichtige Verpflichtung.

Das Jahr 2001 brachte für uns als Bürger und für unsere Stadt im wörtlichen Sinne viel Neues: Im März die Eröffnung unseres neuen Badehauses, im Sommer die Freigabe des neuen Bahnhofsplatzes, die Übergabe des neu sanierten Torhäuschens in der Georgengasse und des neuen Bebel-Platzes. Über die neue „Brücke der Einheit“ rollt seit Mai der Verkehr, die Innenstadt ist geprägt von einem neuem Altenheim und nun auch vom sanierten Neuen Rathaus als einer Art städtischem „Behördenzentrum“, das die Nordhäuser zum „Tag der offenen Tür“ in Besitz genommen haben. Vor kurzem haben wir den ersten Spatenstich gesetzt für den Gleisschluss zwischen unserer Straßenbahn und der Harzquerbahn ­ positive Effekte für den Tourismus aber auch für die Zusammenarbeit zwischen Nordhausen und seinen Nachbargemeinden werden sich einstellen, wenn es mit der Straßenbahn ohne Umsteigen vom Krankenhaus bis in den Harz geht.

Die Leimbacher können sich über einen neuen Sportplatz freuen, die Steigerthaler über einen neuen Spielplatz, die Krimderöder über die neue Freiheitsstraße und alle Nordhäuser und Menschen der Region über das weichere Wasser aus der neuen Talsperre.

In der neueröffneten Galerie „Flohburg“ in unserer Altstadt können Sie - dank der Unterstützung von Frau Ilsetraut Glock-Grabe und ihrer Stiftung ­ Originale von Barlach, Beuys, Hogarth und anderen Künstlern sehen. Neu ist auch die „Impulse“- Vortragsreihe, die Fachhochschule und Stadt Nordhausen ins Leben gerufen haben. Namhafte Vertreter des öffentlichen Lebens werden über aktuelle Trends und Entwicklungen berichten.

Ich hatte gesagt: Das Jahr 2001 brachte viel Neues für die Stadt ­ das war nie so offensichtlich wie in diesen Tagen: Die Stadt gleicht einer offenen Wunde, viele Menschen empfinden angesichts der aufgerissenen Straßen und Plätze Schmerzen. Aber: Nordhausen befindet sich mitten in einer Schönheitsoperation. Die Wunden werden 2004 ­ dem Jahr, in dem unsere Stadt die Landesgartenschau ausrichtet ­, verheilt sein. Das Resultat ist ein unverwechselbar schönes, vorzeigbares Stadt-Gesicht; eine Stadt, die endlich ein Zentrum haben wird, eine Stadt, in der es Spaß macht zu leben, die man gerne seinen Gästen zeigt, die Besucher anlocken wird. Und: Nach dieser Operation wird es über viele Jahre keine großen Eingriffe mehr geben müssen.

In diesen Prozess der Stadtentwicklung, der gekoppelt ist an die Vorbereitungen zur Landesgartenschau, haben wir die besten Experten eng eingebunden: Sie, die Bürger von Nordhausen. Allein in diesem Jahr hat es 10 „Nordhäuser Stadtgespräche“ zu den unterschiedlichen Einzelprojekten gegeben. Viele hundert Menschen haben dabei Rechenschaft gefordert, wollten aufgeklärt sein, haben ihre Vorschläge und Kritiken eingebracht; haben aber auch ­ und darüber freuen wir uns besonders ­ viel Lob und Engagement für die Umgestaltung ihrer Stadt gezeigt.

Für viele Menschen ist diese Stadt Heimat ­ ein Ort, in dem man gerne lebt, in dessen Straßen, Parks und Wäldern man spazieren geht, in dem die Freunde um die Ecke wohnen ­ ein Ort, in dem man seine Wurzeln hat. Diese Wurzeln werden auch jetzt, wo Europa größer wird, und viele Entscheidungen an fernen Orten fallen, nicht abgeschnitten. Im Gegenteil: Sie gewinnen an Bedeutung, wie damit die Stadt für die Bürger an Bedeutung gewinnt. Deshalb dürfen Sie bei den Entscheidungen für Ihre Stadt nicht abseits stehen.

Mit dem größeren Europa kam für uns auch das neue Geld, der Euro ­ viele haben Skepsis herbeigeredet. Ich denke und hoffe, dass die D-Mark nicht das ausschließliche Identifikationsobjekt mit unserem Land war, sondern zum Beispiel auch Goethe und Schiller, Thomas und Heinrich Mann - ja, auch unsere freiheitliche Verfassung, die beispielgebend ist.

Liebe Nordhäuserinnen und Nordhäuser: Ich bitte Sie, auch im Jahr 2002 unsere Arbeit zu begleiten: Mischen Sie sich ein ­ nicht nur bei der baulichen Gestaltung unserer Stadt! Wir wollen in den nächsten 12 Monaten zu einem neuen Selbstverständnis hinsichtlich unseres Theaters finden, wir wollen mit einer neuen Museumskonzeption die Geschichte und Kultur unserer Stadt noch erlebbarer machen. Das ist besonders wichtig in dem Jahr, in dem die Stadt ihr 1075jähriges, das Meyenburg-Museum das 75. und unsere Stadtbibliothek das 125. Jubiläum feiert. Und noch ein Jubiläum steht an, das wir groß und würdig feiern möchten: 10 Jahre Partnerschaft mit Bet Shemesh in Israel ­ auch hier freuen wir uns über Ihre Ideen.

Die größte Herausforderung für 2002 bleibt wie in den Vorjahren: Neue Arbeitsplätze schaffen und erhalten durch die Ansiedlung neuer und die Pflege vorhandener Unternehmen. Ein wichtiges Projekt ist dabei das geplante Industriegebiet in unserer Stadt. Wir wollen endlich die Nachfrage der Firmen nach geeigneten Flächen nahe der Autobahn positiv beantworten können.

Ein weiteres wichtiges Vorhaben für das neue Jahr ist die Sanierung unserer Schulen. Nach einem Gerichtsentscheid erwartet die Stadt vom Landkreis rund 2 Millionen Euro zurück. Das Geld kommt denen zugute, denen es durch überhöhte Forderungen vorenthalten bleiben musste: Unseren Kindern, deren bestes Rüstzeug für die Zukunft eine qualifizierte Bildung ist, für die wir Sorge tragen werden.

Ich wünsche Ihnen ein friedliches und in jeder Hinsicht erfolgreiches Jahr 2002.
Ihre Barbara Rinke, Oberbürgermeisterin
Autor: nnz

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