Fr, 09:42 Uhr
21.12.2001
nnz-Rückspiegel: 21. Dezember 2000
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr im Landkreis Nordhausen los war? Die nnz hat im Archiv gesucht und folgende Meldungen gefunden.
Hick-Hack bei der Vergabe für Betreibung der Unterkunft für Spätaussiedler
Derzeit herrscht einige Unsicherheit hinsichtlich des Umzugs der Spätaussiedler von Niedersalza an einen anderen Standort in Nordhausen (nnz berichtete). Fakt ist, daß der Vertrag mit dem Betreiber der Unterkunft für Spätaussiedler, dem Jugendsozialwerk, nach Thüringer Gesetzlichkeiten fristgemäß gekündigt wurde. Nun aber soll das Ausschreibungsverfahren plötzlich noch nicht abgeschlossen sein. Zu Beginn dieser Woche hieß es, daß der Vertrag mit einem neuen Betreiber bereits unter Dach und Fach sei.
Aus allen Fraktionen des Kreistages wird auf Nachfrage Verärgerung über die Vergabepraktiken deutlich. Es könne nicht sein, daß über rund 100 Menschen nur nach finanziellen Aspekten entschieden werde. Es gehe um Menschen, deren soziale Integration und ihre Zukunft in einem neuen, für viele Menschen fremden Land, so ein CDU-Kreistagsmitglied. Aus SPD-Kreisen hieß es, daß der Standort Niedersalza ein glücklicher Umstand sei, unabhängig vom Betreiber. Die Aussiedler seien dort voll integriert worden, die Teilnahme an gemeinsamen Wohngebietsfesten sei dabei nur eine Facette dieses nicht immer einfachen Prozesses.
Die Kritik vieler Abgeordneter richtet sich gegen die derzeit betriebene Vergabepraktik. Einst sei der Vergabeausschuß ein Unterausschuß des Wirtschaftsausschusses im Kreistag gewesen. Aus dem Ausschuß wurde eine Kommission, die mit fünf Kreistagsmitgliedern, zwei politischen Akteuren der Kreisverwaltung und weiteren drei Vertretern der Verwaltung besetzt war. Inzwischen sind die beiden politisch handelnden Personen durch pure Verwalter ersetzt worden. Nicht immer können die Kreistagsmitglieder alle Termine wahrnehmen, so passiert es, daß Ausschußsitzungen mit einer Verwaltungsmehrheit durchgeführt werden. So auch die, bei der die erneute Vergabe der Betreibung der Unterkunft für Spätaussiedler zur Diskussion stand. Fünf zu vier für die Verwalter stand es da und der Politik war jede Entscheidung genommen. Wohl gemerkt, in dieser Sache geht es um die Zukunft von Menschen in unserer Gesellschaft. Sollte der neue Standort nun der Strohmühlenweg werden, dann sollten sich interessierte Nordhäuser vielleicht nicht nur das Wohnumfeld schlechthin, sondern vor allem den Zustand der Wohnungen selbst genauer ansehen.
Nach nnz-Informationen soll die Betreibergesellschaft aus Sottrum schon einmal großes Interesse an einer Unterkunft in Ellrich gehabt haben. Das konnte damals abgewendet werden, das DRK betreibt seitdem das Asylbewerberheim in der Südharzstadt. Welche Gründe (außer den Finanzen) damals gegen die Sottrumer Gesellschaft gesprochen hatten, war nicht zu erfahren. Von Interesse wäre es allemal.
Diakonie brachte Hilfsgüter von Nordhausen nach Rumänien
Vom 15. Bis 17. Dezember begleiteten Vertreter der Nordhäuser Diakonie einen Hilfstransport der Organisation nach Rumänien. Ziel war Siebenbürgen. In den Orten Medias und Motis werden verschiedene Projekte bereits über einen längeren Zeitraum unterstützt, darunter auch eine Sozialstation und die evangelische Gemeinde.
Mit auf die Reise nach Südoststeuropa gingen unter anderem eine Ausrüstung für eine Tischlerwerkstatt sowie Pflegematerial für die dortige Sozialstation. Dazu gehörten zum Beispiel Blutzuckermeßgeräte und Medikamente für chronisch Kranke. Zu bemerken ist, daß die normale Zuzahlung für ein Medikament in Rumänien höher ist, als ein durchschnittlicher Monatsverdienst.
Mit auf die Reise gingen auch über 100 Kilogramm Naschereien. Diese stammen von einer Aktion der Landewelle Thüringen. Die Süßigkeiten wurden in der Südharz-Galerie in einer spektakulären Aktion gegen die beiden Moderatoren Inka Gluschke und Jörn Bastian aufgewogen. 180 Kilogramm Süßtafeln, Waffeln oder Negerküsse konnten damals die Kinder einer Einrichtung des Jugendsozialwerkes in Wülfingerode mit nach Hause nehmen. Den größten Teil stellten die Wülfingeröder dem Hilfstransport nach Rumänien zur Verfügung.
Funkelndes Fahrrad als Geschenk für jungen Künstler
Für Christian Esther war heute schon Weihnachten. Nicht der Weihnachtsmann, sondern Vertreter der Nordhäuser Stadtwerke überreichten dem Schüler der Grundschule Am Salzagraben ein neues Fahrrad. Das blitzende Gefährt ist die Anerkennung für sein Bild Farben der Natur, das ab sofort das Titelblatt des neuen Abfallkalenders der Stadtwerke ziert. Der Kalender wird bis zum Jahresende an die Haushalte verteilt, deren Abfall von den Stadtwerken entsorgt wird. Die Abfallfibel ist für die kommenden zwei Jahre gültig. Sie gibt Auskunft über die Entsorgungstermine von Rest- und Bioabfall sowie Wertstoffe, außerdem sind einige Veränderungen der Entsorgungstage enthalten.
Weihnachtsoratorium am Abend in der St. Blasii-Kirche
Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach ist in Nordhausen bereits zur Tradition geworden. Am heutigen Abend werden in der Blasii-Kirche die ersten drei Kantaten des Oratoriums aufgeführt. Wer Weihnachten mit dem Weihnachtsoratorium kennt, der möchte es auch nicht mehr anders erleben, als daß er in den Tagen zuvor die strahlende Musik mit Pauken und Trompeten ebenso wie mit ihren zarten und innigen Passagen in sich aufnimmt und daraus Beglückung und Kraft schöpft, beschreibt Kirchenmusiker Eckhard Bürger die Faszination des Bach-Werkes gegenüber nnz.
Ab 20 Uhr singen Dorothea Gotthelf (Sopran), Elisabeth Baumgarten (Alt), Martin Krumbiegel (Tenor) und Kai-Uwe Fahnert (Baß). Die Nordhäuser Kantorei wird begleitet vom Mitteldeutschen Kammerorchester.
Zoff am Theater: Verwaltungsdirektor drohte GMD Stangel mit Polizei und Kündigung
Das Theater am Nordhäuser Theater geht in eine neue Runde. Gestern soll der Verwaltungschef des Nordhäuser Theaters, Marc-Oliver Hendrixs, nach nnz-Informationen versucht haben, Generalmusikdirektor Peter Stangel mit Polizeigewalt von einer Probe entfernen zu lassen. Weiterhin wurde Stangel mit fristloser Kündigung gedroht. Noch am heutigen Nachmittag war im Theater folgender Aushang zu lesen: Am 20. Dezember 2000 wurde der GMD Herr Stangel mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von seinen dienstlichen Pflichten entbunden. Die Vorstellung ‘Orpheus in der Unterwelt‘ am heutigen Abend wird Herr Liebmann dirigieren. Die Dirigenten der Opergala und des Neujahrskonzertes werden noch bekanntgegeben. Über das weitere Geschehen werden wir Sie beizeiten im Rahmen einer Vollversammlung unterrichten. Unterzeichnet wurde der Aushang von Intendantin Dr. Monika Pirklbauer, Verwaltungsdirektor Marc-Oliver Hendriks und Angela Kalms.
Heute vormittag erfuhren einige Mitglieder des Aufsichtsrates der Theater GmbH von diesen Vorgängen, auch Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wahlbuhl (SPD). Daraufhin gab es mehrere Gespräche im Rathaus. Am Nachmittag sollte um 14.30 Uhr eine Pressekonferenz im Theater stattfinden. Die wurde durch die Intendanz abgesagt. Zur gleichen Zeit saßen Pirklbauer und Hendriks bei Wahlbuhl. Ergebnis dieser Sitzung: Der zweite Termin für eine Pressekonferenz um 18.00 Uhr wurde ebenfalls abgesagt, diesmal auf Weisung. Funkstille sowohl im Rathaus als auch im Theater.
Was war geschehen: Peter Stangel, ein junger und durchaus auch streitbarer Generalmusikdirektor hat dem Loh-Orchester nicht nur neuen Schwung verliehen, er hat sich vor allem bei der Leitung des Hauses unbeliebt gemacht (nnz berichtete unter anderem über einst angebotene 200.000 Mark Abfindung). Die jedoch lehnte Stangel ab. Ich will nicht ausgezahlt werden, ich will hier in Nordhausen was bewegen und vor allem dirigieren, so sein damaliges Statement. Und so wurden ihm immer wieder kleine und auch manchmal größere Brocken in den Weg geworfen. So auch im Vorfeld auf die Proben zur Operngala in Sondershausen. Da sollen nach nnz-Informationen die Noten von einzelnen Stücken noch nicht vorgelegen haben. Vielleicht eckte da Stangel bei der verantwortlichen Dramaturgin an, im Theater kann man es sich nicht so richtig erklären. Erklärungsbedarf, vor allem in arbeitsrechtlicher Hinsicht liegt hingegen bei einer Abmahnung vor, die auf den 19.12.00 datiert ist. Deren Inhalt wiederzugeben bedeute schlichtweg Platz zu vergeuden, auch im Internet. Selbst Mitglieder des Betriebsrates schütteln hier ihre Köpfe.
Die Eskalation dann bei der Probe in Sondershausen. Stangel wurde das Dirigieren untersagt, Verwaltungsdirektor Hendriks drohte mit der Polizei, doch sowohl Stangel als auch das Orchester wollten weitermachen. Diesem Ansinnen standen jedoch Hendriks und Pirklbauer im Wege und sie sprachen von einer Dienstverweigerung. Falls das alles unverständlich ist: Den Musikern wurde das weitere Arbeiten als Dienstverweigerung unterstellt.
Dann die Aufforderung zu einer Anhörung wegen fristloser Kündigung und Entsetzen nicht nur bei Orchester und Chor. Peter Stangel war einst in Nordhausen angetreten, um Musik zu machen, 30 Prozent Zuschauerzuwachs bei Konzerten sprechen für sich bzw. für seine Arbeit. Hinter vorgehaltener Hand wird am Theater schon lange von Mobbing gegen Stangel gesprochen, bekannt sind die Vorgänge auch den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat. Reagiert wurde jedoch bislang nicht. Unter diesem Mantel der Verschwiegenheit weht nicht nur ein laues Lüftchen, dann ist ein kleiner Tornado im Entstehen. Und der kann im Nordhäuser Theater eine furchtbare Schneise hinterlassen. Für die kommenden Tage wurde nach nnz-Informationen ein Burgfrieden vereinbart. Aufgrund der Turbulenzen wird Peter Stangel die heutige Aufführung von Orpheus in der Unterwelt nicht dirigieren. Alle anderen Aufgaben wird der 36-jährige Generalmusikdirektor jedoch weiter erledigen, so wie es vertraglich vereinbart ist.
Die Leiche des 12-jährigen Markus Heinrich wurde am Vormittag gefunden
Markus Heinrich ist tot. Die Nordhäuser Polizei hat die Leiche des zwölf Jahre alten Jungen kurz nach 10.00 Uhr an den Bahngleisen zwischen Niedergebra und Bleicherode gefunden. Nach ersten Erkenntnissen soll der Junge von einem Zug überrollt worden sein. Darauf deuten die Umstände des Fundortes hin. Die Betroffenheit war allen am Einsatz beteiligten Beamten anzumerken. Tagelang hatten sie nach dem Jungen, der am 7. Dezember aus seinem Elternhaus verschwand, gesucht. Dabei kamen auch Hunde und ein Polizeihubschrauber mit Infrarotkamera zum Einsatz. Heute noch sollte die Suche über den gesamten Tag fortgesetzt werden. Am späten Nachmittag wollten Beamte an der B 80 Handzettel an Kraftfahrer verteilen.
Da die Polizei seit einigen Tagen auch mit dem schlimmsten rechnen mußte, wurden heute spezialisierte Leichensuchhunde eingesetzt. Diese fanden um 10.12 Uhr die Leiche des Jungen. Wann der Junge von einem Zug überrollt wurde, soll eine gerichtsmedizinische Untersuchung klären.
Autor: nnzHick-Hack bei der Vergabe für Betreibung der Unterkunft für Spätaussiedler
Derzeit herrscht einige Unsicherheit hinsichtlich des Umzugs der Spätaussiedler von Niedersalza an einen anderen Standort in Nordhausen (nnz berichtete). Fakt ist, daß der Vertrag mit dem Betreiber der Unterkunft für Spätaussiedler, dem Jugendsozialwerk, nach Thüringer Gesetzlichkeiten fristgemäß gekündigt wurde. Nun aber soll das Ausschreibungsverfahren plötzlich noch nicht abgeschlossen sein. Zu Beginn dieser Woche hieß es, daß der Vertrag mit einem neuen Betreiber bereits unter Dach und Fach sei.
Aus allen Fraktionen des Kreistages wird auf Nachfrage Verärgerung über die Vergabepraktiken deutlich. Es könne nicht sein, daß über rund 100 Menschen nur nach finanziellen Aspekten entschieden werde. Es gehe um Menschen, deren soziale Integration und ihre Zukunft in einem neuen, für viele Menschen fremden Land, so ein CDU-Kreistagsmitglied. Aus SPD-Kreisen hieß es, daß der Standort Niedersalza ein glücklicher Umstand sei, unabhängig vom Betreiber. Die Aussiedler seien dort voll integriert worden, die Teilnahme an gemeinsamen Wohngebietsfesten sei dabei nur eine Facette dieses nicht immer einfachen Prozesses.
Die Kritik vieler Abgeordneter richtet sich gegen die derzeit betriebene Vergabepraktik. Einst sei der Vergabeausschuß ein Unterausschuß des Wirtschaftsausschusses im Kreistag gewesen. Aus dem Ausschuß wurde eine Kommission, die mit fünf Kreistagsmitgliedern, zwei politischen Akteuren der Kreisverwaltung und weiteren drei Vertretern der Verwaltung besetzt war. Inzwischen sind die beiden politisch handelnden Personen durch pure Verwalter ersetzt worden. Nicht immer können die Kreistagsmitglieder alle Termine wahrnehmen, so passiert es, daß Ausschußsitzungen mit einer Verwaltungsmehrheit durchgeführt werden. So auch die, bei der die erneute Vergabe der Betreibung der Unterkunft für Spätaussiedler zur Diskussion stand. Fünf zu vier für die Verwalter stand es da und der Politik war jede Entscheidung genommen. Wohl gemerkt, in dieser Sache geht es um die Zukunft von Menschen in unserer Gesellschaft. Sollte der neue Standort nun der Strohmühlenweg werden, dann sollten sich interessierte Nordhäuser vielleicht nicht nur das Wohnumfeld schlechthin, sondern vor allem den Zustand der Wohnungen selbst genauer ansehen.
Nach nnz-Informationen soll die Betreibergesellschaft aus Sottrum schon einmal großes Interesse an einer Unterkunft in Ellrich gehabt haben. Das konnte damals abgewendet werden, das DRK betreibt seitdem das Asylbewerberheim in der Südharzstadt. Welche Gründe (außer den Finanzen) damals gegen die Sottrumer Gesellschaft gesprochen hatten, war nicht zu erfahren. Von Interesse wäre es allemal.
Diakonie brachte Hilfsgüter von Nordhausen nach Rumänien
Vom 15. Bis 17. Dezember begleiteten Vertreter der Nordhäuser Diakonie einen Hilfstransport der Organisation nach Rumänien. Ziel war Siebenbürgen. In den Orten Medias und Motis werden verschiedene Projekte bereits über einen längeren Zeitraum unterstützt, darunter auch eine Sozialstation und die evangelische Gemeinde.
Mit auf die Reise nach Südoststeuropa gingen unter anderem eine Ausrüstung für eine Tischlerwerkstatt sowie Pflegematerial für die dortige Sozialstation. Dazu gehörten zum Beispiel Blutzuckermeßgeräte und Medikamente für chronisch Kranke. Zu bemerken ist, daß die normale Zuzahlung für ein Medikament in Rumänien höher ist, als ein durchschnittlicher Monatsverdienst.
Mit auf die Reise gingen auch über 100 Kilogramm Naschereien. Diese stammen von einer Aktion der Landewelle Thüringen. Die Süßigkeiten wurden in der Südharz-Galerie in einer spektakulären Aktion gegen die beiden Moderatoren Inka Gluschke und Jörn Bastian aufgewogen. 180 Kilogramm Süßtafeln, Waffeln oder Negerküsse konnten damals die Kinder einer Einrichtung des Jugendsozialwerkes in Wülfingerode mit nach Hause nehmen. Den größten Teil stellten die Wülfingeröder dem Hilfstransport nach Rumänien zur Verfügung.
Funkelndes Fahrrad als Geschenk für jungen Künstler
Für Christian Esther war heute schon Weihnachten. Nicht der Weihnachtsmann, sondern Vertreter der Nordhäuser Stadtwerke überreichten dem Schüler der Grundschule Am Salzagraben ein neues Fahrrad. Das blitzende Gefährt ist die Anerkennung für sein Bild Farben der Natur, das ab sofort das Titelblatt des neuen Abfallkalenders der Stadtwerke ziert. Der Kalender wird bis zum Jahresende an die Haushalte verteilt, deren Abfall von den Stadtwerken entsorgt wird. Die Abfallfibel ist für die kommenden zwei Jahre gültig. Sie gibt Auskunft über die Entsorgungstermine von Rest- und Bioabfall sowie Wertstoffe, außerdem sind einige Veränderungen der Entsorgungstage enthalten.
Weihnachtsoratorium am Abend in der St. Blasii-Kirche
Die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach ist in Nordhausen bereits zur Tradition geworden. Am heutigen Abend werden in der Blasii-Kirche die ersten drei Kantaten des Oratoriums aufgeführt. Wer Weihnachten mit dem Weihnachtsoratorium kennt, der möchte es auch nicht mehr anders erleben, als daß er in den Tagen zuvor die strahlende Musik mit Pauken und Trompeten ebenso wie mit ihren zarten und innigen Passagen in sich aufnimmt und daraus Beglückung und Kraft schöpft, beschreibt Kirchenmusiker Eckhard Bürger die Faszination des Bach-Werkes gegenüber nnz.
Ab 20 Uhr singen Dorothea Gotthelf (Sopran), Elisabeth Baumgarten (Alt), Martin Krumbiegel (Tenor) und Kai-Uwe Fahnert (Baß). Die Nordhäuser Kantorei wird begleitet vom Mitteldeutschen Kammerorchester.
Zoff am Theater: Verwaltungsdirektor drohte GMD Stangel mit Polizei und Kündigung
Das Theater am Nordhäuser Theater geht in eine neue Runde. Gestern soll der Verwaltungschef des Nordhäuser Theaters, Marc-Oliver Hendrixs, nach nnz-Informationen versucht haben, Generalmusikdirektor Peter Stangel mit Polizeigewalt von einer Probe entfernen zu lassen. Weiterhin wurde Stangel mit fristloser Kündigung gedroht. Noch am heutigen Nachmittag war im Theater folgender Aushang zu lesen: Am 20. Dezember 2000 wurde der GMD Herr Stangel mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von seinen dienstlichen Pflichten entbunden. Die Vorstellung ‘Orpheus in der Unterwelt‘ am heutigen Abend wird Herr Liebmann dirigieren. Die Dirigenten der Opergala und des Neujahrskonzertes werden noch bekanntgegeben. Über das weitere Geschehen werden wir Sie beizeiten im Rahmen einer Vollversammlung unterrichten. Unterzeichnet wurde der Aushang von Intendantin Dr. Monika Pirklbauer, Verwaltungsdirektor Marc-Oliver Hendriks und Angela Kalms.
Heute vormittag erfuhren einige Mitglieder des Aufsichtsrates der Theater GmbH von diesen Vorgängen, auch Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Wahlbuhl (SPD). Daraufhin gab es mehrere Gespräche im Rathaus. Am Nachmittag sollte um 14.30 Uhr eine Pressekonferenz im Theater stattfinden. Die wurde durch die Intendanz abgesagt. Zur gleichen Zeit saßen Pirklbauer und Hendriks bei Wahlbuhl. Ergebnis dieser Sitzung: Der zweite Termin für eine Pressekonferenz um 18.00 Uhr wurde ebenfalls abgesagt, diesmal auf Weisung. Funkstille sowohl im Rathaus als auch im Theater.
Was war geschehen: Peter Stangel, ein junger und durchaus auch streitbarer Generalmusikdirektor hat dem Loh-Orchester nicht nur neuen Schwung verliehen, er hat sich vor allem bei der Leitung des Hauses unbeliebt gemacht (nnz berichtete unter anderem über einst angebotene 200.000 Mark Abfindung). Die jedoch lehnte Stangel ab. Ich will nicht ausgezahlt werden, ich will hier in Nordhausen was bewegen und vor allem dirigieren, so sein damaliges Statement. Und so wurden ihm immer wieder kleine und auch manchmal größere Brocken in den Weg geworfen. So auch im Vorfeld auf die Proben zur Operngala in Sondershausen. Da sollen nach nnz-Informationen die Noten von einzelnen Stücken noch nicht vorgelegen haben. Vielleicht eckte da Stangel bei der verantwortlichen Dramaturgin an, im Theater kann man es sich nicht so richtig erklären. Erklärungsbedarf, vor allem in arbeitsrechtlicher Hinsicht liegt hingegen bei einer Abmahnung vor, die auf den 19.12.00 datiert ist. Deren Inhalt wiederzugeben bedeute schlichtweg Platz zu vergeuden, auch im Internet. Selbst Mitglieder des Betriebsrates schütteln hier ihre Köpfe.
Die Eskalation dann bei der Probe in Sondershausen. Stangel wurde das Dirigieren untersagt, Verwaltungsdirektor Hendriks drohte mit der Polizei, doch sowohl Stangel als auch das Orchester wollten weitermachen. Diesem Ansinnen standen jedoch Hendriks und Pirklbauer im Wege und sie sprachen von einer Dienstverweigerung. Falls das alles unverständlich ist: Den Musikern wurde das weitere Arbeiten als Dienstverweigerung unterstellt.
Dann die Aufforderung zu einer Anhörung wegen fristloser Kündigung und Entsetzen nicht nur bei Orchester und Chor. Peter Stangel war einst in Nordhausen angetreten, um Musik zu machen, 30 Prozent Zuschauerzuwachs bei Konzerten sprechen für sich bzw. für seine Arbeit. Hinter vorgehaltener Hand wird am Theater schon lange von Mobbing gegen Stangel gesprochen, bekannt sind die Vorgänge auch den Gesellschaftern und dem Aufsichtsrat. Reagiert wurde jedoch bislang nicht. Unter diesem Mantel der Verschwiegenheit weht nicht nur ein laues Lüftchen, dann ist ein kleiner Tornado im Entstehen. Und der kann im Nordhäuser Theater eine furchtbare Schneise hinterlassen. Für die kommenden Tage wurde nach nnz-Informationen ein Burgfrieden vereinbart. Aufgrund der Turbulenzen wird Peter Stangel die heutige Aufführung von Orpheus in der Unterwelt nicht dirigieren. Alle anderen Aufgaben wird der 36-jährige Generalmusikdirektor jedoch weiter erledigen, so wie es vertraglich vereinbart ist.
Die Leiche des 12-jährigen Markus Heinrich wurde am Vormittag gefunden
Markus Heinrich ist tot. Die Nordhäuser Polizei hat die Leiche des zwölf Jahre alten Jungen kurz nach 10.00 Uhr an den Bahngleisen zwischen Niedergebra und Bleicherode gefunden. Nach ersten Erkenntnissen soll der Junge von einem Zug überrollt worden sein. Darauf deuten die Umstände des Fundortes hin. Die Betroffenheit war allen am Einsatz beteiligten Beamten anzumerken. Tagelang hatten sie nach dem Jungen, der am 7. Dezember aus seinem Elternhaus verschwand, gesucht. Dabei kamen auch Hunde und ein Polizeihubschrauber mit Infrarotkamera zum Einsatz. Heute noch sollte die Suche über den gesamten Tag fortgesetzt werden. Am späten Nachmittag wollten Beamte an der B 80 Handzettel an Kraftfahrer verteilen.
Da die Polizei seit einigen Tagen auch mit dem schlimmsten rechnen mußte, wurden heute spezialisierte Leichensuchhunde eingesetzt. Diese fanden um 10.12 Uhr die Leiche des Jungen. Wann der Junge von einem Zug überrollt wurde, soll eine gerichtsmedizinische Untersuchung klären.

